Die Ergo Group Aktiengesellschaft (eigene Schreibweise ERGO) ist ein international tätiger Versicherungskonzern mit Sitz in Düsseldorf, der insgesamt rund 28.000 angestellte Mitarbeiter beschäftigt. Hinzu kommen rund 8.900 selbstständige Vertreter. Ergo gehört zur Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München (Munich Re). Im Geschäftsbericht 2024 verzeichnete die Ergo Group einen Umsatz aus abgeschlossenen Versicherungsverträgen in Höhe von rund 20,8 Milliarden Euro. Geschichte Die Ergo Versicherungsgruppe (seit 2016 Ergo Group) entstand 1997/1998 durch den Zusammenschluss der beiden großen deutschen Versicherungskonzerne Victoria Holding und Hamburg-Mannheimer Holding. Dabei verschmolz die Victoria in der Hamburg-Mannheimer, die zuvor in Ergo Versicherungsgruppe AG umfirmiert wurde. Eine bedeutende Rolle spielte die Münchener Rück als Mehrheitseignerin der Hamburg-Mannheimer und als Minderheitseignerin der Victoria-Gruppe. Die Münchener Rück brachte zwei weitere Versicherungsunternehmen in den Konzern ein, an denen sie die Mehrheiten besaß: die DKV Deutsche Krankenversicherung bereits 1997 und die ERV Europäische Reiseversicherung im Jahr 2009.
1853 bis 1997: Victoria-Konzern mini|Victoria-Gebäude in Berlin um 1900 Stammunternehmen des Victoria-Konzerns war die 1853 in Berlin gegründete Allgemeine Eisenbahn-Versicherungs-Gesellschaft, die zunächst Transport-, Lebens-, Unfall- und Feuerversicherungen für den Eisenbahnverkehr anbot. Nachdem das Geschäft 1860 auf die allgemeine Lebensversicherung erweitert worden war, wurde das Unternehmen 1875 in Victoria zu Berlin Allgemeine Versicherungs-Actien-Gesellschaft umbenannt. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Victoria zum größten deutschen Lebensversicherer.
In der Zeit des Nationalsozialismus war das Unternehmen an der faktischen Enteignung jüdischer Immobilienbesitzer („Arisierungen“) beteiligt und machte Gewinne beim Rückkauf der Lebensversicherungen von Emigranten. Versicherungsgesellschaften, wie die Victoria, klagten nach dem Krieg über große Kriegsverluste in ihren Unterlagen – Fragen zur Begleichung der von ihnen verursachten Schäden wurden indes nicht weiterverfolgt. Die deutsche Versicherungswirtschaft stimmte 1998 im Rahmen der International Commission on Holocaust Era Insurance Claims einer Entschädigungslösung für zwangsverkaufte oder enteignete Versicherungsansprüche von jüdischen Opfern zu.
Als erstes Tochterunternehmen wurde 1904 die Victoria Feuer-Versicherungs-Actien-Gesellschaft in Berlin gegründet. Weitere Töchter waren die 1923 gegründete Victoria Rückversicherungs-AG und die aus der 1988 übernommenen Victoria-Gilde-Krankenversicherung gebildete Victoria Krankenversicherung AG. Seit 1961 war der Victoria-Konzern auch Mehrheitseigner der 1928 gegründeten D.A.S. Rechtsschutz-Versicherungs-AG.Arno Surminski: Im Zug der Zeiten. 150 Jahre VICTORIA; Düsseldorf, 2003, (Druck und Verarbeitung: Ellwanger Bayreuth), ISBN 3-00-011767-9
1899 bis 1997: Hamburg-Mannheimer-Konzern mini|Logo der Hamburg-Mannheimer Versicherungs AG bis 2010 Stammunternehmen des Hamburg-Mannheimer-Konzerns war die Vita Versicherungs-Actien-Gesellschaft, die 1899 in Mannheim gegründet wurde. Nach der Aktienübernahme durch die Versicherungsgesellschaft Hamburg 1911 verlegte die Vita 1912 ihren Sitz nach Hamburg und änderte ihren Namen in Hamburg-Mannheimer Versicherungs-Aktiengesellschaft. Kerngeschäft des Unternehmens wurde in den kommenden Jahrzehnten der Bereich der Lebensversicherungen. 1932 erwarb das Unternehmen die Mehrheit an der 1927 gegründeten Deutschen Krankenversicherung (DKV). 1975 wurde die Nord-Deutsche und Hamburg-Bremer Versicherungs-Aktiengesellschaft übernommen und in Hamburg-Mannheimer Sachversicherungs-Aktiengesellschaft umbenannt; sie wurde das Sachversicherungsunternehmen des Konzerns. 1979 stieg die Gruppe mit der Hamburg-Mannheimer Rechtsschutzversicherungs-Aktiengesellschaft in den Bereich der Rechtsschutzversicherungen ein. 1992 erwarb die Münchener Rück die Anteilsmehrheit am Stammunternehmen.Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG (Hrsg.): 100 Jahre Hamburg-Mannheimer; Selbstverlag, Hamburg, 1999 (Herstellung: klr mediapartner GmbH & Co KG, Lengerich)
Ab 1855: Frühe Auslandstätigkeiten mini|Namensaktie der Hamburg-Bremer Feuer-Versicherungs-Gesellschaft vom September 1929 Wichtige Vorläuferunternehmen der Ergo Group waren schon früh im Ausland tätig. Namentlich die Hamburg-Bremer Feuer-Versicherungs-Gesellschaft und die Nord-Deutsche Versicherungs-Gesellschaft, beide später zur Hamburg-Mannheimer-Gruppe gehörend, eröffneten schon im 19. Jahrhundert zahlreiche Agenturen im Ausland, vor allem in Übersee. Die Hamburg-Bremer gründete bereits 1855 Agenturen in Kopenhagen, Christiania (heute Oslo), St. Petersburg und auf der damals dänischen Karibikinsel St. Thomas; 1857 folgten Honolulu und San Francisco. In den folgenden Jahrzehnten expandierte das Unternehmen in über 40 Staaten und koloniale Territorien. Nach dem großen Erdbeben in San Francisco 1906 regulierte die Hamburg-Bremer Schäden in Höhe von fast 8 Millionen Reichsmark. Auch die Nord-Deutsche Versicherungs-Gesellschaft betrieb vor 1914 Agenturen an vielen Handelsplätzen der Welt. Die Weltkriege setzten diesen Aktivitäten ein Ende. Nach 1945 gaben beide Unternehmen ihre Auslandsambitionen auf.
Auch die Victoria Versicherung expandierte schon Ende des 19. Jahrhunderts ins Ausland, blieb aber zunächst auf Europa konzentriert. Nachdem auch diese Geschäfte durch den Zweiten Weltkrieg zum Erliegen gekommen waren, nahm die Victoria 1959 ihre Auslandstätigkeit wieder auf.
1997 bis 2010: Ergo Versicherungsgruppe Bildung der Ergo Group Hintergründe des Zusammenschlusses der Konzerne Hamburg-Mannheimer und Victoria waren die Sorge der börsennotierten Victoria Holding vor einer Übernahme aus dem Ausland und das schwierige Geschäftsumfeld in der Branche angesichts einer steigenden Marktkonzentration durch eine Reihe großer Fusionen im In- und Ausland. Für die Münchener Rück als Mehrheitseignerin des Hamburg-Mannheimer-Konzerns und Minderheitseignerin des Victoria-Konzerns schien vor diesem Hintergrund die Möglichkeit interessant, ihre großen Beteiligungen im Erstversicherungsgeschäft zu konsolidieren und zu koordinieren.
Die Hauptversammlungen beider Holding-Gesellschaften stimmten der Fusion Anfang Dezember 1997 mit großer Mehrheit zu. Die jeweiligen Tochtergesellschaften der beiden Holding-Gesellschaften blieben dabei erhalten und operierten weiter unter ihren Markennamen Victoria, D.A.S., Hamburg-Mannheimer und DKV.
Eine Victoria-Namensaktie konnte in zehn Ergo-Inhaberaktien getauscht werden. Die Victoria Holding AG verschwand nach Abschluss der Transaktion am 2. Februar 1998 von der Börse, ihr Platz im MDAX wurde von der Ergo Versicherungsgruppe AG eingenommen.
Am 1. April 2001 kündigte die Mehrheitsaktionärin Münchener Rück ein Umtauschangebot für die Ergo-Aktionäre an, dem zufolge zwei Ergo-Aktien in eine Münchener-Rück-Aktie plus einer Barzahlung von 18 Euro getauscht werden konnten. Nachdem das Angebot im Juli 2001 ausgelaufen war, schied die Ergo-Aktie aufgrund des verringerten Streubesitzes aus dem MDax aus. 2010 beschloss die Hauptversammlung der heutigen Ergo Group die Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre der Ergo Versicherungsgruppe AG auf die Münchener Rück. Damit wurde die Münchener Rück alleinige Eigentümerin der Gruppe.
Übernahme von KarstadtQuelle Versicherungen mini|Logo der KarstadtQuelle Versicherungen 2002 stieg die Ergo Group bei den KarstadtQuelle Versicherungen ein und übernahm das Unternehmen 2008 komplett. Dadurch wurde das Geschäft um das Feld Direktversicherungen erweitert.
Der Lebensversicherer KarstadtQuelle Versicherungen war 1984 als Quelle+Partner Versicherungen gegründet worden und wurde 2010 umfirmiert in Ergo Direkt Lebensversicherung AG. mini|Logo der ERV bis Mai 2019
Integration der Europäischen Reiseversicherung (ERV) 2009 brachte die Münchener Rück ihren Tochterkonzern Europäische Reiseversicherung (ERV; heute Ergo Reiseversicherung) ebenfalls in den Ergo-Konzern ein.
Die ERV war 1907 mit Beteiligung der Münchener Rück als Europäische Güter- und Reisegepäckversicherung in Budapest gegründet worden. Die Berliner Filiale wurde 1919 in ein eigenständiges deutsches Versicherungsunternehmen umgewandelt. 1974 wurde das Unternehmen in Europäische Reiseversicherung AG umbenannt.
Durch die Integration der ERV erhielt der Ergo-Konzern mit dem Bereich Reiseversicherung ein weiteres Standbein.
2010: Neue Markenstruktur 2010 ordnete die Ergo Versicherungsgruppe ihre Markenstruktur neu. Die Traditionsmarken Victoria und Hamburg-Mannheimer wurden aufgegeben und teils durch die neue Marke Ergo, teils durch die Marken D.A.S. und DKV ersetzt. Die bislang unter den Namen Victoria oder Hamburg-Mannheimer firmierenden Tochtergesellschaften wurden umbenannt oder mit anderen Gesellschaften verschmolzen. Auch der Markenname KarstadtQuelle verschwand und wurde zu Ergo Direkt.
Somit ergab sich eine neue Marken- und Geschäftszuordnung: Lebensversicherungen wurden von der Ergo Lebensversicherung angeboten, Sach- und Unfallversicherungen von der Ergo Versicherung, Rechtsschutzversicherungen von der D.A.S., Krankenversicherungen von der DKV, Reiseversicherungen von der ERV und Direktversicherungen von der Ergo Direkt. 2015 ging die D.A.S. AG in der Ergo Versicherung AG auf – der Markenname D.A.S. wurde beibehalten.
Die Einführung der neuen Marke Ergo wurde von einer großen Werbekampagne unter dem Motto „Versichern heißt Verstehen“ begleitet. Allein im Jahr 2010 wurden dafür 50 Millionen Euro ausgegeben.
2016: Umfirmierung in Ergo Group AG 2016 wurde eine neue Struktur für die Ergo Group beschlossen, die der Internationalisierung des Geschäfts Rechnung tragen sollte. Die Holding-Gesellschaft Ergo Versicherungsgruppe AG wurde umbenannt in Ergo Group AG. Unter diesem Dach wurde eine neue Ebene mit drei neuen, untergeordneten Holding-Gesellschaften geschaffen: Die Ergo Deutschland AG wurde für die Geschäftsaktivitäten und Tochterunternehmen in Deutschland zuständig, die Ergo International AG bündelte die Auslandsaktivitäten der Gruppe und die Ergo Digital Ventures AG wurde der neue Rahmen für alle Digital- und Direktaktivitäten.
2019: Bündelung Marken und Vertriebswege Ende März 2019 verkündete die Ergo, die Marken Ergo Direkt, ERV und D.A.S. in die Marke Ergo zu überführen. Die bisher getrennten Internetseiten von Ergo Direkt und Ergo wurden Anfang April zusammengelegt, die Vertriebswege so unter der Marke Ergo gebündelt. Auch der Markenname Ergo Direkt ging in der Ergo auf. Die Europäische Reiseversicherung (ERV) tritt seit der Umfirmierung am 7. Mai als Ergo Reiseversicherung auf. Die Rechtsschutz-Marke D.A.S. in Deutschland wurde im September des Jahres in die Marke Ergo überführt. Von der Markenzusammenlegung nicht betroffen ist die DKV Deutsche Krankenversicherung AG. Die Markenbündelung ist Teil eines umfangreichen Strategieprogramms der Ergo.
2025: Expansion in die USA 2025 übernahm die Münchener Rück die US-amerikanische NEXT Insurance, einen Anbieter von Schadens- und Unfallversicherungen für kleine und mittlere Unternehmen (neuer Name: Ergo NEXT Insurance). Das Unternehmen mit Sitz in Palo Alto war 2016 gegründet worden und hatte 2025 rund 700 Mitarbeiter. Es präsentiert sich als technologieorientiert mit einem Fokus auf digitale Prozessoptimierung und KI-unterstütze Datenaufbereitung. Nach Aussage von Ergo-CEO Markus Rieß war neben der Attraktivität des US-Marktes auch die technologische Kompetenz von NEXT ein Grund für das Übernahmeinteresse.
Struktur mini|Das Hochhaus der Ergo-Zentrale in Düsseldorf
Geschäftsfelder