Die Geschichte der Stadt Blumberg umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Blumberg in Baden-Württemberg von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Die schriftliche Überlieferung beginnt im 13. Jahrhundert – fast 400 Jahre später als in den urkundlich nachgewiesenen alten Siedlungsregionen am Hochrhein und an der Donau. Der späte Siedlungsbeginn wird auf das Gelände zurückgeführt, das bis in die Frühzeit versumpft oder vermoort war. Teile existieren auch heute noch als „Ried“ (Naturschutzgebiet Zollhausried).
Die überlieferte Geschichte des Ortes beginnt mit einem Burgbau der „Herren von Blumberg“.
mini|x220px|Heutige Lage der Stadt im Hochtal mini|1844 als Forstamt erbaut, seit 1905 Rathaus der Stadt Blumberg
Ur- und Frühzeit Dennoch lebten auch im Umfeld, der Gemarkung von Blumberg, Menschengruppen in der Jungsteinzeit vor etwa 5000 bis 6000 Jahren – nach Funden von Steinwerkzeug und Keramik auf dem „‚Bürklebuck‘ bei Riedböhringen, dessen Kuppe und Hangbereich im Jahre 1925 von Paul Revellio durch eine kleine Grabung untersucht wurden. […] Eine weitere Siedlung aus der Jungsteinzeit ist an der Gemarkungsgrenze zwischen Kommingen und Blumberg entdeckt worden.“Verena Nübling: Vor- und Frühgeschichte des Raumes Blumberg. In: Hrsg.: Joachim Sturm: Die Geschichte der Stadt Blumberg. dold.verlag, Vöhrenbach 1995, S. 11. ISBN 3-927677-06-X.
Ein Grabhügelfeld der Bronzezeit (2. Jahrtausend v. Chr.), das sich über die Gemarkungsgrenze Kommingen/Riedöschingen erstreckt und eine Fundstelle „im Bereich der früh- bis hochmittelalterlichen Wüstung (abgegangene Siedlung) ‚Stetten‘ bei Riedböhringen“ sind noch nicht erforscht.
„Der größere Teil der Grabhügel im Gewann ‚Wenzelwald/Randen/Keltengrab‘ dürfte der Hallstattzeit (8.–6. Jh. v. Chr.) angehören. […] Es ist die Zeit der frühen Kelten. Sie traten als erstes mitteleuropäisches Volk ins Bewußtsein der Mittelmeervölker und damit ins Licht der geschriebenen Geschichte. Herodot von Halikarnassos (Mitte des 5. Jhs. v. Chr.) berichtete, daß sie an den Quellflüssen der Donau wohnten.“V. Nübling: Vor- und Frühgeschichte. In: J. Sturm: Blumberg, 1986, S. 13.
Vermutlich keltische Grabhügel liegen noch mehrere auf der Gemarkung Blumberg – Beigaben sind meist Waffen und Schmuck. In der jüngeren keltischen Zeit (Latènezeit) wurde der ‚Bürklebuck‘ mit Wall und Graben befestigt. Über Ausgrabung und Funde auf der Anhöhe liegt ein Bericht vor.Paul Revellio in: Badische Fundberichte II, 1929–1932 zur Jungsteinzeit und ders.: Badische Fundberichte I, 1925–1928 zu den Kelten. Hinweis in V. Nübling, S. 11 und 15.
mini|Ausdehnung des römischen Herrschafts- und Kulturbereichs im Süden, Hauptstraßen
Römer Das aus archäologischen Befunden rückschließbare Wissen nimmt mit den Römern und den Germanen zu – hier geben häufig systematische Grabungen (Gutshöfe, Straßenverläufe) und die Ortsnamen Aufschluss über frühe Bauwerke und Siedlungen. Im Rahmen ihrer Alpenfeldzüge unter Kaiser Augustus setzte die 19. Legion 15 v. Chr. beim heutigen Zurzach über den Hochrhein und legte ein Kastell bei Dangstetten an. Das Vorfeld wurde bis zur Wutachlinie gesichert, später auch die Verbindung bis Hüfingen ausgebaut. Das dortige Kastell Brigobanne wurde im Rahmen des Schwarzwaldfeldzuges 72/73 n. Chr. angelegt und die Heeresstraße von Vindonissa (Brugg/Baden) über Schleitheim-Stühlingen an die Verbindung entlang der Donau an Argentorate (Straßburg) angeschlossen. In den folgenden 200 Jahren der Kultivierung des heutigen süddeutschen Raumes bis zur Limes-Linie (Obergermanisch-Rätischer Limes) wurde das Land mit einem Netz von Gutshöfen, Straßen und militärischen Einrichtungen überzogen.
mini|x300px|Karte mit dem gewundenen Abschnitt (Steige) der römischen Heeresstraße bei Blumberg
Im Umfeld Blumbergs sind Gutshöfe bekannt: „Aus Fützen, Gewann ‚Schlattereck‘, ist eine villa rustica überliefert. […] In Achdorf-Überachen, Gewann ‚Stockäcker/Krabettlein‘, auf die Gemarkung Ewattingen übergreifend, liegt eine weitere villa rustica. Auch diese Anlage ist nicht näher untersucht.“ (V. Nübling, S. 17). Gutshöfe standen auch bei Epfenhofen, Zollhaus und nordöstlich bei Aulfingen. An verschiedenen Orten gab es Münzfunde, die Datierungen erlauben – auch im Gebiet des Blumberger Hochtales.
Entgegen älteren AnnahmenNach einer Mitteilung von P. Revellio (In: Badische Fundberichte 17 (1941–1947). S. 354), sollen auf der „‚Bleiche‘ bei Blumberg-Zollhaus Reste einer Römerstraße liegen.“ (Angabe in V. Nübling, 18.) „Diese Straße kreuzte das Aitrachtal bei Zollhaus. […] Eine Seitenstraße dürfte talabwärts zur Donau geführt haben.“ (K. Bader: Burg, Dorf, Stadt und Herrschaft Blumberg. S. 6.) verlief die römische Heeresstraße nicht durch das breite Sumpfgebiet nach Zollhaus, sondern weiter östlich über eine Verbindung Randen-Riedöschingen-Hondingen; ein Umstand, der auch ein neues Licht auf den Ursprung des Steppacher Hofes werfen kann. Dieser Hof wird „im frühen 12. Jahrhundert als Besitz des Klosters Allerheiligen erstmals genannt“ und war nie der Teil der Blumberger Herrschaft.Karl S. Bader: Burg, Dorf, Stadt und Herrschaft Blumberg. S. 6. Ohne Verlagsangabe und Erscheinungsjahr. Da die Schrift im Zusammenhang mit der Erneuerung des Stadtrechts steht, könnte sie 1950 erschienen sein.
Ab Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. stürmten die Alamannen in mehreren Wellen den Limes, etwa 100 Jahre gab es wechselvolle Kämpfe bis sich die Römer um 400 n. Chr. hinter die Hochrheinlinie zurückzogen. Die Landnahme der Alamannen verlief dadurch auch nur schubweise, erst nach Auflösung der römischen Heeres- und Staatsorganisation um 450 n. Chr. besiedelten sie auch das Alpenvorland. Da es auch längere ruhige Phasen mit Handelskontakten gegeben hatte, kam es zu keiner Vernichtung der keltoromanischen Bevölkerung.
Nach dem Umbruch im 5. Jahrhundert durch die Auflösung des Weströmischen Reiches verfielen die gesellschaftlichen Ordnungen der Antike auf allen Ebenen. Germanische Stämme, die zuvor schon viele Grenzregionen gewonnen hatten, besetzten nun auch die Kernregionen Mitteleuropas. Damit kam die Völkerwanderung zum Abschluss.
Frühmittelalter (500 bis 800) Zum frühen Mittelalter gibt es in der Region Zeugnisse zu „Urkirchen“ oder Kapellenbauten. In römischen Zentren hatten christliche Gemeinden überlebt; manchmal konnten Frauen sich aufgrund ihres kulturellen Vorsprungs (Kenntnisse zu Heilkunst und Hygiene, Hebammen) in der nun germanischen Bevölkerung Respekt verschaffen. In Mitteleuropa überstand die Kirche den Übergang von der Antike ins Mittelalter als stabile Institution (Klostergründungen), die römische Gesetzesregelung (Schriftlichkeit) sowie technische Fähigkeiten (Steinbauweise) und wirtschaftliche Kenntnisse (Fruchtanbau) allmählich vermitteln konnte.
Franken und Alamannen Das militärische erfahrene und bereits staatlich organisierte Volk der Franken setzte sich unter den Merowinger-Königen im ehemaligen Gallien und in Germanien durch: „Ihr König Chlodwig besiegte zuerst die Römer, die unter Syagrius noch eine Art Königtum gebildet hatten, sodann die Burgunder und den Teil der Westgoten, welcher nicht nach Spanien gezogen war.“Theodor Mommsen: Das Römische Imperium der Cäsaren. Safari-Verlag, Berlin 1941, S. 512. In der Folge kam es jedoch zu alamannischen Angriffen auf die Merowinger, die zu einem Sieg der Franken führten: Ort und Verlauf der Schlacht bei Zülpich (496) sind heute noch umstritten. Entscheidend war jedoch die alamannische Niederlage in der Schlacht bei Straßburg (506).
Im 7. Jahrhundert „trug auch der Verschmelzungsprozeß zwischen den verschiedenen Volksgruppen erste Früchte. Zwar behielten die einzelnen Stämme jeweils ihr eigenes Recht, aber sie unterstanden der gleichen Staatsgewalt.“Pierre Riché: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1987. ISBN 3-421-06375-3. Originalausgabe: Les carolingiens. Une famille qui fit l'Europe.
Alamannia unter den Franken Über die frühe Siedlungszeit gibt es kaum (schriftliche) Nachrichten, abzulesen sind gesellschaftliche Verhältnisse allenfalls aus den Beigaben der für die Alamannen typischen merowingerzeitlichen Reihengräber-Friedhöfe – bei den Männern wie bei den Kelten im Allgemeinen Waffen, bei den Frauen Schmuck.
mini|Merowinger Steinkistengräber, 2010 (bei Stühlingen)
Funde aus der Merowinger-Zeit: Steinkisten-Gräberfelder sind im Umkreis und auch auf dem Territorium von Blumberg schon häufiger, obwohl sie zumeist bereits im 19. Jahrhundert aufgedeckt wurden und damit eine genaue Dokumentation selten ist. Die meisten Fundstücke gelten heute als verschollen. Es existieren jedoch Aufnahmen von Grabstätten, die 1933 beim Bau eines Schulhauses freigelegt worden sein könnten. (Archiv Prillwitz).
Auf eine Besiedlung des Blumberger Hochtales weisen zwei Funde hin:
Im Jahr 1954 wurde beim Verlegen eines Telefonkabels in Blumberg eine merowingerzeitliche Waffe gefunden. Die einschneidige Hiebwaffe aus Eisen – ein Sax – ist zweifelsohne Beigabe einer nicht erkannten Bestattung. Der Sax gehörte zur typischen Ausstattung eines freien Alamannen.V. Nübling, S. 24. Der Fund eines karolingerzeitlichen Brunnens im Ortskern deutet darauf hin, dass Blumberg seitdem kontinuierlich als Siedlungsplatz benutzt wurde.LOA (Ortsakte Blumberg). „Der genaue Fundort wie der Verbleib des bei Bauarbeiten 1936 gefundenen Brunnensester ist nicht feststellbar.“ (A. Bechtold, S. 25).
Als frühmittelalterlich gilt der Steppacher Hof, „dicht unterhalb Blumberg“. Er reicht nicht in alamannische Zeit zurück, „sondern gehört in seinen Anfängen wohl der nachkarolingischen Ausbauperiode an. [11. Jh.] Im frühen 12. Jahrhundert als Besitz des Klosters Allerheiligen erstmals genannt.“K. Bader: Herrschaft Blumberg, 1950, S. 5. f.
Hintergrund Mit dem Beginn der Herrschaft der fränkischen Karolinger-Könige (Vor- und Nachfahren Karls des Großen um 800) begann eine neue Epoche der Geschichte Europas.
Nachdem die Alamannen trotz ihrer Niederlage gegen die Franken (um 500 n. Chr.) noch lange unter ihren Herzögen eine weitgehende Selbstständigkeit genießen konnten – die Sieger bauten nur stützpunktartig Verkehrsknotenpunkte (oft ehemals römische Plätze) aus –, waren sie nach mehreren gescheiterten Aufständen schließlich integriert. Die karolingische Verwaltung teilte das Land in Gaue auf und führte das zumeist fränkisch besetzte Grafenamt ein. Der Schwarzwald war noch lange ungeregeltes Terrain, doch ab der Wutachmündung in den Rhein bestand im Umfeld nun der Klettgau, nordwestlich der Wutach der Alpgau, weiter östlich der Hegau. Das Blumberger Gebiet lag somit im Alpgau und die weitgespannten Herrschaftsverhältnisse sind hier ab dem 7. Jahrhundert durchaus bekannt. Der heute Blumberger Raum kann noch zwei Jahrhunderte im Schatten herrschaftlicher Interessen gelegen haben, denn die neuere Forschung legt eine Hauptverbindung, die zweifellos die Römerstraße war, eher abseits des Ortes an.Möglich auch über den Kalvarienberg von Stühlingen nach Schwaningen. In der Nähe der Kalvarienbergkapelle befindet sich dort noch ein Menhir, wahrscheinlich Kennzeichen für einen ‚uralten‘ Weg.