mini|Österreichisches Wörterbuch, 43. Auflage (2018) Das Österreichische Wörterbuch repräsentiert als Wörterbuch (Rechtschreibwörterbuch) das für Österreich gültige amtliche Regelwerk der deutschen Sprache.Grundlage des amtlichen österreichischen Regelwerks – siehe: BMBF, Österreichisches Wörterbuch, Österreichischer Bundesverlag, Wien 2012, ISBN 978-3-209-06884-2, 42. Auflage – S. 7 Es wird im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung vom Österreichischen Bundesverlag (ÖBV) in Wien herausgegeben.

Bedeutung Das Österreichische Wörterbuch (ÖWB) wurde 1950 durch den Bundesminister für Unterricht Felix Hurdes angeordnet und in expliziter Opposition zu den Duden-Nachschlagewerken, dem damaligen Marktführer, platziert. Das ÖWB erschien erstmals 1951 und löste damit alle Werke, inklusive der Duden-Wörterbücher, in gewisser Weise ab. Die Rechtschreibregeln aus den Orthographischen Konferenzen (von 1876 und von 1901), auf denen die amtlich gültigen Regelbücher aus den Jahren 1879 und 1902 basierten, blieben dabei unverändert. Die Regelbücher wurden von mehreren Staaten (z. B. Bayern, Österreich-Ungarn) und Kleinstaaten (Baden) publiziert (Regeln für die deutsche Rechtschreibung). Die erste Auflage des ÖWB hatte einen Umfang von 276 Seiten mit 20.000 Stichwörtern und verkaufte noch im selben Jahr den Drucklauf von 20.000 Exemplaren.

Das Österreichische Wörterbuch wurde von 1951 bis ca. 1985 als „Mittlere Ausgabe“, mit kleinerem Wortumfang, bezeichnet. Heute gibt es eine Voll-, eine Schul- sowie eine Kompaktausgabe, ein Arbeitsbuch und eine Digitalausgabe, auf die über den am Innencover abgedruckten Schlüssel im Internet zugegriffen werden kann. Die 38. Auflage von 1997 (ISBN 3-215-07910-0) wurde auf die neue deutsche Rechtschreibung umgestellt. Seit 1979 wird jede Ausgabe gegenüber der vorausgegangenen in ihrem Wortschatz wesentlich erweitert, seit der 1997er-Ausgabe ist das ÖWB mit mehr als 100.000 Stichwörtern auch in Umfang mit dem Rechtschreib-Duden vergleichbar. Die 44. Auflage erschien 2022 (ISBN 978-3-209-10285-0) und ist in aktualisierter Version von 2025 erhältlich.

Das Wörterbuch basiert auf dem amtlichen Regelwerk, welches vom Rat für deutsche Rechtschreibung herausgegeben wird. In der Vollständigen Ausgabe mit dem amtlichen Regelwerk ist dieses als Anhang abgedruckt, jedoch ohne Wörterliste. Das Österreichische Wörterbuch betrachtet sich als populäre Umsetzung des streng wissenschaftlich abgefassten Regelwerks. Diese Umsetzung erfolgt unter Bedachtnahme der österreichischen Eigenheiten und jener vom Rat für deutsche Rechtschreibung vorgeschlagenen Regeländerungen, denen das österreichische Bildungsministerium zustimmte.

Das aktuelle Vorwort des amtlichen Regelwerks lautet: Das amtliche Regelwerk regelt die Rechtschreibung innerhalb derjenigen Institutionen (Schule, Verwaltung), für die der Staat Regelungskompetenz hinsichtlich der Rechtschreibung hat. Darüber hinaus hat es zur Sicherung einer einheitlichen Rechtschreibung Vorbildcharakter für alle, die sich an einer allgemein gültigen Rechtschreibung orientieren möchten; das heißt Firmen, speziell Druckereien, Verlage, Redaktionen – aber auch Privatpersonen.

Zur Definition einer österreichischen Standardvarietät des Deutschen ist Folgendes vermerkt: Das Österreichische Wörterbuch ist ein Wörterbuch der guten, richtigen deutschen Gemeinsprache. Es ist jedoch in erster Linie für Österreicher bestimmt und wird vor allem von Österreichern benützt werden. Deshalb enthält es auch zahlreiche allgemein verwendete Wörter der österreichischen Umgangssprache und der österreichischen Mundarten, wenngleich keine Wörter in mundartlicher Schreibung. Solche Wörter sind ausdrücklich als der Umgangssprache oder der Mundart zugehörig gekennzeichnet. Durch die Aufnahme dieser Ausdrücke, die in der Sprache des Alltags immer wieder auftreten und etwa bei der Wiedergabe von Gesprächen geschrieben werden müssen, wurde auch ihre Schreibung festgelegt. Das Österreichische Wörterbuch ist noch in einem anderen Sinn als ein österreichisches anzusprechen. Wir Österreicher verwenden eine Reihe von Ausdrücken, die nicht weniger richtig, gut und schön sind als anderswo gebrauchte. Sie wurden naturgemäß im Wörterbuch bevorzugt, wogegen etwa nur in Norddeutschland übliche gar nicht berücksichtigt oder als bei uns fremd oder zumindest ungewohnt ausdrücklich gekennzeichnet wurden. Es ist aber auch Tatsache, daß wir in der besten Sprache der Gebildeten unseres Landes Wörter anders betonen, anders aussprechen, Hauptwörter mit einem anderen Artikel oder einer anderen Mehrzahlform, Zeitwörter mit einem anderen Hilfszeitwort verwenden u. v. a. m., als dies außerhalb Österreichs üblich ist. In solchen Fällen wurden die bei uns gebräuchlichen, allgemein als gut und richtig empfundenen Formen ins Wörterbuch aufgenommen. (Vorwort, 32. Auflage, 1972)

Das Österreichische Wörterbuch ist in der „Liste der fachlichen Nachschlagewerke für die Gemeinsame Normdatei“ enthalten; seine Schreibweisen bilden also die Vorgaben für Einträge in Datenbanken usw.

Vorgeschichte Erste Bemühungen gab es im 18. Jahrhundert. So erforschte der altösterreichische Sprachforscher Johann Siegmund Popowitsch Unterschiede zwischen dem in den österreichischen Erblanden und anderen Teilen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gesprochenen und geschriebenen Deutsch. Popowitsch war Slowene aus der Untersteiermark; von 1753 bis 1766 war er an der Universität Wien Professor für deutsche Sprache und ein Gegner Gottscheds, der die deutsche Sprache nach dem meißnischen Sprachgebrauch normierte.A. Bach: Geschichte der deutschen Sprache. §§ 173, 174 Bedeutung der Kanzleisprache: Neben den Kanzleisprachen und der Sprache der Schriften Luthers blieb deren obersächsischer Heimatraum für die Ausrichtung der werdenden nhd. Gemeinsprache auf lange von Wichtigkeit … Das Meißnische gab die Richtschnur ab für das gesprochene, mehr noch für das geschriebene Deutsch. Bis ins 18. Jahrhundert war in den habsburgischen Territorien sowie im katholischen Süddeutschland die oberdeutsche Schreibsprache vorherrschend, verschwand dann allerdings schnell zugunsten des „protestantischen“, weil auf Luther zurückgehenden meißnischen Standarddeutschen. 1774 hinterließ Popowitsch einen umfangreichen Zettelkasten, aus dem das erste österreichische Wörterbuch hätte hervorgehen sollen.Robert Sedlaczek: Das österreichische Deutsch. Verlag C. Ueberreuter, 2004 (Einleitungskapitel PDF).

Später, vor dem Ersten Weltkrieg, hatte es in Österreich amtliche Wörterbücher gegeben, die offiziell gebräuchliche Austriazismen berücksichtigten. Dies waren zum einen die Regeln für die deutsche Rechtschreibung nebst Wörterverzeichnis – zum Gebrauche für Lehrer und Schüler, herausgegeben vom k. k. Ministerium für Cultus und Unterricht, letzte Auflage 1915, und zum anderen die vom k. u. k. Reichskriegsministerium herausgegebenen Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung, zugleich verdeutschendes Fremdwörterbuch, zum Gebrauche in den k. u. k. Militär-Erziehungs- und Bildungsanstalten, letzte Auflage 1917.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch während der Besatzungszeit von staatlicher Seite das Bestreben, die österreichische kulturelle und auch sprachliche Eigenständigkeit wieder hervorzustreichen und sich damit bewusst von der nationalsozialistischen Kulturpolitik des Deutschen Reiches abzugrenzen.Peter Utgaard: Remembering and Forgetting Nazism; chapter Reversing the Gleichschaltung in Austrian Education. Berghahn Books, 2003, ISBN 978-1-57181-187-5. Dies geschah besonders im Schulwesen, wo unter Minister Felix Hurdes bzw. unter dessen kurzzeitig tätigem Vorgänger Ernst Fischer sogar das Schulfach Deutsch in semantischer Abgrenzung einfach in Unterrichtssprache umbenannt worden war.Das provozierte den von Kritikern gebrauchten ironischen Ausdruck „Hurdestan“ oder „Hurdistan“ für Österreich. Da in den Schulen der Bedarf nach der Neuauflage eines Wörterbuches bestand, fasste man konsequenterweise auch den Beschluss, ein eigenes Österreichisches Wörterbuch zu erstellen. Damit beauftragt wurde eine Expertenkommission um den als SPÖ-nahe geltenden Philologen und Wiener Landesschulinspektor Albert Krassnigg, das ÖVP-nahe Wiener Stadtschulratsmitglied Anton Simonic, den Sektionschef im Unterrichtsministerium Josef Stur, Ernst Pacolt,Augustin: Ernst Pacolt und die Idee der gemäßigten Kleinschreibung Vorstandsmitglied des Vereins Widerstand, und Otto Langbein, in den 1930er Jahren Leiter des Roten Studentenbundes und als Jude Verfolgter im Dritten Reich.Martin Putz, Innsbruck: „Österreichisches Deutsch“ als Fremdsprache? Kritische Überlegungen. Schon kurze Zeit später entstand so im Jahr 1951 die erste Ausgabe des Österreichischen Wörterbuchs, in die zahlreiche Austriazismen neu aufgenommen wurden, wobei man zum einen auf alte Termini aus den Wörterbüchern der Monarchiezeit zurückgriff, andererseits auch Begriffe aus den bairischen Dialekten in Österreich aufnahm, im Besonderen, aber nicht ausschließlich solche aus dem Wienerischen. Auf Grund des Papiermangels in der Nachkriegszeit war diese erste Auflage in ihrem Umfang auf den unmittelbaren Bedarf in den Schulen beschränkt.

Die damalige Entscheidung zu einem eigenen Österreichischen Wörterbuch war mit einem sprachplanerischen Anspruch zur Förderung des österreichischen Patriotismus begründet; zudem befand sich der Verlagsort des deutschen Duden in Leipzig und damit in der sowjetischen Besatzungszone. Dort war zwar unmittelbar nach dem Krieg im Jahr 1947 eine neue Auflage entstanden, die explizit ein Nachdruckrecht für westdeutsche, österreichische und schweizerische Verlage einschloss. Von diesem Recht machte Österreich aber keinen Gebrauch, und auch in Westdeutschland erschien erst 1954 die erste Nachkriegsausgabe, wobei dort auf Grund der unklaren Rechtslage sogar andere Verlage eigene Wörterbücher unter dem Namen „Duden“ herausgaben, teilweise mit abweichenden Schreibweisen.

Sprachpolitik mini|Die Schulausgabe der 32. Auflage von 1972