Ölschlägern ist eine Straße im Magniviertel von Braunschweig.

Etymologie

Die grob von West nach Ost verlaufende Straße im Weichbild Altewiek, zu dem das Magniviertel gehört, wurde nach den dort ansässigen Ölmüllern benannt, deren Handwerk, das „Ölschlagen“, darin bestand, durch Auspressen ölhaltiger Pflanzensamen (mittels einer ölslahe bzw. ölkalterGundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 430–431 (ölkalter: Ölpresse, Geräten zun Auspressen von Ölfrucht, besonders Leinsamen).) Brennstoff für Leuchten und Ampeln zu produzieren.Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen, ihre Namen und ihre Geschichten. Band 1: Innenstadt. S. 251. Noch 1823 gab es in der Straße drei Ölschläger. Wie auch bei einigen anderen Straßennamen der Stadt Braunschweig, zum Beispiel Hutfiltern oder Kattreppeln, ist das auslautende „n“ am Wortende seinem Ursprung nach eine alte, bereits wohl seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr verwendete, bzw. verstandene Deklinationsendung des Plural-Dativs und wird seither als Singularform verwendet.

Die aus dem Jahre 1816 stammende Interpretation des als äußerst eigenwillig geltenden linguistischen Autodidakten Karl Scheller, dass sich die Benennung „Ölschlägern“ aus dem dänischen Wort „Øl“ für Bier ableite, weil sich in der Straße Lager für Bierfässer befunden haben sollen, lässt sich nicht belegen.

Geschichte mini|Ausschnitt der Karte von Albrecht Heinrich Carl Conradi von um 1755 mit „In den Öhlschlägern“ im Zentrum, dazu „Taschenstraße“ und „Wüste Worth“. Darüber groß in Dunkelrot und mit „A“ gekennzeichnet der Graue Hof und rechts in Dunkelrot mit „P“ die Magnikirche. Grün dargestellt: Diverse Okerarme. Im Bereich des heutigen Straßenverlaufes wurde 1392 ein „olslegerhuse“ (Ölschlägerhaus) erwähnt, 1401 gefolgt von „in den olscleghern“ (= „in“, im Sinne von „bei den Ölschlägern“) und einem Haus „negest den olsleghern to sunte Magnus wort“.

Die Benennung „Ölschlägern“ wurde ursprünglich nur für den Straßenabschnitt vom Ackerhof in Richtung Westen bis zur Kuhstraße verwendet. Zwischen Ackerhof und Ritterstraße im Osten hieß die Straße bis 1857 „Am Magnikirchhofe“, benannt nach der angrenzenden Magnikirche. Erst dann galt die heutige Benennung für den gesamten Straßenzug.

Durch zahlreiche Bombenangriffe auf Braunschweig während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Innenstadtbereiche großflächig zerstört, so auch der um den Ölschlägern. Viele Gebäude, insbesondere viele für diesen Stadtbereich typische Fachwerkbauten aus dem Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit, wurden vollständig zerstört oder so stark beschädigt, dass sie nach Kriegsende komplett abgerissen wurden.

Zu diesen zerstörten Bauwerken gehört zum Beispiel der 1530 errichtete Gasthof „Bayerischer Hof“, ehemals Ölschlägern 40, direkt gegenüber der heute ebenfalls nicht mehr vorhandenen zerstörten Straße Wüste WorthJohannes Angel: Ölschlägern. S. 172. und der ebenfalls nicht mehr existenten Taschenstraße.

Am 5. Oktober 1758 wurde der Schriftsteller August Lafontaine in der Straße Ölschlägern geboren.Kurt Hoffmeister: Braunschweigs Literaten. 140 Autorenportraits. Eine etwas andere Literaturgeschichte. Eigenverlag Kurt Hoffmeister, Braunschweig 2003, S. 79.

Bauwerke Neben zahlreichen heute unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäusern gab es folgende abgegangene Bauwerke: Fachwerkhaus Ölschlägern 15, erbaut um 1500, im Krieg zerstörtRudolf Fricke: Das Bürgerhaus in Braunschweig. S. 161. Fachwerkhaus Ölschlägern 29 (Assekuranznummer 2331). Das ursprünglich 13 Spann breite Haus wurde 1913 angetragen und verkürzt auf neun Spann Hinter der Magnikirche 1 wieder errichtet.Paul Jonas Meier, Karl Steinacker: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Braunschweig. S. 84. Fachwerkhäuser Ölschlägern 31/32, erbaut um 1490, bzw. um 1550, im Krieg zerstört Fachwerkhaus Ölschlägern 34 Fachwerkhaus Ölschlägern 40, Gasthof „Bayerischer Hof“, 1530Sabine Wehking: Die Inschriften der Stadt Braunschweig von 1529 bis 1671. gesammelt und bearbeitet von Sabine Wehking auf Grund einer von 1945–1986 vorgenommenen Materialsammlung von Dietrich Mack. Reichert, Wiesbaden 2001, ISBN 3-89500-251-8. errichtet, acht Spann breitPaul Jonas Meier, Karl Steinacker: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Braunschweig. S. 87.Heinrich Edel: Die Fachwerkhäuser der Stadt Braunschweig. Ein kunst- und kulturhistorisches Bild. Appelhans Verlag, Braunschweig 1928 (Digitalisat), im Krieg zerstört.

Denkmalgeschützte Gebäude

Literatur Johannes Angel: Ölschlägern. In: Rudolf Fricke: Das Bürgerhaus in Braunschweig. (= Das deutsche Bürgerhaus 20). Ernst Wasmuth, Tübingen 1975, ISBN 3-8030-0022-X. Jürgen Hodemacher: Braunschweigs Straßen, ihre Namen und ihre Geschichten. Band 1: Innenstadt. Cremlingen 1995, ISBN 3-927060-11-9, S. 250–251. Wolfgang Kimpflinger: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 1.1.: Stadt Braunschweig. Teil 1, S. 138–152. Heinrich Meier: Die Straßennamen der Stadt Braunschweig. In: Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte. Band 1, Zwissler, Wolfenbüttel 1904, S. 79–80 (Digitalisat), . Paul Jonas Meier, Karl Steinacker: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Stadt Braunschweig. 2., erweiterte Auflage, Braunschweig 1926.

Einzelnachweise

Weblinks

alte Fotos vom Ölschlägern auf magniviertel.de

Kategorie:Straße in Braunschweig Kategorie:Straße in Europa