Ran () ist ein japanischer Jidai-geki (Historienfilm) des Regisseurs Akira Kurosawa aus dem Jahr 1985. Der Film beschreibt den Fall des Hidetora Ichimonji, eines Warlords der Sengoku-Zeit, der sich entscheidet, zugunsten seiner Söhne zurückzutreten. Sein Reich zerfällt unter den Intrigen und Kämpfen der Söhne zusehends; im Zuge dessen fällt Hidetora dem Wahnsinn anheim.
Die Geschichte basiert auf der Legende von Daimyō Mori Motonari und verwendet Elemente von Shakespeares König Lear. Es war nach Das Schloss im Spinnwebwald (1957, Macbeth) und Die Bösen schlafen gut (1960, Hamlet) die dritte Shakespeare-Adaption Kurosawas.
Ran war Kurosawas letztes großes Epos. Mit einem Budget von 11,5 Millionen US-Dollar war er der bis dahin teuerste japanische Film. Kurosawa drehte vor seinem Tod noch drei weitere Filme, jedoch keinen mehr in der Größenordnung von Ran.
Handlung
Im Japan des 16. Jahrhunderts beschließt der alternde Fürst Hidetora Ichimonji, sein in lebenslanger harter Arbeit erbautes Reich unter den Söhnen Taro, Jiro und Saburo aufzuteilen. Der Älteste, Taro, erhält die wichtige erste Burg und wird das neue Oberhaupt des Ichimonji-Clans. Die beiden anderen Söhne erhalten die zweite und dritte Burg und sollen ihren Bruder unterstützen. Hidetora will jedoch den Titel des „Großfürsten“ (Daimyō) behalten. Die Stärke dieses Bundes will Hidetora verdeutlichen, indem er zeigt, dass ein Bündel aus drei Pfeilen im Gegensatz zu einem einzelnen Pfeil nicht zerbrochen werden kann. Saburo gelingt es jedoch, auch die drei Pfeile zu zerbrechen, und er bezeichnet die Idee des Vaters als dumm. Als Saburo den Plan seines Vaters weiter kritisiert – schließlich habe dieser sein Reich auf Verrat und Intrige errichtet und erwarte nun, dass seine Söhne genau dies nicht tun –, verbannt der erboste Hidetora seinen Sohn und seinen Berater Tango, der Saburo verteidigt hatte.
Nach Hidetoras Rücktritt beginnt Taros Frau Kaede, diesen zu beeinflussen und aufzufordern, die direkte, vollständige Kontrolle über den Clan an sich zu reißen. Kaede ist rachsüchtig, da der alte Großfürst in einem früheren Krieg ihre Familie auslöschte und ihr die Burg ihrer Eltern raubte. Daher versucht sie, ihren Mann zu manipulieren, um so einen Bruch zwischen ihm und Hidetora zu erzeugen. Die Gelegenheit ergibt sich, als Hidetora eine von Taros Wachen erschießt, da diese den Hofnarren Kyoami aufgrund einer frechen Bemerkung töten will. Taro drängt daraufhin seinen Vater, auch den Titel des „Großfürsten“ abzutreten. Erbost über diese Forderung verlässt Hidetora die erste Burg. Er reist zur zweiten Burg, die unter dem Kommando Jiros steht. Allerdings ist Jiro eher daran interessiert, seinen Vater im Intrigenspiel zu benutzen, als ihm wirklich zu helfen. Während seiner Zeit auf der zweiten Burg trifft Hidetora die Frau von Jiro, die Dame Sué. Auch ihre Familie wurde zu einem großen Teil von Hidetora getötet. Sué hat ihm jedoch, nachdem sie Buddhistin wurde, vergeben.
Hidetora reist mit seiner persönlichen Leibwache weiter zur dritten Burg, die von dem verbannten Sohn Saburo verlassen wurde. Hidetora wird dort von den Armeen von Taro und Jiro angegriffen. Seine Leibwache sowie seine Konkubinen werden in der Schlacht getötet, die Burg wird in Brand gesteckt. Hidetora verbleibt in der Burg und will Seppuku begehen. Allerdings ist sein Schwert zerbrochen, und so bleibt ihm dies verwehrt. Er fällt dem Wahnsinn anheim und verlässt die brennende Burg. Als Taros und Jiros Soldaten die Burg schließlich stürmen, wird Taro von Jiros General Kurogane hinterrücks erschossen.
Hidetora wird schließlich, ziellos in der Wildnis umherwandernd, von Tango und Kyoami gefunden. Sie schließen sich Hidetora an und verbleiben als seine einzigen Gefolgsleute. Sie suchen Schutz in der Hütte eines Bauern und stellen fest, dass es sich dabei um Sués Bruder Tsurumaru handelt, dem Hidetora vor Jahren die Augen ausstechen ließ. Auch er versucht sich – wie seine Schwester – durch Beten zu Buddha vom Hass zu befreien, kann jedoch die Taten des Großfürsten nicht vergessen.
Nachdem er aus der Schlacht zurückgekehrt ist, beginnt Jiro eine Affäre mit Kaede, die bald einen großen Einfluss auf ihn ausübt. Sie verlangt, dass Jiro seine Frau Sué verlässt. Als Jiro einer Scheidung zustimmt, um Kaede zu heiraten, fordert diese, dass Sué getötet und ihr der Kopf gebracht werde. Kurogane wird mit dem Mord beauftragt, doch er quittiert Kaedes Befehl stillschweigend und warnt später Jiro vor seiner neuen Frau. In einer Schlüsselszene des Films brüskiert er Kaede: Er bringt ihr in einem Stoffbündel statt des erhofften Kopfes von Sué einen Fuchskopf aus Stein. Kaede tobt, weil Kurogane ihr und Jiro damit verdeutlicht, dass er sie für eine böse Tierdämonin hält.
Derweil versteckt sich Hidetoras Gruppe in den Ruinen der niedergebrannten Burg von Sués und Tsurumarus Familie. Tango versucht ihn davon zu überzeugen, Schutz bei dessen verstoßenem Sohn Saburo zu suchen. Doch Hidetora wehrt sich dagegen aus Angst, sein Gesicht zu verlieren und sich eingestehen zu müssen, dass Saburo Recht hatte. Daher bleibt Tango nichts anderes übrig, als seinerseits Saburo in das Versteck zu bringen, und er lässt den verwirrten alten Mann in der Obhut von Kyoami. Hidetora werden die Gräueltaten zunehmend bewusst, die er beging, um seine Macht zu festigen. Dies wird schließlich zu viel für ihn, und er flieht aus dem Versteck.
Auf der Suche nach Hidetora dringt Saburos Armee wieder in dessen alte Ländereien ein. Besorgt über dieses Vorgehen und alarmiert von den Bündnissen seines Bruders mit anderen Warlords, setzt Jiro seine zahlenmäßig überlegene Armee in Marsch, um ihn abzufangen. Die Armeen treffen auf dem Hachiman-Feld aufeinander. Saburos neuer Verbündeter, der Warlord Fujimaki, marschiert ebenfalls zur Grenze, um ihm im Notfall beistehen zu können. Ein weiterer rivalisierender Warlord, Ayabe, geht ebenfalls an der Grenze in Stellung. Auf Kaedes Rat hin vereinbart Jiro zunächst einen Waffenstillstand und freies Geleit zu Hidetora, mit dem Hintergedanken, den Suchtrupp anschließend in einen Hinterhalt zu locken. Jiro befiehlt dennoch einen Angriff auf Saburos Armee. Allerdings werden seine Einheiten von dessen Arkebusen stark dezimiert. Während der Schlacht werden Jiro und sein General Kurogane darüber informiert, dass Ayabes Armee auf die erste Burg zumarschiert. Jiros Armee zieht sich sofort unkontrolliert zurück. Während Jiros Armee gegen die angreifenden Truppen von Ayabe verteidigt, bringt ein Reiter Sués Kopf. Darauf stürmt General Kurogane, der sich geweigert hatte, Sué zu töten, zu Kaede. Diese eröffnet, aus Rachemotiven den Fall des Hauses Ichimonji von langer Hand geplant zu haben, woraufhin der General sie tötet.
Saburo findet Hidetora schließlich in einem Erdloch. Dieser kommt wieder zu Sinnen, und die beiden versöhnen sich. Saburo wird jedoch aus dem Hinterhalt von Jiros Soldaten erschossen. Hidetora vergeht vor Trauer und stirbt ebenfalls. Jiro und Kurogane fallen wahrscheinlich auf verlorenem Posten im Verlauf der Schlacht mit Ayabes Armee.
Der Film endet mit dem Bild des blinden Tsurumaru, der verlassen auf der Mauer der zerstörten Burg seiner Vorfahren steht, nachdem er ein Rollbild mit einem goldenen Bildnis des Buddha Amida verloren hat, das seine Schwester Sué ihm zuvor zum Schutz gegeben hatte.
Produktion
Kurosawa hatte die erste Idee zu dem Film Mitte der 1970er, als er die Legende des Kriegsherrn Mōri Motonari las. Motonari hatte drei Söhne, die loyal und fähig waren. Kurosawa dachte darüber nach, was geschehen würde, wenn diese Söhne nicht so gute Menschen gewesen wären. Trotz der deutlichen Parallelen zu Shakespeares König Lear wurden die Gemeinsamkeiten Kurosawa erst während der Planungen zu dem Film bewusst. Seiner Aussage zufolge verbanden sich die Geschichten von Motonari und Lear, die er selbst nie vollständig erklären konnte. Er schrieb das Drehbuch, kurz nachdem er 1975 Dersu Uzala fertiggestellt hatte, und ließ es für sieben Jahre in der Schublade.Kiyoshi Watanabe: Interview with Akira Kurosawa on Ran In dieser Zeit malte er die Storyboards für jede Einstellung des Films und machte sich auf die Suche nach der nötigen finanziellen Unterstützung. Nach dem Erfolg des Films Kagemusha, den er manchmal eine „Kostümprobe“ für Ran nannte, gewann er die Unterstützung des französischen Produzenten Serge Silberman.
Ran war Kurosawas letzter großer epischer Film und mit einem Budget von 11,5 Millionen US-Dollar auch sein teuerster, er war bei seiner Entstehung der teuerste japanische Film.Film View: 'Ran' Weathers the Seasons Während der Dreharbeiten kamen etwa 1400 Statisten zum Einsatz, für die die entsprechenden Kostüme und Rüstungen gefertigt werden mussten. Diese wurden von der Kostümdesignerin Emi Wada und Kurosawa selbst entworfen und von den Schneidern in über 2 Jahren in Handarbeit gefertigt. Im Film kamen darüber hinaus 200 Pferde zum Einsatz die teilweise aus den USA importiert wurden.Internet Movie Database Wegen seiner Vorliebe für satte, weitläufige Einstellungen drehte Kurosawa die meisten Szenen am Vulkan Aso. Er erhielt außerdem die Erlaubnis für die alten Burgen Kumamoto und Himeji. Die Szenen in den Ruinen der Burg von Sués Familie wurden in den Ruinen von Burg Azusa gedreht. Hidetoras dritte Burg, die niedergebrannt wurde, wurde für den Film an den Hängen des Fuji-san errichtet. Für diese Sequenzen wurden keine Miniaturen verwendet, daher hatte Tatsuya Nakadai nur einen Versuch, die Flucht von Hidetora aus der brennenden Burg zu filmen. Alle Staubwolken, Nebel oder Stürme mussten künstlich erschaffen werden, wobei vor allem die Außendreharbeiten dem Filmteam Probleme bereitet hatte. So wurde etliche Male der Staub in die falsche Richtung geschleudert und hinderte das Produktionsteam daran, weitere Szenen abdrehen zu können. Kurosawa trug das meist mit Fassung.
Kurosawas Frau Yōko Yaguchi starb während der Dreharbeiten. Kurosawa stoppte die Arbeiten für einen Tag, um den Tod seiner Frau zu betrauern, bevor er die Arbeiten wieder aufnahm.
Der Film wurde zu spät fertiggestellt, um bei den Filmfestspielen von Cannes gezeigt zu werden, und hatte seine Premiere beim Tokyo International Film Festival.Tokyo Festival Opens With a Kurosawa Film. In: nytimes.com, 1. Juni 1985, abgerufen am 3. Dezember 2023. Kurosawa selbst erschien nicht zur Premiere, was in der japanischen Filmindustrie negativ aufgenommen wurde.
Hintergrund
König Lear 300px|mini|König Lear und der Narr im Sturm von William Dyce.
Ran ist, laut Kurosawa, keine direkte Adaption von König Lear; er gibt jedoch zu, von dem Stück beeinflusst worden zu sein und viele Elemente übernommen zu haben. Beide erzählen die Geschichte eines alternden Fürsten, der sein Reich unter seinen Nachkommen aufteilt. An die Stelle von König Lears Töchtern treten Hidetoras Söhne Taro, Jiro, und Saburo. In beiden Stücken verbannen die Herrscher die, die es wagen, zu widersprechen: In König Lear ist es der Earl von Kent, in Ran trifft dies Tango und Saburo. Der Konflikt besteht bei beiden Geschichten darin, dass sich die Kinder des Herrschers gegen ihn stellen, auch wenn Hidetoras Söhne dabei sehr viel rücksichtsloser vorgehen. Sowohl Ran als auch König Lear enden mit dem Tod der gesamten Familie.
Es gibt jedoch auch einige massive Unterschiede zwischen den Stücken: König Lear ist ein Stück über unverschuldetes Leid und Lear selbst ist schlimmstenfalls ein Narr. Hidetora dagegen ist zeit seines Lebens ein grausamer Krieger gewesen, der rücksichtslos Männer, Frauen und Kinder hat ermorden lassen, um seine Ziele zu erreichen. In dem Film waren Kaede, Sué und Tsurumaru allesamt Opfer von Hidetora. Wurden in König Lear dem Earl von Gloucester noch die Augen von den Gegnern des Königs ausgestochen, so ist es in Ran Hidetora selbst, der befiehlt, Tsurumaru dies anzutun.
Motive
Chaos