mini|Luftansicht auf die Stadtumwallung von Toul (2009) Der Feste Platz Toul (fr.: Place forte de Toul) war eine ostfranzösische Gürtelfestung im Département Meurthe-et-Moselle mit der Stadt Toul im Zentrum.

Ab dem Jahre 1874 erbaut, umschließt diese Verteidigungsanlage mit ihren Forts, Ouvrages, betonierten Geschützständen und Infanteriestützpunkten (Ouvrages d’infanterie) die bastionierte Stadtumwallung des 17. Jahrhunderts. Der „Feste Platz“ war Teil des Verteidigungssystems Séré de Rivières, das Frankreich vor einer deutschen Invasion schützen sollte. Die meisten der Befestigungen wurden nach dem Ende des Ersten Weltkrieges aufgegeben bzw. herabqualifiziert.

Da Toul nicht in direkte Kämpfe verwickelt war, sind die Beschädigungen an den Befestigungen durch Verfall oder absichtliche Zerstörung herbeigeführt worden.

Situation Mit dem Frieden von Rijswijk erhielt Toul eine neue strategische Bedeutung. Die rechtsrheinischen Städte wurden an das Deutsche Reich und Lothringen an Herzog Leopold zurückgegeben. Das gesamte Verteidigungssystem musste neu überdacht werden, und da Nancy nicht zu Frankreich gehören würde, entschied der König, Toul den Status eines Platzes in der dritten Linie zu geben.

Toul ist ein Verkehrsknotenpunkt auf dem linken Moselufer. Hier kreuzt sich die Route nationale 4 (Paris–Nancy) mit der Straße von Chamont nach Metz. Die Stadt liegt am östlichsten Bogen der Mosel zwischen Pont-Saint-Vincent und Frouard. Ihre Lage erlaubte die Kontrolle der Kommunikationswege in Ost-West-Richtung über die Mosel, die dann nur bei Foug die Maashöhen kreuzten, um bei Pagny-sur-Meuse in das Tal der Maas abzusteigen. Diese Lage machte aus französischer Sicht im 17. Jahrhundert die Anlage einer bastionierten Befestigung um den Stadtkern zwingend notwendig.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier die Hauptverbindungswege – so der Canal de la Marne au Rhin, die Mosel und die Eisenbahnverbindungen Paris–Épernay–Nancy, Orléans–Troyes–Nancy und Dijon–Langres–Verdun – überwacht, dazu kam nach dem Deutsch-Französischen Krieg die Nähe zur deutsch-französischen Grenze, die nur 34 Kilometer entfernt war. Als Konsequenz beschloss die Nationalversammlung 1874 den Bau einer befestigten Linie, des Système Séré de Rivières. Die vier Festen Plätze Toul, Verdun, Épinal und Belfort bildeten die erste Verteidigungslinie an dieser Grenze, unterstützt von den Festungen der zweiten Linie (Laon, La Fère, Reims, Langres und Dijon).

Im Norden war der Feste Platz Toul durch einen Verteidigungsvorhang mit Verdun verbunden. Im Süden von Toul bestand eine Lücke (der sogenannte Trouée de Charmes), deren südlicher Anschluss durch das ebenfalls befestigte Épinal gebildet und die lediglich durch einige Sperrforts im Norden überwacht wurde. Die Modernisierung der Befestigungen von Toul wurde durch den Bau einer Reihe von detachierten Forts sichergestellt, die die Stadt in einem wenige Kilometer entfernten Ring umgeben. Sie waren im Westen an die Maas angelehnt und bildeten im Osten einen Brückenkopf am rechten Moselufer.

Die Festungsanlagen von Toul wurden im Jahre 1941 als „Monuments historiques“ unter Denkmalschutz gestellt, die „Porte de Metz“ (Metzer Tor) bereits 1929.Mérimée PA00106376

Toul und Vauban mini|Plan von Toul und den Festungsanlagen, 1786 Vauban entwarf 1698 eine neue Stadtumwallung mit drei Toren und der Verlagerung der Stadt nach Südwesten. Die Arbeiten begannen 1699/1700. Schriftliche Unterlagen geben an, dass im Jahre 1712 die Escarpenmauerinnere Grabenmauer vollendet war. Aber die Befestigungen wurden niemals vollendet, der Bau der Contreescarpe und der Demi-lunes wurde aus Haushaltsgründen verschoben. Eine Demi-lune wurde jedoch 1725 gebaut, um den Eingang am Ingressin-Bach abzudecken.

Am Ende der Napoleonischen Herrschaft zeigte die Belagerung von 1814 die Vernachlässigung an den Festungswerken auf. Von 1822 bis 1844 wurden Verstärkungsarbeiten durchgeführt und in den Bastionen 38 und 45 zwei Defensivkasernen errichtet. 1846 wurde der Kanal in die Verteidigungsanlage integriert, und man baute zur Überwachung einen befestigten Stützpunkt nach Art eines Montalembertschen Turms, die „Canonnière“.

Die Belagerungen im Deutsch-Französischen Krieg (einschließlich der von Toul) zeigten die Wirkungslosigkeit der veralteten Stadtmauern gegen die moderne Artillerie, was den Bau der Verteidigungsanlagen weit vor dem Stadtkern erforderte.

Système Séré de Rivières Nach dem Vertrag von Frankfurt zwischen dem Deutschen Reich und der Dritten Republik und den damit verbundenen Gebietsabtretungen des Elsass und Teilen von Lothringen wurde Toul plötzlich zu einem Platz von höchster strategischer Wichtigkeit, insbesondere da Nancy nicht befestigt werden konnte.

Der Général Séré de Rivières veranlasste eine neue Befestigungslinie um die Stadt, die aus vorgeschobenen Forts in einer Entfernung von zwischen 5 und 7 Kilometern bestand. Zwischen 1874 und 1914 wurden umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Mit insgesamt 16 Werken war Toul damit einer der großen Festen Plätze. Die Umwallung von Vauban wurde beibehalten, erneuert und verstärkt. Es wurden neue Kasematten geschaffen, die Porte Moselle und die Porte de France wurden 1882/1883 erneuert und dabei verbreitert.

Im Jahr 1886 ermöglichte der Bau der ersten Kaserne außerhalb des Walles die Entwicklung der Stadt, die zwei Jahrhunderte lang durch eine Mauer eingeengt war. Im Südosten erstreckt sich der Friedhof Saint-Èvre, er ist durch das 1901 durchbrochene Tor „Porte Jeanne d’Arc“ direkt mit dem Zentrum verbunden.

Die Befestigungen wurden 1922 aufgegeben, jedoch innerhalb zahlreicher militärischer Einrichtungen in großen Teilen erhalten. Die Gräben der Stadtumwallung im Osten wurden mit den Trümmern der Bombenangriffe auf Toul im Jahre 1940 aufgefüllt. Nach dem Krieg wurde die Außenseite des Tores „Porte de Metz“ eingeebnet und ein Durchbruch für die Durchquerung der Nationalstraße 4 zwischen den Toren „Porte Moselle“ und „Porte de France“ geschaffen.

Bau und Modernisierungen 1874 bis 1883 mini|Luftbild des Dorfes Villey-le-Sec mit dem Fort de Villey-le-Sec Die ersten Werke wurden 1874 mit dem Fort du Saint-Michel, der Redoute de Dommartin, dem Fort du Tillot, dem Fort de Domgermain und dem Fort d’Écrouves errichtet. Erbaut, um einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr zu begegnen, wurde die Redoute de la Justice hinzugefügt, eine Art Wachposten, die in Richtung der Lücke von Foug vorgeschoben war. Einige Jahre später wurde die Verteidigungslinie im Süden verlängert und das Fort de Blénod gebaut. Im Norden kam das Fort de Lucey dazu, das mit der Position von Écrouves durch einen Defensivposten verbunden war, der dann zum Fort de Bruley ausgebaut wurde. Zwischen dem Fort de Villey-le-Sec und Dommartin entstand die Redoute de Chaudeney. Komplettiert wurde der Abschnitt 1787 durch das Fort de Gondreville, das den Brückenkopf an der Mosel verstärkte.

1885 bis 1899 mini|Versenkbarer Geschützpanzerturm der Ouvrage Est du Vieux-Canton Nach der Verbesserung der Artilleriewirkung war es notwendig geworden, die Verteidigungsanlagen weiter vorzuschieben. Es entstanden die dreieckigen kleinen Vorwerke Ouvrage de Bouvron, Ouvrage de Francheville, Ouvrage du Ropage, Ouvrage Est du Vieux-Canton und die Ouvrage de Villey-Saint-Étienne.

Gleichzeitig mussten die Ost- und die Südfront verstärkt werden. Als vorgeschobene Linie entstanden die Ouvrage de Fontenoy, die Ouvrage du Haut-des-Champs und die Ouvrage du Fays gleichzeitig mit der Ouvrage du Chanot (das spätere Fort du Chanot), der Ouvrage de Bicqueley, der Ouvrage de Gye und der Ouvrage de Charmes.

1900 bis 1914 Im Jahr 1899 wurde die Lage der Hauptverteidigungslinie durch die Vorgaben der Hochkommission für Festungen endgültig festgelegt. Die vorhandenen Hauptstützpunkte wurden durch neue Werke ergänzt. Im Nordosten kamen die Ouvrage de la Cloche, die Ouvrage du Mordant und das Fort du Vieux-Canton dazu. Das Fort de Lucey und seine Annexbatterie (wurde zum Fort de Trondes) waren in einer vorgeschobenen Stellung positioniert. Das Fort du Chanot und das Fort du Tillot wurden gebaut. Gleichzeitig wurden alle Forts (außer der „Redoute de Dommartin“) verstärkt.

Das Programm von 1900 wurde durch ein Programm von 1908 ergänzt, das neben den erwähnten Verstärkungen auch den Bau verschiedener Unterstände, gepanzerter und offener Batterien, Straßen, Stacheldrahtverhaue usw. sowie die Entwaldung umfasst. Die Verteidigungslinie wurde zu einer Hauptverteidigungszone, die durch die oben angegebenen Forts gebildet wurde, die als Widerstandszentren galten. Weiterhin wurde eine Reihe vorgeschobener Stützpunkte an natürlichen Positionen errichtet, die günstige Verteidigungsbedingungen boten. Der zentrale Kern bestand aus dem Fort du Saint-Michel, dem Dorf Dommartin, der Kaserne des Plateau de la Justice und der Côte Barine.

Beschreibung Kernwerk Die Umwallung der Stadt Toul wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts erbaut. Sie bestand aus neun Bastionen, mit fünf Demi-lunes.Carte de l’état-major au 1:40.000, Blatt „Nancy“, 1866. Abrufbar auf Geoportal. Zwischen 1874 und 1882 wurden zwei Tore überholt und verstärkt (Porte de Moselle und Porte de France) und jeweils mit einer abwerfbaren Brücke versehen. Zwischen 1878 und 1880 wurden Kasematten in den Wall eingebaut.Julie und Cédric Vaubourg: La citadelle ou remparts de Toul et l’effectif de guerre de la place forte de Toul en 1914. In: Fortiff’Séré.

Das Fort du Saint-Michel (auch Fort du Mont-Saint-Michel) befindet sich auf der gleichnamigen Kuppe mit einer Höhe von 387 Metern, 1,3 Kilometer nordöstlich von Toul. Erbaut in den Jahren 1874 bis 1878, besteht es aus einem Wall mit 24 Hohltraversen und einem Reduit mit drei Kaponnieren. 1787 wurde eine Kaverne angelegt, 1890 ein Geschützpanzerturm (Tourelle Saint-Chamond) mit zwei 155-mm-Kanonen am östlichen Rand des Forts. 1901 bis 1904 wurde eine zweite Umwallung als Betonmauer angelegt und 1910 bis 1913 eine Kühlanlage unterhalb des westlichen Teils eingebaut. Im Jahre 1914 diente das Fort als geschützte Telegraphiezentrale. 1915 wurde es desarmiert, die Geschütze wurden an die Front gebracht. Im Jahre 1917 wurde es mit Maschinengewehren zeitweilig wieder aufgerüstet.Le fort Saint-Michel ou fort du mont St-Michel. In: Fortiff’Séré. ().

Die Redoute de la Justice befindet sich auf einer kleinen Anhöhe (245 m) südwestlich der Stadtumwallung und 1,3 km entfernt. Sie kontrollierte die Straße Joinville–Vaucouleurs. Erbaut in den Jahren 1874–1875, bildete sie ein Trapez mit einem Kehlgraben. Ausgeführt ist sie in Mauerwerk, das von einer Erdschicht bedeckt ist. Bedingt durch den Bau der anderen Forts, blieb die Redoute unvollendet. 1883 diente sie als Kaserne.La redoute de la Justice ou redoute Dujard. In: Les fortifications Séré de Rivières. ().

Sektor Écrouves-Bruley Die Sektoren Écrouves-Bruley und Lucey-Trondes deckten die Nordwestflanke der Festung. Fort d’Écrouves in Écrouves () Ouvrage du Val-des-Nonnes in Bruley () Ouvrage de Bois-Bulletin in Laneuveville-derrière-Foug () Ouvrage de Fayemont in Lucey (Meurthe-et-Moselle) () Fort de Bruley in Bruley () Fort de Lucey in Lucey () Fort de Trondes in Trondes ()

Sektor Mordant-La Cloche Der Sektor Mordant-La Cloche deckte die Nordostflanke der Festung. Ouvrage de la Cloche in Lucey () Ouvrage de Bouvron in Bouvron (Meurthe-et-Moselle) () Ouvrage de Francheville in Francheville () Ouvrage de Ropage in Francheville () Ouvrage Ouest du Vieux-Canton in Villey-Saint-Étienne () Fort du Vieux-Canton in Villey-Saint-Étienne () Ouvrage Est du Vieux-Canton in Villey-Saint-Étienne () Ouvrage du Bas-du-Chêne in Villey-Saint-Étienne () Ouvrage du Mauvais-Lieu in Villey-Saint-Étienne () Ouvrage de Villey-Saint-Étienne in Villey-Saint-Étienne () Ouvrage du Mordant in Villey-Saint-Étienne ()

Sektor Gondreville-Tillot mini|Der Sektor Toul-Süd Der Sektor Gondreville-Tillot deckte den Abschnitt Südost der Festung.