Matthias Moosdorf (* 20. April 1965 in Leipzig) ist ein deutscher Cellist und Politiker (AfD). Seit 2021 ist er Mitglied des Deutschen Bundestags. Von Ende 2023 bis Mai 2025 war er Leiter des Arbeitskreises für Außenpolitik der AfD-Fraktion. Zudem war er während dieser Zeit auch Außenpolitischer Sprecher.
Leben Musik Matthias Moosdorf ist der Sohn des Leipziger Violinisten Otto-Georg Moosdorf. Nach der Berufsausbildung (Elektronik) mit Abitur studierte er an der Hochschule für Musik in Leipzig bei Jürnjakob Timm, Wolfgang Weber und Gerhard Bosse. 1991 legte er das Konzertexamen ab und war bis 1996 Assistent an der Leipziger Hochschule, an der er anschließend bis 2006 einen Lehrauftrag für Violoncello und Kammermusik innehatte. auf der Website des Leipziger Streichquartetts, abgerufen am 30. August 2019.
Moosdorf war von 1988 bis 2019 Mitglied des Leipziger Streichquartetts, mit dem er über 120 CDs einspielte und in 60 Ländern gastierte. Gleichzeitig war er von 1991 bis 2001 Solocellist im Leipziger Kammerorchester. Von 2006 bis 2014 spielte er im Trio Ex Aequo mit Gerald Fauth (Klavier) und Matthias Wollong (Violine) sowie von 2008 bis 2018 im Trio Ecco (!) mit seiner Frau Olga Gollej (Klavier) und Karl Leister (Klarinette). Bis 2018 war er künstlerischer Leiter der Musikreihe Musique aux Salles de Pologne. Er spielt auf einem Cello von Andrea Guarneri aus dem Jahre 1697.
Seit August 2024 ist er Honorarprofessor an der Moskauer Gnessin-Musikhochschule. Der grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz kritisierte, dass diese Berufung zeige, wie eng die Drähte zwischen Moskau und der AfD seien. „Wie man als außenpolitischer Sprecher glaubhaft Politik machen will, während man sich aus Diktaturen über Honorarprofessuren finanzieren lässt, weiß wohl nur die AfD selbst“, sagte von Notz.Nebenjob in Moskau: AfD-Abgeordneter als Honorarprofessor tätig, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Oktober 2024, S. 4.
2023 und 2024 trat Moosdorf auf dem Tschaikowski-Festival in Sankt Petersburg auf, das von der Stiftung „Brücke der Künste“ des Kulturmanagers Hans-Joachim Frey organisiert wird. Im März 2025 traf er sich mit Anton Kobjakow, einem Berater des russischen Präsidenten Putin, um Pläne für die 2027 in Russland stattfindenden World Choir Games, ein Chorfestival, zu besprechen. Auch mit der als Chefpropagandistin des Kreml geltenden Margarita Simonjan traf sich Moosdorf eigener Aussage zufolge.Reinhard Bingener, Markus Wehner: Der stille Krieg. Wie Autokraten Deutschland angreifen. C.H.Beck, München 2025, S. 243
Politik Im September 2016 trat Moosdorf der Partei Alternative für Deutschland bei. Innerparteilich galt er zunächst als enger Vertrauter der Parteivorsitzenden Frauke Petry und ihres Gatten Marcus Pretzell, an deren Hochzeitsfeier er im Dezember 2016 mitwirkte. Er verfasste Texte für Petrys Blog Der Blaue Kanal und fungierte als Berater der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag.Inge Kloepfer: Wut, Bürger. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. April 2017, S. 22. Nach einem Zerwürfnis mit Petry und Pretzell wandte sich Moosdorf dem rechten Parteiflügel zu.Henriette Jedicke: Strippenzieher mit Verbindung zur extremen Rechten – Das sind die radikalen AfD-Hintermänner. In: Focus (online), 22. März 2018.
Gemeinsam mit Michael Klonovsky setzte er sich für die Gründung einer parteinahen Stiftung der AfD unter der Bezeichnung Gustav Stresemann-Stiftung ein. Etwa seit Januar 2018 war Moosdorf wissenschaftlicher Mitarbeiter des bayerischen AfD-Bundestagsabgeordneten Martin Hebner.Matthias Kamann: AfD-Gutachten rät Partei ab, Stiftung nach Stresemann zu benennen. In: Welt (online), 1. März 2018. Er gehörte zu den Erstunterzeichnern der Gemeinsamen Erklärung 2018 gegen „illegale Masseneinwanderung“.Jan Sternberg: Tellkamp, Sarrazin, Broder: „Erklärung 2018“ besetzt rechte Positionen. In: Leipziger Volkszeitung (online), 20. März 2018.
Laut Berichten der Leipziger Volkszeitung, des Redaktionsnetzwerks Deutschland und der Zeit im November 2018 war Moosdorf der hauptverantwortliche Treiber für die AfD-Kampagne gegen den UN-Migrationspakt. Im Januar 2018 habe Moosdorf erstmals vom Migrationspakt erfahren, die AfD habe eine Debatte im Ausschuss des EU-Parlaments erzwungen. Moosdorf habe die Akten studiert, sich über das Büro Hebner international mit FPÖ, SVP, dem polnischen Botschafter und Italienern ausgetauscht und deutschlandweit Vorträge gehalten. Bis September 2018 sei es gelungen, die Widerstände in der Partei gegen das sperrige Thema zu überwinden.
Seit Februar 2020 ist er Beisitzer im Parteivorstand der AfD Sachsen.Urban weiter AfD-Chef in Sachsen www.sueddeutsche.de, 1. März 2020
Bei der Bundestagswahl 2021 zog Moosdorf mit 25,6 % der Erststimmen im Wahlkreis Zwickau als Direktkandidat in den Deutschen Bundestag ein. Von 2021 bis 2024 war er außenpolitischer Sprecher der AfD-Fraktion. Im Jahr 2025 gewann er den Wahlkreis erneut. Im 21. Deutschen Bundestag wollte er wieder Mitglied im Auswärtigen Ausschuss werden, verlor aber fraktionsintern mehrere Kampfabstimmungen um die Plätze, die der AfD zustanden. Er sitzt im Europaausschuss des Bundestages.
Am 22. Juni 2023 soll Moosdorf laut der ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Anke Hennig während einer Bundestagssitzung im Bereich der Garderobe des Reichstagsgebäudes den Parteikollegen Martin Reichardt öffentlich mit Hackenschlag und Hitlergruß begrüßt haben. Im Oktober 2025 wurde seine Immunität vom Deutschen Bundestag aufgehoben, um strafrechtliche Ermittlungen zu ermöglichen. Im Dezember 2025 erhob die Staatsanwaltschaft Berlin Anklage gegen Moosdorf; dieser bestritt die Vorwürfe.
Im Zuge der Aufdeckung der Vetternwirtschaftsaffäre der AfD Anfang 2026 wurde bekannt, dass Moosdorfs Ehefrau seit mehreren Jahren für die AfD-Fraktion im Bundestag arbeitete, auch schon, als dieser noch kein Mandat hatte.
Funktionen und Mitgliedschaften
2019 stellv. Vorsitz der Oswald-Spengler-Stiftung (vorher: Gustav Stresemann Stiftung) Mitglied und zeitweise im Vorstand der Gesellschaft Harmonie Leipzig Besitzer und Geschäftsführer der von 2017 bis 2022 existierenden Pierrot Lunaire GmbH, Wermsdorf, die u. a. die Seite der AfD Sachsen gestaltete Außerordentliches Mitglied des Goethe-Instituts
Preise und Auszeichnungen
Zu den Auszeichnungen des Leipziger Streichquartetts, dessen Mitglied Moosdorf von 1988 bis 2019 war, siehe dort.
Kritik und Kontroversen Im August 2018 schrieb Moosdorf in einem Blog-Kommentar dem ehemaligen Pfarrer der Leipziger Thomaskirche, Christian Wolff, eine Mitverantwortung für Gewaltdelikte in Deutschland zu: „Ärzte werden früh in ihrer Sprechstunde für andere Menschen von Migranten ermordet, Mädchen werden vergewaltigt und umgebracht. Jeden Tag. Und Leute wie Sie, die das alles von der unsäglichen Kanzel mit auf den Weg gebracht haben, sorgen sich um das Bild in der Öffentlichkeit.“ Ein Strafantrag Wolffs gegen Moosdorf wegen Verleumdung wurde von der Staatsanwaltschaft Leipzig zurückgewiesen. Moosdorf bezeichnete die Vorwürfe auf Nachfrage als unsinnig, da Verleumdung Öffentlichkeit brauche, sein Kommentar aber nicht veröffentlicht worden sei. Die Staatsanwaltschaft sah die Tatbestände der Verleumdung und der üblen Nachrede nicht erfüllt, da es sich um Werturteile handele, die wegen fehlender Veröffentlichung auch keine Behauptung gegenüber Dritten darstellten. Wolff kritisierte die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. An anderer Stelle behauptete Moosdorf, Migranten seien „völlig unberechenbare, unserer Kultur fremde Menschen“.
Dem Nachrichtenportal T-Online zufolge wurden zwei Cellokonzerte, die Moosdorf und seine Frau Olga Gollej gemeinsam in Russland gaben, durch Gelder aus Wladimir Putins „Präsidialfonds für Kulturinitiativen“ ermöglicht.Der AfD-Abgeordnete spielte, der Kreml zahlte Am 10. September 2025 verhängte die AfD‑Fraktion gegen Moosdorf wegen einer nicht genehmigten Russlandreise ein Ordnungsgeld von 2.000 Euro und entzog ihm für sechs Sitzungswochen Redezeit. Moosdorf berief sich auf private Gründe und legte Einspruch ein. Der Arbeitskreis Außen der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag setzte Moosdorf als außenpolitischen Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion im Mai 2025 ab; ihm folgte Markus Frohnmaier nach.AfD-Außenpolitiker verstrickt sich in Widersprüche (13. Dezember 2024)Deutschlandfunk.de: AfD-Delegation erneut zur Vernetzung in den USA – Partei spürt Rückenwind durch neue Sicherheitsstrategie der Trump-Regierung
In einem Posting behauptete Moosdorf, Israel verweigere Nichtjuden den Zutritt zu Schutzräumen, ebenso habe der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich ausgesagt, dass das Völkerrecht nicht für Juden gelte. Moosdorf führte aus, dass er diese Aussage wiederholt bei Google gefunden habe. Dass Israel Nichtjuden von Schutzräumen ausschließe, habe er recherchiert, dazu hätten ihm dies auch Freunde gesagt und die Aussage finde sich auch in einem UN-Menschenrechtsbericht vom Januar 2026. Die Aussage findet sich in besagtem UN-Bericht nicht, entsprechende per Google auffindbare Behauptungen nennen keine überprüfbaren Quellen, das israelische Strafrecht verbietet es, Menschen den Zutritt zu Schutzräumen zu verweigern. Der israelische Botschafter Ron Prosor warf Moosdorf vor, dass er „eine Mischung aus Verschwörungstheorien und Geschichten aus ,Tausendundeiner Nacht‘“ verbreite. Über den laufenden Irankrieg 2026 äußerte Moosdorf, dass die „Bevölkerung des Iran […] sich landesweit weiter hinter der Regierung“ versammle.
Privates Moosdorf ist verheiratet mit der 1983 in der Kasachischen Sozialistischen Sowjetrepublik geborenen Pianistin Olga GollejOlga Gollej auf der Website des Russlanddeutschen Kulturpreises, abgerufen am 17. Dezember 2025 und hat vier Kinder.Matthias Moosdorf, AfD Musiker, auf bundestag.deEr spielt jetzt bei der AfD, zeit.de vom 9. März 2025
Veröffentlichungen Ludwig van Beethoven. Die Streichquartette. Bärenreiter 2007, ISBN 978-3-7618-2108-4 Kultur von Rechts. Zwischen Restauration und Revolution. Edition BuchHaus Loschwitz, Dresden 2026, ISBN 978-3-9827863-2-2.
Weblinks
Politische Website von Matthias Moosdorf Private Website von Matthias Moosdorf
Einzelnachweise
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