mini|Demokratische Republik Kongo (dunkleres Braun) und Uganda (helleres Braun) mini|Die betroffenen Provinzen Ituri (grün), Nord-Kivu (rosa) und Sud-Kivu (ocker) im Osten der Demokratischen Republik Kongo Die Ebolafieber-Epidemie 2018 bis 2020 war ein ab spätestens Juli 2018 für zwei Jahre bis zum Juni 2020 grassierender Ausbruch des Ebolafiebers in den Provinzen Nord-Kivu, Ituri und seit August 2019 in Sud-Kivu im Osten der zentralafrikanischen Demokratischen Republik Kongo. Es ist global und historisch der zweitschwerste dokumentierte Ausbruch der Erkrankung überhaupt (nach der Epidemie 2014–2016 in Westafrika). Mehrere tausend Erkrankungs- und über tausend Todesfälle wurden erfasst. Im Juni 2019 kam es zu ersten Erkrankungs- und Todesfällen im benachbarten ostafrikanischen Uganda. Etwa einen Monat später und mehr als ein Jahr nach dem Ausbruch der Epidemie, im Juli 2019, rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite aus. Ende Juni 2020 erklärte die WHO, nachdem keine Neuinfektion nachweisbar waren, den Ausbruch offiziell für beendet.

Verlauf + Erkrankungs- und Todesfälle 2018 bis 2020 Erkrankungsfälle Todesfälle Überlebende Letalität gesichert wahrschein-lich gesamt gesichert wahrschein-lich gesamt gesamt % 3.317 153 3.470 2.134 153 2.287 1.183 65,9Stand 21. Juni 2020, veröffentlicht am 23. Juni 2020, WHODie WHO geht davon aus, dass etwa 25 Prozent der Fälle unentdeckt bleiben und entsprechend statistisch nicht erfasst sind. + Erkrankungs- und Todesfälle auf Staaten, Provinzen und Regionen aufgeschlüsselt Land Provinz/Region Erkrankungsfälle Todesfälle gesichert wahrschein-lich gesamt gesichert wahrschein-lich gesamt * Nord-Kivu 2.803 124 2.927 1.882 124 2.006 Ituri 508 29 537 249 29 278 Sud-Kivu 6 0 6 3 0 3 ** Western Region 3 0 3 3 0 3 gesamt*** 3.317 153 3.470 2.134 153 2.287* Stand 21. Juni 2020, veröffentlicht am 23. Juni 2020, WHO** veröffentlicht am 23. Juni 2020, WHO*** die in Uganda dokumentierten Fälle wurden vom Ministère de la Santé de la République Démocratique du Congoim Verlauf statistisch der Demokratischen Republik Kongo zugerechnet; keine doppelte Erfassung unter „gesamt“

Seit Juli 2018 in der Demokratischen Republik Kongo mini|Karte der dokumentierten Ausbrüche von Ebolafieber in Afrika (1976–2020) Die Demokratische Republik Kongo ist seit dem ersten dokumentierten Auftreten des Ebolafiebers 1976 immer wiederkehrend von lokalen Krankheitsausbrüchen mit teilweise mehreren hundert Erkrankten und Toten betroffen. So kam es vor 2018 im Land zu acht dokumentierten Ausbrüchen der Infektionskrankheit bei Menschen. Der Kongo ist Endemiegebiet des Ebolafiebers. Das natürliche Reservoir des Ebolavirus, der Reservoirwirt, ist bislang unbekannt, es wird jedoch in dort heimischen Flughunden vermutet. Erkrankungen sind bei verschiedenen Primaten nachgewiesen. Ebolafieber ist eine Zoonose. Als für das Einschleppen in eine menschliche Population bedeutende Infektionsquelle wird schließlich der Verzehr von Bushmeat, also gejagter, infizierter Wildtiere wie Affen oder Flughunden aus Regenwäldern, angenommen. Zwischen Mai und Juli 2018 kam es im Westen der Demokratischen Republik Kongo um die Gemeinde Wangata wohl unabhängig von der nur kurze Zeit später im Osten des Landes aufgetretenen Epidemie bereits zu einem lokalen Ausbruch mit 54 Erkrankungen und 33 Toten.

Der erste gesicherte Fall der Epidemie im Ostkongo war im Juli 2018 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Nord-Kivu erfasst worden. Wahrscheinlich traten Erkrankungsfälle jedoch schon im April beziehungsweise Mai des Jahres im Ort Mabalako auf. Als ursächlicher Erreger konnte das Zaire-Ebolavirus (ZEBOV), eine Spezies aus der Gattung Ebolavirus, detektiert werden. Zunächst hauptsächlich betroffen war Mabalako. Am 12. August 2018 waren alleine 41 von 52 Erkrankungsfälle im Ort registriert worden. In den folgenden Monaten ebbte die Epidemie in Mabalako selbst zunächst ab, breitete sich stattdessen aber in nahe gelegenen Ortschaften aus. Betroffen waren in besonderem Maße die östlich von Mabalako gelegene Stadt Beni mit einem deutlichen Peak im Oktober 2018 und das südlich gelegene Butembo mit seinem Vorort Katwa mit einer ersten Spitze im Januar 2019 und einer weiteren im April 2019. Ab April 2019 trat auch im Ort Mabalako das Ebolafieber wieder auf, nachdem es dort zwischenzeitlich wochenlang keine Erkrankungsfälle gegeben hatte. Zwischen dem 1. Mai und 1. Juni 2019 wurden in den betroffenen Provinzen Nord-Kivu und Ituri innerhalb eines Monats 484 Neuerkrankungen und 345 Todesfälle registriert. Im August 2019 trat das Ebolafieber erstmals in einer dritten kongolesischen Provinz, in Sud-Kivu, auf.

mini|Offizielle Gesamtzahlen Erkrankungen (blau) und Todesfälle (rot); Stand 28. August 2019, Ministère de la Santé de la République Démocratique du Congo Mit laut kongolesischem Ministère de la santé (Gesundheitsministerium) (Stand 8. September 2019) 3.099 statistisch erhobenen Erkrankungsfällen (2.988 gesicherte, 111 wahrscheinliche) und 2.074 Todesfällen (1.963 gesicherte, 111 wahrscheinliche) im Land war der Ausbruch nach der Ebolafieber-Epidemie 2014 bis 2016 in Westafrika der weltweit bislang zweitschwerste dokumentierte Krankheitsausbruch. 938 Menschen überlebten die Erkrankung. Die Letalität (100 Prozent : (Todesfälle + Gesundete) * Todesfälle) lag bei fast 69 Prozent. 157 und somit etwa 5 Prozent aller bestätigten und wahrscheinlichen Krankheitsfälle betrafen bis zum 19. August 2019 Gesundheitspersonal. 41 der erkrankten Mitarbeiter starben bis zum 19. Juli 2019 am Ebolafieber. Das waren etwa 2,5 Prozent aller Todesfälle. Die Dunkelziffer für Erkrankungs- und Todesfälle ist im Kriegsgebiet des östlichen Kongos, in dem es immer wieder zu Überfällen bewaffneter Rebellen kommt, höher. Die WHO geht davon aus, dass nur etwa drei von vier Fällen erfasst werden, die realen Zahlen also etwa um ein Drittel höher liegen.

Unter den Erkrankten war ein im Verhältnis hoher Prozentsatz an Kindern. Mehr als ein Drittel aller Ebola-Patienten der Epidemie war unter 18 Jahre alt. Bis zum 28. Mai 2019 waren 15 Prozent der gemeldeten Fälle Kinder unter 5 Jahre und 6 Prozent Kinder unter 1 Jahr. Die Sterblichkeit der Kinder unter 5 Jahren war deutlich höher als die der Personen über 5 Jahre, was mit einer verspäteten Einlieferung in die Behandlungs- und Isolationszentren, wo sie einer adäquaten Therapie zugeführt werden, erklärt werden kann. Ebenfalls auffällig war bei Personen über 14 Jahren ein deutlich überproportionaler Anteil Patientinnen unter den Erkrankungsfällen. Insgesamt, also einschließlich der Fälle unter 15 Jahren, waren mit Stand 4. Januar 2019 61 Prozent der Erkrankten weiblich und 39 Prozent männlich. Dies war auf die Pflege bereits erkrankter Angehöriger vornehmlich durch Frauen zurückführbar.

Im Mai 2020 brach in der Stadt Mbandaka im Nordwesten des Landes das Ebolafieber aus. In der Stadt verstarben vier Menschen nach einer Infektion. Angaben von UNICEF zufolge wurden vier Menschen in Krankenhäusern isoliert. Man geht davon aus, dass es sich um einen isolierten Neuausbruch, den elften, handelt, der in keinem Zusammenhang zur seit 2018 grassierenden Epidemie im Ostkongo steht.

Seit Juni 2019 in Uganda mini|Distrikt Kasese (dunkleres Rot) in der Western Region (helleres Rot) in Uganda Vor 2019 war es zwischen 2000 und 2013 zu fünf auf Uganda beschränkten Ausbrüchen des Ebolafiebers gekommen. Am 11. Juni 2019 wurde ein erster Krankheitsfall außerhalb der Demokratischen Republik Kongo im östlichen Nachbarland bestätigt. Damit war die Epidemie nach der von 2014 bis 2016 in Westafrika die zweite, welche mehrere Länder betraf, und die erste in verschiedenen Großregionen Afrikas (Zentralafrika und Ostafrika). Betroffen war der Distrikt Kasese in der Western Region.

Die Krankheit war erstmals bei einem fünfjährigen Jungen, welcher zwei Tage zuvor mit fünf Angehörigen an Grenzkontrollen vorbei aus dem Kongo eingereist war, festgestellt worden. Die Familie des erkrankten Jungen lebt in Uganda im Distrikt Kasese. Sie war ohne den Vater im Mai in den Kongo gereist, um den am Ebolafieber erkrankten Großvater zu versorgen. Zunächst wurde der Junge in einem Krankenhaus im Ort Kagando untersucht und behandelt und nach Feststellung eines möglichen Ebolafiebers ins Bwera Ebola Treatment Unit verlegt. Das Uganda Virus Institute (UVRI) bestätigte die Erkrankung. Einen Tag nach dem amtlichen Bekanntwerden der Erkrankung beziehungsweise Infektion, am 12. Juni 2019, wurde veröffentlicht, dass der Junge an der Erkrankung verstarb. Bei zwei Angehörigen, der Großmutter und einem Bruder, wurde ebenfalls eine Infektion beziehungsweise Erkrankung nachgewiesen. Die Großmutter verstarb am folgenden Abend.

Am 13. Juni 2019 gab das ugandische Gesundheitsministerium in einer Presseerklärung und per Twitter bekannt, dass fünf Angehörige der Verstorbenen in die Demokratische Republik Kongo zur Behandlung überführt wurden. Dies seien die Mutter, der Vater, der die ugandische Staatsangehörigkeit besitzt, der am Ebolafieber bestätigt erkrankte dreijährige Junge, ein sechs Monate altes Baby und ein Dienstmädchen. Der dreijährige Junge verstarb nach Information der WHO noch am 13. Juni 2019. Die Krankheits- und Todesfälle wurden im weiteren Verlauf vom kongolesisches Ministère de la santé statistisch der Gesundheitszone Mabalakos in Nord-Kivu zugerechnet.

Ein weiterer Krankheitsfall wurde Ende August 2019 erfasst. Bei einem neunjährigen Mädchen, welches am 28. August 2019 mit ihrer Mutter die Grenze vom Kongo nach Uganda passiert hatte, wurde das Ebolafieber festgestellt, wie am 29. August offiziell mitgeteilt wurde.

Am 20. September 2022 brach Ebola erneut aus. Im Januar 2023 konnte der Ausbruch für beendet erklärt werden. Insgesamt starben 55 Menschen mit dem Virus.

Maßnahmen Demokratische Republik Kongo mini|Gesamtzahl der mit rVSV-ZEBOV geimpften Personen im zeitlichen Verlauf der am 8. August 2018 gestarteten Kampagne im östlichen Kongo; Stand 17. August 2019, Ministère de la Santé de la République Démocratique du Congo Im Epidemiegebiet des östlichen Kongos und angrenzend wurden 117 sogenannte points d'entrée (PoE) (Einreisepunkte) und points de contrôle sanitaire (PoC) (Hygienekontrollpunkte) zur Kontrolle von Menschen auf Erkrankungen an öffentlichen Straßen und Zugängen zu verschiedenen Orten eingerichtet. So war beispielsweise die Millionenstadt Goma zum Schutz vor Einschleppung der Erkrankungen von mehreren points d'entrée, welche 24 Stunden betrieben werden, umschlossen. Insgesamt wurden in der Demokratischen Republik Kongo (Stand 8. September 2019) im Zusammenhang über 93 Millionen Personenkontrollen durchgeführt.

Die Erkrankten werden im Epidemiegebiet in Ebola-Zentren behandelt. Patienten, welche Symptome einer Erkrankung aufweisen, werden unter Quarantäne im Abstand von 48 Stunden zweimal spezifisch getestet. Die Zentren bestehen aus stabilen Zeltabschnitten mit Dusche und Toilette sowie einem Besuchstrakt. Im Besuchstrakt können sich Familienangehörige ihren erkrankten Verwandten bis auf zwei Meter annähern. Verstorbene werden in virendichten Leichensäcken verpackt, gesondert gelagert und bestattet.

Am 8. August 2018 wurde im östlichen Kongo mit einer groß angelegten Impfkampagne begonnen. Seit Beginn dieser Kampagne wurden (Stand 9. September 2019) 217.172 Menschen mit dem Ebola-Impfstoff versorgt. Bis 23. Juni 2019 waren darunter allein 34.466 in Katwa, 27.730 in Beni, 18.696 in Butembo und 13.220 in Mabalako. Verwendet wird nach Entscheidung einer Ethikkommission vom 19. Mai 2018 ausschließlich der Impfstoff rVSV-ZEBOV der Firma Merck. Der Impfstoff erwies sich begleitenden Studien zufolge als hochwirksam. Die Effektivität soll bei etwa 97 Prozent liegen.