Die Schlacht von Sagunt war Teil der Napoleonischen Kriege in Spanien und umfasste die am 23. September 1811 beginnende Belagerung der alten Festung Saguntum, den gescheiterten Entsatzversuch in der Schlacht von Murviedro durch die Spanier (25. Oktober 1811) sowie die Einnahme der Festung Sagunt am 26. Oktober durch die Franzosen. Der Sieg ermöglichte den Vormarsch auf Valencia, das am 9. Januar 1812 in französische Hände fiel.

Vorgeschichte Unter dem Kommando von General Louis Gabriel Suchet schloss die französische Armee in Katalonien die Belagerung von Tortosa am 2. Januar 1811 und die Belagerung von Tarragona am 29. Juni 1811 erfolgreich ab. Bei diesen Kämpfen hatten die Franzosen etwa 4300 Soldaten verloren, konnte aber zwei Drittel der gegnerischen Armee von Katalonien, also etwa 15.000 spanische Soldaten außer Gefecht setzen. Die erfolgreiche Eroberung von Tarragona brachte Suchet die Erhebung zum Marschall von Frankreich ein. Am 27. Juli erreichten erste französische Truppen Sagunt, die zunächst nur 2.500 Spanier verteidigten. Die gleichzeitig von Suchet betriebene Belagerung von Figueras endete am 19. August mit der spanischen Kapitulation. Am 25. August befahl Marschall Louis-Alexandre Berthier, dem französischen Befehlshaber in Aragonien und Westkatalonien, die Invasion nach Valencia zu beginnen.

mini|Louis Gabriel Suchet

Marschall Suchet ließ seine etwa 30.000 Mann starke Armee am 13. September von Morella und Teruel in zwei Kolonnen in Richtung Valencia vormarschieren. Zur Deckung seiner rückwärtigen Verbindungen ließ er etwa 7.000 Mann in Lerida, am Montserrat und in Tarragona zurück. Die Franzosen hatten ihren Belagerungspark in Tortosa gelassen und nahmen an, sie könnten Valencia überraschen und einnehmen, wenn sie schnell genug vormarschierten. Am 15. September begannen drei französischen Kolonnen mit dem Vormarsch nach Süden. Zwei Tage später überholte Suchet die linke Kolonne bei Peñiscola, wobei ein Bataillon und einige Husaren zurückblieben. Am 19. September vereinigte sich die mittlere Kolonne, die Division Palombini mit der linken Kolonne. General Blake schickte die Vorhut der Division des General José Obispo ab, um Harispes Division am Barraques-Pass zu blockieren. Harispe erkannte die Absicht und nahm eine östliche Nebenstraße, um den Truppen unter Obispo auszuweichen. Harispes Truppen marschierte weiter das Tal des Mijares-Flusses zur Küste hinunter, um sich mit den beiden anderen Kolonnen zu vereinigen. In Cabanes vereinigte sich Suchets Armee mit den Divisionen von Harispe und Palombini (Italiener), so dass er über rund 26.000 Mann verfügte. Am 21. September erreichten die Franzosen Villarreal, zwei Tage später standen sie vor Almenara, dicht vor Sagunt. Die Burg von Sagunt thronte auf einem felsigen Hügel südlich des Rio Palancia. Die Zitadelle verfügte über einen starken Verteidigungswall, der an der Seeseite durch Klippen geschützt wurde. Die westlich davon befindliche Kleinstadt Murviedro zählte damals etwa 6000 Einwohner. Im Jahr 1811 wurde Murviedro in San Fernando de Sagunto umbenannt und dann allgemein nach den antiken Namen Sagunto benannt.

Spanischer Entsatzplan mini|Karte der Schlacht von Sagunt aus dem Atlas des Halbinselkriegs. Die spanische Junta in Cádiz hatte General Joaquin Blake zum Generalkapitän von Katalonien ernannt, ihm unterstanden damit die Truppen von Murcia, Valencia und von Aragon. In Valencia sammelte sich eine spanische Entsatzarmee mit etwa 25.300 Mann, um die Garnison zu entsetzen. Blakes Veteranen aus der Schlacht von Albuera bildeten das 2. Armeekorps (Armee von Valencia) unter General O’Donnell, Generalleutnant Nicolas de Mahy y Romo führte das 3. Armeekorps (Armee von Murcia) heran und die 4. Reservekorps wurde von General Lardizábal geführt. Die spanische Armee zog sich nach Ankunft der Franzosen nach Valencia zurück und hinterließ zur Verteidigung der Burg von Saguntum nur fünf Bataillone (etwa 2700 Mann) mit 17 Geschützen und 3 schweren Haubitzen unter dem Kommando von Oberst Luis Maria Andriani.

General Blake erreichte Sagunt am 12. Juli mit seiner Expeditionsarmee, allerdings war nur ein geringer Teil seiner Truppen angemessen ausgerüstet und ausgebildet. Zudem schwächten Krankheiten die Kampfkraft seiner Truppen. Sein ehrgeiziger Plan sah vor, die Armee von Suchet südlich von Saguntum anzugreifen und ihn festzuhalten, während der Rest der Truppen einen flankierenden Marsch machen sollte, der den französischen rechten Flügel zu umfassen hatte. Für den frontalen Angriff wählte er die Veteranen unter Lardizábal und Zayas, die von der Hälfte der valencianischen Kavallerie unter General Caro und der Reserve-Division unter General Velasco unterstützt werden sollte. Insgesamt sollten etwa 10.500 Mann den Hauptangriff führen und dabei durch drei Batterien unterstützt werden.

Belagerung von Saguntum, 23. September – 26. Oktober 1811 mini|Burg von Saguntum

Am 23. September traf die etwa 26.000 Mann starke französische Armee vor Saguntum ein. Marschall Suchet entschied, dass er keinen Angriff auf Valencia riskieren könnte, bevor er Saguntum erobert hatte und begann mit der Belagerung. Die Division von General Habert lagerte im Norden auf den Höhen von Cabeçol dicht vor Murviedro, überquerte dann den Rio Palancia, errichtete Barrikaden und begann den Burgberg einzuschließen. Die Division von General Harispe lagerte südlich von Murviedro am Fuß der Höhe von Gausa. Die neapolitanische Division unter General Palombini lagerte im Nordwesten zwischen Petrés und Gilet im Nordwesten und sperrten die Straße nach Aragonien ab. Es fehlte aber noch das Belagerungsgerät, welches für einen Angriff auf die Zitadelle notwendig war. Die Spanier hatten um den langen, schmalen Hügel die Wehrmauer neu ausgebaut und in vier Abschnitte mit Quermauern unterteilt. Am westlichen Ende des Hügels, gegenüber dem leichtesten Abhang, hatten sie eine neue Geschützbatterie installiert, auf dem höchsten Punkt des Hügels befand sich die Geschützbatterie San Fernando. Am östlichen Ende des Hügels befanden sich die beiden Batterien Menacho und Doyle. Die Verstärkung des französischen Belagerungsringes machte schnell Fortschritte. Der erste Angriff erfolgte in der Nacht vom 27. auf den 28. September. Die Franzosen hatten Lücken am nördlichen Mauerwall festgestellt, wo die Spanier die alte Holzwand noch nicht durch Mauerwerk ersetzt hatten. Für den ersten Angriff wurden zwei Kolonnen mit jeweils 300 Mann angesetzt, weitere 300 Soldaten wurden in Murviedro als Reserve bereitgehalten. Die beiden Kolonne erreichten die alte Zisterne, etwa 120 Meter vor der ausgemachten Schwachstelle an der Mauer, ohne zunächst entdeckt zu werden. Beim folgenden Kampf konnten einige Abteilungen sogar mehrmals die Mauer erklimmen, konnten aber ihre Positionen nirgends behaupten. Die Franzosen setzten auch vergebens ihre Reserve ein, wodurch die Gesamtzahl der beim Angriff Beteiligten auf 900 Mann stieg. Erst kurz vor Tagesanbruch setzte Suchet den Angriff aus. Die Franzosen hatten während des Angriffs 247 Tote verloren, während die Spanier trotz der heftigen Kämpfe nur 15 Tote und 30 Verwundeten aufwiesen. Das Fort Oropesa wurde am 10. und 11. Oktober gestürmt, die ersten schweren Geschütze trafen am 12. Oktober ein. Die Franzosen hatten die letzten drei Wochen genutzt, die Verankerungen für die ankommenden Batterien bereit zu machen. Ihre Arbeit konnte wegen den vollständigen Mangel an schweren Geschützen bei den Spaniern fast ungehindert erfolgen.

Am 16. Oktober waren alle Belagerungsgeschütze eingetroffen und verankert, die Bombardierung der Festung wurde eingeleitet. Die französischen Geschütze schlugen am Nachmittag des 18. Oktober in der südwestlichen Seite der Mauern eine Bresche und an diesem Abend befahl Suchet einen zweiten Sturmangriff. Dieser Angriff machte aber weniger Fortschritte als der erste, denn die französischen Ingenieure hatten die Situation falsch eingeschätzt. In der Bresche stellten die herausgebrochenen Steinblöcke ein großes Hindernis dar. Die Franzosen kamen nicht an die Bresche heran und mussten den Angriff nach Verlust von 300 Mann abbrechen.

Das langsame Fortschreiten der Belagerung stellte General Blake, den Befehlshaber der spanischen Armee von Valencia in Zugzwang. Er hatte zunächst nicht die Absicht, die Belagerten zu entlasten, weil er der Meinung war, dass seine Armee den Franzosen im Feld nicht gewachsen war. Mitte Oktober musste er sich aber zum Entsatz entschließen, um nicht von der Junta abgesetzt zu werden. Zudem wurde die Armee von Murcia unter General Mahy, die über Cuenca heranmarschierte, am linken Flügel erwartet. Am 23. Oktober schob sich die Vorhut der Spanier nach Liria, etwa 30 Kilometer südlich von Sagunto vor, die Masse der spanischen Armee lagerte aber noch in der Nähe von Valencia und wurde erst am folgenden Tag nach Sagunt nachgeschoben. In der Nacht des 24. Oktober bezog Blake sein Hauptquartier in El Puig, etwa 10 km südlich von Sagunt. Die Division von General Jose Zayas brauchte wegen der schlechten Wege länger als erwartet, um El Puig zu erreichen. Im Westen lagerte General Juan Caro mit drei Kavallerie-Brigaden zwischen Puig und dem Kloster Cartuja de Ara Christi. Weiter links ließen sich die Truppen von Lardizábal mit 3000 Mann in der Ebene von Cartuja nieder. Am Abend trafen sich die Offiziere im Hauptquartier von Blake in El Puig und erhielten die entsprechenden Angriffsbefehle für den folgenden Tag.

Französische Armee von Katalonien Marschall Louis Gabriel Suchet

1. Division, General Louis François Félix Musnier, 4829 Mann Brigadegeneral Louis Benoît Robert Brigadegeneral Florentin Ficatier

2. Division, General Jean Isidore Harispe, 4762 Mann Brigadegeneral Marie Auguste Paris Brigadegeneral Józef Chłopicki

3. Division, General Pierre-Joseph Habert, 3459 Mann Brigadegeneral Louis François Élie Pelletier, Graf Montmarie Brigadegeneral Nicolas Bronikowski

Italienische Division, General Giuseppe Federico Palombini 7600 Mann Brigadegeneral Vertigier Saint Paul Brigadegeneral Éloi Charles Balathier Neapolitanische Brigade: General Claude Antoine Compère

Kavallerie: Brigadegeneral André Joseph Boussart, 2405 Mann Artillerie: General Sylvain-Charles Valée, 1800 Mann Sappeure General Joseph Rogniat, 600 Mann

Total Etwa 25.500 Mann

Reserve-Division General Honoré Charles Reille

Brigadegeneral Claude Marie Joseph Pannetier, 2834 Mann Brigadegeneral Jean Raymond Charles Bourke, 3961 Mann Kavallerie: 800 Mann Artillerie: 1153 Mann

Division General Filippo Severoli, 4370 Mann

Total Etwa 13.100 Mann

Spanische Armee General Joaquín Blake y Joyes

1. Armeekorps Division General Miguel Lardizabal y Uribe, 2972 Mann Division General José Pascual de Zayas y Chacón, 2550 Mann Kavallerie: General Casimiro Loy, 294 Mann

2. Armeekorps Generalleutnant Carlos O’Donnell Division General José Miranda, 3964 Mann Division General José Obispo, 3400 Mann Division General Pedro Villacampa, 3352 Mann Reservedivision General Velasco, 3670 Mann Kavallerie: General San Juan de Caro, 1721 Mann

3. Armeekorps Generalleutnant Nicolás de Mahy y Romo Brigade General Juan Creagh, 2218 Mann Brigade General Eugenio Palafox, Conde de Montijo, 2410 Mann Kavallerie: 826 Mann

Garnison Sagunto 2663 unter Oberst Luis Maria Andriani

Garnison Valencia Artillerie: 1654 Mann Sappeure: 421 Mann

Total Etwa 28.500 Mann

Schlacht bei Murviedro am 25. Oktober 1811