mini|8,1-cm-Festungsminenwerfer Hohbühl A 5575 Die Sperrstelle Stammheim-Schlattingen (Armeebezeichnung Nr. 611, 614, 617, 618) war eine Grenzbefestigung der Grenzbrigade 6 der Schweizer Armee. Sie gilt als militärhistorisches Denkmal von regionaler Bedeutung.Silvio Keller, Maurice Lovisa, Patrick Geiger: Militärhistorische Denkmäler im Kanton Zürich. VBS, 2004.
Geschichte Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Rhein eine befestigte Grenze. Die für den Angreifer günstigen Übersetzmöglichkeiten bei Stein am Rhein und Diessenhofen wurden von der Grenzbrigade 6 als gefährlich eingestuft, weil von dort aus über die Senke bei Unterstammheim in die Räume Winterthur und Frauenfeld vorgestossen werden konnte.
Die Schlüsselräume im Abschnitt rechts (südlich des Rheins) des Infanterieregimentes (Inf Rgt) 52 waren: Herdern, Stammerberg, Schlattingen-Stammheim-Rodenberg, Dickihof-Wildensbuch-Trüllikon und Ossingen-Gisenhard.
Die Sperranlage zieht sich in west- östlicher Richtung quer durch die drei Kilometer von der Landesgrenze (Rhein) entfernte Senke an der Grenze der Kantone Thurgau und Zürich zwischen Schlattingen und Unterstammheim. Sie ist die letzte modernisierte Sperre der Schweiz. 1994/95 wurden hier die drei letzten Centi Bunker der Schweiz gebaut. Die natürlichen Hindernisse, wie der Rhein, mussten durch künstliche Mittel ergänzt und mit Feuerschutz (Rheinbunker, Festungsminenwerfer, mobile Artillerie, Flieger) verstärkt werden.
Während des Zweiten Weltkrieges gab es in der Stammheimer Senke keine zweite Verteidigungslinie. Im Kalten Krieg schätzte die Schweizer Armee die Gefahr so hoch ein, dass dort die stärkste Sperrstelle im gesamten Brigaderaum erstellt wurde. Um diese Achse nachhaltig zu sperren, wurden drei Sperrstellen errichtet (614, 617, 618).
Die Sperrstelle 611 (Oberstammheim) gehörte zum Füsilierbataillon (Füs Bat) 160 des Inf Rgt 52.Festung Oberland: Sperre Nr. 611 Oberstammheim ZH.
Die östliche Sperrstelle 614 (östlich Schlattingen) sperrte als Vorsperre die Strasse von Stein am Rhein zwischen Rodebärg und Stammerberg (zwei Pak-Garagen für mobile Panzerabwehrkanonen usw.). Beide 8,1-cm-Festungsminenwerfer 1956/60 (A5575 Hohbühl und A5576 Junkerenboden) konnten auf diese Sperre wirken.Festung Oberland: Sperre Nr. 614 Unterstammheim ZH.
Die Hauptsperre 617 (nördlich Unterstammheim) sperrte die Stammheimer Senke auf einer Breite von rund zwei Kilometern. Sie wurde von den 1970er bis in die 1990er Jahre ausgebaut (drei Centurion-Panzerabwehr-Bunker, ein 8,1-cm-Festungsminenwerfer Monoblock Typ 50, eine Pak-Garage). Alle Sperrstellen wurden mit vielen Unterständen (U4, U12, ASU) ausgerüstet. Die letzte Modernisierung erfolgte durch verstärkte Panzersperren (GPH66) und mehrere 12-cm-Festungsminenwerfer 1959 (mit moderner Kanistermunition, intelligente Panzerabwehr-Geschosse Strix).
Die westliche Sperrstelle 618 (Schlattingen und Schlattingen Süd, Raum Füs Bat 152) hatte die westliche Einfallachse bei Schlattingen (zwischen Rodebärg und Joosebuck) zu sperren (vier Pak-Garagen, ein 8,1-cm-Festungsminenwerfer Monoblock Typ 50). Die ersten Sperrelemente wurden ab 1937 verbaut. Der in den 1960er Jahren erstellte Minenwerfer konnte die Sperrstelle und den Brückenkopf bei Diessenhofen mit seinem Feuer bestreichen.Festung Oberland: Sperre Nr. 618 Schlattingen/Schlattingen Süd ZH.
Die Grenzbrigade 6 wurde 1994 aufgelöst. Die Sperrstellen wurden grösstenteils mit der Armeereform 1995, die übrigen um 2004 ausser Dienst gestellt. Die Gemeinden Ober-, Unterstammheim und Waltalingen wollen Teile der Sperre samt Geschützbunker vom Bund übernehmen, um sie der Öffentlichkeit auf einem «historischen Bunkerweg» zugänglich zu machen.Kommandant und Stab der Grenzbrigade 6: Die Auflösung von Traditionsverbänden. In: Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift. Nr. 12/1994, doi:10.5169/seals-63266, S. 24.Martin Huber: Zürichs verborgene «Russen-Sperre». Es ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg: Die Panzersperre der Schweizer Armee, die sich durchs ganze Stammertal im Norden des Kantons zieht. In: Tages-Anzeiger. 24. Mai 2018.
Anlagen Unterstand Rodenberg West A 5510 Unterstand Rodenberg Ost A 5511 Unterstand Bleuelhausen A 5526 8,1-cm-Festungsminenwerfer 50 Hohbühl A 5575 8,1-cm-Festungsminenwerfer 50 Junkerenboden A 5576 10,5-cm-Centi-Bunker Furtmüli Nord A 5577 Geissbühl Nord 10,5-cm-Centi-Bunker Furtmüli Süd A 5578 Geissbühl Süd 10,5-cm-Centi-Bunker Steigbüel A 5579 8.1 cm Festungsminenwerfer 56 Kyburgerstein F 6525 Unterschlatt TG Pak-Garage Halden (VOBAG) F 6638 Unterstand U12 Rotlenbuch (VOBAG) F 6647 Pak-Garage Fisterbuck (VOBAG) F 6653 Pak-Garage Guggerihalden (VOBAG) F 6657 Pak-Garage Vorhegi (VOBAG) F 6661 Pak-Garage Schlosserbuck (VOBAG) F 6700
Unterstand Mooshölzli Kompanie KP (VOBAG) F 6709 Pak-Garage Mooshölzli (VOBAG) F 6711 Pak-Garage Ungrien (VOBAG) F 6719 Pak-Garage Weiher (VOBAG) F 6722 Kugelbunker U4 Bleuelhausen A 6755 Unterstand U12 Späckhofwald (VOBAG) A 6763 Vorhegi ASU 6S, 30 Mann F 6796 ASU-Kommandoposten Kompanie F 6912 Munitionsmagazin Typ 22 Hohbühl F 6955 GPH66 und Strassenbarrikaden T 2660 GPH und Strassenbarrikaden T 2661 Tankmauer GPH66 T 2663 GPH66 und Strassenbarrikaden T 2667
Sperrstelle Trüllikon Der Raum Trüllikon ZH wurde in den 1950er und 1960er Jahren als Infanteriestützpunkt ausgebaut. Die damals erstellten Anlagen sind grösstenteils abgebaut.Festung Oberland: Sperrstelle Trüllikon mini|Barrikade Trüllikon Ost ASU 6S Trüllikon F 6441 Unterstand U12 Langenmoos (VOBAG) F6446 Kugelbunker U4 Husemersee F 6450 Kugelbunker U4 Berghof F 6457 Kugelbunker U4 Hirnital F 6458 8.1 cm Festungsminenwerfer Türni F 6597 Unterschlatt TG Barrikade Trüllikon Ost T 2959 GPH Trüllikon Ost T 2959 Barrikadenelemente Trüllikon Ost T 2959 GPH Wald Trüllikon Ost T 2959
Literatur Silvio Keller, Maurice Lovisa, Patrick Geiger: Militärische Denkmäler im Kanton Zürich. VBS 2004 ar.admin.ch (PDF; 2,64 MB). Robert Gubler: Grenzbrigade 6 1938–1994. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1994.
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