mini|Karte mit eingezeichneter Unfallstelle mini|Eisenerz-Zug der der BHP Billiton in Port Hedland
Bei dem Eisenbahnunfall von Turners Siding wurde am 5. November 2018 in der Nähe von Turners Siding in der Region Pilbara, Westaustralien, ein extrem langer und schwerer Güterzug absichtlich zum Entgleisen gebracht, nachdem er außer Kontrolle geraten war.
Ausgangslage Die Bahnstrecke Newman–Port Hedland in Westaustralien gehört dem Bergbauunternehmen BHP Billiton. Sie ist eingleisig und läuft vom Landesinneren überwiegend mit Gefälle auf die Küste zu. Auf der Strecke verkehren ausschließlich Ganzzüge zum Transport von Eisenerz aus dem Tagebau zur Verladung im Hafen Port Hedland am Indischen Ozean. Die Züge sind sehr lang und werden in Mehrfachtraktion mit Diesellokomotiven befördert. Der Betrieb der Strecke wird aus Perth, etwa 1500 km von der Unfallstelle entfernt gelegen, ferngesteuert.
Die Züge sind mit mehreren Bremsen ausgestattet: Einer Bremse in der Lokomotive, Handbremsen an jedem Wagen und einer durchgehenden Luftdruckbremse und einer weiteren elektronisch gesteuerten Bremse, Automatic train protection system (ATP).
Der Zug mit der Nummer M 02712 war ein beladener Erzzug. Er bestand aus 268 Wagen und vier Lokomotiven und befand sich auf der Fahrt zum Hafen.
Unfallhergang Der Lokomotivführer stellte um 03:39 Uhr fest, dass die Kommunikation zum Zugschlussgerät unterbrochen war, und brachte den Zug etwa 210 km vor Port Headland zum Stehen. Er informierte die Zugleitstelle, die die Strecke sperrte und Techniker zum liegengebliebenen Zug schickte. Der entgegenkommende Leerzug mit der Nummer M 02727 hielt in der nahegelegenen Kreuzungsstelle Garden South.
Wegen des Gefälles war es erforderlich, bei dem beladenen Zug die Handbremsen der Wagen anzulegen. Damit begann der Lokomotivführer kurz vor 04:00 Uhr, nachdem er von der Leitstelle die Information erhalten hatte, die Techniker würden am hinteren Zugende das Gleiche tun. Allerdings hatten sie den Zug verwechselt und legten beim Leerzug in Garden South die Handbremsen an. Darüber, ob der Lokomotivführer die Feststellbremsen der Lokomotiven ordnungsgemäß betätigt hatte, liegen unterschiedliche Angaben vor. Beim Abgehen seines Zuges bemerkte er, dass die Hauptluftleitung zwischen dem zehnten und elften Wagen beschädigt war, was dazu führte, dass die Druckluftbremse nur auf die ersten zehn Wagen wirkte.
Gegen 04:40 Uhr, als der Lokomotivführer am 73. Wagen angelangt war, lösten sich die Bremsen der Lokomotiven und das Zuggewicht überwand die Haltekraft der bereits angezogenen Handbremsen. Der Zug setzte sich in Bewegung und rollte einige Zeit später mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h durch Garden South. Beide Lokomotivführer informierten die Leitstelle über den entlaufenen Zug, die daraufhin alle anderen Lokomotivführer auf der Strecke anwies, ihre Züge zum Stehen zu bringen und sich in Sicherheit zu begeben.
Gegen 05:30 Uhr wurde der entlaufene Zug, welcher zwischenzeitlich eine Geschwindigkeit von 160 km/h erreicht hatte, bei noch immer 144 km/h in menschenleerem Gebiet, 92 km vom ursprünglichen Haltepunkt entfernt, gezielt zur Entgleisung gebracht. Nur die beiden führenden Lokomotiven und der erste Wagen sowie die letzten 22 Wagen blieben im Gleis.
Folgen Niemand wurde verletzt. 245 Wagen, zwei Lokomotiven und zwei Kilometer Gleis wurden zerstört, als der Zug entgleiste. Der direkte Schaden soll etwa 30 Mio. Euro betragen, der tägliche Produktionsausfall etwa 36 Mio. Euro. Wie lange die Strecke unterbrochen bleibt, war im November 2018 noch nicht abzusehen. Kurz nach dem Unfall ging der Betreiber davon aus, dass der Betrieb nach einer Woche wieder aufgenommen werden könne.
Die BHP entließ den Lokführer, musste aber schließlich in einen arbeitsrechtlichen Vergleich einwilligen.
Einzelnachweise
Turners Siding Kategorie:Schienenverkehr (Western Australia) Turners Siding Turners Siding