Dieser Artikel behandelt die französische Fußballnationalmannschaft der Frauen bei der Weltmeisterschaft 2019. Frankreich nahm nach 2003, 2011 und 2015 zum vierten Mal an einer WM-Endrunde teil. Als Ausrichter der WM-Endrunde brauchten die Französinnen sich für das Turnier nicht zu qualifizieren. Sie schieden diesmal erneut bereits im Viertelfinale aus dem Wettbewerb aus.

Vorbereitung 230px|WM-Test-Stammelf 2018/19

In den zwölf Monaten vor Beginn der WM-Endrunde versuchte Nationaltrainerin Corinne Diacre, den Mangel an Pflichtspielen durch Testspiele gegen möglichst viele hochkarätige Gegnerinnen auszugleichen. Darunter waren Australien (2:0), Brasilien (3:1), die USA (3:1), Deutschland (0:1), Japan (3:1) sowie Vizeeuropameister Dänemark (4:0), außerdem das als schwächer einzuschätzende Uruguay (6:0). Ein weiteres Kriterium der Auswahl von Kontrahentinnen in der Vorbereitung auf das Turnier war für Diacre, sich gegen „unterschiedliche Spielkulturen und -stile“ zu erproben; deshalb sollte ein Gegner aus Asien dazugehören, der nicht für die WM qualifiziert ist,„Corinne Diacre: Nichts wird einfach sein“ vom 9. Dezember 2018 bei footofeminin.fr wie beispielsweise Nordkorea. Tatsächlich wurden das in den 14 Tagen vor dem Eröffnungsspiel gegen Südkorea aber mit Thailand (3:0) und China (2:1) doch zwei WM-Teilnehmer.

Für dieses Vorbereitungsprogramm hatten die Französinnen – genauso wie die deutschen Frauen – auf die Teilnahme beim SheBelieves Cup 2019 verzichtet.

Insgesamt waren 26 Frauen für Frankreich in den elf Testpartien der Saison 2018/19 zum Einsatz gekommen, nach deren Abschluss sich die vermutliche Stammformation – im von der Trainerin bevorzugten 4-2-3-1-System – auf den meisten Positionen deutlich abzeichnete (siehe die Graphik rechts):

Tor: Sarah Bouhaddi (Lyon, 9+1e), Pauline Peyraud-Magnin (Arsenal, 2)

Abwehr: Marion Torrent (Montpellier, 10), Wendie Renard (Lyon, 8), Amel Majri (Lyon, 7), Griedge Mbock Bathy (Lyon, 7), Aïssatou Tounkara (Atlético Madrid, 5), Sakina Karchaoui (Montpellier, 3+2e), Ève Périsset (Paris SG, 1+3e), Julie Debever (Guingamp, 2), Annaïg Butel (Paris FC, 1)

Mittelfeld: Gaëtane Thiney (Paris FC, 9+1e), Élise Bussaglia (Dijon, 6+3e), Charlotte Bilbault (Paris FC, 5+4e), Amandine Henry (Lyon, 8), Onema Grace Geyoro (Paris SG, 3+4e), Kenza Dali (Dijon, 3e), Maéva Clemaron (Fleury, 3e), Kheira Hamraoui (Barcelona, 1e)

Angriff: Kadidiatou Diani (Paris SG, 8+1e), Delphine Cascarino (Lyon, 8+1e), Valérie Gauvin (Montpellier, 8+1e), Viviane Asseyi (Bordeaux, 2+6e), Eugénie Le Sommer (Lyon, 6), Emelyne Laurent (Guingamp, 5e), Marie-Antoinette Katoto (Paris SG, 1+3e)

In Klammern: aktueller Verein und Zahl der Einsätze; e = eingewechselt

Die 36 Tore dabei hatten erzielt: Diani (8), Le Sommer (6), Gauvin (5), Cascarino, Mbock Bathy (je 3), Dali, Bussaglia (je 2), Thiney, Renard, Katoto, Asseyi, Bilbault, Geyoro, Clemaron (je 1).

Frankreichs „zweiter Anzug“, die B-Elf, hatte im Februar/März 2019 beim Turkish Women’s Cup sowie Anfang April im spanischen La Manga insgesamt sieben Partien bestritten.Artikel „Ein vollgepacktes Programm steht bevor“ vom 13. Februar 2019 bei footofeminin.fr Letztlich konnte aus diesem Kreis aber niemand mehr in letzter Minute ein WM-Ticket lösen.

Ungeachtet der positiv verlaufenen Vorbereitung mit zehn Siegen und einer Niederlage wird sich bei der WM-Endrunde herausstellen müssen, ob sich „das vorhandene Potential [der Bleues] zur Abwechslung einmal in zählbare Erfolge ummünzen lassen wird“.So formuliert es Charlotte Vincelot in ihrer Einschätzung der WM-Favoriten vom 1. Mai 2019 bei footofeminin.fr.

Trainingslager Die für die WM berufenen Spielerinnen (siehe den Abschnitt „Aufgebot“ hierunter) kamen – mit Ausnahme der sieben Lyonerinnen, die an diesem Tag noch das Landespokalendspiel bestreiten mussten, und der beiden im Ausland spielenden Fußballerinnen – vom 8. bis 11. Mai in Perros-Guirec zusammen. Vom 13. bis 18. Mai versammelte sich der Kader im Centre technique national Fernand-Sastre von Clairefontaine-en-Yvelines. Dann folgten drei freie Tage, während denen für die Spielerinnen von Olympique Lyon allerdings noch das Champions-League-Finale in Budapest anstand. Ab 21. Mai bis zum Endrundenbeginn waren die Französinnen wieder in Clairefontaine, von wo aus sie jeweils zu den letzten beiden Testbegegnungen beziehungsweise zum ersten WM-Gruppenspiel anreisten.Terminplan der Vorbereitung bei fff.fr

Gegen Thailand, erste der beiden „Generalproben“ zur Vorbereitung auf das WM-Eröffnungsspiel gegen Südkorea, gönnte Diacre sechs der sieben Lyonerinnen nach deren erneutem Gewinn des Europapokals noch eine Erholungspause und setzte lediglich Delphine Cascarino in Frankreichs Startelf ein. Gegen China, auf die Stunde genau sieben Tage vor dem WM-„Ernstfall“, verzichtete die Trainerin erneut auf Le Sommer und Majri, die beide noch leicht angeschlagen waren – „eine reine Vorsichtsmaßnahme“, so Diacre.„Ein letzter Test vor dem großen Tag“ vom 31. Mai 2019 bei footofeminin.fr Auch Henry fehlte auf dem Spielberichtsbogen.

Aufgebot Die Trainerin hatte unmittelbar nach der Auslosung die relativ nichtssagende Feststellung getroffen, dass ihr endgültiger 23er Spielerinnenkreis in einer Mischung aus Jugend und Routine bestehen werde. Nachdem sie bei der FIFA Ende April eine 50 Namen enthaltende Vorauswahl eingereicht hatte, gab sie ihr auf 23 reduziertes Aufgebot bereits am 2. Mai 2019, also vor dem Abschluss der nationalen Wettbewerbe (Meisterschaft am 4., Vereinspokal am 8. Mai) bekannt. Wie aufgrund der Vorbereitungsphase zu erwarten, blieb Corinne Diacre ihrem Personaltableau treu; die letzten beiden offenen Plätze besetzte sie mit Maéva Clemaron (anstelle von Kheira Hamraoui oder Kenza Dali) und Emelyne Laurent statt mit Marie-Antoinette Katoto.Artikel „Corinne Diacre bleibt ihrer Auswahl treu“ vom 2. Mai 2019 bei footofeminin.fr Insbesondere die Nichtberücksichtigung Katotos – in der laufenden Erstligasaison erneut die mit Abstand treffsicherste Torjägerin – beschäftigte unmittelbar nach Bekanntgabe des Aufgebots die Medien –So zum Beispiel Le Monde („Die Blauen ohne Marie-Antoinette Katoto“), Le Parisien („Das Goldstück Katoto außen vor gelassen“) und Libération („“), alle vom 2. Mai 2019. bei L’Équipe am folgenden Tag sogar auf Seite eins.„Liste der 23 Bleues für die WM – Die Gründe für das Fehlen von Marie-Antoinette Katoto“ vom 3. Mai 2019 bei lequipe.fr Die Trainerin begründete ihre Entscheidung mit der Aussage, das sei ein schwieriger Abwägungsprozess gewesen und Katoto besäße „ein enormes Potential, aber sie hat ihre Zukunft noch vor sich. Aus meiner Sicht fehlt es ihr gegen starke Gegner noch an der letzten Bereitschaft, sich durchzusetzen.“Artikel „Die Wahl ist getroffen, ich stehe dazu“ vom 2. Mai 2019 bei footofeminin.fr

Folgende Frauen – mit einem Durchschnittsalter von 26,7 Jahren – hat Corinne Diacre nominiert:Aufgebot auf der Verbandsseite fff.fr; endgültige Vergabe der Rückennummern nach footofeminin.fr vom 25. Mai 2019. Nr. Name Verein Länder-spiele(Tore) davonbeiWM Geburtstag WM 2019 Sp. Sp.-Min. Tore 10px|Gelbe Karten 10px|Gelb-Rote Karten 10px|Rote Karten Torfrauen 16  Sarah Bouhaddi  Olympique Lyon 140 (0) 5 (0) 17.10.1986 5 480 1  Solène Durand  EA Guingamp 0 (0) 20.11.1994 21  Pauline Peyraud-Magnin  Arsenal Women FC (ENG) 2 (0) 17.03.1992 Abwehrspielerinnen 22  Julie Debever  EA Guingamp 3 (0) 18.04.1988 7  Sakina Karchaoui  Montpellier HSC 25 (0) 26.01.1996 1 2 10  Amel Majri  Olympique Lyon 46 (4) 2 (0) 25.01.1993 5 462 19  Griedge Mbock Bathy  Olympique Lyon 50 (5) 0 (0) 26.02.1995 5 480 1 2  Ève Périsset  Paris Saint-Germain FC 15 (0) 24.12.1994 3 117 3  Wendie Renard  Olympique Lyon 109 (20) 8 (0) 20.07.1990 5 480 4 1 4  Marion Torrent  Montpellier HSC 21 (0) 17.04.1992 4 379 5  Aïssatou Tounkara  Atlético Madrid (SPA) 12 (0) 16.03.1995 Mittelfeldspielerinnen 14  Charlotte Bilbault  Paris FC 16 (1) 05.06.1990 2 98 15  Élise Bussaglia  FCO Dijon 188 (30) 9 (1) 24.09.1985 4 300 1 23  Maéva Clemaron  FC Fleury 4 (1) 10.11.1992 8  Onema Grace Geyoro  Paris Saint-Germain FC 22 (1) 02.07.1997 2 5 6  Amandine Henry  Olympique Lyon 83 (11) 5 (1) 28.09.1989 5 480 2 17  Gaëtane Thiney  Paris FC 156 (58) 11 (2) 28.10.1985 5 386 Angreiferinnen 18  Viviane Asseyi  Girondins Bordeaux 32 (5) 20.11.1993 3 179 20  Delphine Cascarino  Olympique Lyon 13 (3) 05.02.1997 5 182 11  Kadidiatou Diani  Paris Saint-Germain FC 47 (10) 1 (0) 01.04.1995 5 417 13  Valérie Gauvin  Montpellier HSC 19 (10) 01.06.1996 5 334 2 1 12  Emelyne Laurent  EA Guingamp 5 (0) 04.11.1998 9  Eugénie Le Sommer  Olympique Lyon 159 (74) 11 (3) 18.05.1989 5 409 2 1 Trainerstab  Corinne Diacre Cheftrainerin 23 04.08.1974  Philippe Joly Assistenzcoach  Gilles Fouache Torfrauentrainer

Die Trainerin hat dabei jede Spielposition doppelt besetzt, lediglich im offensiven Mittelfeld fehle – so die Einschätzung von Charlotte Vincelot bei footofeminin.fr – eine zweite Spielerin mit den Qualitäten von Gaëtane Thiney, die sowohl Gestalterin als auch Vollstreckerin ist und sich mit Eugénie Le Sommer wie Kadidiatou Diani nahezu blind versteht.„Wie hat Corinne Diacre die 23 Blauen während der Vorbereitung verwendet?“ vom 6. Mai 2019 bei footofeminin.fr

Spiele Gruppenphase Bei der Auslosung der WM-Vorrundengruppen am 8. Dezember 2018 waren die Französinnen, zu diesem Zeitpunkt Dritte der Weltrangliste, als Kopf der Gruppe A gesetzt. Ihnen zugelost wurden Norwegen, Südkorea und Africa-Cup-Gewinner Nigeria (Ranglistenplätzen 13, 14 respektive 39). Eintrittskarten für die Spiele gegen Südkorea und Nigeria waren bereits drei Monate vor Turnierbeginn ausverkauft.

Gegen Südkorea hatten die Bleues zuvor erst zwei Spiele ausgetragen und beide gewonnen: 1:0 bei der Weltmeisterschaft 2003 und 3:0 bei der WM 2015. Auch gegen Nigeria standen lediglich zwei gewonnene Partien zu Buche, nämlich ein 1:0 bei der WM 2011 und ein 8:0 anlässlich eines Freundschaftsspiels im April 2018. Norwegen hingegen gehört zu den häufigsten Kontrahentinnen Frankreichs. Die Gesamtbilanz aus 20 Begegnungen war negativ (fünf Siege, sieben Unentschieden, acht Niederlagen); allerdings lag der letzte Erfolg der Skandinavierinnen mittlerweile 16 Jahre zurück (2:0 bei der WM 2003).Spielstatistiken nach dem Artikel „Die Auslosung – Südkorea, Norwegen und Nigeria“ vom 9. Dezember 2018 bei footofeminin.fr Zuletzt gewann Frankreich Anfang 2016 mit 1:0, im Sommer 2017 trennte man sich 1:1. Pl. Team Sp S U N Tore P. 1 Frankreich 3 3 0 0 7:1 9 2 Norwegen 3 2 0 1 6:3 6 3 Nigeria 3 1 0 2 2:4 3 4 Südkorea 3 0 0 3 1:8 0

Fr., 7. Juni 2019, 21:00 Uhr, in Paris (Parc des Princes) Frankreich – Südkorea 4:0 (3:0)Mi., 12. Juni 2019, 21.00 Uhr, in Nizza (Stade de Nice) Frankreich – Norwegen 2:1 (0:0)Mo., 17. Juni 2019, 21.00 Uhr, in Rennes (Roazhon Park) Frankreich – Nigeria 1:0 (0:0)