In den Niederlanden existiert ein breites Netzwerk aus Radschnellwegen (, snelfietsroutes oder doorfietsroutes), das bislang über 300 Kilometer an Strecken zählt. Die Niederlande gelten neben Belgien und Dänemark europaweit als Pioniere im Bau von Radschnellwegen. So gab es bereits in den 1980er-Jahren erste Bestrebungen, Radschnellwege zu errichten.
Geschichte mini|Der Radschnellweg F58 in Rijen Der erste Radschnellweg in den Niederlanden wurde 1980 in Den Haag getestet und sollte den städtischen Autoverkehr entlasten. Jedoch fing die eigentliche Hochphase, in der zahlreiche neue Strecken gebaut wurden, zu Beginn des 21. Jahrhunderts an: Als Startschuss diente der Bau eines Radschnellweges zwischen Breda und Etten-Leur, dessen Bauphase 2003 begann und mit der Eröffnung zum Ende des Jahres 2004 abgeschlossen wurde. Im Jahr 2006 richtete das damalige Ministerie van Verkeer en Waterstaat, heute Teil des Ministerie van Infrastructuur en Waterstaat, das Projekt Fiets filevrij ein, das Autofahrer dazu bewegen sollte, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Dieses Ziel sollte mit der Erschaffung eines Netzes aus Radschnellwegen gefördert werden. Bis ins Jahr 2008 stieg die Anzahl auf fünf Routen, die sich zu dem Zeitpunkt vorwiegend auf das Ballungsgebiet Randstad konzentrierten. In den darauffolgenden Jahren wurden erste Teilabschnitte des Radschnellweges F35 zwischen Nijverdal und Enschede erbaut, der mit rund 60 Kilometern die bislang längste Strecke in den Niederlanden ist. Das Phänomen der Radschnellwege fand auch im vergleichsweise hügeligen Süden der Niederlande, in der Provinz Noord-Brabant, Anklang. Dort sollen bis 2025 elf Strecken angelegt werden.
Ziele mini|links|Fahrradbrücke am Radschnellweg MaasWaalpad über der Maas mini|Fahrradtunnel unterhalb der A15 nördlich von Nijmegen als Teil des RijnWaalpad Durch Radschnellwege sollen möglichst schnelle Verbindungen im Radverkehrsnetz geschaffen und die Fahrradfahrer bevorrechtigt werden. Gleichzeitig sollen aber auch die Gefahren für Radfahrer durch den Autoverkehr minimiert werden. Dazu werden beispielsweise Fahrradbrücken sowie -tunnel errichtet und an Kreuzungen erhalten sie Vorrang.
Andererseits wird beabsichtigt, die Schadstoffbelastung zu reduzieren und dem Gedanken der Nachhaltigkeit (niederländisch duurzaamheid) zu folgen. Eine Fahrt über den Radschnellweg Via 44 von Den Haag nach Leiden über eine Dauer von 34 Minuten erspart somit einen CO2-Ausstoß von 1526 Gramm.
Kritik Im Juli 2018 geriet der Radschnellweg F35 in die Kritik. Nachdem zunächst ein neuer Teilabschnitt der Strecke zwischen Almelo und Vriezenveen am 17. Juli eröffnet worden war, kam es am folgenden Donnerstag zu einem Verkehrsunfall an der Kreuzung Aadorpsweg/De Merel. Dabei wurde eine Fahrradfahrerin, die den Aadorpsweg befuhr, von einem Auto aus Richtung der Straße De Merel angefahren. Die Radfahrerin fuhr parallel zum Aadorpsweg auf dem Radschnellweg und war zum Zeitpunkt des Unfalls vorfahrtsberechtigt. Der Autofahrer hingegen musste an der T-Kreuzung warten, was wiederum missachtet worden war. Anwohner und Radfahrer gaben an, dass das Kreuzen der Straße für Radfahrer lebensgefährlich sei, obwohl sie Vorfahrt haben. Autofahrer wüssten zumeist nicht, dass Radfahrer an der Kreuzung vorfahrtsberechtigt sind. Der Beigeordnete der Gemeinde Twenterand, Bart-Jan Harmsen (Gemeentebelangen Twenterand), soll die Situation begutachten und will sowohl mit der örtlichen Polizei als auch mit Experten in Kontakt treten.
Eine Umfrage der Regionalzeitung BD im Jahr 2016 sollte die bisherigen Erfahrungen mit dem Radschnellweg F59 zwischen ’s-Hertogenbosch und Oss untersuchen. Das Ergebnis fiel überraschend negativ aus. So stellten viele Bürger grundsätzlich die Notwendigkeit des Radschnellweges infrage. Außerdem solle die Sicherheit des Weges nicht vollständig garantiert sein.
Übersicht Mit Stand von Oktober 2023 sind in den Niederlanden über 70 Projekte vorhanden: