Hussmann & Hahn war ein 1908 gegründeter Fischgroßhandels- und Fischverarbeitungsbetrieb in Cuxhaven, der 2000 verkauft wurde und nach mehreren Fusionen und Verkäufen mit Namensänderungen 2015 Insolvenz anmeldete. Von 1936 bis 1954 war dem Betrieb eine Fischfangreederei angegliedert.

Eckdaten der Unternehmensgeschichte An der Wende zum 20. Jahrhundert führte die Erweiterung der Fischfangflotten nach der Umstellung von Segelbooten auf Fischdampfer und der zügige Transport ins Binnenland durch die Eisenbahn zu einem Aufschwung des Seefischhandels, an dem auch Hamburg verstärkt zu profitieren versuchte. Der Hamburger Senat ließ dazu in Cuxhaven, das bis 1937 zu Hamburg gehörte, 1908 den Fischereihafen Cuxhaven bauen.

Am 24. Februar 1908 nahm dort der Auktionsbetrieb seine Tätigkeit auf und kurz darauf gründeten Heinrich Hussmann und Diedrich Hahn am 25. März 1908 eine Seefischhandlung.Ingo Heidbrink, Werner Beckmann, Matthias Keller: … und heute gibt es Fisch! 100 Jahre Fischindustrie und Fischgroßhandel in Schlaglichtern 1903–2003, H.M. Hauschild Verlag, Bremen, 2003, S. 19Beckmann, S. 115Peter Bussler: Historisches Stadtlexikon für Cuxhaven, Sonderveröffentlichung des Heimatbundes der Männer vom Morgenstern Band 36, Cuxhaven 2002, ISBN 3-931771-36-9, S. 112f. Nachdem Heinrich Hussmann 1916 im Ersten Weltkrieg gefallen war, übernahm Diedrich Hahn die alleinige Führung der Firma.Schumann, S. 270 1925 erweiterte Hussmann & Hahn den Betrieb und baute eine Räucherei sowie eine Produktionsstätte für Marinaden auf.Icelanders praise growing German seafood arm, bei fishupdate.com vom 22. September 2014 Mit Gründung der hauseigenen Fischdampferreederei 1936 expandierte die Firma nach Bremerhaven, wo sie eine Zweigniederlassung im Fischereihafen einrichtete. 1938 erweiterte Hussmann & Hahn den Betrieb um eine Fischmehlfabrik, die sich 1969 mit der „Deutschen Fischmehlfabrik & Co.“ zu den „Vereinigten Fischmehlwerken Unterelbe GmbH & Co. KG“ zusammenschlossen. bei bioceval.deSchumann, S. 52, S. 277

mini|Gebäudehalle von Hussmann & Hahn in der Präsident-Herwig-Straße in Cuxhaven Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete 1949 die Herstellung von Seelachs-in-Öl-Produkten die erste Erweiterung der Produktpalette. Als 1954 Hussmann & Hahn die eigene Reederei aufgab, fing sie im gleichen Jahr mit der Produktion von Tiefkühlfisch an und nahm damit eine Vorreiterrolle bei der Herstellung von Tiefkühlprodukten ein.Schumann. S. 72 Ein Jahr später übernahm der Betrieb die Heringshalle und den Heringskai im Cuxhavener Fischereihafen und richtete sie zur Fabrikationshalle ein.Schumann, S. 55

Nach dem Tod von Diedrich Hahn im Jahr 1967 übernahm sein Sohn, der in Geestemünde geborene Kaufmann Kurt Hahn (1907–1995), die als geschäftsführender Gesellschafter der Hussmann & Hahn GmbHVgl. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 443. die Leitung der Firma. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen rund 800 Mitarbeiter. Noch einmal erweiterte Hussmann & Hahn den Betrieb 1990 durch den Neubau von Tiefkühlfisch-Produktionsanlagen. 1995 übernahmen nach dem Tod von Kurt Hahn dessen Söhne Stephan und Thomas Hahn die Firma. Stephan Hahn ist 1998 aus der Geschäftsführung und aus der Gesellschaft ausgeschieden.

Nach diesem Zeitpunkt wurde die Krise des Unternehmens deutlich und die Serie von Verkäufen, Fusionen und Investoren begann: Zum 1. Oktober 2000 übernahm die isländische Gesellschaft „Samherji“ das Unternehmen, 2003 kaufte Hussmann & Hahn den Mitbewerber Pickenpack, die zur Pickenpack Hussmann und Hahn Seafood GmbH (PHHS) fusionierten. Im Jahr 2005 wurde diese von der isländischen Icelandic Group übernommen, 2011 verkaufte diese das Unternehmen an ein Investorenkonsortium um den chinesischen Fischkonzern Pacific Andes. Nach mehreren Jahren in Folge mit steigender Verschuldung stellten die deutschen Firmen der Pickenpack-Gruppe Anfang Dezember 2015 einen Antrag auf Insolvenz, das Werk in Riepe bei Emden wurde von Trident Seafoods übernommen.Firmenprofil Pickenpack Fischfabriken aus Lüneburg bei wer-zu-wem.de

Reederei Hussmann & Hahn Die forcierte Autarkiepolitik im Rahmen des Vierjahresplanes des nationalsozialistischen Deutschlands und die Möglichkeit, die Wertschöpfungskette des Fischverarbeitungsbetriebes durch eine eigene Reederei zu erweitern, bilden den Hintergrund zur Gründung der Reederei Hussmann & Hahn.

Die Reederei wurde im November 1936 gegründet und bildete eine eigene Abteilung innerhalb des Fischgroßhandel- und Fischverarbeitungsunternehmens in Cuxhaven. Im gleichen Jahr hatte sie bereits zwei Fischdampfer bei deutschen Werften bestellt, über den Bau weiterer Schiffe wurde verhandelt. Bei den einzelnen Schiffen hielten neben Hussmann & Hahn auch Diedrich Hahn und weitere Mitreeder Partenanteile.Hansa, Deutsche Nautische Zeitschrift, 73. Jahrgang, 14. November 1936, S. 2241Schumann, S. 153

Bei diesen Dampfern handelte es sich um die beiden Schwesterschiffe Gauleiter Forster (PC 306) und die erste Gauleiter Telschow (PC 307) vom Typ Uranus der Schiffbaugesellschaft Unterweser im heutigen Bremerhaven. 1938 folgte der dritte Neubau Gauleiter Bürckel (PC 315) von der Seebeckwerft in Bremerhaven. Es waren nach dem letzten Stand der Technik gebaute Schiffe mit einem Rumpf in Maierform. Heimathafen der Schiffe wurde Cuxhaven. Zur Versorgung der Schiffe unterhielt das Unternehmen eine Reparaturwerkstatt und eine Netzmacherei. Gleichzeitig richtete die Reederei eine Zweigniederlassung im Wesermünder Fischereihafen ein, dem heutigen Bremerhaven.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die drei Fischdampfer im Rahmen der Mobilmachung im September 1939 von der Kriegsmarine übernommen, umgebaut und als Hilfsminensuchboote bzw. Vorpostenboote eingesetzt. Alle drei Schiffe wurden während des Krieges versenkt. Die Anschaffung von drei weiteren Schiffen für die Reederei war trotz des Krieges geplant: Der vierte Fischdampfer, die Gauleiter Bohle, lief 1940 bei der Seebeckwerft vom Stapel und wurde sofort in die Kriegsmarine als Vorpostenboot eingegliedert – auch dieser Dampfer wurde im Krieg versenkt.

Im Frühjahr 1941 übernahm Hussmann & Hahn die Bereederung des Fischdampfers Günter (z. T. auch als Peter bezeichnet) von Gerhard und Elisabeth Schütze aus Brandenburg/Havel, mit dem der Fischfang wieder aufgenommen werden konnte. Auch dieses Schiff ging noch 1941 nach einem Minentreffer verloren. Als letzten Neubau im Krieg bestellte die Reederei die zweite Gauleiter Telschow. Die Seebeckwerft gab den Auftrag an die niederländische Werft de Merwede in Hardinxveld weiter, lieferte die Baupläne und Materialien. Kurz vor Kriegsende wurde das zu etwa 80 Prozent fertiggestellte Schiffe nach Deutschland geschleppt und nach Kriegsende fertig gebaut.Kokot, S. 4

mini|Modell des Fischdampfers Vorwärts im Wrack- und Fischereimuseum Cuxhaven Nach Kriegsende nahm die Reederei als erstes einen reparierten Dampfer in Betrieb: Die ursprünglich von der Sowjetunion beauftragte Severyanka wurde nach Beginn des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion (Unternehmen Barbarossa) beschlagnahmt, als V 1111 in Dienst und im Juli 1944 nach einem sowjetischen Fliegerangriff ausgebrannt außer Dienst gestellt. Repariert stellte Hussmann & Hahn den Dampfer am 20. Dezember 1945 als Fahrwohl wieder in Dienst. Allerdings musste sie das Schiff bereits im Februar 1946 an die Sowjetunion abliefern. Bereits einen Monat zuvor, im Januar 1946, hatte die Reederei den als zweite Gauleiter Telschow begonnene und als Vorwärts fertig gebauten Fischdampfer auf Fangreise geschickt. Bis 1949 war der Dampfer für Hussmann & Hahn im Einsatz, dann musste er an die Niederlande abgeliefert werden. Noch 1948 hatte Hussmann & Hahn die am Kriegsende versenkte und wieder reparierte Gauleiter Bürckel als Glückauf übernommen. 1952 verkaufte sie den Dampfer an die Nordsee Deutsche Hochseefischerei in Cuxhaven, die sie als Donau in Dienst stellte.

Als Ersatz für die abgelieferte Vorwärts charterte die Reederei von der Fischdampfer-Treuhandgesellschaft das kleine von den USA zur Verfügung gestellte Fischereimotorschiff Margee and Pat II. 1952 wurde das Schiff an die USA zurückgegeben. Als letztes Schiff übernahm die Reederei 1951 den Neubau Elbe von der Seebeckwerft. 1954 verkaufte sie ihn wieder, ebenfalls an die Nordsee Deutsche Hochseefischerei. Das Schiff sank ein Jahr später bei einer Kollision, bei der 15 Seeleute ums Leben kamen. Nach dem Verkauf der Elbe 1954 gaben Hussmann & Hahn den Reedereibetrieb auf.vgl. zur Fischdampfer-Treuhand GmbH: Beckmann, S. 81f.Schumann, S. 59

Eigene und bereederte Schiffe der Reederei Die Daten beschreiben die Schiffe zum Zeitpunkt der Ablieferung. Spätere Änderungen sind unter Anmerkungen verzeichnet.