mini|hochkant=1.5|Das frühe Rom und seine Umgebung. Karte aus dem 19. Jahrhundert Ab urbe condita (lateinisch für „seit Gründung der Stadt“) ist das Geschichtswerk des römischen Historikers Titus Livius. Der rhetorisch geschulte Autor lebte zur Zeit des Kaisers Augustus. Er erzählt in seinem Werk ausführlich die zu seiner Lebenszeit über 700-jährige Geschichte Roms. Die Darstellung reichte ursprünglich von Roms sagenhafter Gründung 753 v. Chr. bis zum Tod des Drusus im Jahr 9 v. Chr. Für die Gründungssage der Stadt, die anschließende sagenumwobene Königszeit sowie die frühe und mittlere Republik ist das Werk die wichtigste erhaltene Quelle. Die Darstellung der Geschichte der späteren Republik bis hin zu den zeitgenössischen Partien ist hingegen verschollen und nur durch kurze spätantike Auszüge und Inhaltszusammenfassungen greifbar.

Der handschriftlich beglaubigte und auch durch andere Zeugnisse bestätigte vollständige Titel lautet ab urbe condita libri.Carl Hosius: Die römische Literatur in der Zeit der Monarchie bis auf Hadrian (= Handbuch der Altertumswissenschaft. 8. Abteilung: Geschichte der römischen Literatur. 2. Band. 4. Auflage). C. H. Beck, München 1935, S. 300. Weit verbreitet sind als deutsche Titel „Von der Gründung der Stadt (Rom)“ oder „Römische Geschichte“. Bei Quellenangaben wird das Werk in der Regel mit dem Kürzel des Autors, Liv., zitiert, da es keine anderen erhaltenen Schriften von ihm gibt.

Umfang und Abfassungszeit Die Erzählung beginnt mit der Ankunft einer kleinen Gruppe von flüchtenden Trojanern in Italien. Das Ende des Werks kann nur aufgrund der Angaben der noch existierenden Inhaltsangabe (Periocha) des letzten Buches ermittelt werden. Sie erzählt den Tod des Drusus. Ursprünglich waren vielleicht 150 Bücher (bis zum Tod des Augustus) geplant, deren Fertigstellung das Ableben des Autors verhindert haben könnte. Überliefert sind 142 Bücher, doch blieb nur knapp ein Viertel davon erhalten: die Bücher 1–10 (Zeit von 753 v. Chr. bis 293 v. Chr.) und 21–45 (218 v. Chr. bis 167 v. Chr.; ab Buch 41 lückenhaft). Der Rest ist durch Inhaltsangaben (periochae), Auszüge (epitomae) und Fragmente (insbesondere ein Palimpsest-Fragment aus dem 91. Buch über die Kriege des Quintus Sertorius) teilweise bekannt.

In den erhaltenen Partien enthält ein einzelnes Buch etwa 55 Seiten Teubner-Text, so dass der Gesamtumfang des Werks gegen 7000 Seiten betrug. Für die Niederschrift seines Werks, das er abschnittsweise verfasste und veröffentlichte, benötigte Livius mehr als 40 Jahre. Wie viel Arbeit hinter dem Werk steckt und mit welcher Geschwindigkeit Livius gearbeitet hat, zeigt der Durchschnitt von drei bis vier Büchern im Jahr.

Dieses hohe Arbeitstempo wird im Groben auch durch chronologische Indizien bestätigt. Da im 1. Buch die 29 v. Chr. erfolgte erste Schließung des Janustempels durch AugustusLiv. 1, 19, 3. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, München und Zürich, 1987., aber nicht die zweite (25 v. Chr.) erwähnt ist, und ferner der Princeps als AugustusLiv. 1, 19, 3. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, München und Zürich, 1987. bezeichnet wird, den Titel, den er erst 27 v. Chr. verliehen bekam, dürfte es zwischen 27 und 24 v. Chr. entstanden sein.Einleitung von Robert Maxwell Ogilvie in The Early History of Rome, Books I–V of The History of Rome from Its Foundations, Translated by Aubrey de Sélincourt, Penguin Books, London 2002 Im 9. Buch wird auf die Parther-Freundlichkeit eines zeitgenössischen Autors hingewiesen,Liv. 9, 18, 9. aber nicht die 20 v. Chr. erfolgte Rückgabe der Feldzeichen des Crassus durch die Parther erwähnt, so dass dieses Buch früher verfasst sein dürfte. Dass das 28. Buch nach 19 v. Chr. geschrieben wurde, ist daraus ersichtlich, dass eine darin gemachte Bemerkung den in diesem Jahr von Agrippa gegen die Kantabrer geführten Krieg voraussetzt.Liv. 28, 12, 12, Titi Livi Ab Urbe Condita Libri, erklärt von W. Weissenborn, Erster Band Buch I und II, Leipzig, 1853, Einleitung S. 9. mit Angabe der Textstelle im Original.

Laut der Überschrift der periocha zum 121. Buch kamen die Bücher 121–142 erst nach dem Tod des Augustus (14 n. Chr.) heraus.“(…) and a note in the summary of Book 121 states that that book (and presumably the remaining books which dealt with Augustus’s principate) where not published until after the emperor’s death in AD 14, for fear, we may assume, that they might give offence.” Einleitung von Robert Maxwell Ogilvie in The Early History of Rome, Books I–V of The History of Rome from Its Foundations, Translated by Aubrey de Sélincourt, Penguin Books, London 2002 Da Livius in diesem Fall in seinen letzten drei Lebensjahren 22 Bücher hätte verfassen müssen, ist davon auszugehen, dass jedenfalls ein Teil von ihnen schon vor dem Publikationsdatum fertiggestellt war.Michael von Albrecht: Geschichte der römischen Literatur, Saur, 1994, Bd. 1, S. 661; Carl Hosius: Die römische Literatur in der Zeit der Monarchie bis auf Hadrian (= Handbuch der Altertumswissenschaft. 8. Abteilung: Geschichte der römischen Literatur. 2. Band. 4. Auflage). C. H. Beck, München 1935, S. 300;

mini|Nicolas Poussin, 17. Jh.: Szene aus dem 2. Buch:Liv. 2,40,5. Übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf und Zürich, 2007. Frauen bitten den Coriolanus, Rom zu verschonen

Gliederung und Inhalt Die noch vorhandenen Partien des Geschichtswerkes gliedern sich in Gruppen zu je fünf Büchern (Pentade), die sich wiederum zu übergeordneten Fünfzehnergruppen (Pentekaidekaden) zusammenschließen.Die Rezeption der antiken Literatur, Kulturhistorisches Werklexikon, Der neue Pauly, Supplemente 7, Stuttgart Weimar 2010, S. 422. Neue Abschnitte eröffnete Livius häufig mit eigenständigen Einleitungen, so etwa zu den Büchern 1, 6, 21, und 31.Buch 1: Titus Livius Römische Geschichte I–III, übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf/Zürich 2007, S. 6–10; Buch 6: Titus Livius Römische Geschichte IV–VI, übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf/Zürich 2007, S. 287; Buch 21: Titus Livius Römische Geschichte XXI–XXIII, übersetzt von Josef Feix, Düsseldorf/Zürich 2000, S. 6; Buch 31: Titus Livius Römische Geschichte XXXI–XXXIV, übersetzt von Hans Jürgen Hillen, Düsseldorf/Zürich 2007, S. 6.