mini|Siegel der Universität Bologna mini|Hauptgebäude Universität La Sapienza in Rom, päpstliche Gründung 1303, 1870 vom Staat Italien übernommen, mit 114.000 Studenten eine der größten Universitäten Europas

Das Bildungssystem in Italien wird durch nationale Gesetze geregelt und ist daher weitgehend einheitlich. Innerhalb der Exekutive ist das Unterrichtsministerium für das Schul- und Hochschulwesen zuständig. Für die Berufsbildung gibt es einen einheitlichen Standard, das Nähere regeln auch Regionen und Provinzen. Autonome Gebietskörperschaften wie Südtirol haben im Bildungsbereich erweiterte Zuständigkeiten und Aufgaben. In Südtirol besteht ein mehrsprachiges Bildungssystem.

Das italienische Schulsystem untergliedert sich horizontal in mehrere Stufen. Der Vorschulbesuch ist nicht obligatorisch, jedoch üblich. Die Primarstufe und die Sekundarstufe I umfassen zusammen acht Jahrgangsstufen. Jugendliche wechseln in der Regel im Alter von 14 Jahren in die weiterführenden Schultypen der Sekundarstufe II. Hochschulen verschiedener Art und höhere Berufsbildungseinrichtungen bilden den tertiären Bildungsbereich. Von wenigen Ausnahmen abgesehen gehört die Erwachsenen- und Weiterbildung nicht zum staatlichen Bildungssystem im engeren Sinn.

Grundsätzlich besteht in Italien für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 16 Jahren eine zehnjährige Bildungspflicht. Wer danach die Schulausbildung nicht fortsetzen will, muss bis zum vollendeten 18. Lebensjahr eine Berufsausbildung absolvieren. Der Schulbesuch ist bis zum Abschluss der Sekundarstufe I gebührenfrei, für Schulbücher und Unterrichtsmaterialien müssen die Familien aufkommen.

Vor allem im Vorschulbereich gibt es private Schulen, viele in Trägerschaft der katholischen Kirche. An den öffentlichen Schulen wird konfessioneller Religionsunterricht gegeben.

Bildungssystem im Überblick Alter Schulstufe Dauer Italienische Bezeichnung Deutsche Bezeichnung 3–6 Vorschulstufe 3 Jahre Scuola dell’Infanzia Kindergarten 6–11 Primarstufe 5 Jahre Scuola Primaria Grundschule 11–14 Sekundarstufe I 3 Jahre Scuola Secondaria di Primo Grado Sekundarschule (auch: Mittelschule) 14–19 Sekundarstufe II 3 bis 5 Jahre LiceoIstituto TecnicoIstituto Professionale GymnasiumFachoberschuleBerufsfachschule ab 19 Tertiärbereich 1 bis 8 Jahre UniversitàIstruzione e Formazione Tecnica Superiore HochschulenBerufshochschulen

Die oben genannten Bezeichnungen der Schultypen wurden 2004 zum Teil neu eingeführt, die alten Namen sind weiterhin sehr verbreitet. Folgende Schultypen wurden umbenannt:

Scuola Materna in Scuola dell’Infanzia, Scuola Elementare in Scuola Primaria, Scuola Media in Scuola Secondaria di Primo Grado.

Bei den Schulstufen ergaben sich folgende Veränderungen:

scuole elementari in istruzione primaria (Primarstufe) scuole medie inferiori in istruzione secondaria di primo grado (Sekundarstufe I) scuole medie superiori in istruzione secondaria di secondo grado (Sekundarstufe II) scuole superiori in istruzione superiore (Tertiärbereich).

Vorschulstufe und Primarstufe mini|Vorschule (Kindergarten) mit der alten Bezeichnung Scuola Materna

Kleinkinder im Alter zwischen drei Monaten und drei Jahren können in Kinderkrippen (Asilo Nido) betreut werden. Diese Einrichtungen wurden 1971 durch ein Gesetz institutionalisiert, gehören jedoch nicht zum staatlichen Bildungswesen. 1968 führte man unter der damaligen Bezeichnung Scuola Materna die staatlichen Vorschulen ein, deren Besuch nicht obligatorisch ist. In der Regel werden Kinder ab drei Jahren, unter Umständen auch ab zweieinhalb Jahren, auf spielerische Weise auf den Pflichtschulbesuch vorbereitet. Es gibt ein Halbtags- und ein Ganztagsschulangebot. Die Scuola dell’Infanzia umfasst drei Jahrgangsstufen. Sie gehört zum staatlichen Schulsystem.

Die Grundschule wird trotz der Umbenennung in Scuola Primaria weiterhin oft als Scuola Elementare bezeichnet. Sie bildet den ersten Abschnitt des Pflichtschulbereiches. In der Regel erfolgt die Einschulung mit sechs Jahren. Die fünf Jahrgangsstufen werden zu drei Zyklen zusammengefasst. Das erste Jahr dient der Einführung, es folgen zwei zweijährige Zyklen. Auch an den Pflichtschulen gibt es unter Umständen ein Ganztagsschulange. Von 1990 bis 2009 waren für italienische Grundschulklassen einzelne Lehrerteams zuständig, danach kehrte man wieder zum Klassenlehrerprinzip zurück. In der Grundschule beginnt der Unterricht in der ersten Fremdsprache, in der Regel ist dies Englisch, in Südtirol, in den deutschsprachigen Schulen ist es z. B. Italienisch. Eine Abschlussprüfung am Ende der Grundschule gibt es nicht mehr. Der Übertritt in die Sekundarstufe I erfolgt in der Regel mit elf Jahren.

Sekundarstufe I Die Sekundarstufe I ist für Jugendliche zwischen 11 und 14 Jahren vorgesehen und umfasst drei Jahrgangsstufen. Sie ist seit 1963 als Einheitsschule organisiert. Die offizielle Bezeichnung lautet seit 2004 scuola secondaria di primo grado. Der unkompliziertere alte Name scuola media ist nach wie vor weit verbreitet und in Südtirol als Mittelschule weiterhin üblich. In der Mittelschule wird mit einer zweiten Fremdsprache begonnen. In der Regel stehen Französisch, Spanisch oder Deutsch zur Auswahl, Latein wird als zusätzliches Wahlfach angeen. Von 1963 bis 1977 war die erfolgreiche Teilnahme am Latein-Unterricht Voraussetzung für den Besuch eines Gymnasiums (Liceo). Damals wurde nur eine lebende Fremdsprache unterrichtet, meist Französisch. Die Mittelschule endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung, deren Bestehen Voraussetzung für den Übertritt in weiterführende Schulen ist.

Schulen, an denen jeweils eine Vor-, Grund- und Mittelschule unter einem Dach besteht, nennen sich auch istituto comprensivo. Dies gilt auch für in nächster Nachbarschaft gelegene Vor-, Grund- und Mittelschulen, die zusammen verwaltet werden.

Sekundarstufe II Allgemeines In Italien beginnt mit der neunten Jahrgangsstufe die Sekundarstufe II und damit das gegliederte Schulsystem. Die in der Regel 14-jährigen Schülerinnen und Schüler müssen sich für einen von drei Schultypen und deren verschiedene Ausbildungsrichtungen entscheiden. Die Gymnasien (liceo) bereiten im Allgemeinen auf ein Hochschulstudium vor und sind in ihren Lehrinhalten eher abstrakt. Die praxisorientierten Fachoberschulen (istituto tecnico) bieten die Möglichkeit, neben der Allgemeinen Hochschulreife auch einen berufsqualifizierenden Abschluss zu erwerben. Sowohl die Gymnasien als auch die Fachoberschulen (in Südtirol gemeinsam unter der Sammelbezeichnung Oberschulen subsumiert) umfassen fünf Jahrgangsstufen, wobei die ersten beiden Jahre allgemeinbildender gehalten sind und auch der Orientierung dienen. Der dritte Schultyp ist die Berufsfachschule (istituto professionale), an der nach drei oder vier Jahren ein Berufsabschluss erreicht werden kann, nach fünf Jahren die Allgemeine Hochschulreife. Darüber hinaus ist auch eine Duale Berufsausbildung möglich.

Bis zum Jahr 2000 unterlagen sechs- bis 14-jährige Kinder und Jugendliche einer nur achtjährigen Schulpflicht. Grund- und Mittelschulen bildeten daher die so genannte Pflichtschule (scuola dell’obbligo). Seither gilt eine zwölfjährige Bildungspflicht für Sechs- bis 18-Jährige. Grundsätzlich soll kein Jugendlicher das Bildungssystem verlassen, ohne einen berufsqualifizierenden Abschluss erreicht zu haben. Nach derzeitiger Rechtslage gibt es zehn Pflichtschuljahre, wobei das zehnte Pflichtschuljahr zugunsten einer dualen Berufsausbildung aufgegeben werden kann, sofern die Mittelschule und das erste Berufsfachschuljahr erfolgreich abgeschlossen wurden. Jugendliche werden von der zwölfjährigen Bildungspflicht befreit, wenn sie vor Vollendung des 18. Lebensjahres einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss erreichen.

Für die Hochschulreife bzw. für den entsprechenden Abschluss wird in Italien die Bezeichnung maturità nicht mehr offiziell verwendet. Die Abschlüsse führten neben der Bezeichnung maturità immer auch einen schultypbezogenen Zusatz, also z. B. diploma di maturità classica, maturità tecnica oder maturità professionale. Die offizielle Bezeichnung ist heute esame di stato bzw. Staatliche Abschlussprüfung, in der Umgangssprache heißt es jedoch weiterhin fast immer maturità oder Matura. Die Prüfungsaufgaben werden in Italien zentral vom Ministerium gestellt. Eine Ausnahme bilden Schulen in Südtirol, wo für die Staatliche Abschlussprüfung ein teils abweichendes Format zur Anwendung kommt und daher die Aufgaben in einigen Fächern übersetzt und in anderen Fächern durch andere ersetzt werden.

Liceo In Italien gibt es sechs Arten von Gymnasien:

Offizielle italienische Bezeichnung Offizielle deutsche Bezeichnung (Südtirol)Mit den letzten Schulreformen wurden in Südtirol die Bezeichnungen der Gymnasien in folgenden Fällen geändert (in Klammern die alten Namen): Klassisches Gymnasium (ehemals Humanistisches Gymnasium), Realgymnasium (Wissenschaftliches Lyzeum), Kunstgymnasium (Kunstlyzeum), Sprachengymnasium (Neusprachliches Gymnasium), Sozialwissenschaftliches Gymnasium (Pädagogisches Gymnasium), , eingesehen im August 2011 In Deutschland übliche Benennung Liceo Classico Klassisches Gymnasium Humanistisches Gymnasium Liceo Scientifico Realgymnasium Mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium Liceo Artistico Kunstgymnasium Kunstgymnasium Liceo Linguistico Sprachengymnasium Neusprachliches Gymnasium Liceo Musicale e Coreutico Musisches Gymnasium Musisches Gymnasium Liceo delle Scienze Umane Sozialwissenschaftliches Gymnasium Sozialwissenschaftliches Gymnasium

Die Gymnasien stehen hier in der Reihenfolge ihrer Einführung. Sie vermitteln eine breite Allgemeinbildung, die als Grundlage für das universitäre Studium dienen soll. Der an italienischen Gymnasien traditionell stark ausgeprägte Latein-Unterricht wurde etwas eingeschränkt. Am Kunstgymnasium und am Musischen Gymnasium ist Latein nicht Pflicht. Am Naturwissenschaftlichen Gymnasium und am Sozialwissenschaftlichen Gymnasium bestehen besondere Zweige, an denen auf Latein ebenfalls verzichtet wurde. Kennzeichnend für die verschiedenen Gymnasien ist ansonsten der jeweils unterschiedliche Fächerschwerpunkt, insbesondere in den letzten drei der insgesamt fünf Schuljahre.