mini|Blick vom Domplatz auf den St.-Paulus-Dom (Foto: 2021) mini|Luftbild (Foto: 2014) mini|Ansicht von Norden (vom Buddenturm aus, Foto: 2006) Der St.-Paulus-Dom ist die Kathedrale des Bistums Münster unter dem Patrozinium des Apostels Paulus. Dieses Bauwerk ist mit dem historischen Rathaus das herausragende Baudenkmal und Wahrzeichen der Stadt Münster. Sorge für den Dom trägt das Domkapitel Münster. In der Ludgerus-Kapelle des Doms liegt Clemens August Graf von Galen begraben.
Ursprung der Stadt Münster Der heutige St.-Paulus-Dom ist nach zwei Vorgängerbauten, dem karolingischen Dom (erster Dombau) und dem ottonischen Dom (zweiter Dombau), der dritte Dom des Bistums Münster. Er wurde von 1225 bis 1264 auf dem Horsteberg, einer kleinen Anhöhe am Ufer der münsterschen Aa, errichtet. Der Dom und der Domplatz mit den angrenzenden Gebäudeflächen liegen auf dem Gebiet der karolingischen Domburg und Domimmunität. Es wurde u-förmig umbaut (Spiekerhof, Roggenmarkt, Prinzipalmarkt, Rothenburg) und zeigt den Ursprung der Stadt Münster. Für diesen Bezirk hat der Dom heute die Funktion einer Pfarrkirche.
Westlich des Doms liegt die Kettelersche Doppelkurie: das heutige Bischofspalais sowie eines der ehemaligen Kuriengebäude mit der heutigen Domverwaltung. An der Stelle der weiteren, ehemals um den Domplatz befindlichen Kuriengebäude stehen heute das Fürstenberghaus der Universität Münster, die Bezirksregierung Münster und das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.
Baugeschichte Der karolingische, erste Dom war gleichzeitig die Stiftskirche für die nach der Regel des heiligen Chrodegangs lebenden Brüder des von Liudger gegründeten Klosters. Dieser Ludgerus-Dom stand nördlich des heutigen Doms; der zweite, ottonische Dom wurde im 10. oder 11. Jahrhundert daneben gesetzt und von 1225 bis 1264 durch den dritten, gotischen Dom überformt. Nachdem Bischof Dodo in die Südwestecke eine Kapelle eingebaut hatte, wurde der karolingische Dom nach fast 100 Jahre durch Bischof Burchard zum Chor des Kollegiatstifts Alter Dom, schließlich am 18. August 1377 durch Bischof Florenz von Wevelinghoven abgerissen und durch ein Chorgebäude ersetzt. Der Dom war bis 1090 und wurde 1812, mit dem Abriss der in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts am Rande des Domplatzes errichteten Pfarrkirche St. Jacobi, wieder die Pfarrkirche der Kirchengemeinde rund um die Domburg.
Das historische Baugefüge des im II. Weltkrieg zerstörten und wiederaufgebauten St.-Paulus-Doms zeigt Bauweisen und -formen der Romanik und Gotik. Seine Bauteile, das mächtige Westwerk mit seinen nahezu identischen Türmen aus 1192 im Verbund mit den mächtigen, zwischen mit den beiden Querschiffen eingespannten 2 Kreuzrippengewölben des dreischiffigen Langhauses, dem Hochchor, dem Chorumgang und Kapellenkranz, verdeutlichen bis heute die gotisierte Romanik des dritten Doms. Nachfolgend ein Überblick über die drei Dombauten:
{| class="wikitable" |- ! style="width:6em"| Jahrhundert ! style="width:6em"| Jahr ! style="width:20em"| Bauten ! style="width:12em"| Baustil ! style="width:24em"| Bestand |- | align="left" class="hintergrundfarbe7" | 9. || align="left" class="hintergrundfarbe7" |805 || class="hintergrundfarbe7"| Erster Dom (Ludgerus-Dom) || class="hintergrundfarbe7" |karolingisch || class="hintergrundfarbe7" |bis 1377 |- | align="left" class="hintergrundfarbe5" |10./11. || class="hintergrundfarbe5"|unklar || class="hintergrundfarbe5"| Zweiter Dom || class="hintergrundfarbe5"| ottonisch || class="hintergrundfarbe5"| bis ca. 1225 |- | align="left" class="hintergrundfarbe9" |12. || align="left" class="hintergrundfarbe9" |1192 || class="hintergrundfarbe9" | Westwerk (Alter Chor, Türme) || class="hintergrundfarbe9" | romanisch || class="hintergrundfarbe9" |weitgehend erhalten |- | align="left" class="hintergrundfarbe8" | 13. || align="left" class="hintergrundfarbe8"| 1225–1264 || class="hintergrundfarbe8"| Dritter Dom (Paulus-Dom) || class="hintergrundfarbe8"| gotisch ||class="hintergrundfarbe8"|
Der karolingische Dom (805 bis 1377) Der nach der Ernennung des heiligen Liudger zum Bischof von Münster im Jahre 805 errichtete Ludgerus-Dom wurde von Adolf Tibus als kleinere Kirche, hingegen 1904 von Carl August Savels als dreischiffige, ca. 20 Meter breite Basilika auf der Nordseite des heutigen Domes vorgestellt.Carl August Savels: Der Dom zu Münster. Regensbergschen Buchhandlung (Bernhard Theissing), Münster 1904 Die Ausgrabungen des Diözesankonservators und Museumsdirektors Theodor Wieschebrink im Jahre 1936 legten Fundamente des ca. 8,3 Meter breiten Seitenschiff auf dem Gelände nördlich des heutigen Kreuzgangs frei. Demzufolge hatten das Mittelschiff die doppelte Breite des Seitenschiffs, die Basilika eine Gesamtbreite von 27,6 Meter und gemäß Ausgrabung eine Länge von 31,2 Metern. In der Nordwestecke der Ausgrabung fand Wieschebrink 2 Meter dicke Fundamente eines quadratischen Turm mit einer Kantenlänge von etwa 8,3 Metern.
Der ottonische Dom (10./11. Jahrhundert bis 1225) Nach Max Geisberg wurde der zweite, ottonische Dom während der Amtszeit von Bischof Dodo von 967 bis 993 neben dem ersten, karolingischen Ludgerus-Dom auf dem Grund des dritten, heutigen St.-Paulus-Doms errichtet. Aufgrund einer urkundliche Erwähnung der Domweihe im Jahre 1090 geht das Bistum Münster davon aus, dass nach dem Brand des ersten Doms, der auch die Überwasserkirche 1071 vollständig vernichtete, der zweite Dom ab 1071 bis 1090 gebaut wurde.
Es gibt weder Pläne noch Quellen, die die Ausmaße des zweiten Dombaues belegen. Anhand der erhaltenen Mauerreste lassen sich die Ausmaße des westlichen Querschiffs des ottonischen Doms bestimmen (etwa 36,6 m in Nord-Süd-Richtung und 12,4 m in West-Ost-Richtung), sowie Aussagen über die innere Breite der Seitenschiffe (etwa 6 m) und des Hauptschiffes (etwa 12 m), über die Stärke der Außenwände der Seitenschiffe (etwa 1 m) und die Stärke der Wände zwischen Haupt- und Seitenschiffen (etwa 1,5 m) treffen. Insgesamt muss der zweite Dom etwa 30 m breit gewesen sein, wie lang ist nicht bekannt.mini|Grundriss um 1761Großbuchstaben = Räume, Zahlen = Ein/Zugänge. hellgrün = heute nicht mehr existierende Räume; gelb = ehem. Apostelgang; blau = ehem. Alter Dom
Die Zahlen und Buchstaben in Klammern zu Begriffen im nachfolgenden Teil verweisen auf die Position im Grundrissplan auf der rechten Seite.
Romanisches Westwerk (ab 1192) Um 1192 baute Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen auf eigene Kosten an den ottonischen Dom den Alten Chor (B), der zwischen den beiden Türmen (A und C) im Stile der Romanik die bisherige Westapsis ersetzteVgl. die Bischofschroniken. und in seinen Grundzügen bis heute erhalten ist. Bischof Hermann II., der sich von der Baukunst der Welfen ab- und der Baukunst der Staufer zuwandte, bildete die Mauern des Westwerks erstmals in der westfälischen Baukunst zweischalig aus; diese Bauweise blieb auf die im 13. Jahrhundert erfolgten Domneubauten in Minden, Osnabrück und Münster beschränkt. Der „Alte Chor“ im Westwerk wurde vom Westquerschiff betreten.
Gotischer Dom (1225–1264) mini|Obergaden des Langhauses im Übergang von der Romanik (rundbogige Fenster und Blenden) zur Gotik (Spitzbogenfries)
Der Grundstein für den dritten, den heutigen St.-Paulus-Dom wurde im Jahre 1225 von Bischof Dietrich III. von Isenberg gelegt. Bauherr war nicht der Bischof, sondern das Kapitel des Neuen Doms, das deutlich an Einfluss gegenüber dem Bischof gewonnen hatte. Es wurden große Teile des ottonischen Doms wie der Westbau, Teile des westlichen Querschiffs (D und E) sowie Mauerteile des südlichen Seitenschiffs (I) erhalten. Daraus ergab sich eine Mischung von Stilelementen der Romanik, hauptsächlich mit den beiden romanischen Türmen des Westbaus, und der Gotik. Das dreischiffige, eingewölbte Langhaus (G) mit den Seitenschiffen (H und I) wurde 28,3 Metern breit, mit den Querschiffen im Stile der Gotik der Dom insgesamt 108,95 Meter lang, das westliche Querschiff 40,53 Meter, mit Paradiesvorhalle 52,85 Meter breit. Das Langhaus zwischen den beiden Querschiffen das östliche Querschiff von 43,3 Metern.
Im Jahre 1264 wurde der St.-Paulus-Dom nach knapp 40-jähriger Bauzeit vollendet und am 30. September 1264 durch Bischof Gerhard von der Mark geweiht.Alois Schröer: Die Münsterer Domweihe (1264). Eine hundertjährige Kontroverse um das Weihejahr des Paulus-Domes. In: ders. (Hrsg.): Monasterium. Festschrift zum siebenhundertjährigen Weihegedächtnis des Paulus-Domes zu Münster. Regensberg, Münster 1966, S. 119–132, darin die Argumente für die Datierung 1264 und für die Datierung 1265. In einer älteren seiner Publikationen (Der Hohe Dom zu Münster. Regensberg, Münster 1947, S. 8) hatte Alois Schröer noch 1265 als Weihejahr angegeben.
14. und 15. Jahrhundert mini|Kreuzgang, Nordflügel 1390 wurden die Marienkapelle (W), die Annenkapelle (Y) und die Elisabethkapelle (Z) errichtet, von denen die beiden letztgenannten Kapellen 1885 in die neue Sakristei einbezogen wurden. Von 1390 bis 1395 wurden Teile des Ersten Doms (Ludgerus-Dom) für den Bau des Kreuzgangs (U) abgerissen, in seinen auf der Westseite verbliebenen Bestand der Chor des Kollegiatsstifts Alter Dom (e) eingerichtet und über den Kreuzgang mit dem Paulus-Dom verbunden.
Hochgotisches Portal (um 1400) Um das Jahr 1400 wurde in die Westwand des Alten Chores ein (erstes) Portal im hochgotischen Stil eingebaut, das in etwa dem späteren Portal im spätgotischen Stil (s. u.) entsprach. Die Nischen des Türbogens waren mit Figuren verziert. Es ist anzunehmen, dass auf der linken Seite eine Sirene, ein Lamm und Löwe angebracht waren, auf der rechten Seite Phönix, ein Pelikan und ein Adler. Zusätzliche Verzierungen bestanden aus Blendmaßwerk-Wimpergen sowie mit Blattschmuck und gekrönten, langhaarigen Frauenköpfen verzierte Konsolen. Diese letztgenannten sollen jedoch während der Herrschaft der Täufer in Münster in den Jahren 1534/35 sehr gelitten haben, nachdem die Täufer einen Bildersturm entfacht und somit viele Skulpturen und Figuren zerstört hatten.
mini|Das alte Westwerk mit spätgotischen Portal (um 1900)Um 1516 wurde das Westportal des Doms im spätgotischen Stil umgestaltet und erweitert. Es hatte in dieser Form fast 450 Jahre Bestand. Das Giebeldreieck aus Bruchstein wurde durch ein Dreieck aus Werksteinquadern ersetzt und zudem mit Bildern und Skulpturen reich verziert. Über dem Portal wurde eine Maßwerkgalerie mit riesigen 9,62 Meter hohen und 6,7 Meter breiten Maßwerkfenstern angelegt. An den Seiten waren Figuren von Paulus und Petrus angebracht. Oberhalb der Maßwerkgalerie zeigten drei Spitzbogennischen lebensgroße Figuren vom Einzug Christi in Jerusalem. Die Figurenbilder waren in der mittleren Nische 2,4 × 2,3 Meter groß, in der linken Nische 1,98 × 1,54 Meter und in der rechten 1,84 × 1,37 Meter. Sie wurden durch Heinrich Brabender gefertigt und überstanden als einzige Figuren in Münster die Zerstörungen der Täufer, wahrscheinlich weil sie wegen der hohen Anbringung nicht einfach zugänglich waren. Zwei Konsolsteine des Bildhauers Heinrich Brabender vom Westwerk, von denen wahrscheinlich eines das Selbstbildnis Brabenders zeigt, befinden sich im LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte.
Für das 15. Jahrhundert sind im Dom 25 Altäre nachgewiesen.Hans Thümmler: Kirchen in Münster. Langewiesche, Königstein im Taunus 1959, S. 4.
16. und 17. Jahrhundert