mini|300px|Seitliche Ansicht mit Kante (oberes Bild) und Ansicht von oben mit Ogham-Inschrift auf oberem Rand (unteres Bild) mini|300px|Seitliche Ansicht mit Ogham-Inschrift auf Plättchen an der Schüsselwand Die Kilgulbin-Hängeschüssel (CIIC 1086)In der Fachliteratur allgemein verwendete Bezeichnung gemäß R. A. S. Macalisters noch heute zitiertem Standardwerk „Corpus Inscriptionum Insularum Celticarum 2“ von 1949 ist ein archäologischer Fund, der 1927Raftery, S. 30 in einem Moor im Townland Kilgulbin East () in der Nähe von Ardfert, County Kerry, Irland, in etwa 90 cm Tiefe beim Torfstechen entdeckt wurde.McManus, S. 132; Raftery, S. 30 sowie Ausführungen von Shanahan Es ist eine dreikantige Hängeschüssel aus Bronze mit einer Ogham-Inschrift.McManus, S. 132 sowie Raftery, S. 30 Die Hängeschüssel wird wegen ihrer speziellen Form auf etwa 400 n. Chr. datiert. Sprachliche Gründe legen nahe, dass die Einritzung der Ogham-Inschrift wahrscheinlich erst zwischen 650 und 800 n. Chr., erfolgte.Raftery, S. 31, S. 37 u. S. 38; Steuer, S. 74: „...nicht früher als 650 n. Chr. zu datieren.“ Der Fund wird im Nationalmuseum von Irland in Dublin aufbewahrt.McManus, S. 132

Beschreibung Die Kilgulbin-Hängeschüssel wurde aus einem einzigen Stück dünner Bronze hergestellt. Sie hat die Form eines auf den Kopf gestellten dreikantigen Pyramidenstumpfes mit gewölbten Kanten. Die drei Seitenlängen an der Schüsselöffnung betragen 24,5 cm, 24,7 cm und 24,8 cm. Auf der Schüsselunterseite mit den kürzeren Seiten beträgt die durchschnittliche Seitenlänge 14 cm. Der Rand ist zur Verstärkung umgestülpt und hat eine Breite von 7 mm. Die Höhe der Schüssel beträgt 8 cm.Raftery, S. 33 Etwa in der Mitte jeder Seite ist an der Schüsselöffnung eine Attasche zum Aufhängen,Steuer, S. 74 die mit einem an der Schüsselwand angebrachten Plättchen verbunden ist. An einem dieser Haken befindet sich noch ein Ring für die Aufhängung; die beiden anderen gingen nach der Entdeckung verloren. Die einzelnen Plättchen sind ohne Haken im Durchschnitt jeweils 6,2 cm lang.Raftery, S. 31 u. S. 33

Inschrift Auf der Schüssel ist eine zweiteilige Ogham-Inschrift zu erkennen. Bei einer Zeile kommen Macalister einerseits und Raftery mit McManus andererseits bei zwei Ogham-Zeichen zu unterschiedlichen Lesungen. Die Inschrift BLADNACH CUILEN befindet sich außen auf einem Plättchen, das mit dem Aufhängehaken verbunden und auf der Außenseite der Schüssel befestigt ist. Die Ogham-Zeichen werden vom Haken aus von oben nach unten gelesen. Die zweite Inschrift BLADNACH COGRADEDENA (bzw. COGRACETENA) ist beträchtlich abgenutzt, aber immer noch lesbar. Sie befindet sich auf dem umgestülpten Rand an einer Seite der Schüsselöffnung.Raftery, S. 31 Als Zeichen mit dem Lautwert E wurde ein ForfidVerwendung dieses Zeichens auch für die Lautfolge EA; eines der nach den 20 ursprünglichen Ogham-Zeichen entstandenen zusätzlichen Zeichen (Singular „Forfid“, Plural „Forfeda“) verwendet.

BLADNACH und CUILEN sind wahrscheinlich Eigennamen, der Rest kann nicht sicher übersetzt werden.MacManus, S. 132; sprachliche Interpretationen und Übersetzungsversuche bei Buchanan, S. 45 u. S. 46 sowie auf Netzseite von Erich Fred Legner

Lesung nach Macalister:Macalister, CIIC 1086 ᚛ᚁᚂᚐᚇᚅᚐᚉᚆᚉᚑᚌᚏᚐᚉᚕᚈᚕᚅᚐ᚜ ᚛ᚁᚂᚐᚇᚅᚐᚉᚆᚉᚒᚔᚂᚕᚅ᚜

Übertragung: BLADNACH COGRACETENA BLADNACH CUILEN

Lesung nach McManus und Raftery:Raftery, S. 33; MacManus, S. 132 ᚛ᚁᚂᚐᚇᚅᚐᚉᚆᚉᚑᚌᚏᚐᚇᚕᚇᚕᚅᚐ᚜ ᚛ᚁᚂᚐᚇᚅᚐᚉᚆᚉᚒᚔᚂᚕᚅ᚜

Übertragung: BLADNACH COGRADEDENA BLADNACH CUILEN

Verwendung In der Fachwissenschaft wird die Kilgulbin-Hängeschüssel als eine Hängelampe in der Form einer Schüssel angesehen.Macalister, CIIV 1086 sowie Bruce-Mitford, S. 333

Besonderheit Die Kilgulbin-Hängeschüssel gehört zu den nur zwölf bis heute in der Ogham-Fachliteratur erwähnten seltenen Kleinfunden, also Funde, bei denen die Ogham-Zeichen nicht in Steinplatten und Steinsäulen (etwa 400), sondern in kleine Objekte (vorwiegend Alltagsgegenstände) eingeritzt sind.Erwähnungen und Beschreibungen z. B. durch Donal B. Buchanan, Katherine Stuart Forsyth, Robert Alexander Stewart Macalister, Barry Raftery Davon wurden einschließlich der Kilgulbin-Hängeschüssel sechs in Irland entdeckt, nämlich noch der Ballinderry-Würfel, die Ballyspellan-Fibel, der Dublin-Castle-Kamm, die Ennis-Perle und der Tullycommon-Knochen.

Literatur Buchanan, Donal B.: The Decipherment of Scholastic Ogham. Introduction – Abbreviations – Inscriptions, o. O. o. J. Bruce-Mitford, Rupert Leo Scott/Raven, Sheila: The Corpus of Late Celtic Hanging-Bowls, Oxford 2005 Macalister, R. A. S. (Robert Alexander Stuart): Corpus Inscriptionum Insularum Celticarum 1I, Dublin 1949 McManus, Damian: A Guide to Ogam, Maynooth Monographs 4, Maynooth 1991 Raftery, Joseph: The Cuillard and Other Unpublished Hanging Bowls, in: JRSAI (Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland) 96/1 (1966), S. 29 – S. 38 Steuer, Klaus: Parallelen zu dreieckigen Schalen in Irland und Norwegen, in: Eine dreieckige Bronzeschale mit einer Runeninschrift aus dem wikingerzeitlichen Haithabu. Nach 50 Jahren neu gelesen, ZAM 44 (2016), S. 74; mit Abbildung

Weblinks Foto der Kilgulbin-Hängeschüssel auf Bildtafel 1 (vor S. 29), links oben (Querformat, vgl. Bildbeschreibungen) Fotos ähnlicher Hängeschüsseln ohne Ogham-Inschrift sowie Beschreibung der Kilgulbin-Hängeschüssel S. 331 – S. 333 Shanahan, Tom: The Hanging Bowl Ireland's Ogham Inscriptions. Kilgulbin East

Einzelnachweise und Anmerkungen

Kategorie:Ogham-Inschriften auf Kleinfunden Kategorie:Archäologischer Fund (Irland) Kategorie:County Kerry Kategorie:Bronzeinschrift Kategorie:Irland im Mittelalter Kategorie:Irisches Nationalmuseum