Domnowo (, deutsch Domnau, ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Rajon Prawdinsk (Friedland) und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Prawdinsk.
Geographische Lage Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, auf zwei Hügeln oberhalb des Flusses Gerlach, etwa 13 Kilometer nordöstlich von Preußisch Eylau (Bagrationowsk), 15 Kilometer südwestlich von Friedland (Prawdinsk) und 40 Kilometer südöstlich von Königsberg (Kaliningrad).
Geschichte mini|hochkant|Stadtkirche (2016) mini|Schloss Domnau auf einer Bildpostkarte um 1935 mini|Schloss Domnau um 1860, Sammlung Alexander Duncker mini|Domnau, nordnordöstlich von Bartenstein und westsüdwestlich von Friedland in Ostpreußen, auf einer Landkarte von 1910 mini|Massengrab sowjetischer Soldaten in der Nähe der Schule (2016) Ältere Ortsbezeichnungen sind Dompnaw (1484), Dominaw (1595) und Dominau (1652).Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen, Heft II: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen, Bernh. Teichert, Königsberg 1892, S. 67–71 (Google Books).
Der baltische Prußenstamm der Natanger siedelte im 13. Jahrhundert in dem südlich des Flusses Pregel gelegenen Gebiet Tummonis. Der Name deutet auf Sedimentgestein und Dickicht (prußisch tums: dicht, verdickt). In dem Christburger Vertrag von 1249 zwischen dem Deutschen Orden und den Prusai/Prußen wird dieses Gebiet, das später der Stadt Domnau seinen Namen gab, erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit bestand eine an der Gerlach gelegene Natangerburg, die der Deutsche Orden Ende des 13. Jahrhunderts eroberte und durch eine eigene Festung ersetzte.
Im Schutze der Burg entwickelte sich eine Siedlung, in der 1321 eine Ordenskirche erbaut wurde. 1400 verlieh der Hochmeister des Deutschen Ordens Konrad von Jungingen dem Ort als Domnau das Stadtrecht. Im preußischen Städtekrieg wurden Stadt und Burg 1458 zerstört. Als Lohn für ihre Kriegsdienste gibt der Hochmeister des Deutschordens Heinrich Reffle von Richtenberg seinen Hauptsoldleuten Konrad von Egloffstein und Hartung von Egloffstein die Stadt Domnau als Lehen.Heinrich Gottfried Gengle: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 804–806. Konrad von Egloffstein errichtete auf einer Insel im Fluss ein neues Schloss, und die Reste der alten Burg wurden 1474 abgerissen. 1504 trug Susanne von Egloffstein aus dem Hause Domnau († 1558) die Herrschaft Melchior von Creytzen dem Älteren (1475–1550) in die Ehe.
Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert litt Domnau unter insgesamt sieben Stadtbränden.
Letzter Besitzer aus der Familie Creytz war Abraham Johann von Creytz († 1713) gewesen. Seit 1630 werden die von Buddenbrock und um 1700 der in den preußischen Adelsstand erhobene Oberappellationsgerichtsrat Johann Philipp von Lauwitz als Grundherren genannt. Nächster bekannter Eigentümer zu Domnau war der preußische Geheime Staatsrat Carl Christoph von Schlippenbach (1676–1734). Er starb wie Lauwitz ohne eigene Erben zu hinterlassen. Seit dem Jahre 1775 war Schloss Domnau im Besitz derer von Witten, die es 1778 ausbauen ließen. Zwischenzeitlich ist Domnau noch mal in andere Hänge gelangt, so werden 1790 die von Gallera, 1799 die von Winterfeld und von 1828 bis 1837 der 1813 aus dem Regiment „v. Besser“ (Nr. 14) dimittierte Hauptmann Mathias Jutrczenka von Morgenstern genannt.Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Band 1, Berlin 1855, S. 115, 151, 193, 244 und 404; Band 2, Berlin 1856, S. 15; Band 3, Berlin 1858, S. 123 und 126.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts saß Friedrich Alexander Boguslav von der Goltz (1767–1806) auf Schloss Domnau, der seit 1792 mit Louise Henriette Sophie von Witten aus dem Hause Schloss Domnau († 11. Dezember 1834) vermählt war und mit ihr fünf Kinder hatte; er wurde Generallandschaftsrat.Friedrich von der Goltz: Nachrichten über die Familie der Grafen und Freiherrn von der Goltz, Schultz & Comp., Strassburg 1885, S. 98–99 (Google Books). Bis mindestens 1881 sind die von Witten als Besitzer nachgewiesen. Anschließend war Natango Leopold Weidewuth Graf von Kalnein (* 24. März 1846 in Königsberg i. Pr.) Herr auf Schloss Domnau.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Fünfundzwanzigster Jahrgang. Perthes, Gotha 1922, S. 462–463 (Google Books).
Mit der preußischen Verwaltungsordnung von 1815 wurde Domnau in den Kreis Friedland (1927 in Kreis Bartenstein umbenannt) eingegliedert und erhielt den Sitz des Landratsamtes. Einen Eisenbahnanschluss erhielt Domnau nicht, der nächste Bahnhof war im fünf Kilometer entfernten Preußisch Eylau. 1880 lebten 2082 Einwohner in Domnau. Zur Stadt gehörten um 1890 die Ortschaften Birkenhof, Charlottenthal, Waldhaus Domnau, Domnaushöfchen, Domnauswalde Neu-Powayen und Schloss Domnau mit Perkappen, Warnigkeim und Wittenfeld.C. Leuchs: Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc. Band 11, 8. Ausgabe für 1891–1894, Nürnberg 1891, S. 118 (Google Books). Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Domnau eine evangelische Kirche, ein Schloss, ein Amtsgericht und eine Dampfmühle.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt nach der Schlacht bei Gumbinnen im August 1914 von russischen Truppen zu zwei Dritteln zerstört.Holger H. Herwig: The First World War. Germany and Austria-Hungary, 1914–1918. Arnold, London 1996, ISBN 0-340-67753-8, S. 130. Mit Hilfe ihrer Patenstadt Schöneberg in Brandenburg wurde sie bereits 1916 wieder aufgebaut.
Am 1. April 1927 hatte Schloss und Rittergut Domnau eine Flächengröße von 565 ha, 55 ar und 90 m², und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 192 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 370, Kreis Bartenstein, Ziffer 12 (Google Books). Um 1932 befand sich Eckart Graf von Kalnein im Besitz des Schlosses und Ritterguts Domnau mit den Vorwerken Warnigkeim, Wittenfeld, Perkappen und Powayen Domnaushöfchen.Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen (Niekammer’s Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch, Band III), 5. Auflage, Leipzig 1932, S. 236 (Google Books, eingeschränkte Vorschau).
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Domnau 1945 teilweise zerstört, doch ist die Kirche bis heute gut erhalten geblieben. Nach Kriegsende 1945 wurde Domnau von der Sowjetunion zusammen mit der nördlichen Hälfte Ostpreußens unter Verwaltung genommen, eine Maßnahme, die auch nach dem Potsdamer Abkommen im Sommer 1945 unverändert beibehalten wurde. Die verbliebene einheimische deutsche Bevölkerung wurde bis 1948 aus Domnau vertrieben. Als einer der ganz wenigen Orte in der Oblast Kaliningrad hat die Stadt ihren historischen Ortsnamen bei der Umbenennung in Domnowo 1947 nahezu behalten.Durch den Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947 Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad. Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Prawdinsk.
Ort und Region waren bis zum Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991 Teil der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik und gehören seitdem zur Russischen Föderation. Von 2004 bis 2015 war Domnowo Sitz einer Landgemeinde und gehört seit 2016 zum Stadtkreis Prawdinsk (Friedland).
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1768 821 Leopold Krug: Die Preussische Monarchie. Teil 1: Provinz Ostpreussen. Berlin 1833, S. 493–496; . 1782 1002 Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I, Königsberg/Leipzig 1785, S. 16, Ziffer 6); . 1798 1054 1802 1012 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 272–279, Ziffer 125 (Google Books). 1810 861 darunter 38 Katholiken, alle übrigen Bewohner sind evangelisch 1816 907 davon 895 Evangelische, drei Katholiken und neun Juden 1821 1110 offene Stadt mit einem alten Schloss und einer Brauerei sowie 127 Privatwohnhäusern 1828 1246 1831 1317 August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 514, Ziffer 111; . davon 13 Katholiken und 13 Juden, alle übrigen Bewohner sind evangelisch 1858 1808 davon 1751 in der Stadt (1738 Evangelische, vier Katholiken und neun Juden) und 57 auf dem Schloss (sämtlich Evangelische)Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 79, Ziffer 46–47. 1864 2196 am 3. DezemberDie Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Preußisches Finanzministerium, 5. Kreis Friedland, S. 2, Ziffer 30. Nachdruck: Berlin 1966, books.google.de 1875 2113 1880 2082 1885 1980 1900 1921 meist Evangelische 1910 1910 am 1. Dezember, Stadt, mit einem Amtsgericht, einer evangelischen Kirche, einer Bahnmeisterei, einer gewerblichen Fortbildungsschule, Mühlen, einer Brauerei, Sägewerken, einer Färberei, einer Maschinenfabrik, Getreidehandel sowie Vieh- und PferdemärktenDomnau, Stadt, Kreis Friedland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Domnau (meyersgaz.org). 1933 2707 1939 2988
+ Bevölkerungsentwicklung seit 1946 Jahr 2002 2010 2021 Einwohner 801 820 860
Domnowski selski sowet/okrug 1947–2004 Der Dorfsowjet Domnowski selski sowet () wurde im Juni 1947 eingerichtet. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Domnowski selski okrug (). Die Ende 2004 noch im Dorfbezirk befindlichen 22 Siedlungen wurden dann mit einer Ausnahme in die Landgemeinde Domnowskoje selskoje posselenije übernommen; der Ort Rjabinino kam zur städtischen Gemeinde Prawdinskoje gorodskoje posselenije.