mini|Fischach von der Schmutter aus Fischach ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Augsburg. Die Marktgemeinde hat mehr als 5000 Einwohner und ist mit Abstand einwohnerstärkste Gemeinde in den Stauden.
Geographie Lage Die Gemeinde liegt im tertiären Hügelland des Naturparks Westliche Wälder südlich von Augsburg. Der Ort entstand an der Stelle, an der das Neufnachtal auf das Schmuttertal trifft.
Gemeindestruktur Die Gemeinde hat 13 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Aretsried, Fischach, Itzlishofen, Reitenbuch, Siegertshofen, Tronetshofen, Willmatshofen und Wollmetshofen.
Nachbargemeinden
Geschichte Fischach war bis in das 14. Jahrhundert Sitz eines alten Ortsadelgeschlechts, der Herren von Fischach. Diese waren Ministerialen der bischöflichen Augsburger Schirmvögte, der Herren von Schwabegg. Vor dem Ende des Alten Reiches war das Hochgericht im Pfarrdorf Fischach in den Händen der Markgrafschaft Burgau und das Niedergericht bei den Grundherrschaften, darunter besaßen Güter das Domkapitel Augsburg, das Kloster Oberschönenfeld, das Augsburger Kloster St. Georg, das Augsburger Kloster Heilig-Kreuz und das Augsburger Kloster St. Ulrich und Afra. Das Kirchenpatronat der Pfarrkirche St. Michael gehörte bis zur Säkularisation dem Kollegiatstift St. Peter in Dillingen.Joachim Jahn: Augsburg Land (= Historischer Atlas von Bayern. Teil Schwaben: Reihe 1, H. 11). Hrsg. Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1984, S. 563 Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 kam dort Ort an das Kurfürstentum Bayern. Von 1862 bis 1929 gehörte Fischach zum Bezirksamt Zusmarshausen und ab 1929 zum Bezirksamt Augsburg, das ab 1939 als Landkreis Augsburg bezeichnet wurde. Die Markterhebung erfolgte 1952.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1972 Aretsried, Willmatshofen und Wollmetshofen eingegliedert. Am 1. Juli 1975 kamen mit Itzlishofen und Tronetshofen Teile der aufgelösten Gemeinde Kreuzanger hinzu. Siegertshofen folgte am 1. Januar 1976. Schließlich wurde noch ein Teil der aufgelösten Gemeinde Reitenbuch am 1. Mai 1978 eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Fischach war ursprünglich ein kleines Dorf, das erst nach dem Zweiten Weltkrieg erheblichen Zuwachs bei den Einwohnerzahlen verzeichnete. Erste Zahlen stammen aus dem Jahr 1593. In diesem Jahr wohnten 259 Menschen in Fischach. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges erlitt das Dorf durch die Pest deutliche Verluste bei der Einwohnerzahl. In den darauffolgenden Jahrhunderten steigerte sich die Einwohnerzahl jedoch wieder bis auf rund 800 im Jahre 1925. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu vermehrtem Zuzug. Weitere Zugewinne bei den Einwohnerzahlen brachten auch die Eingemeindungen in den 1970er Jahren. So zählte die neu entstandene Gemeinde 1978 3.361 Einwohner. Bis 2019 erhöhte sich die Einwohnerzahl auf 4.856. Ende 2023 zählte die Gemeinde 5.154 Einwohner und gemäß Prognose aus dem gleichen Jahr wird mit einem Anstieg auf rund 5.600 Menschen bis 2032 gerechnet.Viele Neubürger, aber Sparzwang. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 7. Dezember 2023, Seite 37.
Jahr Einwohner 1593 259 1618 327 1625 350 1650 96 1743 674 1809 575 1840 542 1871 571 1900 753 1910 743 Jahr Einwohner 1925 801 1933 853 1946 1282 1952 1322 1961 1310 1970 2576 1973 2585 1978 3361 1987 3863 2019 4856
Politik Bürgermeister Peter Ziegelmeier (SPD/Unabhängige) wurde bei den Bürgermeisterwahlen 2014 und 2020 jeweils ohne Gegenkandidat im Amt des Ersten Bürgermeisters bestätigt.
Seit 1. Mai 2026 amtiert Benjamin Früchtl (CSU) als erster Bürgermeister, der sich gegen die SPD/Unabhängige-Gegenkandidatin mit 62 % der Stimmen durchsetzen konnte.Bürgermeisterwahl 2026, Fischach, Endergebnis, abgerufen am 21. April 2026.
Gemeinderat 2014 bis 2020 Sitzverteilung im 17-köpfigen Gemeinderat:
SPD/Unabhängige: 7 Sitze CSU: 6 Sitze Freie Wählergemeinschaft: 3 Sitze Bündnis 90/Die Grünen: 1 Sitz
2020 bis 2026 Sitzverteilung im 16-köpfigen Gemeinderat:
SPD/Unabhängige: 7 Sitze (unverändert) CSU: 7 Sitze (+1) Bündnis 90/Die Grünen: 2 Sitze (+1)
Die Freie Wählergemeinschaft ist nicht mehr vertreten.
Seit 2026 Sitzverteilung im 20-köpfigen Gemeinderat:Gemeinderatswahl 2026, 8. März 2026, Fischach, Endergebnis, abgerufen am 16. Mai 2026.
CSU: 10 Sitze (+3) SPD/Unabhängige: 8 Sitze (+1) Bündnis 90/Die Grünen: 2 Sitze (unverändert)
Wappen
Gemeindepartnerschaft Nach ersten gegenseitigen Kontakten und Besuchen ging Fischach mit der französischen Gemeinde Vimy am 18. Mai 1975 eine Städtepartnerschaft ein.Fischach will Partnerschaft mit Vimy neu beleben. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 19. September 2019, abgerufen am 17. April 2021. Seit 1992 werden die Veranstaltungen und Treffen vom Freundeskreis Vimy organisiert und von 1994 bis 1999 wurde auch ein Schüleraustausch durchgeführt. Im Jahr 2015 feierte die Verbindung ihr 40-jähriges Bestehen.Die Freunde in Frankreich gibt es seit 40 Jahren. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 29. Mai 2015, abgerufen am 17. April 2021.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Liste von ins KZ Theresienstadt zu deportierenden Juden aus Fischach (August 1942) In Fischach befindet sich ein jüdischer Friedhof, der im Jahr 1774 von der damaligen jüdischen Gemeinde gegründet wurde. Er wird heute von der Gemeindeverwaltung gepflegt und erhalten und kann nach Rücksprache besucht werden. Daneben gibt es eine ehemalige Synagoge und ein ehemaliges jüdisches Gemeindehaus mit Schule. Im Jahr 1999 wurde in Fischach ein Judendenkmal errichtet, das an die vierhundertjährige Geschichte des christlich-jüdischen Zusammenlebens in der Gemeinde bis zur Judenverfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern soll. Eine aus Fischach stammende bemalte Sukka (Laubhütte für das jüdische Laubhüttenfest) befindet sich heute im Israel-Museum in Jerusalem.
Monika Saller beschrieb 2019 in einem Artikel recht ausführlich Fischachs jüdische Geschichte. Auf die Hachschara geht sie dabei allerdings nur sehr allgemein ein und lässt offen, ob es in Fischach selber eine Hachschara-Stätte gab.Monika Saller: Was Steine erzählen: Fischachs jüdische Geschichte Albert J. Phiebig dagegen, der als Statistiker für die Reichsvertretung der Deutschen Juden arbeitete, zeigte in einer Statistik an, dass sich 25 Auszubildende am 1. August 1938 in einer landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Ausbildung in Fischach befanden. Sie wurden vom Hechaluz, dem Dachverband zionistischer Jugendorganisationen, betreut.Albert J. Fiebig: Statistische Tabellen, in: Almanach des SchockenVerlags auf das Jahr 5699, Schocken Verlag, Berlin 1938/39, S. 141
Im Gemeindeteil Heimberg befindet sich das älteste erhaltene Mozarthaus, aus dem nachweislich die direkten Vorfahren des Wolfgang Amadeus Mozart stammen. 1486 wurde das unscheinbare Bauernhaus als Wohnsitz eines Ändris (Andreas) Mozart beurkundet.
In Wollmetshofen befinden sich zwei Mariengrotten, welche teilweise auf dem bayrischen Jakobusweg liegen.
Baudenkmäler
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Im Januar 2007 wurden 404 Gewerbebetriebe und ca. 2200 Arbeitsplätze gezählt.
Das bedeutendste Unternehmen in der Gemeinde ist die Molkerei Alois Müller GmbH & Co. KG (Müllermilch) in Aretsried. In Fischach ist der Sitz der Hauser Weinimport. Außerdem war Fischach Sitz der Raiffeisenbank Stauden.
Bildung Klein- und Vorschulkinder können in Fischach den katholischen Kindergarten St. Michael besuchen. Dort stehen rund 80 Betreuungsplätze (aufgeteilt in vier Gruppen) zur Verfügung. Etwa 100 weitere Betreuungsplätze (aufgeteilt in sechs Gruppen) bietet die katholische Kindertagesstätte St. Vitus im Ortsteil Willmatshofen an.
Zudem befindet sich in Fischach eine staatliche Grund- und Mittelschule. Sie gehört zum Schulverband Fischach-Langenneufnach und wird gemeinsam mit der Außenstelle in Langenneufnach von etwa 580 Schulkindern besucht. Neben den vier Jahrgangsstufen in der Grundschule und den fünf Jahrgangsstufen in der Mittelschule gibt es dort auch einen M-Zug und eine Offene Ganztagsschule.Beschreibung Grund- und Mittelschule Fischach, abgerufen am 25. April 2021.
Der eingetragene Verein Wohlfühlhaus Westliche Wälder betreibt in Fischach das Zentrum Kinderlachen. Es beinhaltet eine Kindertagesstätte mit rund 60 Betreuungsplätzen, ein Haus für junge Mütter mit Kindern sowie einen Jugendhilfebereich für Jugendliche ab 14 Jahre und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge., abgerufen am 25. April 2021.
Im Gemeindeteil Reitenbuch ist das Josefsheim, ein heilpädagogisches Kinder- und Jugendheim, ansässig. Träger der 1910 eröffneten Einrichtung ist der eingetragene Verein Christliche Kinder- und Jugendhilfe.
Die Bücherei in Fischach wurde 1955 als Pfarrbücherei gegründet und war zunächst im Pfarrhof untergebracht. Später erfolgte der Umzug in das alte Rathaus, bevor sie schließlich in ein Nebengebäude neben dem neuen Rathaus verlegt wurde. Seit dem Jahr 2000 besteht ein Kooperationsvertrag zwischen der Gemeinde Fischach und der katholischen Kirchenstiftung zur gemeinsamen Finanzierung. Im Jahr 2025 umfasst der Bestand der Bücherei rund 11.000 Medien, darunter Bücher, CDs, Hörbücher, Zeitschriften und Spiele.Die Gemeindebücherei wird 70. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 5. Juni 2025, Seite 35.
Weitere öffentliche Einrichtungen Naturfreibad Hallenbad Staudenlandhalle (Mehrzweckhalle) Freiwillige Feuerwehr Friedhof
Verkehr Durch Fischach verläuft von Südwesten nach Nordosten die Staatsstraße 2026. Sie verbindet Fischach in der einen Richtung mit Langenneufnach und in der anderen Richtung mit Gessertshausen und der B 300, die weiter nach Augsburg beziehungsweise Memmingen führt. In Nord-Süd-Richtung durchschneidet die Kreisstraße A 2 die Ortschaft und ermöglicht so die Fahrt nach Dinkelscherben und weiter zur A 8 im Norden und Mickhausen im Süden. Des Weiteren ist Fischach an das Wander- und Radwegenetz des Naturparks angebunden.
In Fischach gibt es mehrere Bushaltestellen, die regelmäßig von den AVV-Linien 604, 606 sowie 607 bedient werden und den Ort so mit dem Bahnhof Gessertshausen bzw. der Bahnstrecke Augsburg–Ulm verbinden. Darüber hinaus befindet sich am nördlichen Ortsrand der Bahnhof Fischach (Schwab) (DS100: MFIS) mit der zugehörigen Bahnstrecke Gessertshausen–Türkheim (auch Staudenbahn genannt). Die Bahnstrecke gehört der Bahnbetriebsgesellschaft Stauden und wird gegenwärtig nur am Wochenende in den Sommermonaten von der Stauden-Verkehrs-Gesellschaft für Ausflugsfahrten genutzt.
Persönlichkeiten Ehrenbürger von Fischach Otto von und zu Aufseß (–1977), Miteigentümer von Schloss Elmischwang und Ehrenbürger der GemeindeFischacher Ehrenbürgerin stirbt im Alter von 100 Jahren. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 14. September 2024, Seite 50. Gertrud von und zu Aufseß (–2008), Miteigentümerin von Schloss Elmischwang und seit 2004 Ehrenbürgerin der Gemeinde Irmgard von und zu Aufseß (1924–2024), Miteigentümerin von Schloss Elmischwang und seit 2004 Ehrenbürgerin der Gemeinde Theo Müller (* 1940), Unternehmer und seit 2015 Ehrenbürger der GemeindeTheo Müller - der Milch-Baron wird Ehrenbürger In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 11. Mai 2015, abgerufen am 10. November 2024. Söhne und Töchter der Gemeinde Johannes I. von Fischach († 1366), Abt der Reichsabtei St. Ulrich und Afra Seckel Bamberger (* 1863 in Fischach; † 1934 in Bad Kissingen), Rabbiner Leonhard Thoma (* 1864 in Fischach; † 1921 in Jettingen), bekannter Kirchenmaler Franz Liebl (* 1923 in Heiligenkreuz; † 2002 in Fischach), Mundartautor Isidor Bach (* 1849 in Fischach; † 1946 in Bern), Bekleidungsunternehmer
Literatur Michael Piller: Fischach – Geschichte einer Mittelschwäbischen Marktgemeinde, Anton H. Konrad Verlag 1981, ISBN 3-87437-178-6
Weblinks
Markt Fischach (PDF; 1,23 MB)