Dieser Artikel hat den FC Winterthur in der Saison 2011/12 zum Thema. Der FC Winterthur (FCW) erreichte in dieser Saison nach einem schlechten ersten Meisterschaftsdrittel in der Challenge League den 4. Platz und konnte so schliesslich trotz Ligaverkleinerung die Klasse halten. Im Schweizer Cup schieden die Winterthurer im Halbfinal gegen den späteren Cupsieger FC Basel aus.
Saisonverlauf Vorbereitung Bereits zum Trainingsstart am 14. Juni waren die Abgänge von Matteus Senkal, Nico Thüring und des Routiniers Rainer Bieli bekannt, die alle keine neuen Verträge mehr erhielten. Als erstes wurde als Ersatz von Bieli Altin Osmani verpflichtet, der letzte Saison als Leihgabe des FC Basel beim FC Wohlen sechs Tore für sich verbuchen konnte – der FCW übernahm diesen nun nach Ablauf seines Vertrags in Basel. Ebenfalls übernommen mit einem Zweijahresvertrag vom FC Basel wurde Dominik Ritter, der zuvor bereits mit einem Leihvertrag beim FCW gespielt hatte. Weitere während der Vorbereitungen bekannt gewordene Abgänge waren jene von Denis Simijonovic, der wie bereits andere Spieler vor ihm zu GC wechselte, und von Lekaj, der nach Wil wechselte. Jedoch scheiterten gleich zwei geplante Abgänge ins Ausland: jener von Ermir Lenjani zum zweitklassigen türkischen Verein Elazığspor, der die Ablösesumme nicht zahlen konnte, und jener von Luca Radice zum schottischen Premier-League-Verein FC St. Mirren, dessen Transfer ebenfalls nicht zustande kam, sodass Radice, aus Schottland zurückgekommen, ab September ebenfalls wieder im Kader der Winterthurer stand. Als Rückkehrer auf die Schützenwiese wurde Isuf Llumnica verpflichtet. Weitere Neuverpflichtungen vor Saisonstart waren jene des Defensivspielers Sawwas Exouzidis, dessen letzter Verein Diagoras Rhodos die Löhne nicht mehr zahlte, sowie von Offensivspieler Biscotte, dessen physische Verfassung nach einer Verletzungspause jedoch noch fraglich war.
Die Testspielbilanz des FCW war zu Saisonbeginn nicht allzu aussagekräftig, der FCW verlor Spiele gegen den Super-League-Verein FC Luzern (0:2) sowie gegen die beiden Erstligisten FC Schaffhausen (1:3) und YF Juventus Zürich (1:2) und gewann das Blitzturnier in Uster sowie Spiele gegen die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart und gegen eine brasilianische Auswahlmannschaft.
Hinrunde Das Saisonziel für die neue Saison war für den FC Winterthur aufgrund der speziellen Ausgangslage der Saison 2011/12 bereits automatisch gegeben: Der 13. Platz der letzten Saison würde dem FCW in der neuen Saison aufgrund der Ligareduktion auf nur noch zehn Mannschaften nicht mehr für den Klassenerhalt reichen. Trainer Boro Kuzmanovic selbst sah sich jedoch während der Vorbereitung bezüglich einer grundlegenden Erneuerung der Mannschaft nicht unter Zugzwang, da die Mannschaft im Vergleich zur letzten Saison gemäss Kuzmanovic «unter ihrem potenziellen Niveau» gespielt hatte und er von denen überzeugt war, die da sind. Dadurch startete der FCW mit einer nicht grundlegend veränderten Mannschaft in die neue Saison.
Der FCW startete dann auch eher verhalten in die neue Saison. In den ersten drei Spielen gegen die drei nominell eher stärkeren Gegner aus Aarau, Vaduz und St. Gallen konnten sich die Winterthurer lediglich einen Punkt sichern und rangierten damit auf einem Abstiegsplatz. Danach konnten sie sich zwar mit sechs Punkten in drei Spielen gegen die schwächeren Teams aus Carouge, Kriens und Wohlen teilweise fangen, holten jedoch gemäss Trainer Boro Kuzmanovic trotzdem drei Punkte «zu wenig». Während der darauf folgenden Nationalmannschaftspause spielte der FCW ein erstes Mal ein Freundschaftsspiel gegen den Hamburger Kultverein FC St. Pauli (0:3), das 6500 Zuschauer auf die Schützenwiese lockte. Nach weiteren drei Niederlagen in Folge und einem Remis lag das Team von Trainer Kuzmanovic auf dem 15. Platz, jedoch in der dicht gedrängten unteren Tabellenhälfte der Challenge League nur drei Punkte hinter dem damals Zehntplatzierten FC Vaduz und sechs Punkte hinter dem sechstplatzierten FC Wohlen. Angesichts der abstiegsgefährdenden Situation in Winterthur wurde auch die Trainerfrage wieder aktiv diskutiert, vor der dritten Niederlage in Folge gegen Bellinzona spekulierte Der Landbote, ob dies nun die letzte Fahrt mit Kuzmanovic sei. Insbesondere die schlechte Heimbilanz drückte auch die Zuschauerzahlen, so kamen zum 0:0 gegen Chiasso, das den FCW auf den 15. und zweitletzten Platz rutschen liess, nur noch 1'400 Zuschauer auf die Schützenwiese. Kuzmanovic konnte sich jedoch trotz heftiger Kritik im Amt halten, Präsident Hannes W. Keller hielt unter anderem auch darum an Kuzmanovic fest, da sich die Spieler gegenüber ihm hinter ihren Trainer stellten.
Die Kehrtwende von der Negativserie schaffte der FCW schliesslich mit einem 5:0-Sieg im Paul-Grüninger-Stadion gegen den bisher sieglosen Tabellenletzten SC Brühl. Diesen Sieg konnte er danach auch gegen Nyon auswärts bestätigen. Zwar verfehlte es der FCW danach mit einem 0:0 gegen den FC Locarno, den ersten Heimsieg der Saison in der Meisterschaft einzufahren, jedoch konnte er wenige Tage danach im Cup-Achtelfinal gegen den BSC Young Boys brillieren, indem er den Super-League-Verein im Penaltyschiessen aus dem Cup warf. Cup-Held wurde dabei Christian Leite, der im Winterthurer Tor dreiWenn man einen aufgrund einer zu frühen Bewegung annullierten Elfmeter mitzählt, hielt Leite gar vier Elfmeter. Elfmeter hielt. Nach einem weiteren Unentschieden zuhause gegen Delémont und einem Auswärtssieg in Biel beendete der FCW, der sich zuletzt gefangen hatte, die Hinrunde auf dem 10. Platz. Zum Ende der Hinrunde bilanzierte der Landbote, dass der FCW im dritten Halbjahr hintereinander nicht erreicht habe, was er sich vorgenommen habe. Auffällig war insbesondere die magere Heimbilanz des FCW, der sich lediglich drei seiner 19 Punkte auf der Schützenwiese erspielte, jedoch in der Auswärtsrangliste Zweiter mit nur einem Punkt weniger als der FC St. Gallen wurde. Kuzmanovic äusserte sich diesbezüglich, dass ihm diese «unglaubliche Heimbilanz» ein Rätsel sei. In der Einzelkritik des Landboten kam insbesondere Torhüter Christian Leite mit einer Schulnote von 5,5 gut weg, der «vom Sorgenkind zum sicheren Wert» geworden sei, und auch Neuzugang Exouzidis erhielt mit 5 eine gute Note. Am anderen Ende der Skala fanden sich, wohl auch als Ausdruck der schlechten Hinrunde, mit Dominik Ritter, Isuf Llumnica, Luca Radice und Altin Osmani gleich vier Spieler mit einer klar ungenügende Note (3), und auch Stürmer Goran Antic erhielt mit nur einem Treffer in der Hinrunde lediglich eine Note von 3–4.
Rückrunde Zum Trainingsstart trainierte auch Kris Kuzmanovic wieder in der 1. Mannschaft mit, nachdem er in der Hinrunde von seinem Vater aus der 1. Mannschaft verbannt worden war. Ausserdem konnte abseits des Fussballplatzes vermeldet werden, dass Alain Sutter sein Mandat als sportlicher Berater des Präsidenten niedergelegt habe. Zum Auftakt gewann der FCW zum zweiten Mal nach 2006 die siebte Austragung der Hallenmasters in der Eishalle Deutweg mit einem 4:2-Finalsieg gegen GC. Weiter galt zu vermelden, dass Luis Frangão nach fünfeinhalb Jahren beim FCW und vielen wiederholten Verletzungspausen seine Karriere im Spitzenfussball beendete. Dafür kehrte Mittelfeldspieler Remo Freuler nach eineinhalb Jahren von den Grasshoppers, wo er bei den Planungen von Trainer Ciriaco Sforza keine Rolle mehr spielte, auf die Schützenwiese zurück. Auch Patrick Bengondo, der bereits im November zum dritten Mal auf die Schützenwiese zurückkehrte, unterschrieb einen neuen Vertrag in Winterthur. Die Testspielbilanz des FCW jenseits des Hallenmasters fiel auch nicht schlecht aus, gegen nominell bessere Gegner wie den FC Zürich und FC St. Gallen konnte er zwei Unentschieden erspielen, und bei Testspielen gegen den SC Freiburg sowie 1860 München resultierten lediglich knappe 1:2-Niederlagen. Siege schauten gegen den Regionalligisten SC Pfullendorf (4:0) und den Erstligisten FC Schaffhausen (4:2) heraus.
mini|Die Choreo der Winterthurer Bierkurve im Cup-Halbfinal nahm Bezug auf den Bandenbruch im Viertelfinal Die Ausgangslage zu Beginn der Rückrunde hatte sich insofern geändert, als durch den Zwangsabstieg von Neuchâtel Xamax auch der Elftplatzierte die Liga halten konnte. Der Landbote attestierte dem FC Winterthur eine gute Vorbereitung, in der er die defensive Stabilität der letzten Spiele der Rückrunde habe bestätigen können. Der FCW bot in der Folge auch eine ungleich bessere Rückrunde, die nicht mehr mit der Vorrunde zu vergleichen war: Aus den ersten fünf Spielen resultierten vier Siege und ein Unentschieden – darunter ein 1:0-Heimsieg gegen den Tabellenzweiten AC Bellinzona. Im dann folgenden Cup-Viertelfinal konnten die Löwen den Leader der Challenge League, den FC St. Gallen, wie bereits den BSC Young Boys im Elfmeterschiessen aus dem Cup werfen und wurden dafür mit dem Halbfinaleinzug belohnt. In Erinnerung bleibt den Fans dabei sicher auch der Torjubel nach dem 2:2-Ausgleich Bengondos in der 82. Minute, bei dem in der Bierkurve eine Bande brach und die Fans auf das Spielfeld stürzten. Am 24. März musste der FCW gegen den FC Aarau durch einen Penalty in der Nachspielzeit die einzige Niederlage in der Rückrunde hinnehmen. Während es in der Meisterschaft gut lief und Winterthur als Fünftplatzierter bereits nicht mehr abstiegsgefährdet war, kam es im Schweizer Cup am 15. April zum Showdown zuhause gegen den FC Basel. Die Winterthurer verpassten den Finaleinzug mit einem 1:2, hatten jedoch bereits in der ersten Halbzeit nach einem klar rotwürdigen Torhüterfoul einen ausgebliebenen Penaltypfiff von Schiedsrichter Alain Bieri zu beklagen – Kris Kuzmanovic konnte alleine vor Yann Sommer den Ball am Torhüter vorbeilegen und wurde danach vom Torhüter zu Fall gebracht. Selbst der Basler Goalie Yann Sommer gab dies nach dem Spiel unumwunden zu: «Ich stand ganz schön im Schilf. Wenn der Referee gepfiffen und mich vom Feld gestellt hätte, wäre wohl wenig einzuwenden gewesen.» Warum Bieri nicht pfiff, sollte gemäss der SRF-Sportsendung Sportpanorama wohl sein Geheimnis bleiben – und Winterthur verpasste den Finaleinzug.
Die Saison beendete Winterthur schliesslich mit 53 Punkten auf dem 4. Tabellenplatz – sechs Punkte hinter Aarau und Bellinzona, wobei der FC Aarau dank dem besseren Torverhältnis die Barrage bestreiten durfte. Für den Landboten konnten die Winterthurer die beste Bilanz seit Jahren ziehen, sie waren, nach miserablen Start von Anfang Oktober her gemessen, die beste Mannschaft der Challenge League, und Trainer Kuzmanovic attestierte seiner Mannschaft in der Rückrunde Super-League-Niveau. In der obligaten Einzelkritik des Landboten wurde Torhüter Christian Leite die Bestnote 6 verliehen, und Sawwas Exouzidis sowie Patrick Bengondo bekamen mit einer 5,5 ebenfalls eine sehr gute Note. Mit einer ungenügenden Note von 3,5 musste sich lediglich Altin Osmani begnügen.
Kader Saison 2011/12 Kader, basierend auf Angaben von transfermarkt.ch, abgerufen am 3. Dezember 2018