Die 39. Internationale Sechstagefahrt war ein Motorrad-Geländesportwettbewerb, der vom 7. bis 12. September 1964 in Erfurt sowie im Thüringer Wald in der DDR stattfand. Die Nationalmannschaften der DDR konnten die Trophy-Wertung zum zweiten Mal in Folge sowie erstmals die Silbervasenwertung gewinnen.
In Erfurt nahm 1964 zum ersten Mal ein Team des Klassenfeindes USA an dieser Veranstaltung teil. Dies war gleichzeitig das erste Mal, dass ein US-Team in einem Staat des damaligen Ostblocks an einer Motorsportveranstaltung teilnahm.
Aufgrund der seit 1961 geltenden, durch DSB-Vorstand und NOK-Präsidium gefassten Düsseldorfer Beschlüsse war es westdeutschen Sportlern verwehrt, an der Veranstaltung teilzunehmen.
Wettkampf Organisation rahmenlos|rechts|hochkant=0.6|Logo des ADMV mit Staatswappen der DDR (bis 1990) Den Zuschlag für die Ausrichtung der Veranstaltung erhielt die DDR auf dem Herbstkongress der FIM 1963 in London. Ab Dezember des gleichen Jahres wurde an der Streckenführung sowie dem Aufbau der Strecke gearbeitet.
Schirmherr der Veranstaltung war Günter Mittag, den Vorsitz des Organisationskomitees hatte der Präsident des Allgemeinen Deutschen Motorsport Verbandes (ADMV) Egbert von Frankenberg und Proschlitz. Die Fahrtleitung oblag dem Vizepräsidenten Ludwig Woitina. Streckenobmann war Werner Rosenbrock.
Veranstaltungszentrum war die Erfurter Thüringenhalle, in der zudem die Fahrtleitung eingerichtet wurde. Aktive und Betreuer waren im Internatsgebäude des Pädagogischen Instituts Erfurt untergebracht.
Für den Wettkampf waren 237 Fahrer von 14 Motorsportverbänden der FIM gemeldet. Um die Trophy-Wertung fuhren Mannschaften aus sieben Nationen. Zudem waren 19 Silbervasen-, 27 Fabrik- und 19 Club-Mannschaften am Start.
Die DDR nahm an der World Trophy sowie mit zwei Silbervasenmannschaften teil. Zudem waren acht Club- und fünf Fabrikmannschaften am Start. Österreich nahm an der World Trophy sowie mit zwei Fabrikmannschaften teil. Aus der Schweiz waren zwei Einzelfahrer am Start, Fahrern der BRD war – wie eingangs erwähnt – die Teilnahme verwehrt.
Die Veranstaltung war die erste und einzige in der Deutschen Demokratischen Republik.
1. Tag mini|Strecke des 1. und 3. Tages Von den 237 gemeldeten Fahrern nahmen 226 den Wettkampf auf. Es waren 407 km Strecke zu bewältigen, an Wetterbedingungen herrschte Regen und Nebel.
Gestartet wurde an der Thüringenhalle, die weitere Strecke verlief über Melchendorf, Windischholzhausen, Schellroda, Klettbach, Riechheim, Gügleben, Werningsleben und Kirchheim nach Arnstadt. Von dort war zweimal ein Rundkurs über Oberndorf, Siegelbach, Reinsfeld, Neusiß, Angelroda, Arlesberg, Dörrberg, Talsperre Lütsche, Bahnhof Gehlberg, Schneekopf, Zella, Linsenhof, Heinrichs, Albrechts, Mehlis, Ruppberg, Oberschönau, Unterschönau, Tambach-Dietharz, Rodebachsmühle, Greifenberg, Grenzadler, Oberhof, Talsperre Lütsche, Frankenhain und Crawinkel zurück nach Arnstadt zu absolvieren. Schließlich führte die Strecke über Rudisleben, Eischleben, Rockhausen und Egstedt zurück zum Ausgangspunkt Thüringenhalle.
Zwei Sonderprüfungen waren zu absolvieren: eine Geländegeschwindigkeitsprüfung über 5,3 km zwischen dem Bahnhof Gehlberg und dem Schneekopf sowie eine Berggeschwindigkeitsprüfung über 3,4 km zwischen Mehlis und dem Gipfel des Ruppbergs.
In der Trophy-Wertung führte die Mannschaft der DDR, vor der ČSSR-Mannschaft und dem britischen Team. Österreich lag auf dem 7. und damit letzten Platz.
Bei der Silbervasenwertung führte die finnische A-Mannschaft vor der B-Mannschaft und der A-Mannschaft der DDR.
Elf Fahrer schieden aus dem Wettbewerb aus.
2. Tag mini|Strecke des 2. und 5. Tages Es waren 310 km Strecke zu absolvieren, bis in die Mittagsstunden herrschten Dauerregen und Nebel, in den Höhenlagen des Thüringer Waldes mit Sichtweiten unter 50 m.
Die Strecke Thüringenhalle bis Arnstadt war die gleiche wie am Vortag. Von dort war zweimal ein Rundkurs über Oberndorf, Siegelbach, Reinsfeld, Kleinbreitenbach, Neusiß, Martinroda, Elgersburg, Rumpelsberg, Schmücke, Goldlauter, Adlersberg, Friedberg, Heinrichs, Albrechts, Zella-Mehlis, Rondell, Oberhof, Talsperre Lütsche, Frankenhain, Liebenstein und Dosdorf zurück nach Arnstadt zu absolvieren. Auf gleicher Strecke wie am Vortag führte die Fahrt zurück zum Ausgangspunkt Thüringenhalle.
An Sonderprüfungen waren eine Geländegeschwindigkeitsprüfung und eine Bergprüfung zu bestehen. Erstere war eine steile mit Geröll, Wurzeln und Gras durchsetzte Auffahrt über 3,1 km ab Goldlauter, Letztere auf einem 5,4 km langen, Asphaltabschnitt zwischen Zella und Oberhof, der ehemaligen Sternberg-Rennstrecke.
In der Trophy-Wertung führte die Mannschaft der DDR, vor der ČSSR-Mannschaft und dem britischen Team. Österreich lag unverändert auf dem 7. Platz.
Bei der Silbervasenwertung führte die finnische A-Mannschaft vor der B-Mannschaft und der A-Mannschaft der DDR.
Elf Fahrer schieden aus dem Wettbewerb aus.
3. Tag Am dritten Tag wurde die gleiche Strecke wie am ersten Tag befahren. Die Gesamtlänge betrug 410 km und war damit die längste Etappe der Veranstaltung, Von Erfurt bis Arnstadt sowie abschließend von dort zurück in gleicher Richtung, der dazwischenliegende – zweimal zu absolvierende – Rundkurs in entgegengesetzter Richtung. Der Tag blieb niederschlagsfrei, der Streckenuntergrund war noch nass vom Vortag.
Die zwei Sonderprüfungen waren eine Beschleunigungsprüfung über 900 m auf Asphalt im Jonastal nahe Crawinkel und eine Geländegeschwindigkeitsprüfung über 3,9 km bei Zella-Mehlis.
In der Trophy-Wertung führte die Mannschaft der DDR, vor Großbritannien und der Sowjetunion. Österreich lag nach wie vor auf dem 7. Platz.
Bei der Silbervasenwertung führte die B-Mannschaft der DDR vor der finnischen A-Mannschaft und der A-Mannschaft der DDR.
Siebzehn Fahrer schieden aus dem Wettbewerb aus.
4. Tag mini|Strecke des 4. Tages Die Strecke Thüringenhalle bis Arnstadt war die gleiche wie am Vortag. Von dort war zweimal ein Rundkurs über Oberndorf, Siegelbach, Kleinbreitenbach, Neusiß, Martinroda, Roda, Manebach, Kickelhahn, Stützerbach, Großer Finsterberg, Großer Eisenberg, Friedberg, Mäbendorf, Linsenhof, Zella, Spitzer Berg, Rondell, Grenzadler, Oberschönau, Tambach-Dietharz, Rodebachsmühle, Luisenthal, Stutzhaus, Untere Schweizerhütte, Frankenhain, Liebenstein und Dosdorf zurück nach Arnstadt zu fahren. Letztlich führte die Fahrt auf gleicher Strecke wie an den Vortagen zum Ausgangspunkt Thüringenhalle; Gesamtlänge: 364 km.
An Sonderprüfungen waren eine Berggeschwindigkeitsprüfung über 7 km auf einer glatten, sandigen Waldstraße zwischen Oberschönau und Tambach-Dietharz sowie eine Beschleunigungsprüfung über 850 m auf der Hauptstraße Oberhof–Crawinkel zu absolvieren.
In der Trophy-Wertung führte die Mannschaft der DDR, vor Großbritannien und der Sowjetunion. Österreich lag weiter auf dem 7. Platz.
Bei der Silbervasenwertung führte die B-Mannschaft vor der A-Mannschaft der DDR und der A-Mannschaft der ČSSR.
Vierzehn Fahrer schieden aus dem Wettbewerb aus.
5. Tag Am fünften Tag wurde die gleiche Strecke wie am zweiten Tag befahren, das Wetter war sonnig und trocken, Gesamtlänge 322 km. Von Erfurt bis Arnstadt sowie abschließend von dort zurück in gleicher Richtung, der dazwischenliegende – zweimal zu absolvierende – Rundkurs in entgegengesetzter Richtung.
Im Verlauf waren eine Berggeschwindigkeitsprüfung sowie eine kombinierte Beschleunigungs- und Bremsprüfung integriert. Die erste fand auf 2,4 km an der sogenannten Rollwand, einem kurvigen Geröllabschnitt mit Querrinnen zwischen Goldlauter und Schmücke statt. Die zweite auf einem Asphaltabschnitt über eine Distanz von 200 m.
In der Trophy-Wertung führte die Mannschaft der DDR, vor Großbritannien und der Sowjetunion. Österreich lag deutlich abgeschlagen auf dem 7. Platz.
Bei der Silbervasenwertung führte die B-Mannschaft vor der A-Mannschaft der DDR und der A-Mannschaft der ČSSR.
Sechs Fahrer schieden aus dem Wettbewerb aus.
6. Tag mini|Strecke des 6. Tages Am letzten Veranstaltungstag herrschte sonniges Frühherbstwetter. Die Strecke Thüringenhalle bis Arnstadt war die gleiche wie an den Vortagen. Von dort wurde die Strecke des vierten Tages bis Rodebachsmühle in entgegengesetzter Richtung genutzt. Weiter ging es über Georgenthal, Schönau vor dem Walde, Wipperoda nach Emleben. Von der Verbindungsstraße zwischen Emleben und Uelleben führte die Strecke direkt auf die A 4 in östlicher Richtung bis zur Anschlussstelle Neudietendorf/Arnstadt West und nach Abfahrt weiter über Kornhochheim, Neudietendorf und Bindersleben auf das Gelände des Flughafens Erfurt, wo das Abschlussrennen stattfand; Gesamtlänge: 125 km.
Das Abschlussrennen als letzte von insgesamt elf Sonderprüfungen im Verlauf der Veranstaltung wurde in sechs Gruppen ausgefahren. In der letzten starteten die bis dahin strafpunktfreien Trophy- und Silbervasenmannschaften. Es mussten acht Runden auf den Betonbahnen des Flughafens absolviert werden.
Drei Fahrer schieden aus dem Wettbewerb aus. Von 226 am ersten Tag gestarteten Fahrern erreichten 164 das Ziel.
Endergebnisse Trophy Platz Team Strafpunkte Gut-Punkte 1. 0 3912,735 2. 0 3793,093 3. 309 3104,449 4. 578 3240,247 5. 804 3116,368 6. 963 2722,058 7. 1472 2435,280
Silbervase
Platz Team Strafpunkte Gut-Punkte 1. (B-Mannschaft) 0 2597,985 2. (A-Mannschaft) 0 2563,343 3. (A-Mannschaft) 0 2476,370 4. (B-Mannschaft) 0 2446,438 5. (A-Mannschaft) 0 2444,301 6. (B-Mannschaft) 4 2409,848 7. (A-Mannschaft) 19 2254,097 8. (A-Mannschaft) 255 2353,864 9. (A-Mannschaft) 300 2256,940 10. (A-Mannschaft) 400 1986,633 11. (B-Mannschaft) 412 2216,872 12. 508 1887,658 13. (B-Mannschaft) 510 1873,216 14. 607 1681,905 15. (B-Mannschaft) 700 1968,620 16. (A-Mannschaft) 700 1940,578 17. 828 1634,988 18. (B-Mannschaft) 913 1573,411 19. (B-Mannschaft) 1533 1047,470
Club-Mannschaften Platz Team Strafpunkte Gut-Punkte 1. Holland-West 0 1767,736 2. GST III 0 1732,886 3. Dynamo II 0 1704,501 4. Royal Dison M.-C. 15 1656,674 5. GST II 26 1757,014 6. Dynamo III 34 1578,460 7. GST IV 54 1741,474 8. Dynamo I 59 1781,705 9. Dukla Prag 200 1754,802 10. GST I 205 1713,218 11. Sveriges Militära Idrottsförbund 300 1453,422 12. Roter Stern 301 1632,927 13. Club II 400 1390,004 14. Club III 500 1356,820 15. Sunbeam M.C.C. 600 1228,707 16. GST V 641 1268,591 17. Ramsey + PMCC 700 1049,977 18. Club I 954 1135,169 19. Birmingham Motocycle Club 1000 796,767
Fabrik-Mannschaften Platz Team Strafpunkte Gut-Punkte 1. MZ Zschopau I 0 1957,160 2. MZ II 0 1955,575 3. Simson I 0 1938,365 4. Simson II 0 1934,819 5. MZ III 0 1927,551 6. Triumph 0 1923,349 7. Greeves Motor 0 1895,136 8. ČZ II 0 1856,177 9. Jawa I 0 1814,123 10. Bultaco I 8 1684,252 11. Maico 15 1656,671 12. Ijewski Fabrik II 19 1641,226 13. Ijewski Fabrik IV 20 1597,778 14. Jawa II 100 1770,929 15. Ijewski Fabrik III 100 1699,445 16. MZ IV 200 1720,948 17. SHL 210 1529,597 18. DKW 300 1664,013 19. BSA 303 1609,213 20. Ijewski Fabrik I 306 1469,167 21. ČZ 328 1420,882 22. Puch 662 1139,945 23. ČZ I 704 1354,211 24. Junak 724 1189,229 25. KTM 810 1295,335 26. Korowski-Fabrik 909 981,938 27. Bultaco II 1232 775,015
Einzelwertung Klasse Starter Gold Silber Bronze Ausfall/Disqualifikation Klassensieger (Motorrad) Strafpunkte Gut-Punkte 1. Tag 2. Tag 3. Tag 4. Tag 5. Tag 6. Tag Gesamt50 cm³ 18 7 1 3 3 0 3 0 1 0 7 Siegfried Rauhut (Simson) 0 659,62075 cm³ 7 7 0 0 0 0 0 0 0 0 0 Gottfried Pohlan (Simson) 0 653,933125 cm³ 17 6 5 2 1 0 1 2 0 0 4 Otakar Chasák (ČZ) 0 642,220175 cm³ 46 26 9 2 1 3 1 1 2 1 9 Peter Uhlig (MZ) 0 659,090250 cm³ 67 35 8 1 4 5 7 6 1 0 23 Werner Salevsky (MZ) 0 657,486350 cm³ 44 22 5 3 2 2 3 3 2 2 14 Bernd Uhlmann (MZ) 0 657,351500 cm³ 23 14 4 1 0 1 1 2 0 0 4 Fred Willamowski (MZ) 0 652,882750 cm³ 4 3 0 0 0 0 1 0 0 0 1 Clifford Coleman (Triumph) 0 623,157 Gesamt 226 120 32 12 11 11 17 14 6 3 62
Teilnehmer