Blumenberg ist ein Bahnhof im gleichnamigen Dorf des Ortsteils Stadt Wanzleben der Kleinstadt Wanzleben-Börde im Bördekreis in Sachsen-Anhalt. Er ging 1843 mit der Strecke Magdeburg – Halberstadt in Betrieb und gehört zu den ältesten Bahnhöfen Sachsen-Anhalts. Mit dem Bau der Nebenbahnstrecken nach Staßfurt, Eilsleben und Schönebeck (Elbe) entwickelte er sich ab den 1880er Jahren zu einem bedeutenden Nebenbahnknoten in der Magdeburger Börde. Seit der Stilllegung der Nebenbahnen um die Jahrtausendwende war der Bahnhof nur noch von lokaler Bedeutung für die Stadt Wanzleben. Wegen Sanierungsstau und nicht normgerechter Anlagen wurde seine Bedienung im Personenverkehr mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 eingestellt.

Lage und Aufbau

mini|links|Bahnhof Blumenberg, Totale in Blickrichtung Nordost, 2014

Der Bahnhof befindet sich im ehemaligen Vorwerk Blumenberg südlich der Stadt Wanzleben. Die Gleisanlagen verlaufen in Nordost-Südwest-Richtung. Die Strecken aus Magdeburg und Eilsleben laufen von Nordosten in den Bahnhof, die Strecken nach Halberstadt, Staßfurt und Schönebeck verlassen ihn in südwestlicher Richtung. Das Empfangsgebäude befindet sich nördlich der Gleise an der Straße Am Bahnhof, von den drei Mittelbahnsteigen war zuletzt der mittlere Bahnsteig II an den Gleisen 3/4 in Betrieb, der Zugang erfolgte über einen Fußgängertunnel. Die Güter- und Rangiergleise schlossen sich südwestlich der Reiseverkehrsanlagen an. Während seiner Blütezeit verfügte der Bahnhof über 18 Gleise. Innerhalb der Bahnhofsgrenzen befinden sich drei Bahnübergänge, an denen die Bundesstraße 246a, die Schulstraße und ein Wirtschaftsweg die Gleise kreuzen.

Die signaltechnischen Anlagen werden von drei mechanischen Stellwerken (Bauform ) aus bedient und überwacht. Die Stellwerke erhielten ihrer Lage entsprechend anfänglich die Bezeichnungen Ot, Mt und Wt, später Bo, Bmf und Bw. Das Befehlsstellwerk Bmf steht am Westende des Bahnsteigs II, das Wärterstellwerk Bo steht gegenüber dem Empfangsgebäude, das Wärterstellwerk Bw an der westlichen Einfahrt aus Richtung Halberstadt, Schönebeck und Staßfurt. Der östlich des Empfangsgebäudes stehende Wasserturm gilt gemeinhin als Wahrzeichen des Bahnhofs.

Das Empfangsgebäude, der Wasserturm und zwei Beamtenwohnhäuser stehen unter Denkmalschutz.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19.03.2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt (S. 497 im PDF).

Geschichte Als sich Anfang der 1840er Jahre die Pläne für eine Verbindung zwischen Magdeburg und Braunschweig konkretisierten, wurde aus Rücksicht auf die Stadt Halberstadt eine Streckenführung über Oschersleben anstelle des direkten Weges über Helmstedt gewählt. Für den Abschnitt von Magdeburg nach Oschersleben wählte die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft (MHE) eine südlich an Wanzleben vorbeigehende Führung. Die vier Kilometer kürzere Direktverbindung über Wanzleben hätte zu – für damalige Zeiten hohen – Steigungsverhältnissen von 1:150 geführt. Als Ersatzstation für Wanzleben errichtete die MHE am drei Kilometer südlich der Stadt gelegenen Vorwerk Blumenberg eine Haltestelle für den Personen- und Güterverkehr. Sie ging mit der eingleisigen Strecke Magdeburg – Halberstadt am 15. Juli 1843 in Betrieb. 1851 erhielt die Strecke ihr zweites Gleis. Der Bahnhof war neben dem Bahnhof in Dodendorf zunächst der unbedeutendste Halt der Strecke. In den 1870er Jahren umfasste der Bahnhof vier Gleise, der einzige Personenbahnsteig befand sich am Streckengleis Magdeburg – Halberstadt westlich des Weges von Wanzleben nach Egeln, das Stationsgebäude lag östlich davon. Ein Güterschuppen auf der Südseite und ein Stall mit angebautem Abort komplettierten die Anlage.

Den ersten größeren Umbau erfuhr der Bahnhof mit dem Bau der Nebenbahn Staßfurt – Blumenberg, deren westlicher Abschnitt Egeln – Blumenberg am 10. August 1881 eröffnet wurde. Die Strecke fädelte ursprünglich zwei Kilometer weiter westlich bei der Signalstation Klein Germersleben in Kilometer 24,1 in die Strecke Magdeburg – Halberstadt ein. In die Bauzeit fällt die Verstaatlichung der MHE und die Unterstellung des Bahnhofs Blumenberg an die Königliche Eisenbahndirektion Magdeburg (KED Magdeburg). Am 25. Februar 1881 stimmte der Preußische Landtag dem Bau der Nebenbahn Blumenberg – Eilsleben zu, die insbesondere den Anschluss an die Zuckerfabriken in Klein Wanzleben und Seehausen herstellen sollte. Der Abschnitt Blumenberg – Klein Wanzleben ging am 5. Oktober 1882 für den Güterverkehr und damit rechtzeitig zur Rübenkampagne in Betrieb. Die Aufnahme des Personenverkehrs fand knapp ein Jahr später am 1. September 1883 statt. mini|Blumenberg mit 232 198-2, 41 1185-2 und 771 054-4 im Mai 1992 mini|Trotz der Überdachung und des geringen Abstandes zu Gleis 1 gab es am Empfangsgebäude keinen Hausbahnsteig, 2014

Der Bahnhof erhielt im Zuge des Umbaus ein neues Empfangsgebäude westlich des Weges Wanzleben – Egeln (heute: Schulstraße); es wurde auf Grund von Verzögerungen bei der Materiallieferung erst am 26. November 1881 fertiggestellt. Für den Reiseverkehr entstanden zwei je 220 Meter lange Mittelbahnsteige an den Gleisen 1–4. Die überdachte Freifläche zwischen dem Empfangsgebäude und Gleis 1, vereinzelt fälschlich als Bahnsteig bezeichnet, war mit einem Gitter abgesperrt. Der Übergang zu den Bahnsteigen erfolgte höhengleich, bis spätestens 1898 erfolgte der Ersatz durch eine Bahnsteigunterführung. Während des Baus der beiden Nebenbahnen gab es Überlegungen für eine weitere Verbindung nach Schönebeck, der preußische Landtag beschloss ihren Bau im Frühjahr 1886. Verzögerungen beim Grunderwerb und der Abgleichung örtlicher Interessen verschoben den Baubeginn bis 1895. Ihre Eröffnung fand am 8. Oktober 1896 für den Güter- und am 1. November 1896 für den Reiseverkehr statt. Der Bau der Strecke erforderte die Errichtung eines dritten Bahnsteigs zwischen Gleis 5 und 6, der zunächst nur einseitig benutzbar war. Weiteres Aufkommen bescherte die 1892 eröffnete Nebenbahn Etgersleben – Förderstedt, die neun Kilometer südlich von Blumenberg von der Strecke nach Staßfurt abzweigte.

Neben den fünf Bahnsteiggleisen verfügte der Bahnhof um das Jahr 1900 über sieben weitere Gleise für den Güterverkehr. Für die Güterverladung standen eine Seitenrampe, zwei Wandkräne mit einer beziehungsweise anderthalb Tonnen Tragkraft und eine Gleiswaage mit 20 Tonnen Tragkraft zur Verfügung. Die Lokstation umfasste einen zweiständigen, ab 1908 einständigen Lokschuppen mit vorgelagerter 16-Meter-Drehscheibe, eine Revisionsgrube und eine Kohlebühne. Spätestens seit den 1890er Jahren gab es zudem drei Stellwerke. Am Westkopf befand sich ein nicht näher datierter Ablaufberg. Bedingt durch ein Gefälle von 1:419 (≈ 2,39 Promille) nach Westen war seine Benutzung erschwert. Im Regelbetrieb wurden daher die Wagen vom Ostkopf aus in die Rangiergleise abgestoßen.

mini|Beamtenwohnhaus und Wasserturm, 2014

Die Strecke nach Staßfurt erhielt zur besseren Abwicklung des Betriebsablaufs am 19. Juli 1901 ein eigenes Streckengleis zwischen Blumenberg und Klein Germersleben, wodurch die Kreuzung der Magdeburg-Halberstädter Strecke entfallen konnte. Das Streckengleis führte direkt nach Gleis 4, während die Gleise 2 und 3 dem Durchgangsverkehr zwischen Magdeburg und Oschersleben beziehungsweise Halberstadt dienten. Gleis 1 war für die in Blumenberg endenden Züge Richtung Eilsleben, Gleis 5 für die Züge Richtung Schönebeck vorgesehen. Bei dem bis 1903 andauernden Umbau wurde zudem die Einfädelung von Gleis 1 nach Gleis 2 um 300 Meter vorgezogen und der abgetrennte Gleisstumpf als Abstellgleis weitergenutzt. Auf der Südseite gingen drei weitere Rangiergleise mit einer dazwischen liegenden Umladehalle in Betrieb. Für den Umbau musste der Westturm abgetragen werden, da er der Gleiserweiterung im Wege stand, das neue Stellwerk ging 50 Meter weiter westlich in Betrieb. Der Wasserturm (Bauart Klönne) mit einem Fassungsvermögen von 100 Kubikmetern wurde um 1910 errichtet und ersetzte die alte Wasserstation.

mini|Blick von Bahnsteig II in Richtung Stellwerk Bw mit Bahnsteig I (re.) und Bahnsteig III (li.), 2014

Im Jahr 1905 erhielt Bahnsteig II eine Überdachung, Bahnsteig I folgte 1907. Die Dächer überdeckten nur einen Teil der Bahnsteige, weshalb ihre Verlängerung vorgesehen war. Der Etat von 1914 sah hierfür 15.000 Mark vor, das Vorhaben sollte zeitgleich mit der Verbreiterung von Bahnsteig I erfolgen. Da hierfür noch keine Pläne vorlagen, wurde das Vorhaben zunächst aufgeschoben. Weitere Missstände, auf die aufmerksam gemacht wurde, betrafen die teils engen Gleisbögen an der Ausfahrt nach Halberstadt oder die schlechte Unterbringung einer Gleisbaurotte im Keller des Übernachtungsgebäudes. Für ihre Beseitigung wurden 480.000 Mark veranschlagt. Im Jahr 1915 wurden 99.000 Mark bewilligt, von der Summe konnte nur etwa die Hälfte in Anspruch genommen werden. Ein Bericht der Eisenbahndirektion Magdeburg an das Reichsverkehrsministerium von 1921 ergab, dass bis zu diesem Zeitpunkt unter anderem Hauptgleise an der Westausfahrt und drei Weichenverbindungen lagetechnisch verändert und Bahnsteig I verlängert und verbreitert wurden. Zum besseren Schutz vor schlechter Witterung ließ das zuständige Betriebsamt im Herbst 1917 auf Bahnsteig II zwei Felder der Überdachung mit Schutzwänden versehen. Im November 1920 erhielt Bahnsteig III eine zweite nutzbare Kante an Gleis 6, was insbesondere die Abfertigung eines Pendelzugpaares Magdeburg – Blumenberg erleichterte.

mini|Beamtenwohnhäuser mit Nebengebäuden westlich des Empfangsgebäudes, 2014

Im September 1921 beantragte die neu gegründete Deutsche Reichsbahn die Genehmigung für den weiteren Ausbau des Blumenberger Bahnhofs. Kernpunkt der Forderung über 2,1 Millionen Mark war die Vermehrung der Ein- und Ausfahrzugstraßen für die Güterzüge, da diese bei Belegung der Bahnsteiggleise am Ostkopf vor den Einfahrsignalen warten mussten. Gleis 1 sollte durch Verlängerung als Überholgleis nutzbar gemacht und zwischen Gleis 3 und 4 ein Abstellgleis 4a für die Züge Richtung Staßfurt angelegt werden. In Gleis 4 sollte die signalisierte Ausfahrt Richtung Staßfurt realisiert werden, da die Züge bislang von Gleis 6 oder auf Befehl ausfahren mussten. Das Rangierpersonal der östlichen Rangiergruppe sollte ein Aufenthaltsgebäude in der Nähe des Arbeitsbereichs bekommen. Die Maßnahmen wurden im Wesentlichen bis Oktober 1924 umgesetzt. Der Ausbau von Gleis 1 zum Überholgleis und der Bau von vier weiteren Nebengleisen für den Rangierbetrieb kamen inflationsbedingt nicht zustande. Die teilweise Neuordnung der Gleise zeigte sich auch im Neubau des Stellwerks Bw, der am 10. August 1924 in Betrieb ging. Die Wegesignale im Stellwerksbezirk Bm entfielen, sämtliche Ausfahrsignale konzentrierten sich auf die Randstellwerke Bo und Bw. Nach 1925 ging am Ostkopf ein zweiter Ablaufberg in Betrieb. Der Bahnhof erreichte durch die Maßnahmen seine größte Ausdehnung.