Cootie Williams and His Orchestra (auch Cootie Williams Orchestra, Cootie and His Savoy Orchestra und Cootie Williams und sein Orchester) war eine amerikanische Bigband, die der Trompeter Cootie Williams von Ende 1941 bis 1947 leitete. Sie spielte nach Ansicht von Gunther Schuller in den frühen 1940er Jahren eine wichtige Übergangsrolle zwischen Swing und Bebop.Gunther Schuller: The Swing Era: The Development of Jazz, 1930-1945. Oxford University Press 1989, S. 403 Aus ihr gingen später bekannte Jazzmusiker wie Bud Powell, Eddie „Lockjaw“ Davis, Kenny Kersey und Eddie „Cleanhead“ Vinson hervor.

Geschichte der Band mini|links|Cootie Williams. Fotografie von William P. Gottlieb, entstanden zwischen 1938 und 1948.

Nachdem Cootie Williams im Oktober 1940 das Duke Ellington Orchestra verlassen hatte, spielte er ein Jahr bei Benny Goodman. In dieser Phase machte der Trompeter am 7. Mai 1941 unter eigenem Namen in New York für Okeh Records Plattenaufnahmen in Septettbesetzung. Dabei entstanden die Titel West End Blues, G Men (Okeh 6370), Blues in My Condition und Ain’t Misbehavin’ (OKeh 6224); Mitwirkende waren Lou McGarity (Posaune), Les Robinson (Altsaxophon), Skippy Martin (Baritonsaxophon), Johnny Guarnieri (Piano), Artie Bernstein (Kontrabass) und Jo Jones (Schlagzeug).Tom Lord: The Jazz Discography (online, abgerufen am 19. November 2018) Ende des Jahres 1941 verließ Williams das Benny Goodman Orchestra (bzw. Quartet) und gründete eine eigene Bigband. Bandvokalist war der junge Saxophonist Eddie Vinson, der vorher mit Big Bill Broonzy und Lil Green in den Südstaaten getourt hatte.Lawrence McClellan: The Later Swing Era, 1942 to 1955. Westport, Greenwood Press 2004, S. 109 Mit seinem neuen Orchester nahm Williams schließlich am 1. April 1942 in Chicago für das Label Merritt Records den Titel Sleepy Valley auf. Die ebenfalls aufgenommenen Nummern Marcheta (mit Louis Bacon, Gesang), When My Baby Left Me (mit Eddie Vinson, Gesang) und die erste Einspielung von Thelonious Monks Komposition EpistrophyRichard Cook, Brian Morton: The Penguin Guide To Jazz on CD. (8. Aufl.) Penguin, London 2006, ISBN 0-14-051521-6. (unter dem Titel Fly Right) blieben zunächst unveröffentlicht.

In Cootie Williams’ Orchester spielten bei der Merritt-Session Milton Fraser, Joe Guy (Trompete), Louis Bacon (Trompete, Gesang), Jonas Walker, Bob Horton, Sandy Williams (Posaune), Charlie Holmes (Altsaxophon), Eddie „Cleanhead“ Vinson (Altsaxophon, Gesang), Bob Dorsey, Greely Walton (Tenorsaxophon), John Williams (Baritonsaxophon) Kenny Kersey (Piano), Norman Keenan (Bass) und Butch Ballard (Schlagzeug). Der zu dieser Zeit bestehende Recording ban verhinderte dann weitere Plattenaufnahmen; Mitte 1943 hatte Williams jedoch die Gelegenheit, mit seinem Orchester in dem Musik-Kurzfilm VodvilMöglicherweise bezieht sich der Filmtitel auf den gleichnamigen Jazzclub in New York City, den Wellman Braud 1935 eröffnet hatte. Vgl. Duke’s Diary, Teil 1. Ken Vail Scarecrow Press, 1999 der Columbia Pictures aufzutreten.Cootie Williams and his Orchestra: Cootie Williams, Louis Bacon, Ermit V. Perry, Frank „Fat Man“ Humphries (tp), Ed Burke, Bob Horton (tb) mögl. Jonas Walker (tb), Charlie Holmes (as), Eddie „Cleanhead“ Vinson (as, vcl), Sam „The Man“ Taylor, Lee Pope (ts), Greely Walton (bar), Fletcher Smith (p), Norman Keenan (b), George "Butch" Ballard (dr), Laurel Watson (vcl). Das Williams-Orchester spielte in dem Film – Stepptänzer begleitend – Let’s Keep on Jumping/Get Hep, Things Ain’t What They Used to Be und Giddap Mule (mit der Sängerin Laurel Watson).

Nach Ansicht von George T. Simon leitete Williams 1942 „eine am wenigsten bekannten, dafür aber überzeugendsten Swing-Bigbands. Es war eine hervorragende Formation, deren Musik mit allen Tempi in die Beine ging, mit Cooties unglaublicher Trompete, die in den Soli entsprechend glänzte. […] Unglücklicherweise hemmten zuerst der Aufnahmestopp und dann die Einberufung den Fortschritt der viel versprechenden Formation.“George T. Simon: Die goldene Ära der Bigbands. Hannibal, Höfen 2004, ISBN 3-85445-243-8, S. 397 f.

Neu in Williams’ Orchester kamen nun der Trompeter Harold „Money“ Johnson, die Saxophonisten Eddie „Lockjaw“ Davis, Sam „The Man“ Taylor und George Treadwell, außerdem der Pianist Bud Powell und der Bassist Norman Keenan. Am 4. und 6. Januar 1944 konnte Williams eine Reihe von Titeln für das Label Hit einspielen; dies waren u. a. die Gesangsnummern Floogie Boo (Williams im Duett mit Vinson), Gotta Do Some War Work, Baby (Williams, Gesang) und Now I Know (mit Pearl Bailey, Gesang), außerdem die zu der Zeit populären Songs Sweet Lorraine, My Old Flame sowie die Ellington-Kompositionen Things Ain’t What They Used to Be, Echoes of Harlem und den Fats-Waller-Hit Honeysuckle Rose.

Erstmals in die US-Charts kam das Cootie Williams Orchestra am 29. April 1944 mit Tess’s Torch Song, ein von Pearl Bailey gesungenes Lied von Ted Koehler/Harold Arlen aus dem Filmmusical Up in Arms (1944, Regie Elliott Nugent), mit Danny Kaye; die Band gelang mit ihrer Version auf Position 19 (Die Version von Ella Mae Morse war erfolgreicher und gelangte auf #11). Einen weiteren Hit (#2 der R&B-Charts, #23 der Pop-Charts) hatte die Band Ende August 1944 mit Cherry Red Blues, einem Titel von Pete Johnson und Big Joe Turner (Hit 7084; mit Eddie Vinson, Gesang).Gerhard Klußmeier: Jazz in the Charts. Another view on jazz history. Liner notes und Begleitbuch der 100-CD-Edition. Membran International, ISBN 978-3-86735-062-4. Dieser kommerzielle Erfolg ermöglichte Eddie „Cleanhead“ Vinson einen Plattenvertrag bei Mercury Records und seine Solokarriere mit Hits wie Old Maid Boogie oder Kidney Stew Blues.Jon Hartley Fox: King of the Queen City: The Story of King Records. University of Illinois Press 2009, S. 142

mini|links|Cootie Williams & Orchestra - ’Round Midnight Weitere Aufnahmen des Cootie Williams OrchestraBesetzung: Cootie Williams, Ermit V. Perry, George Treadwell, Lammar Wright, Tommy Stevenson (tp) Ed Burke, Bob Horton, Ed Glover (tb) Eddie "Cleanhead" Vinson (as, vcl) Frank Powell (as) Sam "The Man" Taylor, Lee Pope (ts) Eddie De Verteuil (bar) Bud Powell (p) Leroy Kirkland (g) Carl Pruitt (b) Sylvester "Vess" Payne (dr) folgten am 22. August 1944 für Hit/Majestic. Bud Powell konnte Williams überzeugen, die Thelonious-Monk-Komposition ’Round Midnight (die ursprünglich I Love You So hieß) in sein Repertoire aufzunehmen.Robert Kelley: Thelonious Monk: The Life and Times of an American Original. S. 101 Neben ’Round Midnight (für dessen Aufnahme sich Williams Co-Urheberrechte eintragen ließ) nahm man am 22. August auch die Gesangsnummern Somebody’s Gotta Go (#1 in den Race Records Charts 1945), Is You Is or Is You Ain’t My Baby (mit Eddie Vinson als Bandvokalisten) sowie die Instrumentalnummer Blue Garden Blues eigentlich der Royal Garden Blues (Clarence Williams).

Besetzung 1945 Trompete: Cootie Williams, Ermit V. Perry, George Treadwell, Billy Ford, Gene Redd Posaune: Ed Burke, Danny Logan, Bob Horton Saxophone: Rupert Cole (as) Eddie „Cleanhead“ Vinson (as, vcl), Sam „The Man“ Taylor, Lee Pope (ts), George Favors (bar) Piano: Arnold Jarvis Kontrabass: Carl PruittSchlagzeug Sylvester „Vess“ Payne

Im Februar 1945 entstanden dann Rundfunkmitschnitte des Senders AFRS aus dem New Yorker Savoy Ballroom, in dem das Orchester eine Reihe von wöchentlichen Engagements hatte;Guthrie P. Ramsey: Race Music: Black Cultures from Bebop to Hip-Hop University of California Press, 2003, S. 229 bei Cootie Williams spielte dabei auch Charlie Parker (allerdings im Satzspiel und nicht als Solist), außerdem Harold „Money“ Johnson, George Treadwell, Sam „The Man“ Taylor, Leroy Kirkland und Carl Pruitt. Das Repertoire bestand aus Instrumentalnummern wie ’Round Midnight, Do Nothin’ till You Hear from Me, Don’t Blame Me, Perdido, schnellen, unkomplizierten Tanznummern wie Roll ’em, The Rhythm Is Jumpin’ und Seven Eleven sowie populären Gesangstiteln wie Saturday Night und I’m Beginning to See the Light, beide mit Tony Warren.

Der nächste Studiotermin fand am 29. Mai 1945 statt, diesmal für das junge Plattenlabel Capitol Records; dabei entstand die Bluesnummer Juice Head Baby (wieder mit Eddie Vinson, Gesang) und die Instrumentalnummer Salt Lake City Bounce, die auf den Akkordwechseln von Billy Strayhorns Take the “A” Train basierte, arrangiert von dem Posaunisten Ed Johnson. Bei der nächsten Studiosession am 19. Juli 1945 kam Bill Doggett als Arrangeur hinzu; dabei nahm Cootie Williams die Nummern Mood for Coot, House of Joy, Everything But You und die Bluesnummer When My Baby Left Me auf. Insgesamt nahm Williams mit seiner Bigband 1945/46 für Capitol 26 Titel auf.JazzTimes, Band 27, Ausgaben 6–10, S. 75

Im Januar 1946 spielte Cootie Williams and His Orchestra im New Yorker Zanzibar Club; dabei entstanden auch Rundfunkmitschnitte. Mit in der Band war kurz die Trompeter Gene Redd und Lammar Wright. Reguläre Plattenaufnahmen fanden dann am 29. Januar statt; Bandvokalist war dabei neben Bob Merrill (Stingy Blues) der Songwriter Johnny Mercer im Titel She Shoulda Flip'd When He Flop’d; der Song blieb aber seinerzeit unveröffentlicht.

Am 5. Juli 1946 ging Cootie Williams mit seinem Orchester erneut ins Studio; aufgenommen wurden dabei die Vokalnummer Wrong Neighborhood,A good, typical blues, with some beautiful trumpet work by Cootie and solid blues shouting by Bob Merrell, schrieb der Kritiker in The American Record Guide (Band 13), Peter Hugh Reed: American Record Guide, 1947 Piney Brown’s Gone und I May Be Easy but I’m No Fool (alle gesungen von Bob Merrill, der Eddie Vinson nachfolgte), Let’s Do the Whole Thing or Nothing at All (gesungen vom Bandleader) sowie die Instrumentalnummer Vibraphobia, mit Gene Redd am Vibraphon.Besetzung: Cootie Williams, Ermit V. Perry, Otis Gamble, Billy Ford (tp), Bob Merrill (tp, vcl), Gene Redd (tp, vib), Ed Burke, Ed Johnson, Julius Watson, (tb) Daniel Williams, Rupert Cole (as), Chuck Clark, Eddie Johnson (ts), Bob Ashton (bar), Arnold Jarvis (p), William „Pee Wee“ Tinney (git), Norman Keenan (kb), Butch Ballard (dr)

Besetzung Ende 1947 Trompete: Cootie Williams, Bob Merrill (tp, vcl) Saxophone, Klarinette: Rupert Cole (as, cl), Weasel Parker (ts) Piano: Arnold Jarvis Gitarre: Mundell Lowe Kontrabass: Leonard SwainSchlagzeug Sylvester „Vess“ Payne Gesang Eddie Mack, Billy Matthews, The Balladeers

1946/47 suchte Cootie Williams mit seinem Repertoire verstärkt den kommerziellen Erfolg, um das Orchester zu erhalten, und wandte sich vermehrt dem populären Rhythm & Blues zu. Bei den Sessions für Capitol (11. September 1946), Majestic (Anfang und Mitte 1947) und Mercury Records (ab Dezember 1947) entstanden neben Jazztiteln wie I Can’t Get Started und Rhapsody in Blue daher auch eine Reihe von Vokalnummern, meist Novelty Songs wie Ooh-La-La oder Balladen wie I Want to Be Loved (But Only by You).

1948 musste Cootie Williams sein Orchester aus ökonomischen Gründen aufgeben; mit verkleinertem Ensemble wandte er sich ganz dem aktuellen Rhythm & Blues zu; Aufnahmen im Septett-Format entstanden 1948/49 für Mercury mit Bob Merrill, Rupert Cole, Willis Jackson, Lester Fauntleroy (Piano), Leonard Swain (Bass) und Gus Johnson. Erst 1958 stellte er für Plattenaufnahmen für RCA Victor wieder eine eigene Bigband-Formation zusammen, mit Solisten wie Billy Byers, Bobby Byrne, Lou McGarity, Phil Bodner, Romeo Penque und einer Rhythmusgruppe aus Lou Stein, George Barnes, Eddie Safranski und Don Lamond.

Rezeption und Bedeutung mini|78er von Cootie Williams: When My Baby Left Me (Capitol). Cootie Williams nahm die Gesangsnummer am 19. Juli 1945 auf; Sänger war Eddie Vinson.