mini|Rathaus und Herz-Jesu-Kirche (2010)
Pressig ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern und der Name des Hauptortes. Zusammen mit Stockheim bildet es ein Grundzentrum.Website des Marktes Pressig: Stockheim und Pressig – ein gemeinsames Unterzentrum, abgerufen am 18. April 2014
Geografie Geografische Lage
mini|Rothenkirchen von Osten Pressig liegt im Naturpark Frankenwald. Im Ort fließen die Flüsse Buchbach und Tettau in die Haßlach.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Pressig hat 14 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahl, Stand August 2018, angegeben):, abgerufen am 12. September 2018.
Der höchstgelegene Gemeindeteil des Marktes Pressig ist Marienroth mit bis zu .
Rothenkirchen Bahnhof ist mittlerweile in dem Gemeindeteil Pressig aufgegangen, während Keimenschneidmühle, Kohlesmühle, Marienrothermühle, Romigsschneidmühle, Waldhaus und Welitscher Schneidmühle devastiert sind.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden aus, im Uhrzeigersinn) Tettau, Steinbach am Wald, Teuschnitz, Wilhelmsthal, Stockheim (alle im Landkreis Kronach) sowie Föritztal (im Thüringer Landkreis Sonneberg).
Geschichte Der Ort wurde in einer Urkunde, die zwischen 1326 und 1328 geschrieben wurde, als „Prezzekk“ erwähnt. Der Ortsname leitet sich von presěka ab (slaw. für Rodung). Demnach ist Pressig eine Rodungssiedlung.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. S. 179.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bildete Pressig mit Haidels-, Kohles- und Romigsschneidmühle eine Realgemeinde bestehend aus 18 Anwesen (5 Güter, 2 Söldengüter, 7 Tropfhäuser, 1 Mahl- und Schneidmühle, 3 Schneidmühle). Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Teuschnitz aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das Vogteiamt Rothenkirchen aus. Die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Kastenamt Rothenkirchen inne. Neben den Anwesen gab es noch 1 Gemeindehaus.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis. S. 498. Hier werden – unter Einberechnung des Gemeindehauses – abweichend 19 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.
Infolge der Säkularisation kam Pressig nach Bayern. Mit dem Ersten Gemeindeedikt wurde Pressig dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Rothenkirchen zugewiesen. 1818 entstand die Ruralgemeinde Pressig, zu der Haidelsmühle, Kohlesmühle und Romigsschneidmühle gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Teuschnitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Rothenkirchen (1919 in Finanzamt Rothenkirchen umbenannt). 1837 wurde Pressig dem Landgericht Ludwigsstadt überwiesen. Von 1862 bis 1880 und von 1888 bis 1931 gehörte Pressig zum Bezirksamt Teuschnitz, von 1880 bis 1888 und ab 1931 zum Bezirksamt Kronach (1939 in Landkreis Kronach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Ludwigsstadt (1879 in Amtsgericht Ludwigsstadt umbenannt), das 1956 zu einer Zweigstelle des Amtsgerichts Kronach wurde. Die Finanzverwaltung übernahm 1929 das Finanzamt Kronach.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis. S. 596. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 2,270 km².
Pressig erhielt im Jahr 1956 das Marktrecht.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1974 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Grössau in den Markt Pressig eingegliedert. Am 1. Januar 1976 folgten Marienroth und Posseck, während die Einöde Eichelberg nach Wilhelmsthal umgegliedert wurde. Eila kam am 1. Januar 1977 hinzu. Am 1. Mai 1978 erfolgte die Eingemeindung der Gemeinden Förtschendorf, Friedersdorf und Welitsch sowie des Marktes Rothenkirchen (mit dem am 1. Januar 1971 eingegliederten Ort Brauersdorf).
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung des Marktes Pressig seit 1840 In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung des Marktes Pressig stark an (siehe Graphik). Während 1939 lediglich etwa 4100 Einwohner gezählt wurden, waren es 1950 über 5500. Seit den 1970er Jahren geht die Einwohnerzahl wieder zurück. Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank sie von 4447 auf 3932 um 515 bzw. um 11,6 %. Gemeinde Pressig Jahr 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2008 2010 2015 2017201820192020Einwohner 145 165 167 183 207 211 204 211 327 343 447 568 831 1038 1125 1320 1451 1349 1738 1855 1848 1772 1826 4498 4190 4123 3981 3964393238903872HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2017 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 27 39 41 47 109 171 229 1107 1195 1195120212081212Quelle
Ort Pressig Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2018 2020Einwohner 109 172 194 316 309 1052 1801 1755 1811 1603 1509 1506Häuser 18 36 38 98 167 226 363 Quelle
Brauersdorf
Das noch bäuerlich geprägte Brauersdorf wurde 1307 erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort ist ein Angerdorf mit dem Dorfplatz im Zentrum und den Anwesen strahlenförmig um ihn herum.Website des Marktes Pressig: Geschichtliche Beschreibung von Brauersdorf. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
Posseck
Posseck wurde erstmals 1180 urkundlich erwähnt.Website des Marktes Pressig: Beschreibung von Posseck. Abgerufen am 13. Oktober 2013.
Rothenkirchen
Rothenkirchen wurde in der Zeit um 1200 erstmals urkundlich erwähnt. Bereits 1377 wurde dem Ort das Marktrecht verliehen. Im 14./15. Jahrhundert übte der Ort die niedere und hohe Gerichtsbarkeit aus.Website des Marktes Pressig: Beschreibung von Rothenkirchen. Abgerufen am 13. Oktober 2013. Im Spätmittelalter kam er an die Herren von Würtzburg und wurde nach der Reformation evangelisches Pfarrdorf, das auch die Protestanten in den katholischen Orten der Umgebung mitpastorisierte. Den Bischöfen von Bamberg und ihrer gegenreformatorischen Politik war der Ort daher ein Dorn im Auge: 1625 setzte Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim mit Waffengewalt einen Priester ein.
Welitsch
Welitsch wurde im Jahre 1325 im ersten Bamberger Urbar erstmals mit sieben Gütern und einer Mühle urkundlich erwähnt. Es ist wahrscheinlich nach der Gründung des Bistums im Jahre 1007 entstanden. Die Franken drangen in dieser Zeit von Kronach aus weiter in den Frankenwald vor. Welitsch hatte in den frühen Jahren seines Bestehens verschiedene Herrschaften. Unter anderem war es dem Kloster Langheim verpfändet und gehörte den Herren von Würtzburg. Wann Welitsch wieder zum Bistum Bamberg zurückgekommen ist, ist nicht bekannt.
Nach Hans SilbermannHans Silbermann: Urkundliche Geschichte der Gemeinde Welitsch im Landkreis Kronach. Handschrift, Bamberg 1962 hatten die Welitscher die Bauholzgerechtigkeit, aber keine Braugerechtigkeit. 1558 protestierten sie erfolglos dagegen, ihr Bier aus Kronach beziehen zu müssen. Diese Vorschriften galten bis 1801.
Politik
Marktgemeinderat +Partei/ListeSitze20202014Vorläufiges Ergebnis zur Gemeinderatswahl im Markt Pressig am 16. März 20142008Endergebnis Gemeinderatswahl 2008CSU687Freie Wähler256SPD333Bürgergemeinschaf(f)t Markt Pressig (BGM)5––
Bürgermeister Zum Bürgermeister gewählt wurde 2020 Stefan Heinlein (CSU).
Mit der Bildung der neuen Großgemeinde Pressig im Jahre 1978 waren Neuwahlen erforderlich geworden, zum ersten Bürgermeister wurde Josef Wich (CSU) gewählt. Dieser hatte das Amt bis 1987 inne. Sein Nachfolger Georg Konrad (CSU) war von 1987 bis 2008 Erster Bürgermeister des Marktes Pressig. Nachdem dieser wegen seiner Pensionierung nicht mehr zur Wahl gestanden hatte, wurde bei den Kommunalwahlen am 2. März 2008 aus vier Kandidaten sein Nachfolger bestimmt. Hans Pietz (FW) war von 2008 bis 2020 Erster Bürgermeister.Endergebnis der Bürgermeisterwahl 2008
Wappen und Flagge Wappen
Wappen der ehemaligen Gemeinden
Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-gelb-blau.
Städtepartnerschaften : Die Marktgemeinde unterhält eine Partnerschaft mit Wallern an der Trattnach in Oberösterreich. Gründer waren neben den Vorsitzenden der Soldatenkameradschaften von Rothenkirchen und Wallern, Franz Hofmann und Alois Petermeier, die Bürgermeister von Pressig und Wallern, Josef Wich und Ernst Ottensamer.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Herz-Jesu-Kirche
Baudenkmäler
Kirchen Herz-Jesu-Kirche Pressig Die katholische Herz-Jesu-Kirche in Pressig wurde 1957 erbaut. Sie ist die Hauptkirche der gleichnamigen Pfarrei. Zuvor bestand seit 1913 eine Notkirche. Das Bild der Kirche wird durch eine Vielzahl an Mosaikbildern über den Eingangsportalen sowie im Kircheninnenraum geprägt.
mini|Martin-Luther-Kirche Martin-Luther-Kirche Pressig Ende 1901 wurde im Pressiger Ortsteil Rothenkirchen Bahnhof ein Kirchenbauverein gegründet. 1907 folgte die Einweihung der Kirche. Der Saalbau wurde mit Grauwackesteinen errichtet. 1972 wurde der einsturzgefährdete Dachreiter abgetragen und durch einen freistehenden Glockenturm ersetzt. 1987 erhielt das Gotteshaus den Namen Martin-Luther-Kirche.Georg Dinkel: Die Bahnhofsnamen von Pressig. Von „Bahnhof Rothenkirchen“ 1885 zu „Pressig-Rothenkirchen“ 1939. In: Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach, Band 30, Kronach 2022, ISBN 978-3-9817764-3-0, S. 56.
St.-Anna-Kirche Welitsch Die katholische Kirche St. Anna im Ortskern von Welitsch ist Filialkirche der Pfarrei Herz Jesu Pressig. Der aktuelle Kirchenbau stammt aus den Jahren 1775–1777.
Sport Der 1. FC Pressig ist ein Fußballverein, der 2017/18 in der A-Klasse 6, Kreis Coburg/Kronach spielt.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Öffentlicher Verkehr Der Bahnhof Pressig-Rothenkirchen und der Haltepunkt Förtschendorf liegen an der Frankenwaldbahn von Lichtenfels nach Saalfeld. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg zweigte dort die Bahnstrecke Pressig-Rothenkirchen–Tettau ab. Bis 1968 existierte in Pressig ein Bahnbetriebswerk, das einen Teil der auf der Frankenwaldbahn eingesetzten Lokomotiven einsetzte. Zu Zeiten des Dampfbetriebs war in Pressig auch die Baureihe 96 stationiert, die größte deutsche Mallet-Lok.
Bis kurz nach Öffnung der innerdeutschen Grenze hielten in Pressig-Rothenkirchen D-Züge von München nach Berlin und Leipzig. Seitdem wird der Ort nur noch von Regionalzügen bedient. 2012 wurde das Bahnhofsgebäude verkauft.
Individualverkehr Die Bundesstraße 85 führt nach Rothenkirchen (1,4 km nördlich) bzw. Neukenroth (4 km südwestlich). Die Staatsstraße 2201/L 2661 führt über Welitsch nach Heinersdorf (3 km nordwestlich). Die Kreisstraße KC 3 führt nach Eila (0,7 km südöstlich).
Öffentliche Einrichtungen Die Freiwillige Feuerwehr Pressig als Stützpunktwehr und die Feuerwehren in den umliegenden Ortschaften der Gemeinde.
Bildung Im Markt Pressig gibt es zwei Kindergärten (in Pressig und Rothenkirchen) sowie eine Grund- und Mittelschule. Der Unterricht findet in Pressig und für einige Klassen in Rothenkirchen statt. Die nächsten Realschulen und Gymnasien befinden sich in Kronach.
Söhne und Töchter der Gemeinde
Christian Sonntag (1910–1945), Oberst der Wehrmacht
Rudi Daum (1925–2019), Politiker (CSU) Jürgen Detsch (* 1947), Fußballspieler Georg Kestel (* 1955), Generalvikar im Erzbistum Bamberg
Sonstiges Tankred Dorsts Film Eisenhans (1983) wurde vor allem in Förtschendorf und im zwischen Rothenkirchen und Förtschendorf gelegenen Block Hessenmühle gedreht.
Literatur
Hans Silbermann: Urkundliche Geschichte der Gemeinde Welitsch im Landkreis Kronach Handschrift, Bamberg 1962. Karl Thomas: Bergwanderungen um Pressig – Rothenkirchen. Geologie – Botanik – Geschichte. Jena 1993. Georg Dinkel, Michael Trebes: 100 Jahre Herz Jesu Pressig – Jubiläumsschrift/Pfarrkronik 1913–2013. Katholische Pfarrei Herz Jesu Pressig, 2013.
Weblinks
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Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Kronach Kategorie:Frankenwald Kategorie:Markt in Oberfranken Kategorie:Ersterwähnung 1326 Kategorie:Gemeindegründung 1818