mini|Veröffentlichung der Nationalhymne der Frauen in Frauenstimmrecht April/Mai 1912

„Nationalhymne der Frauen“ ist der Titel eines dreistrophigen Liedes, das Anita Augspurg 1912 in der ersten Ausgabe der von ihr selbst herausgegebenen Zeitschrift Frauenstimmrecht veröffentlichte. Die Autorin empfahl ebendort die deutsche Nationalhymne als Begleitmelodie.

Hintergrund Der Text entstand vor dem Hintergrund des Kampfes der Frauen in Deutschland um das Frauenwahlrecht, das sie in der Folge 1918 erhielten. Die Frauenbewegung organisierte sich in mehreren Frauenstimmrechtsvereinen und brachte ihre Forderungen auf Demonstrationen, in Diskussionen und Publikationen zum Ausdruck.

Die in der bürgerlichen Frauenbewegung aktive Anita Augspurg hatte die psychologische und gemeinschaftsstiftende Wirkung von bei Versammlungen und auf Demonstrationen gesungenen Liedern in England erlebt und den Liedtext explizit zur Verstärkung der Wirkung der Frauenstimmrechtsforderungen gedichtet.

Im Anschluss an die drei Liedstrophen erläuterte Augspurg in einem Begleittext, dass es

Text

Textinterpretation Anita Augspurg wählte als Grundlage für ihren Text die von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 gedichtete Nationalhymne, das „Lied der Deutschen“. Sie übernahm den Refrain „Deutschland, Deutschland über alles“ und knüpfte die Aussage an die Gleichstellung der Geschlechter. Als zweite Strophe übernahm sie die Liedzeile „Einigkeit und Recht und Freiheit“, die wiederum Frauen in gleichem Maß wie Männern zuzugestehen sei. Die dritte Strophe gipfelt in der politischen Forderung der Repräsentanz von Frauen im Parlament („Volkesrate“). Der abschließende Vers fasst zusammen, dass nur ein Deutschland mit verwirklichten Frauenrechten Vorbild in der Welt sein könne.

Rezeption Bis heute und vermehrt anlässlich der 100. Jährung des Frauenwahlrechts rezitieren, singen und interpretieren überwiegend Frauen die „Nationalhymne der Frauen“ in kulturellen und politischen Kontexten. Nachdem die politische Forderung des Frauenwahlrechts erfüllt wurde, wurden weitergehende frauenpolitische Forderungen mit dem Lied verknüpft. Beispielsweise flammt immer wieder eine Debatte auf, inwieweit die deutsche Nationalhymne selbst geschlechtergerecht zu formulieren und entsprechend umzudichten sei. Auch die Bayernhymne erhielt eine geschlechtergerechte Variante.

Einzelnachweise

Kategorie:Lied 1912 Kategorie:Frauen und Literatur Kategorie:Frauenwahlrecht Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Frauenrechte (Deutschland)