Toni Graschberger (* 27. Juli 1915 in München; † Juli 2003Ingrid Bigler-Marschall: Deutsches Theater-Lexikon, Nachtragsband 2: G – J, De Gruyter, 2014, S. 74) war ein deutscher Schauspieler und Intendant an verschiedenen deutschen Theatern.

Leben und Wirken Theaterlaufbahn vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg In München studierte Graschberger Kunstgeschichte und Kostümkunde und ging dann an die Staatliche Schauspielschule. Er arbeitete am Bayerischen Staatstheater und in Freiberg (Sachsen).

Von Graschberger ist ein Brief aus dem „Osten, im Sommer 41“, an den „lieben Herrn Kurat“ (Pfarrer Wellenhofer) überliefert. Er schrieb:

Im Winter 1941 wurde Graschberger vom Dienst an der Waffe freigestellt. Er war als Sonderführer (Z) in der Propaganda-Kompanie 695 beschäftigt und inszenierte an der Großen Oper in Stalino (heute Donezk) „Eugen Onegin“.Das ukrainische Musik- und Dramatheater während des Krieges, geschichtlicher Überblick der Donbass-Oper (in russischer Sprache); darin der Satz (in deutscher Übersetzung): „Seit Juni 1942 wurde der Direktor der Münchner Oper, Toni Graschberger, zum Direktor und Theaterdirektor ernannt, und das Theater wurde in Stadtoper und Ballett-Theater umbenannt.“ In der Folge erhielt er die Leitung des Hauses, später die der beiden Theater von Nikolajew und der Großen Oper von Odessa.

Von 1949 bis 1952 hatte er die Intendanz des Stadttheaters Ingolstadt inne.Rudolf Koller und Siegfried Hofmann: Das Theater in Ingolstadt seit 1945 (). In dieser Zeit führte er ein Karl-May-Stück in einem nahen Steinbruch auf. Später war er am Landesschauspiel Memmingen.

Cuxhaven, Wiesmoor und Schleswig Von Memmingen kam Graschberger als Intendant und Geschäftsführer einer Theater-GmbH nach Cuxhaven. Er baute die Freilichtbühne am Schloss Ritzebüttel aus und brachte hier und auf der Freilichtbühne in Wiesmoor (Landkreis Aurich) Karl-May-Inszenierungen: „Winnetou“, „Unter Geiern“ und „Der Schatz im Silbersee“. Die Wiesmoorer Aufführung von „Der Schatz im Silbersee“ wurde 1965 von Bruno Thost inszeniert.

Seit 1967 war Graschberger Intendant der Niederdeutschen Bühne Flensburg und der Schleswiger Speeldeelhttp://www.schleswiger-speeldeel.de/seite/195797/de-schelm-vun-möhlbrook.html, von 1968 bis 1973 Intendant des Nordmark-Landestheaters in Schleswig.Zusammenstellung Geschichte der Theater in Schleswig-Holstein (online auf pkgodzik.de)

Bad Segeberg Intendant und Regisseur der Karl-May-Spiele Bad Segeberg war Toni Graschberger von 1971 bis 1974, wo er vor und hinter den Kulissen auch wieder mit Thost zusammenarbeitete.

Aufsehen erregte seine Inszenierung von „Winnetou“ im Jubiläumsjahr 1971http://www.karl-may-wiki.de/index.php/Winnetou_(Bad_Segeberg_1971), die ihm aber auch Probleme bereitete, weil dort finanzielle Defizite entstanden.

Im Folgejahr brachte Graschberger eine erneute Wiederaufnahme, „In den Schluchten des Balkan“, mit einem deutlichen Zuschauereinbruch. Einzelne Passagen überarbeitete er jeweils mit Thost.http://www.karl-may-wiki.de/index.php/In_den_Schluchten_des_Balkan_(Bad_Segeberg_1972)

1973 lieh er sich, das einzige Mal in Bad Segeberg, ein Textbuch aus Elspe: Jochen Bludaus Erstbearbeitung von „Unter Geiern – Der Geist des Llano Estacado“.http://www.karl-may-wiki.de/index.php/Unter_Geiern_-_Der_Geist_des_Llano_Estacado_(Bad_Segeberg_1973)

1974 präsentierte er Bad Segeberg eine weitere, aufwendige Erstaufführung: „Das Vermächtnis des Inka“ als bislang einzige Inszenierung des Romans überhaupt. Das Buch schrieb er zusammen mit Roland Schmid.http://www.karl-may-wiki.de/index.php/Das_Vermächtnis_des_Inka_(Bad_Segeberg_1974) In der Hörspielaufnahme sprach er die Rolle des Pedro.http://www.karl-may-hoerspiele.info/vrolleninfo.php?_id=613

Nach schwankenden Zuschauerzahlen wurde sein Vertrag von der Stadt zwei Jahre früher gekündigt.Reinhard Marheinecke u. a.: Karl May am Kalkberg …, 1999, S. 146 und 161.

Rothenburg ob der Tauber Von 1979 bis 1986 war Graschberger Regisseur des Historischen Festspiels Der Meistertrunk. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 1981 überarbeitete er das Stück grundlegend. In diesem Jahr war er auch für die erstmalige Freilichtaufführung des Stücks auf dem Rothenburger Marktplatz verantwortlich.

Weitere Arbeiten Von 1974 bis 1978 war er Intendant des Theaters Hof (Saale) und profilierte sich hier mit Musiktheater.

Unter der künstlerischen Leitung von Graschberger gingen 1981 zwei erfolgssichere Stücke über die romantische Wald- und Felsenbühne am Wehelitzer Berg in Trebgast: Shakespeares „Was ihr wollt“ und Anzengrubers „Doppelselbstmord“.http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1981_47.pdf

Quelle Eintrag im Karl-May-Wiki

Werke Textbuch „Das Vermächtnis des Inka“ (zusammen mit Roland Schmid)Derzeit nicht auffindbar; Hinweis darauf in: Marheinecke u. a.: Karl May am Kalkberg …, 1999, S. 158. Brief vom Sommer 1941. In: Karl-Theodor Schleicher, Heinrich Walle (Hrsg.): Aus Feldpostbriefen junger Christen 1939–1945. Ein Beitrag zur Geschichte der Katholischen Jugend im Felde (Historische Mitteilungen, Beihefte, Band 60), Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2005, S. 204 f.

Literatur Nicolas Finke: Bad Segeberg: Das Mekka der Karl-May-Fans. Ein Rückblick, in: Karl May & Co. Nr. 53/54, 1993, S. 31–34. Nicolas Finke: Im wilden Westen. Zur Geschichte der Karl-May-Spiele in Ratingen. Teil 3: Wie Elspe und Pierre Brice an den Blauen See kamen, in: Karl May & Co. Nr. 120/2010, S. 16–23. Nicolas Finke, Torsten Greis: 45 Jahre Karl-May-Spiele Bad Segeberg, in: Karl May & Co. Nr. 66/1996, S. 24–27; Nr. 67/1997, S. 8–11. Beate Jörger, Torsten Greis, Regina Arentz: Eins-Zwo, Eins-Zwo. Hinter den akustischen Kulissen von Bad Segeberg, in: Karl May & Co. Nr. 53/54, 1993, S. 49–51. Reinhard Marheinecke, Nicolas Finke, Torsten Greis, Regina Arentz: Karl May am Kalkberg. Geschichte und Geschichten der Karl-May-Spiele Bad Segeberg seit 1952, Bamberg/Radebeul: Karl-May-Verlag 1999. Bruno Thost: Von Radeberg bis Segeberg, in: Karl-May-Rundbrief Nr. 49/1992, S. 26–29.

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Einzelnachweise

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