mini|Übersicht der Breitspur- und Meterspurstrecken in Indien Der Schienenverkehr in Indien benutzt hinter den USA, China und Russland das viertgrößte Eisenbahnnetz der Welt. Es wird von der staatlichen Indian Railways betrieben.
Geschichte mini|Eisenbahnnetz in Britisch-Indien ca. 1909 mini|Die verschiedenen Spurweiten in Indien (die Normalspurweite 1435 mm (Standard Gauge) wird von den staatlichen Indian Railways nicht benutzt) Die erste Eisenbahn in Indien und auch in Asien verkehrte am 18. November 1852 von Bombay nach dem 33 km entfernten Thane. Sie wies die Spurweite von 1676 mm (5 Fuß 6 Zoll) auf, die später die Bezeichnung Indische Breitspur erhielt und für die meisten Fernbahnen auf dem indischen Subkontinent bis heute verwendet wird. Schon im Jahre 1901 hatte das Netz eine Streckenlänge von 35.000 km und bis 1930 vergrößerte es sich auf 52.000 km Länge.
Die Bahnen wurden zuerst von privaten Gesellschaften gebaut und betrieben. Die Great Indian Peninsula Railway (GIPR) betrieb das von Bombay ausgehende Streckennetz, von Kalkutta aus baute die East Indian Railway (EIR) in Richtung Delhi, das 1864 erreicht wurde. Weiter baute die South Indian Railway (SIR) von Madras aus, die Bombay, Baroda and Central India Railway (BB&CI) von Bombay nach Baroda (heute Vadodara) und die North Western State Railway (NWR) von Karatschi aus das Industal hinauf und im Panjab, wovon heute große Teile in Pakistan liegen. Das Eisenbahnnetz in Britisch-Indien umfasste etwa 40.000 km Strecken.
In den Berggebieten wurden Schmalspurbahnen mit verschiedenen Spurweiten gebaut. So gab es neben den Meterspurbahnen (in Indien mit MG für „“ bezeichnet), auch solche mit den noch kleineren Spurweiten 610 mm (2 Fuß) und 762 mm (2 Fuß 6 Zoll), die in Indien zur Unterscheidung von den Meterspurbahnen mit NG für „Narrowgauge“ bezeichnet werden. Einige dieser Schmalspurbahnen bildeten ausgedehnte Netze.
Die Elektrifizierung des indischen Streckennetzes begann 1925, als die ersten Züge der GIPR mit 1500 V Gleichspannung verkehrten. Der elektrische Betrieb erreichte von Bombay ausgehend Igatpuri und Pune, wobei die Pässe Bhor Ghat und Thal Ghat über die Westghats überwunden werden mussten. Die in der Schweiz entwickelten Schnellzuglokomotiven EA/1 und Güterzuglokomotiven EF/1 zogen die Züge über die Pässe, wobei die Schnellzuglokomotiven mit einer Höchstgeschwindigkeit von 137 km/h (85 mph) die schnellsten in Serie gebauten Elektrolokomotiven ihrer Zeit waren.
Im Jahre 1947 musste nach der Machtübergabe vom Vereinigten Königreich und der Teilung der ehemaligen Kolonialgebiete auf die Staaten Indien und Pakistan auch das Eisenbahnnetz geteilt werden. 1951 wurden die bis dahin existierenden verschiedenen Eisenbahngesellschaften zur heutigen Struktur von Indian Railways zusammengeführt.
Von Kolkata aus wurde mit 3000 V Gleichspannung elektrifiziert, wo die Fahrleitung 1959 Bardhaman erreichte. Indian Railways entschied sich aber bereits 1957 für die Einführung der 25 kV 50 Hz Wechselspannung im ganzen Land und begann die Elektrifizierung der Fernstrecken mit Hilfe der 50-Hz-Arbeitsgemeinschaft, so dass 1959 der erste kommerzielle Zug unter dem neuen System verkehren konnte. Der Gleichspannungsbetrieb von Kolkata war bereits 1968 vollständig auf 25 kV 50 Hz umgestellt und das erste System wurde somit nur zehn Jahre genutzt.
Ende der 1960er Jahre baute Indian Railways drei Gebirgsstrecken in den Ostghats, die für die Abfuhr von Eisenerz nach dem Hafen von Visakhapatnam bestimmt waren. Das Eisenerz wurde nach Japan exportiert.
Ab den 1960er Jahren begann Indian Railways die Meterspur- und Schmalspurstrecken auf Indische Breitspur mit 5½ Fuß Weite (1676 mm) umzuspuren. In den Jahren 1960/61 besaß Indian Railways eine Flotte von 10.312 Dampflokomotiven. Und bis 1970 wurden weitere Breitspur-Dampfloks von den Chittaranjan Locomotive Works hergestellt. Die letzte wurde am 30. Juni 1970 ausgeliefert. Die Produktion von Meterspur-Dampflokomotiven wurde erst 1972 eingestellt. Die letzte Lok wurde am 5. Februar 1972 abgeliefert. Indien war neben China das letzte Dampflokreservat der Welt. Ende der 80er Jahre waren noch über 4.000 Dampflokomotiven auf dem fast 62.000 Kilometer großen Schienennetz im Betrieb. Seiner Zeit das zweitgrößte Schienennetz der Welt (Auf Platz 1 stand das Schienennetz der Sowjetunion). Wie in China stellte die Eisenbahn auch in Indien damals das wichtigste Verkehrsmittel dar. Sie verband alle bedeutenden Städte und schätzungsweise 15 Mio. Menschen fuhren täglich mit der Bahn. Vor allem die Baureihen WG und WP waren im Personenverkehr noch stark vertreten. Nach offiziellen Angaben der damaligen Regierung sollte der Einsatz von Dampflokomotiven bis zum Jahr 2000 eingestellt werden. Denn Ende der 80er Jahre waren weniger als 10.000 Kilometer Strecke unter Fahrdraht. Und auch die Verdieselung zog sich sehr lange hin. Denn Dieselöl war weitaus teurer als Kohle. Zumal Indien wie China zu den größten Steinkohleförderern der Welt zählte. Doch der Strukturwandel vollzog sich schneller als gedacht. Zum Jahreswechsel 1992/93 war der Dampflokbestand bereits auf 1.725 gesunken. Im Jahr 1995 wurde der Einsatz von Breitspur-Dampflokomotiven eingestellt.
Die moderne Drehstrom-Antriebstechnik wurde in Indien 1995 eingeführt. Dazu wurden von dem Unternehmen ABB in der Schweiz entwickelte Lokomotiven importiert bzw. im Land selbst hergestellt. Im Jahre 2016 stellte man die letzte Strecke des ehemaligen 1500 V-Gleichspannungsnetzes von Mumbai auf 25 kV 50 Hz um.
Im Jahr 2008 besaß Indien ein 63.028 Kilometer langes Schienennetz, auf dem jährlich 510 Mio. Tonnen Fracht und 4,8 Mrd. Reisende befördert wurden.
Elektrifizierungsprogramm Um die Importabhängigkeit von Treibstoff und Treibhausgasemissionen zu reduzieren, beschleunigte Indien Elektrifizierungsprojekte. Im Januar 2015 wurde dafür ein Umweltdirektorat gegründet. In der Folge nahm die Geschwindigkeit der Elektrifizierungen stark zu. Während bis 2014 unter zwei Kilometer pro Tag elektrifiziert wurden, konnte zwischen 2014 und 2019 schon 7,5 Kilometer elektrifiziert werden. In den nächsten vier Jahren wurde das Maximum von 16 Kilometern pro Tag erreicht. Im Januar 2024 war das Eisenbahnnetz zu 94 % elektrifiziert, davon wurden zwei Drittel seit 2014 elektrifiziert.
Bahnnetz
Indian Railways
mini|Streckennetz der Indian Railways im Jahre 2005 mit Darstellung der Zonal Railways Das landesweite Schienennetz umfasste im März 2017 mehr als 67.000 km Streckenlänge, davon waren 61.700 km Breitspurstrecken, 3.500 km Meterspurstrecken und 2.200 km Schmalspurstrecken. Von den Breitspurstrecken waren 22.000 km zweigleisig ausgebaut und 25.400 km elektrifiziert, was 38 % des Netzwerks entspricht. Das Netz bedient 7.349 Bahnhöfe und führt über beinahe 144.700 Brücken. Das Eisenbahnnetz ist in 16 Zonen aufgeteilt, diese wiederum in Divisionen.
Im Geschäftsjahr 2016/2017, das im März 2017 endete, wurden auf dem Streckennetz mehr als 8,1 Mrd. Reisende und 1,11 Mrd. Tonnen Güter befördert. Indien liegt gemessen an der Anzahl Reisenden auf der zweiten Stelle hinter Japan und beim Güterverkehr nach Anzahl Tonnen auf der fünften Stelle hinter China, den USA, Australien und Russland. Das Streckennetz wird täglich von 21.000 Zügen befahren, wovon etwa zwei Drittel Reisezüge sind.
Die Länge des Streckennetzes ist seit Jahren im Wachstum begriffen: von 1980 bis 2016 sind mehr als 6000 Streckenkilometer hinzugekommen.
Die verkehrsstärksten Strecken sind das Goldene Viereck, das durch die Städte New Delhi, Kolkata, Chennai und Mumbai gebildet wird. Diese Strecken stellen zwar nur 16 % der Länge des ganzen Netzes dar, tragen aber die Hälfte des gesamten Reiseverkehrs und zwei Drittel des gesamten Güterverkehrs. Die Bahn bewältigt ein Drittel des gesamten Güterverkehrs und dominiert die Transporte von Kohle und Dünger, transportiert aber auch Zement, Raffinerie-Produkte und Getreide. Eisenerz wird hauptsächlich von den Ostghats zum Hafen Visakhapatnam gebracht.
Umspurung Indian Railways begann bereits in den 1960er Jahren mit dem Umbau von Meterspurstrecken in Breitspurstrecken. 1991 wurde das „Einheitsspur-Projekt“, gestartet, bei dem die meisten Schmalspurstrecken auf Indische Breitspur umgestellt werden. Von den am Anfang der 1990er Jahre noch vorhandenen 25.000 km Meterspurstrecken und 6000 km Schmalspurbahnen sind 2018 nur noch 4000 km Meterspur- und 2000 km Schmalspurbahnen übrig geblieben. Das Programm ist noch nicht abgeschlossen.
Gebirgseisenbahnen mini|Dampflokomotive der Darjeeling Himalayan Railway im Jahre 2010 Diese oft auch als „Spielzeugeisenbahn“ bezeichneten schmalspurigen Gebirgseisenbahnen in Indien werden nicht umgespurt. Die ursprünglich als Verbindung zu britischen „Bergkurorte“ gebauten Bahnen sind zu wichtigen Nahverkehrsmitteln geworden und haben heute auch eine touristische Bedeutung. Die Bahnen stehen auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Administrativ und operativ sind sie Teil von Indian Railways. Zu den indischen Gebirgsbahnen gehören:
Darjeeling Himalayan Railway: diese 82 km lange Bahn mit 610 mm Spurweite führt von Siliguri durch die Teeplantagen nach Darjeeling und überwindet dabei mehr als 2000 m Höhendifferenz. Dabei werden zwölf Spitzkehren und eine Kehrschleife durchfahren. Die Bahn wurde bis in die 1990er Jahre fast ausschließlich mit Dampflokomotiven aus der Eröffnungszeit betrieben. Kalka-Shimla Railway: diese 96 km lange Bahn mit 762 mm Spurweite führt von Kalka nach Shimla, der Hauptstadt von Himachal Pradesh, und überwindet dabei 1420 m Höhenunterschied. Die Strecke ist mit 864 Brücken und 102 Tunneln besonders reich an Kunstbauten. Nilgiri Mountain Railway ist die einzige Zahnradbahn Indiens. Sie wurde vom Schweizer Niklaus Riggenbach entworfen und wird heute noch mit den Dampflokomotiven betrieben. Einige davon stammend von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik.
Konkan Railway mini|Rollende Landstraße auf der Konkanstrecke Die Konkan Railway hat eine Sonderstellung unter den indischen Eisenbahnen. Die im Januar 1998 eröffnete 760 km lange Eisenbahnstrecke zwischen den Städten Roha und Thokur ist Teil der Verbindung Mumbai–Mangalore. Der Bau und Betrieb der Strecke wird von der von Indian Railway unabhängigen staatlichen Gesellschaft Konkan Railway Corporation Limited (KRCL) bewältigt. Die Konkan Railway ist die einzige Strecke Indiens, auf der eine Rollende Landstraße angeboten wird. Dort wird ein GPS-gestütztes Antikollisionssystem eingesetzt.
Dedicated Freight Corridors mini|Oberbau des DFC Ost In Indien werden „Spezielle Güterverkehrskorridore“ gebaut, welche die bestehenden Strecken entlasten sollen. Der Westkorridor entlastet die Strecke Mumbai–Delhi und führt vom Jawaharlal Nehru Port nach Dadri, das 35 km westlich vom Stadtzentrum von Delhi im Bundesstaat Uttar Pradesh liegt. Der Ostkorridor führt von Ludhiana im Punjab über Dadri nach Dankuni bei Kolkata. Beide Korridore werden etappenweise in Betrieb genommen. Im März 2026 soll das letzte 102 km lange Teilstück des 1506 km lagen Westkorridor in Betrieb gehen. Vom 1856 km langen Ostkorridor ist seit November 2023 der 1337 km lange Abschnitt Sahnewal–Sonnagar in Betrieb, die verbleibenden 519 km bis Dankuni bei Kolkata sollen im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Projekts gebaut werden.