Cold War – Der Breitengrad der Liebe (Originaltitel: Zimna wojna) ist ein romantisches, musikalisches Filmdrama von Paweł Pawlikowski, das im Mai 2018 im Rahmen des internationalen Wettbewerbs der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere feierte. In dem Film wird eine Liebesgeschichte zwischen dem Pianisten Wiktor und der Sängerin Zula, die im Nachkriegspolen beginnt, über einen Zeitraum von etwa 15 Jahren gespannt.
Im Rahmen der Oscarverleihung 2019 erhielt der Film insgesamt drei Nominierungen, darunter als bester fremdsprachiger Film. Im Rahmen des Polnischen Filmpreises erhielt der Film 13 Nominierungen und wurde in sieben Kategorien ausgezeichnet, unter anderem Joanna Kulig für ihre Darstellung von Zula Lichon als beste Hauptdarstellerin.
Handlung Vier Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird in Polen, auf Beschluss der sozialistischen Regierung, das Folklore-Ensemble Mazurek gegründet. Es soll sich der Pflege polnischer Volkslieder und -tänze widmen und später mit ihnen im In- und Ausland auftreten. Wiktor und Irena, die als Lehrkräfte des Ensembles vorgesehen sind, fahren in Begleitung ihres Vorgesetzten Kaczmarek übers Land, um Lieder und Tänze ausfindig zu machen, die sich für ihr zukünftiges Repertoire eignen. Anschließend wählen sie unter den Bewerbern – jungen Leuten, die aus einfachen Verhältnissen stammen – die talentiertesten aus. Eine der Kandidatinnen, Zula, elektrisiert Wiktor vom ersten Moment an. Irena warnt ihn vor ihr; sie habe ihren Vater umgebracht und sei nur auf Bewährung frei. Während einer Einzelstunde von Wiktor danach befragt, erklärt Zula, sie habe sich gegen einen Missbrauchsversuch ihres Vaters mit einem Messer gewehrt, er habe aber überlebt. Später, als sie und Wiktor, mehr oder weniger heimlich, bereits ein Paar sind, gesteht sie ihm, dass sie ihn im Auftrag des Leiters des Ensembles Kaczmarek bespitzelt.
Nach zweijähriger Ausbildungszeit hat Mazurek seinen ersten Auftritt vor großem Publikum, darunter auch Polens Politprominenz. Er wird ein voller Erfolg. Kaczmarek ist berührt und dankt den Lehrern. Bald darauf fällt er jedoch Irena in den Rücken, die sich gegen den Versuch wehrt, das Ensemble zu instrumentalisieren: Die Partei wünscht, dass das Repertoire durch propagandistische Lieder, wie solchen zum Lobe Stalins, erweitert werden soll. Wiktor schweigt dazu und lenkt ein. Er sucht nach einem anderen Ausweg. 1952Tatsächlich fanden die Weltfestspiele in Ost-Berlin 1951 statt. tritt Mazurek bei den Weltjugendspielen in Ost-Berlin auf, und Wiktor überredet Zula, diese Gelegenheit zu nutzen, um mit ihm in den Westen zu fliehen. Als sie jedoch am vereinbarten Treffpunkt nicht erscheint, setzt er sich allein ab.
Es dauert bis 1954, bevor sich beide in Paris wiedersehen, wo Zula mit Mazurek gastiert. Wiktor hat sich dort als Pianist in einer Jazzband etabliert, für die er auch komponiert und arrangiert. Beide versichern sich gegenseitig, in einer Beziehung zu leben, doch es ist offensichtlich, dass ihre Liebe zueinander noch immer brennt. Auf Wiktors Frage, warum sie nicht mit ihm mitgekommen sei, erklärt Zula, sie habe geglaubt, für den Westen nicht gut genug zu sein, und kontert mit der Feststellung, sie allein wäre nicht geflohen. Ein Jahr später, bei einem Gastspiel in Jugoslawien, entdeckt sie Wiktor völlig unerwartet im Publikum. Die jugoslawischen Sicherheitsbehörden verhindern jedoch eine Begegnung beider. mini|hochkant=1.35|Wiktor und Zula legen in einer verfallenen Kirche ein Ehegelübde ab. Gedreht wurde die Szene in dem Dorf Kniazie bei Lubycza Królewska. Weitere zwei Jahre danach, 1957, steht Zula ebenso plötzlich in der Tür des Studios, in dem Wiktor gerade Filmmusik einspielt. Sie hat einen Italiener geheiratet, um legal nach Paris zu kommen – und mit Wiktor zusammenzuleben. Mit seiner Hilfe beginnt sie eine verheißungsvolle Karriere als Chansonsängerin. Die alten polnischen Volkslieder, die beide aus ihrer Zeit mit Mazurek kennen – darunter auch jenes von den „zwei Herzen und vier Augen, die nicht zueinanderfinden“ –, interpretiert sie nun, begleitet von seiner Band, ganz neu. Wiktor genügt das noch nicht. Zula soll die Lieder auch auf Französisch singen, doch sie sperrt sich; die Übertragungen aus der Feder seiner früheren Geliebten, der Lyrikerin Juliette, missfallen ihr. Die dennoch entstehende Platte nennt sie einen „Bastard“. Sie lehnt auch ab, dass Wiktor aus ihrer polnischen Vergangenheit Kapital zu schlagen versucht, um ihr ein verkaufsförderndes Image zu verschaffen. Als schließlich ein Streit zwischen beiden eskaliert, rutscht ihm die Hand aus. Ohne Abschied kehrt Zula nach Polen zurück.
Wiktor will ihr nachfolgen. Die polnische Botschaft verlangt von ihm, dass er dafür zunächst als Spion arbeiten müsste. So versucht er es auf illegalem Weg und wird als Grenzverletzer und wegen Spionage zu 15 Jahren Haft verurteilt. Als Zula ihn 1959 in einem Straflager besucht, verspricht sie, auf ihn zu warten und dafür zu sorgen, dass er früher freikommt. Nach fünf Jahren gelingt ihr das tatsächlich, wenn auch nur mit Hilfe von Kaczmarek, den sie geheiratet hat und mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hat. Wiktor und Zula begegnen sich als ehemaliger Pianist mit verstümmelter Hand und eine dem Alkohol verfallene Estradensängerin. Verzweifelt bittet Zula Wiktor, sie aus ihrem Leben zu befreien. Zu zweit begeben sie sich zu der verfallenen orthodoxen Kirche, an der Wiktor, Irena und Kaczmarek viele Jahre zuvor eine kurze Pause während ihrer Fahrt übers Land einlegten. Zula und Wiktor legen dort ein Ehegelübde ab. Sie nehmen anschließend eine Überdosis Schlaftabletten und warten gemeinsam auf einer Bank auf deren Wirkung.
Produktion Stab und Biografisches Regie führte Paweł Pawlikowski, dessen Film Ida 2015 bereits mit dem Oscar als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet worden war. Gemeinsam mit Janusz Głowacki verfasste er auch das Drehbuch zu Cold War. Pawlikowski widmete den Film seinen inzwischen verstorbenen Eltern. Die beiden Protagonisten tragen ihre Vornamen.Cold War - Der Breitengrad der Liebe – Presseheft zum Film (PDF) mini|hochkant=0.8|links|Regie führte Paweł Pawlikowski Hannah Lühmann von Welt Online erklärt, der Regisseur habe nicht nur diesen ein Denkmal gesetzt, sondern die Geschichte von Wiktor und Zula auch um historische Tatsachen herumkomponiert. So habe es das Mazowsze-Ensemble wirklich gegeben.Hannah Lühmann: Das ist die schönste Lovestory des Jahres. In: Welt Online, 22. November 2018. Pawlikowski ist selbst im Alter von 14 Jahren mit seiner Mutter nach Großbritannien ausgewandert, und erst im Alter von 55 Jahren hat er mit Ida seinen ersten polnischen Film gedreht. Gegenüber Zeit Online erklärte der Regisseur, er arbeite und lebe wieder in Polen, weil Filme in Großbritannien brav diskutiert würden, in Polen habe die Kunst hingegen wieder einen gewaltigen Stellenwert.Adam Soboczynski: „Cold War“: Grandioser Liebeskrieg. In: Zeit Online, 21. November 2018.
Im Gespräch mit Susanne Burg von Deutschlandfunk Kultur erklärte Pawlikowski: „Ich habe mein Leben lang im Schatten meiner Eltern und ihrer komplizierten Liebesgeschichte gelebt. Sie waren wunderbare Menschen, aber keine guten Eltern. [...] Zu ihren Lebzeiten fand ich es nur anstrengend. Aber nachdem sie 1989 gestorben waren – kurz bevor die Mauer fiel und der Kalte Krieg zu Ende ging – da hat sich das alles für mich geändert. Ich fand sie faszinierend, zwei sehr starke Persönlichkeiten aus sehr unterschiedlichen Familien. Ihre Beziehung war schlimm, aber auch unzerstörbar. Das ist doch die Matrix für eine Liebesgeschichte.“ Lange habe er allerdings gedacht, dass er darüber keinen Film machen könne, weil er deren Beziehung teilweise zu zerstörerisch und zu chaotisch empfand, da sie sich zu häufig getrennt haben und wieder zusammengekommen sind, was aus dramaturgischer Sicht keinen Sinn ergeben hätte, so Pawlikowski. Daher entschloss er sich einen Schritt zurückzutreten, die Charaktere teilweise neu zu erfinden und das Thema Musik hinzuzufügen.Pawel Pawlikowski im Gespräch mit Susanne Burg: „Liebe wächst mit der Entfernung“. In: Deutschlandfunk Kultur, 17. November 2018.
Filmmusik, Besetzung und Synchronisation Über die Verwendung von Musik im Film sagte Pawlikowski: „Musik ist der Klebstoff, der den Film zusammenhält. So kommen sie zusammen, in der Szene, in der er die Tonleiter mit ihr übt und am Ende I love you Porgy spielt. Eine Verführungsszene, die über die Musik funktioniert.“ Musik sei ein ständiger Spiegel dessen, wo sie in ihrer Beziehung stehen, so der Regisseur. Musik sei der Schlüssel und die dritte Figur in der Beziehung, bringe die beiden zusammen, auseinander, wieder zusammen und wieder auseinander. Auch für Maja Ellmenreich vom Deutschlandfunk spielt die Musik neben Zula und Wiktor, die dritte Hauptfigur: „Sie ist zugleich Kommunikationsmittel und Gradmesser für die Anpassungsbereitschaft der Protagonisten.“Maja Ellmenreich: Filmkritik „Cold War“: Die Liebe in Zeiten des Kalten Krieges. In: Deutschlandfunk, 22. November 2018.
Zu dem im Film in unterschiedlichen Versionen verwendeten Volkslied Dwa serduszka, cztery oczy (auf Deutsch: „Zwei Herzen, vier Augen“) bemerkt Adam Soboczynski von Zeit Online, dieses werde bäuerlich burlesk, sozialistisch pathetisch, aber auch in einer herrlich entrückten, schwebenden Jazzfassung gespielt, was sehr folgerichtig sei. Dwa serduszka wurde hierfür von Marcin Masecki in einer Jazz-Version arrangiert. Der Text der französischen Version Deux coeurs stammt von John Banzaï. Die ursprüngliche Version wurde von Tadeusz Sygietyński (Musik) und Mira Zimińska-Sygietyńska (Textarrangement) verfasst.Dwa serduszka, cztery oczy auf archiwum.bibliotekapiosenki.pl (polnisch) Sie wird im Film vom Folklore-Ensemble Mazowsze vorgetragen. Das fiktive Ensemble Mazurek lehnt sich vom NamenLaut Eintrag Mazurka auf dwds.de ist Mazurek ein Volkstanz aus Masowien (Polnisch: Mazowsze), der Entstehungsgeschichte und Repertoire her an das Ensemble Mazowsze an. Die Hauptdarstellerin Joanna Kulig probte ein halbes Jahr lang gemeinsam mit dem Ensemble Mazowsze Gesang und Tanz.Niejedna słowiańska dusza auf pismofolkowe.pl (polnisch)
Ebenfalls im Film verwendet wurden traditionelle Stücke der polnischen Volksmusik wie Oj dana moja dana nie wyjdę za Pana, Nie bede ja piła und Marsz Haiczek, aber auch das serbische Volkslied Svilen konac. Neben George Gershwins I Loves You, Porgy wurden auch dessen Musikstücke I’ve Got a Crush on You und The Man I Love verwendet, die ebenfalls von Masecki arrangiert wurden. Ein weiteres Stück ist Frédéric Chopins Fantaisie-Impromptu. Des Weiteren zu hören sind Blue Moon in einer Version von Ella Fitzgerald und 24 Mila Baci von Adriano Celentano. Weitere Lieder, die im Film verwendet wurden, sind Как много девушек хороших (Es gibt so viele schöne Mädchen) von Isaak Dunajewski und Wassili Lebedew-Kumatsch, Katjuscha von Matwei Blanter und Michail Issakowski und Die Stalin-Kantate von Alexander Alexandrow. Für den Film verwendete man zudem Die Internationale von Pierre Degeyter, die ebenfalls von Masecki arrangiert wurde. Als Wiktor und Zula am Ende des Films ihr Eheversprechen ablegen, erklingen Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen.Stella Donata Haag: „Cold War“ von Pawel Pawlikowski: Liebe in Zeiten des Totalitarismus. In: Der Tagesspiegel, 20. November 2018. Stella Donata Haag schreibt im Tagesspiegel, die alten Melodien würden so über die Jahre immer wieder variiert, sei es für den Jazz, den Wiktor im Club spielt, für die Stille beim Sex oder für den Rock ’n’ Roll, den Zula mit einem wilden Tanz auf dem Tresen feiert.
Im Dezember 2018 veröffentlichte Milan Records einen Soundtrack, der drei Musikstücke umfasst, darunter neben Dwa Serduszka auch die französische Version des Liedes.'Cold War' Soundtrack Single Released. In: filmmusicreporter.com, 21. Dezember 2018.