Pischelsdorf in der Steiermark ist eine Ortschaft in der ehemaligen Marktgemeinde Pischelsdorf in der Steiermark mit 3279 Einwohnern (Stand: 1. Jänner 2023). mini|Pischelsdorf Im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark ist sie seit 2015 mit den ehemaligen Gemeinden Kulm bei Weiz und Reichendorf zusammengeschlossen und führt den neuen Namen Pischelsdorf am Kulm.Steiermärkische Gemeindestrukturreform. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG.§ 3 Abs. 11 Z 3 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. . S. 4.
Geografie Lage und Erreichbarkeit Pischelsdorf liegt in der südlichen Kulmregion im oststeirischen Hügelland. Durch Pischelsdorf führt die Wechsel Straße B 54, welche entlang der alten Poststraße von Gleisdorf über den Wechsel nach Wiener Neustadt verläuft.
Da Pischelsdorf, das ein kleines regionales Wirtschafts- und Handelszentrum darstellt, verwaltungsmäßig zum Bezirk Weiz gehört, dessen Bezirkshauptstadt sich jedoch auf der Kulm abgewandten Seite befindet, sind seine regionalen Beziehungen (z. B. Krankenhaus, Schulen, Großmärkte) zu den Kleinstädten Hartberg und Gleisdorf stärker.
Der Markt Pischelsdorf, das Zentrum der Marktgemeinde Pischelsdorf am Kulm, liegt an einem nach Süden abfallenden Hügelrücken, welcher von den zwei Bächen Römerbach und Dürr-Feistriz, die südöstlich des Orts zusammenfließen, begrenzt wird. Der auf diesem Südhang von Bürgerhäusern umschlossene Hauptplatz wird auf der schmäleren Nordseite von der großen Kirchenstiege abgeschlossen, welche zur darüber thronenden, den Schutzheiligen Peter und Paul geweihten Kirche führt.
Katastralgemeinden 1909 wurde die Gemeinde Pischelsdorf in die beiden Gemeinden Pischelsdorf und Schachen geteilt. Diese Trennung blieb nicht für lange Zeit, denn am 1. Jänner 1952 wurden die Katastralgemeinden Hart, Romatschachen und Schachen durch Landesgesetz der Marktgemeinde Pischelsdorf einverleibt. Das Gemeindegebiet umfasste folgende Ortschaften (Einwohner Stand ): Hart () Kleinpesendorf () Pischelsdorf in der Steiermark () Romatschachen () Schachen am Römerbach ()
Die Gemeinde Pischelsdorf in der Steiermark umfasste bis 2014 eine Fläche von 1.732 ha.
Siedlungsentwicklung nach 1945 Das Hauptsiedlungsgebiet von Pischelsdorf hat sich ausgedehnt. Der Hauptort wurde über die in den 1960er Jahren an den Ortsrand verlegte Wechsel Straße B 54 erweitert. Augenscheinlich wurde diese Entwicklung in den 1970er und 1980er Jahren mit vier Siedlungshäusern auf der ortsabgewandten südlichen und südöstlichen Straßenseite. In den 1990er Jahren wurde ebenfalls südlich der B 54 anstelle eines alten Sägewerks ein Einkaufszentrum errichtet. In den folgenden Jahren wurden weitere Handels- und Dienstleistungsbetriebe entlang der B 54 angesiedelt und neue Anschlussstellen errichtet, sodass der Charakter eine Ortsumfahrung nicht mehr vorliegt.
Geschichte Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung Pischelsdorfs erfolgte am 1. Oktober 1043, als Heinrich III. einem gewissen Adalram zwei Huben in Ramarsstetin schenkte. Der Name „Ramarsstetin“ wurde lange als „Römerstätte“ gedeutet, während heute davon ausgegangen wird, dass der Name von einem Personennamen abzuleiten sei. Ein Grund für die ältere Annahme stellte auch die vollständige Flurzersplitterung dar, die in der Oststeiermark einzigartig war.
Dieser Besitz ging im 12. Jahrhundert zum Teil an den Erzbischof von Salzburg (aufgrund eines Erbvertrages von 1152), das Stift Göß und die Wildonier. Der Teil, der an den Erzbischof von Salzburg kam, wurde in Bischofsdorf umbenannt, woraus heute Pischelsdorf geworden ist.
Die erste Nennung einer Pfarre Pischelsdorf sowie deren Priester findet man in einer Urkunde aus dem Jahre 1203. 1322 kam der Ort im Tausch gegen andere Güter als Lehen an die Herbersteiner. Die Herbersteiner wollten Pischelsdorf zu einem wirtschaftlichen Zentrum ihrer Besitzungen machen und 1407 wurde der Ort erstmals als Markt genannt. Eine eigene Handwerksordnung hatten nur die Schneider, welche dem Kaiser 1610 zur Bestätigung vorgelegt wurde.
Neuzeit 1532 zerstörten durchziehende osmanische Truppen den Ort, wobei der Großteil der Bevölkerung entweder umkam oder verschleppt wurde. Weitere Katastrophen richteten die Großbrände von 1643 und 1761 an, die jeweils auch die Pfarrmatriken und die Protokollbücher der örtlichen Verwaltung vernichteten. Den erstmaligen Nachweis eines Lehrers in Pischelsdorf findet man in einem Visitationsprotokoll von 1617. Von dort an werden immer wieder Lehrer in Matriken und Urkunden genannt.
Im Zuge der josephinischen Pfarrregulierung wurde Pischelsdorf Sitz eines Dekanates und der jetzige Pfarrumfang festgelegt. Joseph II. bestätigte die beiden Viehmärkte erneut. Die das Ortsbild beherrschende Pfarrkirche entstand 1898 bis 1902 anstelle einer barocken Kirche aus dem 17. Jahrhundert.
Bevölkerungsentwicklung der ehemaligen Gemeinde Jahr 1869 1880 1890 1900 1910 1923 1934 1939 Einwohner 1.391 1.491 1.536 1.490 1.668 1.566 1.711 1.720 Jahr 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2008 2013 Einwohner 1.763 1.872 2.124 2.214 2.468 2.436 2.513 2.550
Einrichtungen Bildung Kindergarten Volksschule Hauptschule Polytechnische Schule Musikschule (Zweigstelle)
Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Pischelsdorf wurde im Jahr 1881 gegründet und feierte im Jahr 2011 ihr 130-jähriges Bestehen. Sie hat einen Mannschaftsstand von 117 Mitgliedern (Stand 12/2014), welche in den vergangenen Jahren 16.000 bis 18.000 ehrenamtliche Jahreseinsatzstunden geleistet haben.
In den Jahren 2000 und 2001 wurde das mittlerweile dritte Feuerwehrhaus an der Wechsel Straße B 54 als Gemeinschaftsprojekt mit der Marktmusikkapelle Pischelsdorf errichtet.
Die Freiwillige Feuerwehr Pischelsdorf verfügt über vier Fahrzeuge (Tanklöschfahrzeug, Rüstlöschfahrzeug, Kleinlöschfahrzeug und Mannschaftstransportfahrzeug) und stellt mit ihrer Ausrüstung neben der Gewährleistung der örtlichen Sicherheit auch eine stützpunktartige Funktion (Schwerpunkt technische Menschenrettung – Verkehrsunfälle) zur Unterstützung für den Feuerwehrabschnitt Pischelsdorf bzw. die umliegenden Feuerwehren dar. Auch können Teile der Feuerwehren im Einsatzfall für den überörtlichen Katastrophenhilfsdienst herangezogen werden.
Der überdurchschnittliche Eigenfinanzierungsgrad wird durch das jährlich zu Christi Himmelfahrt stattfindende „Pischelsdorfer Volksfest“ ermöglicht, welches die Feuerwehr in ihrer Funktion als Kulturträger bereits seit über 42 Jahren ausrichtet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche Hll. Peter und Paul in Pischelsdorf Marktmusikkapelle Pischelsdorf in der Steiermark mini|K.U.L.M.-Obmann Richard Frankenberger (rechts) im „Kulturstock 3“ K.U.L.M.https://www.kulm.net/ steht für: „Kunst Und Leben M. - Kunst / Politik / Wissenschaft / Wirtschaft“. K.U.L.M. vertritt einen „erweiterten Kunstbegriff“ und versteht sich als Labor und Denkwerkstätte. Kunst wird als Instrument gesehen, über Themenbereiche im Kontext Kunst, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft nachzudenken und sie mit künstlerischen Mitteln zu bearbeiten. Schwerpunkt Bildende Kunst, erweiterter Kunstbegriff, Kunst im Kontext Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, Soziale Plastik. K.U.L.M. war mehrmals mit Projekten Kooperationspartner des Festivals Steirischer Herbst. Bei der Kooperation mit dem Festival „KOMM.ST 1.2“ realisierte K.U.L.M. im Jahr 2012 10days10artists.http://www.kulmland-region.at/cms/index.php?xxvzrkvk-nlcs-w7y4-ylo0-r7efoleuqq0b-120720024943
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1936: Ignaz Gangl, Dechant 1950: Karl Vielhaber, Dechant 1956: Franz Techt, Kaufmann und Altbürgermeister 1960: Josef Krainer (1903–1971), Landeshauptmann 1960: Werner Morokutti 1965: Ludwig Hanig, Altbürgermeister 1965: Franz Flechl, Arzt 1965: Arthur Staudacher, Arzt 1967: Franz Wegart (1918–2009), Landesrat 1967: Franz Hödl 1967: Karl Winkler, Dechant 1967: Josef Köck, Kaufmann und Altbürgermeister 1971: Adolf Pritzer, Bezirkshauptmann 1980: Andreas Lückl, Pfarrer 1983: Josef Krainer (1930–2016), Landeshauptmann 1983: Walter Schellauf, Altbürgermeister, Direktor der Hauptschule 2002: Josef Köck, Altbürgermeister 2002: Franz Ranegger, Dechant 2003: Waltraud Klasnic (* 1945), Landeshauptmann 2006: Florian Gradwohl, Altbürgermeister, Direktor der Polytechnischen Schule
Literatur Titus Lantos, Gottfried Allmer: Pischelsdorf in der Steiermark – einst und jetzt. Pischelsdorf in der Steiermark 2013.
Einzelnachweise
Weblinks
Marktgemeinde Pischelsdorf am Kulm
Kategorie:Pischelsdorf am Kulm Kategorie:Ehemalige Gemeinde in der Steiermark Kategorie:Ort im Bezirk Weiz