mini|MSF-Hauptquartier in Genf mini|Vorstellungsvideo von Ärzte ohne Grenzen (englisch, Laufzeit: 10 min 22 s)

Ärzte ohne Grenzen (französisch , ) ist die am 21. Dezember 1971 gegründete größteHans Harald Bräutigam: Freibeuter der Hilfe. In: Die Zeit, 6. Mai 1994, Nr. 19.Médecins Sans Frontières. In: spendenplattform.ch. In: swissfundraising.org. unabhängige Organisation für medizinische Nothilfe.

Die private Hilfsorganisation leistet medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten. Hierfür wurde ihr 1999 der Friedensnobelpreis verliehen. Für 2015 wurde ihr der Lasker~Bloomberg Public Service Award zugesprochen.

Alle Sektionen auf internationaler Ebene, so auch die deutsche Sektion, nutzen die französische Bezeichnung , deren Abkürzung MSF und die Übersetzung in ihre jeweilige Sprache, im Englischen zum Beispiel .

Organisation Struktur und Personal Die Vereinigung hat 24 Sektionen in 20 Staaten und in den vier Regionen Lateinamerika, Südasien, Ostafrika und Südliches Afrika. Der Mitgliedsverband West- und Zentralafrika hat keinen Sektionsstatus. Ein internationales Büro in Genf hat koordinierende Funktionen und unterstützt die Zusammenarbeit im Netzwerk. Jährlich werden für Projekte der Organisation etwa 3000 Ärzte, Psychologen, Krankenschwestern und Pfleger, Hebammen und Logistiker rekrutiert. Insgesamt beschäftigte Ärzte ohne Grenzen im Jahr 2022 nach eigenen Angaben weltweit rund 65.000 Menschen, davon 91 Prozent in den Hilfsprojekten. Neun von zehn Mitarbeitenden stammen demnach aus den Einsatzländern selbst.

Finanzierung Am 17. Juni 2016 gab die Organisation in einer Pressemitteilung bekannt, dass der Verein aus Protest gegen die seiner Meinung nach dem Ziel der Abschottung und Abschreckung dienende europäische Migrations- und Asylpolitik ab sofort keine Gelder mehr bei den Institutionen der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten beantragen wird.

Nach eigenen Angaben betrugen im Jahr 2022 die Einnahmen weltweit 2,252 Milliarden Euro und die Ausgaben für Nothilfeprojekte 1,737 Milliarden Euro weltweit. 97,3 Prozent der Einnahmen stammten aus privaten Spenden und Zuwendungen von weltweit mehr als 7 Millionen Spenderinnen und Spendern.

Die Organisation trägt das Zewo-Gütesiegel, welches gemeinnützige Organisationen für den gewissenhaften Umgang mit Spendengeldern auszeichnet.

Projekte In mehr als 70 Ländern betreibt die Organisation medizinische Hilfsprojekte und bildet auch teilweise Mitarbeiter im Land fort. Die Hilfsprojekte reichen von medizinischer Nothilfe über Bereitstellung von Trinkwasser und Latrinen bis zur medizinischen Aufklärung der Bevölkerung. Die Organisation weist aber auch, wie im Falle Tschetscheniens oder des Kosovo, auf Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen des humanitären Völkerrechts hin.

Ehrung mini|Gedenkstein am Märkischen Platz, in Berlin-Mitte Die humanitäre Arbeit für die Opfer von Not und Gewalt wurde 1999 durch die Verleihung des Friedensnobelpreises besonders geehrt.

Grundsätze Die Vereinigung ist bestrebt, unabhängig, unparteiisch und so neutral wie möglich zu handeln. Nur dies ermöglicht es nach Auffassung der Organisation, in Krisenregionen wirkungsvoll humanitäre Hilfe zu leisten. Erst ein einziges Mal seit ihrer Gründung hat die Organisation eine militärische Intervention befürwortet, nämlich 1994 im Falle des Völkermordes in Ruanda.Ärzte ohne Grenzen beleuchtet eigene Haltung während des Völkermords in Ruanda vor 20 Jahren, 2. April 2014; Verweis auf „Speaking Out“ Case Study: Genocide of Rwandan Tutsis 1994. (1 April 2014).

Die Organisation sieht auch das „Witnessing“ („Zeuge sein“) im Rahmen der medizinischen Nothilfe als eine wichtige Aufgabe. Witnessing bedeutet, auf Völker in Not aufmerksam zu machen. Berichtet wird über das, was Mitarbeiter vor Ort sehen. Mögliche Aktionen sind: Gespräche mit Verantwortlichen, Lobbying oder öffentliche Aufklärungskampagnen, im schlimmsten Falle sogar Rückzug aus einem Einsatzgebiet. Nach Meinung von MSF ist zwischen Witnessing und Neutralität in der praktischen humanitären Arbeit unter Umständen eine Abwägung notwendig, die im Einzelfall eine Aufgabe der Neutralität notwendig macht. Diese Auffassung von Neutralität unterscheidet MSF von der strikt praktizierten Neutralität des Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), aus dessen Einsatzerfahrungen MSF entstand.

Sektionen Belgien Die Médecins Sans Frontières mit Sitz in Brüssel wurde 1980 gegründet.

Deutsche Sektion Ärzte ohne Grenzen, gegründet 1993 als eingetragener Verein, ist die deutsche Sektion.Die deutsche Sektion. Seit 2003 gibt es zudem eine Ärzte ohne Grenzen Stiftung.Ärzte ohne Grenzen Stiftung.

Zusammen mit den Sektionen aus Großbritannien und den Niederlanden bildet die deutsche Sektion das Operational Centre Amsterdam. Dieses ist eines von fünf Zentren, welche relativ eigenständig Einsätze planen und durchführen.

Die Organisation ist seit 1998 Träger des DZI-Spendensiegels. Im Jahr 2022 waren durchschnittlich 367 Mitarbeitende am Standort Berlin in Deutschland beschäftigt. 204 Mitarbeitende in Projekten wurden aus Deutschland betreut. Die Sektion hatte ein Mittelaufkommen von 262.260.000 €. Vorstandsvorsitzende der Hilfsorganisation war von Juni 2019 bis 2023 die Allgemeinärztin Amy Neumann-Volmer. Ihr folgte im Juni 2023 in dieser Position die Gynäkologin Parnian Parvanta, die dem Vorstand bereits seit 2019 angehörte. Geschäftsführer des Büros in Berlin ist seit 2020 der Ingenieur Christian Katzer.

Ärzte ohne Grenzen e. V. ist seit 2018 neben weiteren NGOs institutioneller Träger der deutschen Denkfabrik für humanitäre Hilfe, Centre for Humanitarian Action.

Österreichische Sektion In Österreich besteht der Verein Ärzte ohne Grenzen – Médecins Sans Frontières österreichische Sektion mit Sitz in Wien als österreichische Sektion seit 1994. Als Präsident fungierte von 2006 bis 2015 Reinhard Dörflinger, der auch Mitglied der Wiener Ärztekammer ist. Von 2008 bis 2011 war er stellvertretender Präsident der internationalen Organisation von Ärzte ohne Grenzen. Im Jahr 2015 folgte ihm Margaretha Maleh als Präsidentin nach.Wechsel an der Spitze von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Artikel vom 2. Juni 2015, abgerufen am 4. Mai 2017. Seit 2021 ist der Kinderarzt Leo Ho Präsident von Ärzte ohne Grenzen Österreich.

Der Verein trägt das Österreichische Spendengütesiegel durchgehend seit dessen Einführung im Jahr 2001. Seit 2009 sind Spenden auch von Privatpersonen von der Einkommen- und Lohnsteuer absetzbar. Ärzte ohne Grenzen Österreich feierte am 25. Juni 2024 sein 30-jähriges Jubiläum. 2024 hat der Verein 37 Einsätze in 31 Ländern unterstützt. Mehr als 168.000 Menschen in Österreich haben im Jahr 2024 insgesamt über 32,2 Millionen Euro für die Hilfseinsätze gespendet. Jeder sechste Einsatz wurde aus Testamentsspenden finanziert. Darüber hinaus unterstützen Unternehmen und Stiftungen, darunter Gebrüder Weiss und ÖGU – Österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie die Organisation mit Leistungsspenden.Medecins Sans Frontieres (MSF): MSF Jahresbericht 2024 Medecins Sans Frontieres (MSF), 26. Mai 2025 (PDF; 1,48 MB). Ärzte ohne Grenzen erklärte im Juni 2016, künftig keine Spenden mehr von der Europäischen Union oder ihren Mitgliedsstaaten anzunehmen.

Schweizer Sektion Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen Schweiz wurde im Juli 1981 als Verein im Sinne von Art. 60ff. ZGB gegründet. Geschäftssitz ist Genf; in Zürich wird eine Geschäftsstelle betrieben.

Mehr als hundert Angestellte stellen zusammen mit vielen Freiwilligen das Funktionieren des Einsatzzentrums sicher. Im Jahr 2010 führte der Verein 59 Projekte in 26 Ländern durch und hat 158 Mitarbeiter (Vollzeitstellen) in der Schweiz beschäftigt.

MSF Schweiz ist gemäß Art. 9, erster Absatz, Buchstabe f) des Gesetzes zur Besteuerung der juristischen Personen von der Gewinn- und Kapitalsteuer befreit und genießt eine Steuerbefreiung auf Schenkungen unter Lebenden und von Todes wegen (ausschließlich der Eintragungsgebühren für Immobiliengeschäfte). Die kantonale Steuerbefreiung wurde Anfang 2011 für einen Zeitraum von 5 Jahren verlängert. Die Befreiung von der direkten Bundessteuer gemäß Artikel 16 Ziffer 3 des Beschlusses über die direkte Bundessteuer (BdBSt) ist unbefristet gültig. Sie wurde durch eine Entscheidung vom 25. März 1991 gewährt.

Der aktuelle Vorstand besteht aus neun für die gesamte Dauer eines Mandats gewählten Mitgliedern. Die gewählten Mitglieder sind zurzeit: Thomas Nierle, Präsident Anne Perrocheau, Vizepräsidentin Philippe Sudre, Sekretär Patrick Reybet-Degat, Kassier Slim Slama Liza Cragg, Gillian Slinger Frauke Jochims Claude Mahoudeau

Spanische Sektion

Die spanische Sektion Médicos Sin Fronteras España hat ihren Sitz in Barcelona.

Geschichte Vorgeschichte Während des Biafra-Krieges (1967–1970) verhängte das nigerianische Militär eine Blockade der ehemals unabhängigen Region Biafra im Südosten des Landes. Zu diesem Zeitpunkt war Frankreich das einzige Land, das die Bevölkerung von Biafra unterstützte. Großbritannien, die USA und die Sowjetunion hatten für die nigerianische Regierung Partei ergriffen. Die Lage der Bevölkerung innerhalb der Blockade war der restlichen Welt unbekannt. Eine Reihe französischer Ärzte, darunter auch Bernard Kouchner, meldeten sich zusammen mit der Organisation Französisches Rotes Kreuz freiwillig, um in Krankenhäusern und Nahrungsversorgungszentren im belagerten Biafra zu arbeiten. Das Rote Kreuz verlangte von seinen Freiwilligen jedoch die Unterzeichnung einer Erklärung, die eine Neutralität unter allen Umständen vorsah. Kouchner und einige andere französische Ärzte sahen darin zwar eine Verschwiegenheitsverpflichtung, unterschrieben dennoch die Erklärung.

Im Land angekommen, waren die Freiwilligen, einschließlich der Beschäftigten in der Gesundheitsvorsorge und der Krankenhausmitarbeiter den Angriffen der nigerianischen Armee ausgesetzt. Dabei wurden sie Zeugen, wie Zivilisten ermordet wurden oder verhungerten. Auch Kouchner war Augenzeuge dieser Ereignisse. Er sah sehr viele Kinder, die infolge der Hungersnot sterben mussten. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich kritisierte er die nigerianische Regierung, aber auch das Rote Kreuz, indem er deren Verhalten als Mittäterschaft bezeichnete. Er rief auf, Verantwortung auf internationaler Ebene für die Situation zu übernehmen. Kouchner und andere Ärzte waren überzeugt, dass eine Hilfsorganisation nötig war, die dem Wohlergehen der Opfer Vorrang gegenüber politischen und religiösen Interessen einzuräumen bereit war.

Gründung mini|Bernard Kouchner, Gründungsmitglied und erster Vorsitzender von Ärzte ohne Grenzen

Die Groupe d’Intervention Médicale et Chirurgicale en Urgence (deutsch „Gruppe für medizinisches und chirurgisches Eingreifen in Notfällen“) wurde 1970 von französischen Ärzten gebildet, die in Biafra gearbeitet hatten, um Hilfe zu leisten und um die Priorität der Opferrechte über die Neutralität zu betonen.

Der Herausgeber der medizinischen Fachzeitschrift TONUS, Raymond Borel, hatte als Reaktion auf den Bhola-Wirbelsturm in Bangladesch von 1970, bei dem etwa 500.000 Menschen starben, eine Organisation mit dem Namen Secours Médical Français (deutsch „französische medizinische Katastrophenhilfe“) gegründet. Borel suchte Ärzte, die den Opfern von Naturkatastrophen Hilfe leisten sollten. Am 20. Dezember 1971 vereinigten Borel, Kouchner und ihre Kollegen die beiden Gruppen zu Médecins Sans Frontières.