Druschba (russisch Дрýжба, Družba; , , ) ist eine Siedlung (bis 1945 Stadt) im Rajon Prawdinsk der russischen Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Prawdinsk.
Geographische Lage Der Ort liegt in der historischen Region Ostpreußen, am Fluss Alle (Лава, Lawa, poln. Łyna) nahe der Einmündung der Abt (Omet) und des Masurischen Kanals, etwa 40 Kilometer südöstlich der Stadt Königsberg (Kaliningrad).
Geschichte Allenburg wurde 1256 erstmals erwähnt, als der Deutsche Ritterorden die Burg auf der östlichen Seite der Alle zu einer Vorburg mit Wallanlage als Wehranlage gegen die Litauer ausbaute. Bereits vier Jahre darauf zerstörten die Prußen die Burg, jedoch wurde 1272 nach deren Niederwerfung eine neue Burg errichtet.
Am 19. Oktober 1400 erhielt Allenburg die Stadtrechte nach Kulmer Recht von Konrad von Jungingen, dem Hochmeister des Deutschen Ritterordens. Die Stadt schloss sich dem Preußischen Bund an und wurde deswegen 1455 vom Deutschen Orden angegriffen, erobert und dabei teilweise zerstört.
Seit 1818 gehörte Allenburg zum Kreis Wehlau im Regierungsbezirk Königsberg in der Provinz Ostpreußen.
Um 1900 gab es in Allenburg eine evangelische Kirche, ein Damenstift, ein Rettungshaus und eine Dampfmühle, um 1925 ein Amtsgericht, Sägewerke, Molkereien sowie vier Pferde- und Viehmärkte, und es bestand eine Motorbootverbindung mit Königsberg.Der Große Brockhaus. 15. Auflage, 1. Band, Leipzig 1928, S. 301. Im Ersten Weltkrieg wurde die Stadt im August 1914 von der russischen Armee erobert und dabei stark zerstört. Auch die Stadtkirche wurde in Mitleidenschaft gezogen. Nach Kriegsende erfolgte Anfang der 1920er Jahre der allgemeine Wiederaufbau der Stadt. Sie gehörte bis 1945 zum Landkreis Wehlau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Stadt 1945 unter sowjetische Verwaltung und wurde 1947 in Druschba (deutsch: Freundschaft) umbenannt.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad) Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Prawdinsk. Die nach der Flucht verbliebenen deutschen Einwohner wurden bis 1948 ausgesiedelt und durch Neusiedler aus verschiedenen Teilen der Sowjetunion ersetzt. Nach dem Verlust des Hinterlandes und der meisten Verkehrsverbindungen durch die sowjetisch-polnische Grenzziehung mitten durch Ostpreußen sowie dem Verlust der Stadtrechte hat der Ort seit 1945 stark an Bedeutung verloren, und es stehen nur noch relativ wenige Häuser. Im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung wurde Druschba im Jahr 2004 in die städtische Gemeinde Prawdinskoje gorodskoje posselenije eingegliedert.
Demographie Im Jahr 1711 wütete in Preußen die Große Pest, und in der Stadt sollen nur elf Einwohner überlebt haben. + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1768 1138 Leopold Krug: Die preußische Monarchie – topographisch, statistisch und wirtschaftlich dargestellt. Teil 1: Provinz Ostpreußen. Berlin 1833, S. 304; . 1782 1379 in 179 Haushaltungen, ohne die aus einer Schwadron Dragoner bestehende GarnisonJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 14; . 1798 1321 1802 1353 Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 248–255, Ziffer 7. 1810 1250 1816 1399 davon 1390 Evangelische, sieben Katholiken und zwei Juden 1821 1423 in 182 Privatwohnhäusern 1831 1654 kleines Städtchen an der Alle, mit zwei Kirchen und 181 Häusern, Bewohner betreiben Bierbrauerei, Branntweinbrennerei und Garnhandel und halten vier Kram-, Vieh- und Pferdemärkte abGeorg Friedrich Krause: Handbuch zu dem Atlas von Preußen in 27 Karten; oder: geographisch-statistisch-topographische Beschreibung der preußischen Mönarchie. Zweite Hälfte: Verzeichniß sämmtlicher Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Vorwerke etc. der Monarchie. Band I: A – E, Müller, Erfurt 1835, S. 33 (Google Books). 1840 1730 Supplemente zum Universal-Lexikon oder Enzyklopädischen Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe (herausgegeben von H. A. Pierer, bearbeitet von Franz Dornberger). 1. Band, Altenburg 1841, S. 180. 1858 2252 davon 2229 Evangelische, fünf Katholiken und 18 JudenAdolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 22–233, Ziffer 6. 1875 2090 1880 2107 1885 1958 1900 1750 meist Evangelische 1910 1697 1925 1730 meist Evangelische 1933 2082 1939 2692
+ Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr Anzahl Einwohner Anmerkungen 2002 515 meist Russen 2010 440
Bürgermeister Erwin Moeller, 1915 bis 1945
Wappen mini|links|hochkant=0.7|Historisches Wappen Blasonierung: „In Silber ein aus grünem Röhricht aufragender, roter Elchrumpf.“Erich Keyser: Deutsches Städtebuch – Handbuch städtischer Geschichte Band I: Nordostdeutschland. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1939, S. 21–22.
In dieser Gegend sind Elche jetzt noch Standwild. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn das SIGILLUM CIVITATIS ALLENBERG des 15. Jahrhunderts ein auf welligem Boden schreitendes Elen mit breitschaufeligem Geweih zeigt. Im 17. Jahrhundert setzte man stattdessen einen gewöhnlichen Hirschkopf in die Siegel.Otto Hupp: Deutsche Ortswappen. Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft, Bremen 1925.
Druschbinski selski Sowet/okrug 1947–2004 Der Dorfsowjet Druschbinski selski Sowet (ru. Дружбинский сельский Совет) wurde im Juni 1947 zunächst im Rajon Gwardeisk eingerichtet. Im Juli 1947 wurde er dem Rajon Prawdinsk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 25 июля 1947 г. «Об административно-территориальном устройстве Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 25. Juli 1947: Über den administrativ-territorialen Aufbau der Oblast Kaliningrad) Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Druschbinski selski okrug (ru. Дружбинский сельский округ). Die sich Ende 2004 noch im Dorfbezirk Druschbinski befindlichen elf Siedlungen wurden im Rahmen der kommunalen Selbstverwaltung dann in die städtische Gemeinde Prawdinskoje gorodskoje posselenije eingegliedert.
Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Belaja Poljana (Белая Поляна) Jägersdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Bely Jar Eiserwagen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte bis vor 1988 zum Dorfsowjet Nowo-Bobruiski. Beresinki (Березинки) Schallen Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Berjosowo (Берёзово) Schönbaum Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Sewski eingeordnet. Demjanowka (Демьяновка) Groß Engelau Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Druschba (Дружба) Allenburg Verwaltungssitz Fedotowo (Федотово) Groß Plauen Der Ort wurde 1947 umbenannt. Ilitschowo (Ильичёво) Engelshöhe Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Iswilino (Извилино) Dettmitten Der Ort wurde 1947 umbenannt. Krasnoje (Красное) Schöntritten Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Kurortnoje (Курортное) Groß Wohnsdorf und Agnesenhof Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Sewski eingeordnet. Lugowoje (Луговое) Hohenfelde Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Poretschenski eingeordnet. Maiskoje (Майское) Kautern Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Nowoje (Новое) Trimmau Der Ort wurde 1947 umbenannt. Ossipenko (Осипенко) Gundau Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen. Owraschnoje (Овражное) Wilhelmshöhe Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Poretschenski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen. Pawenkowo (Павенково) Klein Engelau Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen. Pessotschnoje (Песочное) Althof, Kreis Bartenstein Der Ort wurde 1947 umbenannt. Pospelowo (Поспелово) Progen Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Progress (Прогресс) Auglitten Der Ort wurde 1950 umbenannt. Retschnoje (Речное) Redden Der Ort wurde 1950 umbenannt und vor 1975 verlassen. Rodniki (Родники) Leißienen Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Bolschepoljanski im Rajon Gwardeisk. Selzy (Сельцы) Königstann und Klein Neumühl Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Sewski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Die beiden 1950 umbenannten Orte Alexejewka (Hanswalde) und Cholmogorje (Kipitten), die zunächst ebenfalls dem Druschbinski selski Sowet zugeordnet wurden, kamen (vor 1975) zum Poretschenski selski Sowet.
Verkehr Durch den Ort verlaufen die Regionalstraße 27A-037 (ex R 514) von Prawdinsk zur Föderalstraße A 229 bei Snamensk und die Kommunalstraße 27K-071 von Jelnjaki an der Regionalstraße 27A-027 (ex R 508) nach Schelesnodoroschny. Ebenfalls an die Regionalstraße 27A-027 schließen die Kommunalstraße 27K-132 in Nowo-Bobruisk und die Kommunalstraße 27K-070 in Gussewo an.
Vor 1945 war der Ort Bahnstation an der Bahnstrecke von Wehlau über Friedland (Ostpreußen) nach Bartenstein und Heilsberg, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Abschnitt bis Bartoszyce demontiert wurde.
Patenstadt Hoya an der Weser ist seit 1972 die Patenstadt der Allenburger. Festlich begangen wurde 1997 die 25-jährige Patenschaft und auch im Jahr 2000 der 600. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte. Ein Gedenkstein für die 600 Jahre Stadtrechte wurde an der Martinskirche, dem Kulturzentrum von Hoya, aufgestellt und feierlich eingeweiht.
Sehenswürdigkeiten Gut erhalten ist die Stadtkirche aus dem 15. Jahrhundert mit ihrem markanten Treppengiebelturm. 1999 wurden zur Erhaltung und Nutzung der Kirche für evangelisch-lutherische Gottesdienste ein Verein und ein kleines Museum gegründet. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde im Juli 2005 ein kleines Museum im Kirchturm und ein Gottesdienstraum für die evangelisch-lutherische Gemeinde eingerichtet. Vom Turm der Kirche besteht eine gute Aussicht über die Umgebung und auf ein auf dem Ostgiebel des Kirchturmes befindliches und benutztes Storchennest.
In Druschba gibt es zwei Schleusen am Masurischen Kanal. Die Schleuse direkt an der Straße nach Bely Jar (Eiserwagen) hat ein großes Ausgleichsbecken. Das Schleusenwärterhaus wurde im Jahr 1921 auf dem Aushub der Schleuse erbaut. Es wurde ab 2002 von einem Ehepaar aus Deutschland restauriert, brannte aber am 2. Februar 2012 infolge eines Kurzschlusses ab. Die zweite Schleuse befindet sich am Ende des Weges in Richtung des früheren Bahnhofs, wo heute ein Kuhstall steht. Diese Schleuse ist noch größer und wesentlich besser erhalten als die Schleuse an der Straße nach Bely Jar; das Schleusenwärterhaus ist allerdings nach dem Krieg zerstört worden.
Pfarrkirche mini|Allenburger Pfarrkirche (2016) Bis zum Bau der KircheDie Kirche in Allenburg. ostpreussen.net im Jahr 1405 wurde die Burgkapelle als Gotteshaus genutzt. Anfang des 15. Jahrhunderts begann man mit der Errichtung der Kirche aus Backstein mit dem bemerkenswerten Ostgiebel, allerdings ohne Chor.
Gegen Ende des 15. Jahrhunderts erweiterte man den Saalbau nach Westen. Die Nordseite des Kirchenschiffs war zugleich Stadtmauer. Bei den Kämpfen im Ersten Weltkrieg entstand schwerer Schaden am Gebäude; dabei wurde neben dem Turm auch die 1699 von Johann Josua Mosengel errichtete Orgel mit zwei Manualen und 22 Registern zerstört.
Am 30. August 1925 konnte man die wieder errichtete Kirche erneut einweihen. Der von russischen Truppen gesprengte Turm wurde im neugotischen Stil neuerrichtet und erhöht; vermutlich nach Plänen des Architekten Hugo Häring.