mini|hochkant|Rathaus mini|Tettau mit der Königlich privilegierten Porzellanfabrik
Tettau ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Kronach in Bayern.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im nördlichen Teil des Naturparkes Frankenwald am Fuß des Rennsteiges und an der Bayerischen Porzellanstraße.
Nachbargemeinden Gräfenthal im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, Ludwigsstadt, Steinbach am Wald und Pressig im Landkreis Kronach, Föritztal und Sonneberg im Landkreis Sonneberg.
Gemeindegliederung Es gibt acht Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):Hier wird für Schauberg fälschlicherweise Dorf als Siedlungstyp angegeben. Alexanderhütte (Dorf) Kleintettau (Pfarrdorf) Langenau (Pfarrdorf) Sattelgrund (Dorf) Sattelgrund (Weiler) Schauberg (Kirchdorf) Tettau (Hauptort) Wildberg (Einöde)
Das ehemalige Dorf Tettaugrund ist mittlerweile im Gemeindeteil Tettau aufgegangen.
Geschichte Der Ort wurde 1269 als „Theten“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von einem Gewässernamen ab, der 1194 als „Taetin“ erstmals erwähnt wurde. 1670 wurde der Ort erstmals in der heutigen Form erwähnt.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 219.
Der fränkische Reichsritter und Herr auf Lauenstein, Christoph von Thüna, ließ im 16. Jahrhundert in Tettau einige Herdstätten, ein Vorwerk, eine Schneidemühle, eine Schenke und ein Jagdschloss errichten. Tettau gehörte zur Herrschaft Lauenstein. 1622 verkaufte die Familie Thüna Burg und Herrschaft Lauenstein an Markgraf Christian von Brandenburg-Bayreuth. Die evangelische Kirche Ad Portam Coeli wurde 1646 eingeweiht. Sie ersetzte eine Fachwerkkirche von 1602.tettau-Kirche.de: Chronik / Aus der Chronik
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Tettau 39 Anwesen (1 Dreiviertelgut, 3 Halbgüter, 1 Hintersattel, 1 Gütlein, 3 Halbgütlein, 5 Viertelgütlein, 3 Wirtshäuser, 19 Tropfhäuser, 1 Mahlmühle, 1 Schneidmühle, 1 Schmiede). Das Hochgericht übte das bayreuthische Amt Lauenstein aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft sowie die Grundherrschaft über alle Anwesen hatte das Kastenamt Lauenstein inne. Neben den Anwesen gab es noch 1 Forsthaus, 1 Kirche und 1 Schulhaus.Helmut Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 511. Durch die Einberechnung des herrschaftlichen Forsthauses werden abweichend 40 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.
1792 fiel das Markgraftum Bayreuth mit dem Amt Lauenstein an das Königreich Preußen, bevor es durch einen Grenz- und Landestauschvertrag vom 30. Juni 1803 in den Besitz des Kurfürstentums Bayern, später Königreich Bayern, überging. 1794 wurde die Königlich privilegierte Porzellanfabrik Tettau gegründet.
Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Lauenstein. Mit dem Gemeindeedikt wurde Tettau dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Langenau zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt entstand 1818 die Ruralgemeinde Tettau, zu der Alexanderhütte, Sattelgrund, Tettaugrund und Wildberg gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Lauenstein zugeordnet (1837 in Landgericht Ludwigsstadt umbenannt) und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Lauenstein. 1815 wurde Tettau dem Rentamt Rothenkirchen zugewiesen (1919 in Finanzamt Rothenkirchen umbenannt). Von 1862 bis 1880 und von 1888 bis 1931 gehörte Tettau zum Bezirksamt Teuschnitz, von 1880 bis 1888 und ab 1931 zum Bezirksamt Kronach, 1939 in Landkreis Kronach umbenannt. Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Tettau, ab 1880 war das Amtsgericht Ludwigsstadt zuständig, das 1956 eine Zweigstelle des Amtsgerichts Kronach wurde. Die Finanzverwaltung wurde 1929 vom Finanzamt Kronach übernommen.Helmut Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 602. Die Gemeinde hatte 1885 eine Fläche von 7,662 km², die sich vor 1904 auf 3,172 km², vor 1952 auf 3,099 km² und vor 1964 auf 2,937 km² verringerte.
Mit der im Jahr 1903 in Betrieb genommenen Bahnstrecke Pressig-Rothenkirchen–Tettau war der Ort an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Im Jahr 1904 wurde nach einem Lohnstreik unter anderem durch ehemalige Arbeiter der Tettauer Porzellanfabrik eine neue Porzellanfabrik errichtet, die ab 1937 den Namen „Neue Porzellanfabrik Gerold“ trug, im Jahr 1970 maximal 260 Beschäftigte hatte und bis in die 1990er Jahre existierte.Aus der Geschichte der Neuen Porzellanfabrik Gerold & Co in Tettau
Eingemeindungen Im Zuge der Grenzbereinigung zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik wurden im Jahr 1976 (wahrscheinlich im März) drei Höfe, die zu Kleinlichtenhain gehörten, nach Kleintettau umgegliedert.Bericht über die drei Höfe aus dem Jahr 1963Bericht über den einmaligen Vorgang auf der Seite der GrenzerinnerungenBericht über den Zugewinn für Kleintettau
Am 1. Mai 1978 wurden im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinden Kleintettau und Langenau eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 2812 auf 2061 bzw. um 26,7 %. Am 31. Dezember 1992 hatte Tettau 2970 Einwohner.
Gemeinde Tettau Jahr Einwohner Häuser Quelle 1840 555 1852 576 1855 549 1861 585 1867 664 1871 736 84 1875 711 1880 719 1885 739 92 1890 768 92 1895 704 1900 855 100 1905 1003 1910 1108 Jahr Einwohner Häuser Quelle 1919 1152 1925 1245 147 1933 1375 1939 1392 1946 1811 1950 2010 238 1952 2070 1961 2139 343 1970 1983 1987 2880 747 2008 2367 2015 2117 739 2018 2061 740
Ort Tettau Jahr 1802 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987Einwohner 278 296 389 512 512 575 837 1499 1627 1542 1213Häuser 49 41 58 66 101 176 268 320Quelle J. K. Bundschuh, Bd. 5, Sp. 536.
Politik Marktgemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2008 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: Partei/Liste202020142008%Sitze%Sitze%Sitze SPD/Zukunft Markt Tettau47,947–––– Freie Wähler/CSU/Bündnis für Tettau52,06754,628–– SPD––45,38 653,378 CSU––––24,493 Freie Wähler––––22,143 Gesamt10014100 1410014
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2013 Peter Ebertsch (Bündnis für Tettau). Dessen Vorgänger war Hans Kaufmann (SPD).
Wappen und Flagge Die Gemeinde Tettau führt seit 1979 ein Wappen.
Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist rot-weiß.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Kirchen mini|hochkant|Evangelische Pfarrkirche Ad Portam Coeli in Tettau St. Christophorus (Langenau) Ad Portam Coeli (Tettau) Auferstehungskirche (Kleintettau) Christkönig (Tettau) Gnadenkirche (Schauberg)
Baudenkmäler
Bodendenkmäler
Regelmäßige Veranstaltungen Kirchweih (Kerwa) in Langenau am dritten Wochenende im Oktober Kirchweih (Kirmes) am zweiten Wochenende im Oktober Kirchweih (Kirmes) in Kleintettau am vierten Wochenende im August Schützenfest am ersten Wochenende im Juli
Europäisches Flakonglasmuseum Die Idee, in Kleintettau ein Glasmuseum zu errichten, kam bereits Anfang der 1980er Jahre auf. Allerdings erwies sich die Realisierung durch den abgelegenen Standort an der innerdeutschen Grenze als relativ schwierig. Durch die Initiative des Fördervereins Glasbewahrer am Rennsteig e. V. erhielt der Gedanke neue Dynamik. Der Verein stellt mit dem Europäischen Flakonglasmuseum, das im Dezember 2008 eröffnet wurde, die Geschichte der fast 350-jährigen Glasmachertradition im Frankenwald dar. Die Entwicklung des Glasflakons von den antiken Anfängen bis zur Moderne wird ebenso erforscht und vermittelt wie die allgemeine Parfüm- und Kosmetikkultur Europas. Mit seinen Spezialsammlungen präsentiert sich das Europäische Flakonglasmuseum als öffentliche Institution auf internationaler Ebene.
Tropenhaus Am 13. Juni 2014 wurde das Tropenhaus Klein Eden in Kleintettau eröffnet. Es wird mit der Prozesswärme des benachbarten Glaswerkes Heinz-Glas beheizt. Insbesondere soll der wirtschaftlich rentable Anbau tropischer Früchte unter Glas in Mitteleuropa untersucht werden.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Staatsstraße 2201/L 1052 führt nach Spechtsbrunn (2,8 km nördlich) bzw. über Alexanderhütte nach Schauberg (7 km südlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße, die sich nach der Landesgrenze als Kreisstraße K 31 fortsetzt, verläuft nach Neuenbau (4 km südwestlich). Von dieser zweigt in Richtung Südwesten ein Anliegerweg nach Wildberg ab. Eine weitere Gemeindeverbindungsstraße verbindet mit Kleintettau (1,3 km östlich).Entfernungsangaben gemessen, jeweils Luftlinie.
Von 1903 bis 1952 war Tettau über die Bahnstrecke Pressig-Rothenkirchen–Tettau an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Strecke wurde 1993 stillgelegt.
Ansässige Unternehmen (Auswahl) Gerresheimer Glas (ehemals Tettauer Glashüttenwerke) Heinz-Glas Königlich privilegierte Porzellanfabrik Tettau, die Fabrik in Tettau wurde 2019 geschlossen Söllner Spedition
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Robert Lindig (1894–1972), Politiker (SPD) Christian Müller (1900–1963), Politiker (SPD) Peter Knabner (* 1954), Mathematiker
Literatur
Hans Silbermann: Urkundliche Geschichte der Gemeinde Tettau im Landkreis Kronach. Verlag Baumann, Kulmbach 1963.
Weblinks
Offizielle Seite des Marktes Tettau (PDF; 1,45 MB) Vorbereitende Untersuchungen VU Markt Tettau
Einzelnachweise
Anmerkungen Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 1987 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet.
Kategorie:Ort im Landkreis Kronach Kategorie:Frankenwald Kategorie:Markt in Oberfranken Kategorie:Ersterwähnung 1269 Kategorie:Gemeindegründung 1818