Der Rote Soldatenbund (RSB) wurde am 15. November 1918 vom Spartakusbund im Rahmen der Novemberrevolution im deutschen Kaiserreich gegründet.Die sogenannte „Selbstauflösung“ wird unterschiedlich datiert. Schuster, S. 51 gibt als Zeitpunkt Anfang Juni an, Schreiner, S. 817 dagegen Ende Juni. Grau, der sich auf K.P.K. (Kommunistische Partei-Korrespondenz), 1. Jg., Nr. 11, vom 25. Juni 1919, S. 16 beruft, datiert auf Mai/Juni. In der Zeit seines Bestehens war er an verschiedenen Kämpfen beteiligt, bevor er sich im Juni 1919 formal selbst wieder auflöste.Die Selbstauflösung ist hinsichtlich ihrer tatsächlichen Durchführung umstritten. Über den RSB wurde wenig publiziert. Entweder wird er in der Literatur nicht erwähnt oder in aller Kürze abgehandelt, wie bei Hermann Dünow, S. 20, der dem RSB nur eine Seite widmet. Eine erste Zusammenstellung über den RSB befand sich 1924 in einem Artikel der unregelmäßig erschienenen illegalen militärpolitischen Zeitschrift der KPD, Vom Bürgerkrieg, 2. Jg., Heft 17, November 1924. Die Zeitschrift erschien lt. Schreiner von 1923 bis 1926. 1960 schrieb Albert Schreiner Der Rote Soldatenbund. In: Beiträge zur Geschichte der (deutschen) Arbeiterbewegung, 1960, S. 809–819. Auf Schreiner bezieht sich im Wesentlichen Roland Grau: Zur Rolle und Bedeutung des Roten Soldatenbundes. In: Zeitschrift für Militärgeschichte. 1968, Heft 6, S. 718–723. Ein von propagandistischen Floskeln beherrschter Aufsatz, der keine neuen Erkenntnisse bringt. Zur Gründung des RSB vgl. auch Schuster, S. 51. Im Staatsarchiv Bremen befindet sich eine Akte zum RSB, StaHB 4.65-1217, und eine zum Roten Matrosen Bund (RMB), StaHB 4.65-1219. Dünow, S. 20 ordnet ebenso wie Schreiner, S. 813 die Anregung zur Gründung Leo Jogiches zu. Meine Ausführungen über den RSB beziehen sich, soweit nichts anderes angegeben ist, auf diese Arbeit. Zur Gründung vgl. auch Schuster, S. 51. Seine Fortsetzung fand der RSB größtenteils in den Proletarischen Hundertschaften und ab 1924 im Roten Frontkämpferbund (RFB).
Vorgeschichte Die erste Zeit der Weimarer Republik ist von einer Vielzahl von Wehr- und Schutzgruppierungen aller politischen Richtungen, teilweise paramilitärisch organisiert, gekennzeichnet. Während die Geschichte der meisten dieser Verbände aber bereits vorher beginnt, ist eine nicht geringe Zahl aus der ebenso unklaren wie revolutionären Situation entstanden. Die vermutlich erste Formation mit militärischen Zielen und Vorgehensweisen auf Seiten der Linken war eine Gruppe im Umfeld der Berliner Obleute. Sie war nach den Januarstreiks 1918 gebildet worden, um „sich mit der systematischen Beschaffung von Waffen und der Anlage illegaler Waffenlager“ zu befassen.Werner Hinze: Schalmeienklänge im Fackelschein. Ein Beitrag zur Kriegskultur der Zwischenkriegszeit. Hamburg 2002, S. 50ff.; Albert Schreiner: Der Rote Soldatenbund. In: Beiträge zur Geschichte der (deutschen) Arbeiterbewegung. 1960, S. 811 nennt als „Initiatoren und Hauptträger dieser Arbeit“ die Spartakusgruppe. siehe auch Angress, S. 35/Anm. 19; Winkler, S. 37. Sie wurde Schwarze Katzen genannt. Über Aktivitäten der Gruppe ist weiter nichts bekannt. Am 7. Oktober des gleichen Jahres beschloss die Spartakusgruppe auf ihrer Reichskonferenz zusammen mit den Bremer Linksradikalen „die Bildung illegaler Kampfgruppen und die Beschaffung von Waffen“.Vgl. auch Angress, S. 24f.; Angress, S. 42 beziffert die Mitglieder 1918 nach unterschiedlichen Schätzungen auf mehrere Hundert bis zu mehreren Tausend. Als die Linksradikalen wurde eine dritte Gruppe der äußeren linken Szene bezeichnet. Ihr Schwergewicht lag in Bremen unter der Führung von Johann Knief und Paul Frölich (Zeitschrift Arbeiterpolitik). Sie standen besonders den russischen Bolschewisten nahe und hatten durch Karl Radek, der lange in Bremen gelebt hatte, Verbindungen zur russischen Führungsclique (Vgl. Angress, S. 35f und passim; ebenso Ruth Fischer, passim). Eine wichtige Dependance befand sich in Hamburg, geführt von Heinrich Laufenberg. Ab November 1918 nannten sich die Linksradikalen in Anlehnung an Marx’ Kommunistisches Manifest Internationale Kommunisten Deutschlands.Schreiner, S. 812; siehe auch Grau, S. 719. Vorbild war die russische Rote Armee. Theoretische Grundlage bildete das im Oktober 1917 in deutscher Sprache verfasste Militärprogramm der proletarischen Revolution Lenins, das „durch die in Deutschland illegal vertriebene Jugendinternationale bekannt“ geworden ist und „entscheidend zur Neuorientierung der militärpolitischen Arbeit der Spartakusgruppe“ beitrug.S. Schreiner, S. 811f. berichtet, er selbst habe sich damals zusätzlich mit den militärischen Schriften von Engels, Mehring, Clausewitz und Delbrück „vertraut“ gemacht. Knapp einen Monat später, am 9. November 1918, hatte sich der Gedanke bei Karl Liebknecht erweitert, als er im Zuge der Ausrufung einer Sozialistischen Republik Deutschland, unterstützt von Leutnant Dorrenbach auch die Gründung einer Roten Garde anvisierte.Schreiner, S. 812 verweist auf die Illustrierte Geschichte der Deutschen Revolution. Berlin 1929, S. 34. Für das Scheitern macht er die „von der Sozialdemokratie beeinflussten Soldatenräte“ verantwortlich, insbesondere, „als sich das Komplott Ebert-Hindenburg gegen die Soldatenräte auszuwirken begann.“ Am darauffolgenden Tag machte die Spartakusgruppe mit einem Aktionsprogramm der Revolution in der Roten Fahne deutlich, dass sie die „Soldaten an die Revolution“ führen und „zu ihren Stützen“ machen wollte.Vgl. Roland Grau: Zur Rolle und Bedeutung. S. 719. Nachdem jedoch die Vollversammlung der Berliner Arbeiter- und Soldatenräte am gleichen Tag ihre bewaffnete Macht mehrheitlich den Mehrheitssozialdemokraten und sich am Abend auch der neue Generalquartiermeister Groener mit den Resten der alten Armee der neuen Regierung zur Verfügung stellte, wurde ein weiterer Aufruf des Vollzugsrates der Arbeiter- und Soldatenräte in Berlin vom 12. November zur Bildung einer Roten Garde am darauffolgenden Tag widerrufen.Winkler, 1998, S. 31ff. u. 38f.; vgl. Rosenberg, Geschichte, S. 241; s. auch Helga Grebing: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. München 1975, S. 149.
Novemberrevolution Am 15. November, vier Tage nachdem sich die Linke um Rosa Luxemburg offiziell den Namen Spartakusbund gegeben hatte, gründete dessen Zentrale den Roten Soldatenbund (RSB). Die Vorsitzenden, die sich aus Mitgliedern des Spartakusbundes rekrutierten, waren Karl Grabusch, die Pioniere Willi Budich und Karl Schulz (verantwortlicher Redakteur des Bundesorgans Der Rote Soldat), sowie Christel Wurm und seit Mitte Dezember Albert Schreiner.Schreiner, S. 813. In der 13 Personen zählenden Zentrale des Spartakusbundes war Budich, zentrale Figur bei der Gründung des RSB, für die Agitation unter den Soldaten verantwortlich.Grau, S. 719f. Der Rote Soldatenbund war in Bezirke und Ortsgruppen gegliedert. Schreiner gibt die Existenz der Organisation in Königsberg, Kiel, Hamburg, Bremen, Essen, Braunschweig, Berlin, Leipzig, Chemnitz, Dresden, München, Stuttgart, Ulm und Friedrichshafen als nachweisbar an.Schreiner, S. 816; Die Dokumentation „1918. Aufstand der Matrosen“ von arte und N3 vom 25. und 30. Oktober 2018 zeigt einen Filmausschnitt, in dem Matrosen oder Soldaten ein großes Schild hochheben auf dem geschrieben stand: „Roter Soldatenbund“ Zusätzlich sollen RSB-Leute bestanden haben in: Bamberg, Burglengenfeld, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt (Oder), Freiberg (Sachsen), Gumbinnen, Guben (Niederlausitz), Halberstadt, Halle (Saale), Insterburg, Kattowitz, Luckenwalde, Mellen bei Zossen, Memel, Rastatt, Stettin, Tilsit und Zossen.Grau, S. 720 unter Berufung auf Der Rote Soldat. Nr. 6, Berlin, 5. Dezember 1918 In der illegalen Zeitschrift der KPD „Vom Bürgerkrieg“ (verantwortlich Ernst Schneller) wird 1924 die Mitgliederzahl des RSB auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung mit 12.000 angegeben. Diese Angabe ist allerdings mit Vorsicht zu betrachten.Vom Bürgerkrieg. 1923, S. 28. Der Artikel war nur mit K. unterschreiben, hier nach Schreiner, S. 816. Die zeitweilig illegale erschienene Zeitschrift „Vom Bürgerkrieg“ erschien von 1923 bis 1925. In ihr wurden die Erfahrungen der unterschiedlichen Bürgerkriege bzw. bürgerkriegsähnlichen Kämpfe verarbeitet wurden, um für den anzustrebenden Bürgerkrieg zu lernen, der zur Revolution führen sollte. Nachfolger dieser Hefte war bis vermutlich 1932 die Zeitschrift „Oktober“. Zumindest 1931 erschien sie unter dem Tarntitel „Neue Architektur“ herausgegeben von „Architekt Otto Diebel“ aus Zürich. Hinter dem Kürzel „K“ oder „W.K.“ verbirgt sich Otto Braun (1900–1974) unter anderem als „Karl“. Siehe auch Weber, S. 145ff.; Hinze, Bluttage und LAS 309-228 13 – 16/3 Die Zentrale des RSB war in Berlin. Allerdings hatte der RSB anfänglich gar „keine feste Organisation, vielmehr ein loser Bund revolutionärer Soldaten“ gewesen sei.Schuster, S. 51 nach Retzlaw, K., Spartakus, S. 116. Auch Schreiner, S. 816 bezeichnet die Organisationsform als „lose“. Auch Schreiner bezeichnet die Organisationsform als „lose“.Schreiner, S. 816.