Der Congressional Black Caucus ist die Vereinigung afroamerikanischer Mitglieder des Kongresses der Vereinigten Staaten. Der 1971 gegründete Caucus wurde zu einer einflussreichen Gruppe, die in das Gesetzgebungsverfahren durch Interessenartikulation eingreift. Die meisten Mitglieder gehören der Demokratischen Partei an.
Vorgeschichte mini|300px|Die Gründungsmitglieder des Congressional Black Caucus (1971) Nach der Reconstruction hatten wegen der Jim-Crow-Gesetze nur wenige Afroamerikaner politische Positionen erhalten, was sich im Zuge der Bürgerrechtsbewegung Mitte des 20. Jahrhunderts änderte.Black Americans in Congress: The Negroes’ Temporary Farewell: Jim Crow and the Exclusion of African Americans from Congress, 1887–1929 und Keeping the Faith: African Americans Return to Congress, 1929–1970. In: History, Art & Archives, House of Representatives. Als Charles Diggs 1955 für Michigan ins Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten einzog, bemerkte er, dass Afroamerikaner ihre Interessen im Kongress kaum artikulierten und die bisherigen beiden Afroamerikaner im Repräsentantenhaus, William Dawson (Illinois) und Adam Clayton Powell (New York), sich kaum austauschten. Diese drei Abgeordneten im 84. Kongress stellten die größte Zahl an Afroamerikanern seit der Reconstruction dar, die gemeinsam im Kongress saßen.
Auf Initiative Diggs’ wurde zu Beginn des 91. Kongresses 1969 das Democratic Select Committee (DSC) eingerichtet, in dem die inzwischen neun afroamerikanischen Abgeordneten Informationen austauschen und sich mit der Führung des Repräsentantenhauses abstimmen sollten. Die informelle Gruppe traf sich unregelmäßig und war nicht mit eigenen finanziellen Mitteln ausgestattet. Die damals neugewählten Abgeordneten Bill Clay (Missouri), Louis Stokes (Ohio) und Shirley Chisholm (New York), deren Wahl durch die Schaffung mehrheitlich afroamerikanischer Kongresswahlbezirke infolge des Voting Rights Act begünstigt worden war, unterstützten die Schaffung einer effizienteren Vertretung ihrer Interessen. Den lange in der institutionalisierten Politik marginalisierten und an vielen Orten unrepräsentierten Afroamerikanern sollte in einer solchen Vereinigung insgesamt Gehör verschafft werden.Für den gesamten Abschnitt Black Americans in Congress: Creation and Evolution of the Congressional Black Caucus. In: History, Art & Archives, House of Representatives.
Entstehung und Ausrichtung mini|hochkant|Charles Diggs, der erste Vorsitzende mini|hochkant|Charles Rangel, der Namensgeber mini|hochkant|Louis Stokes, der zweite Vorsitzende Zu Beginn des 92. Kongresses 1971 waren 13 Afroamerikaner im Repräsentantenhaus vertreten, mehr als je zuvor. Am 2. Februar 1971 traf das DSC zusammen und beschloss auf Anregung Clays die Gründung eines überparteilichen, formellen Netzwerks der afroamerikanischen Kongressabgeordneten. Der neugewählte Abgeordnete Charles B. Rangel schlug die Bezeichnung „Congressional Black Caucus“ vor, als erster Vorsitzender wurde Charles Diggs gewählt. Er erklärte: „Black people have no permanent friends, no permanent enemies … just permanent interests“ (Schwarze haben keine dauerhaften Freunde, keine dauerhaften Feinde, sondern einfach dauerhafte Interessen), was zur Leitlinie in den ersten Jahren und zum Motto der Vereinigung wurde. Clay erinnerte sich später, dass das große Wählerpotenzial, das die Mitglieder des Caucus vertrat, vor allem in Einfluss zur wirtschaftlichen Besserstellung umgesetzt werden sollte. Die meisten Mitglieder der Gruppe seien nicht durch die Unterstützung von Gewerkschaften oder anderen Interessengruppen in den Kongress gewählt worden und dadurch freier in ihrer Entscheidungsfindung und Politik als die meisten anderen Abgeordneten.
Erstmals für öffentliches Aufsehen sorgte der Caucus im Januar 1971, als Präsident Richard Nixon sich weigerte, die Gruppe zu empfangen und diese daraufhin dessen State of the Union Address boykottierte. Nixon lud die Gruppe schließlich im März 1971 ins Weiße Haus, was von der Presse in den USA breit berichtet wurde und den Caucus weithin bekannt machte. Daraufhin wandte die Gruppe häufig ähnliche Strategien an, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, und erhielt bald den Ruf eines irritierenden Moments im Kongress. Große Erwartungen begleiteten die Gründungsphase, als manche Beobachter erwarteten, der Caucus werde sich als Kollektiv zum nationalen Sprachrohr der vereinten Interessen der Afroamerikaner im ganzen Land entwickeln. Der Caucus nahm politische Vorschläge aus allen Teilen der afroamerikanischen Gemeinschaft und Interessenverbänden auf und verteilte Informationen, war aber durch interne Auseinandersetzungen und Unstimmigkeiten außerstande, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Diggs versuchte 1972 eine nationale Versammlung der Afroamerikaner zu organisieren, was der Caucus jedoch ablehnte, weil einige Mitglieder fürchteten, die daraus entstehende Entwicklung nicht unter Kontrolle zu haben. Auch Shirley Chisholms Präsidentschaftskandidatur 1972 sorgte für Spannungen; als einziges weibliches Gründungsmitglied des Caucus fühlte sie sich nicht genügend unterstützt, da nur zwei weitere Mitglieder sich öffentlich für ihre Kandidatur aussprachen, Ron Dellums und Parren Mitchell. Chisholm wurde dafür kritisiert, dass sie zu Vertretern anderer Gesellschaftsgruppen Kontakte aufbaue und damit die einheitliche Mission des Caucus in Frage stelle sowie Geschlecht über Race stelle.
Der Caucus entfernte sich deshalb unter der Führung von Louis Stokes, der 1972 Diggs als Vorsitzenden abgelöst hatte, vom Modell der kollektiven Repräsentation aller Afroamerikaner. Seine Mitglieder betrachteten sich zunehmend nur noch als Vertreter ihrer jeweiligen Wahlbezirke, zogen sich aus der nationalen Aufmerksamkeit zurück und konzentrierten sich auf ihre Expertise in der Gesetzgebung für die Bedürfnisse der jeweiligen Wähler. Laut der Politikwissenschaftlerin Marguerite Ross Barnett wurde der Caucus zudem gegen 1975 professioneller, indem er nicht mehr vorwiegend auf Entwicklungen reagierte, sondern eigene Vorstellungen für die Gesetzgebung entwickelte. Die Spannung zwischen den Ansprüchen kollektiver politischer Führung in afroamerikanischen Fragen und individueller Repräsentation blieb laut der Politikwissenschaftlerin Carol Swain bis in die 1990er Jahre prävalent.
Mitgliedschaft und Einfluss Viele der frühen Mitglieder des Caucus hatten außerhalb der institutionalisierten Politik an der Bürgerrechtsbewegung teilgenommen, während spätere Mitglieder eher technokratisch orientiert waren, die mit Expertise in der Gesetzgebung das System von innen heraus gestalteten.Black Americans in Congress: Background and Precongressional Experience und Congressional Black Caucus Chairmen and Chairwomen, 1971–Present. In: History, Art & Archives, House of Representatives. 1975 beantragte der Weiße Pete Stark, der einen Kongresswahlbezirk in Oakland, Kalifornien mit einem großen Anteil afroamerikanischer Bevölkerung vertrat, die Aufnahme in den Caucus, was aus Gründen der Symbolhaftigkeit ausschließlich afroamerikanischer Mitglieder abgelehnt wurde. Diese ungeschriebene Regel wurde aufrechterhalten, auch wenn zuweilen Weiße als nicht stimmberechtigte Assoziierte aufgenommen worden sind.Black Americans in Congress: Creation and Evolution of the Congressional Black Caucus. In: History, Art & Archives, House of Representatives. Zuletzt wurde Steve Cohen, der bei der Wahl 2006 einen mehrheitlich afroamerikanischen Wahlkreis in Tennessee mit dem Versprechen gewonnen hatte, sich dem Caucus anzuschließen, nicht aufgenommen.Josephine Hearn: Black Caucus: Whites Not Allowed. In: Politico, 22. Januar 2007.
Viele Mitglieder des Caucus blieben über Jahrzehnte im Kongress, deutlich länger als der Durchschnitt aller Abgeordneten, was ihnen besonderes Gewicht unter anderem wegen der Senioritätsregel bei der Vergabe von Führungspositionen gab. Seit Mitte der 1970er Jahre setzte der Caucus unter der Führung Charles Rangels durch, dass in allen besonders wichtigen Ausschüssen des Repräsentantenhauses Afroamerikaner vertreten waren, in manchen Ausschüssen übernahmen sie den Ausschussvorsitz. Auch wenn im 99. Kongress ab 1985 nur 20 Afroamerikaner vertreten waren, saßen fünf von ihnen Ausschüssen vor (und zwei Sonder- sowie 16 Unterausschüssen). 1971 forderte John Conyers den Fraktionsvorsitzenden Carl Albert in einer symbolischen Geste heraus und unterlag mit 20 zu 220 Stimmen, weitere Mitglieder des Caucus kamen bald ins Democratic Steering and Policy Committee, das die Gesetzgebungsarbeit vorbereitet (Barbara Jordan, Ralph Metcalfe, Harold E. Ford), 1983 wurde Charles Rangel zum stellvertretenden Whip bestimmt, William H. Gray wurde 1989 Majority Whip und erhielt damit die dritthöchste Führungsposition der Demokraten im Repräsentantenhaus.Black Americans in Congress: Institutional Advancement und Conclusion. In: History, Art & Archives, House of Representatives. In der Zeit nach der Watergate-Affäre kam es generell zu vielen Ermittlungsverfahren wegen Korruption, bei denen Afroamerikaner deutlich überrepräsentiert waren. Zwischen 1981 und 1993 war die Hälfte der Caucusmitglieder Gegenstand von Ermittlungsverfahren oder Anklagen, auch wenn die wenigsten von ihnen verurteilt wurden. Von den 465 Untersuchungen zu politischer Korruption, die das Justizministerium zwischen 1983 und 1988 durchführte, richteten sich 14 Prozent gegen afroamerikanische Politiker, obwohl sie nur 3 Prozent der Abgeordneten stellten. Die meisten wurden anschließend wiedergewählt, was für eine starke Loyalität ihrer Wählerschaft spricht.Black Americans in Congress: Crafting An Identity on Capitol Hill. In: History, Art & Archives, House of Representatives.