mini|hochkant=1.4|Schloss Hoheneck mini|Luftbild (2025) mini|Schloss Hoheneck (2012)
Das Schloss Hoheneck ist ein aus der im Jahr 1244 erwähnten „Stal(e)burch“ hervorgegangenes Schloss in der Großen Kreisstadt Stollberg im sächsischen Erzgebirgskreis. Überregional bekannt ist genutzte Gebäude durch seine Nutzung als Frauengefängnis Hoheneck (1862 bis 2001).
Aus historischer Sicht ist die Bezeichnung „Schloss Stollberg“ für die frühere Anlage zutreffend, da die heute gebräuchliche Bezeichnung „Schloss Hoheneck“ erst ab dem frühen 18. Jahrhundert aufkommt. Der Name „Hoheneck“ entstand nach dem Verkauf des Schlosses und des zugehörigen Vorwerks an den sächsischen Akzisrat Gottlob Friedrich Nester im Jahr 1702, als das ehemalige Amtsvorwerk fortan als Kammergut Hoheneck bezeichnet wurde.
Geographische Lage Das Schloss Hoheneck liegt auf einer Anhöhe südöstlich der Stollberger Altstadt im Erzgebirge. Um das Schloss entwickelte sich der heutige Stollberger Ortsteil Hoheneck.
Geupel beschreibt die Lage der ehemaligen Burg folgendermaßen (Zitat): „Im Osten von Stollberg auf einem nach Westen gerichteten Bergsporn über dem Gablenzbach“.
Geschichte Mittelalterliche Stal(e)burc (1244 bis 1564) Die vermutlich um 1200 errichtete Stal(e)burc wurde im Jahr 1244 erstmals urkundlich durch einen „Hugo von Staleburgk“ (lt. Geupel: 1244 „Hugo von Staleburc“) erwähnt. Die mittelalterliche Grenzfeste wurde Sitz und Zentrum des neu besiedelten Gebietes am Rand des Erzgebirges, aus dem sich die Herrschaft Stollberg bildete. Die ersten Besitzer der Burg waren die Erkenbertinger, die sich später als Burggrafen von Starkenberg bezeichneten. Diese wurden im 11. Jahrhundert in Tegkwitz im Altenburger Land sesshaft. Erkenbert IV. von Tegkwitz besiedelte Ende des 12. Jahrhunderts das Gebiet der späteren Herrschaft Stollberg. Er nannte die Staleburgk im Jahr 1278 sein Eigen. Nachdem die Schönburger das Gebiet um 1300 übernommen hatten, verkauften sie es im Jahr 1367 an König Karl IV. von Böhmen. Die immer mit der Burg in Verbindung stehende Stadt Stollberg wird als solche (civitas) erstmals 1343/46 urkundlich erwähnt, die erste Nennung erfolgte bereits im Jahr 1296. Der Name der Stadt wandelte sich von „Stolburg“ (1412) zu „Stolbergk“ (1459).
Die Staleburg ging im Jahr 1459 als böhmisches Lehen an Sachsen über. 1473 kaufte der durch den Silberbergbau im Erzgebirge reich gewordene Bischof von Meißen Dietrich IV. von Schönberg mit seinen Neffen Heinrich und Caspar von Schönberg die Burg und die Herrschaft Stollberg. Seit der Leipziger Teilung 1485 war die Herrschaft Stollberg albertinisch und gehörte zum Herzogtum Sachsen, das durch die Wittenberger Kapitulation 1547 zum Kurfürstentum Sachsen erhoben wurde. Der heutige Stollberger Ortsteil Hoheneck ist aus dem einstigen Vorwerk der Staleburg hervorgegangen. Mit der Übernahme durch die Wettiner wurde aus dem Vorwerk im Jahr 1564 ein kursächsisches Kammergut.
Das Schlossareal wurde als Burgstall der mittelalterlichen Burg bereits am 15. Juli 1970 als geschütztes Bodendenkmal eingetragen.
Kurfürstliches Schloss Stollberg bzw. Hoheneck (1564 bis 1862) mini|Schloss Hoheneck (2012) 1564 verkauften die Herren von Schönberg die Herrschaft Stollberg mit Stadt und Burg an Kurfürst August; die Herrschaft wurde in das kursächsische Amt Stollberg umgewandelt. Anstelle eines umfassenden Umbaus zu einem Jagdschloss entstand auf dem Burgareal insbesondere ein „neues Haus“, das die bisherigen Wohn- und Amtsfunktionen bündelte, während das „alte Haus“ zunehmend als Lager- und Gewölbebereich diente. 1602 brannte dieses neue Haus in den oberen Geschossen ab; 1606–1609 wurde es an gleicher Stelle wiederaufgebaut und fungierte fortan als Amtshaus/Amtsstube. Im Dreißigjährigen Krieg (vor allem 1632–1650) erlitt Schloss und Vorwerk Stollberg schwere Beschädigungen, Plünderungen und Verluste, eine vollständige Zerstörung ist jedoch quellenmäßig nicht belegt.
Im 17. Jahrhundert diente Schloss Stollberg unter anderem als Amtsgefängnis (Amtsfrohnveste) im kleinen Turm der Anlage. Der mittelalterliche Bergfried ist vor 1761 abgetragen worden. Der heute sichtbare Uhrenturm ist daher kein neu gebauter Bergfried des 17. Jahrhunderts. Die Bezeichnung „Hoheneck“ erscheint 1704 erstmals amtlich auf einem Lehnschein und ist ab 1706 auch für Schloss und Gut nachweisbar. Nach dem Brand der Amtsstube im Ort wurde die Amtsstube wieder auf das Schloss verlegt; auf dem Schlossareal entstand in der Folge ein neues Amtshaus (Bauphase 1809–1815). Durch die Sächsische Landgemeindeordnung von 1838 wurde die Gutssiedlung Hoheneck eine selbstständige Gemeinde; 1845 wurden die Flächen parzelliert und an Privatleute verteilt. Das Justizamt Stollberg verblieb bis 1856 auf dem Schloss, das Rentamt bis 1863; danach liefen die Vorbereitungen zur Einrichtung der späteren Weiberstrafanstalt.
Schloss Hoheneck als Gefängnis (1862 bis 2001) mini|Schloss Hoheneck, Nebengebäude Nach 1862 wurde das ehemalige Schloss Stollberg zur königlich-sächsischen Weiberstrafanstalt umgebaut. Entgegen häufigen Darstellungen wurde das Schloss dabei nicht vollständig abgetragen: In der ersten Bauphase (1862–1866/70) blieben wesentliche Altgebäude (u. a. Amtsfrohnveste / „Neues Haus“, gewölbtes Schuppen-/Kellergebäude, Bauschuppen / „Kleines Haus“) bestehen und wurden durch Neubauten (Westflügel, Teile von Nord- und Südflügel sowie Turm) ergänzt. Die Erstbelegung erfolgte im November/Dezember 1864 mit der Überführung der Gefangenen aus Hubertusburg; in den Akten erscheinen dafür parallel die Bezeichnungen „Schloss Hoheneck“ und „(Straf-)Anstalt Hoheneck“. 1886 wurde das Weiberzuchthaus nach Waldheim verlegt; anschließende Erweiterungen (1886–1889) beseitigten die letzten Reste der alten Schlossbebauung (Abbruch „Neues Haus“ und „Kleines Haus“; Neubau von Süd- und Ostflügel, Verlängerung des Nordflügels). Seit 1889 diente der Komplex als Landesstrafanstalt für Männer (amtlich 1892: „Landesanstalt Hoheneck als Landesgefängnis für Männer“). Verwaltungsrechtlich war die Anstalt gegenüber der Gemeinde Hoheneck eigenständig organisiert (Gutsbezirks-/Anstaltsakten 1880er/1890er Jahre). Das zuvor auf dem Schloss angesiedelte Rentamt wurde 1863 aufgegeben und in das Rentamt Chemnitz integriert; mit der staatlichen Übernahme der Schlossliegenschaft (Juni 1863) setzte sich zugleich die Bezeichnung „Schloss Hoheneck“ endgültig durch.
Nach umfangreichen Erweiterungsarbeiten entstand in Hoheneck eine Haftanstalt für Männer, in der auch immer wieder politisch Inhaftierte untergebracht waren, so z. B. zur Zeit der Weimarer Republik die „Roten Bergleute“ aus dem Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenrevier, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und nach 1945 Verurteilte der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). In den Zeiten der beiden Weltkriege diente das Schloss Hoheneck auch als Reservelazarett.
mini|hochkant|Gedenkstein vor ehem. Frauengefängnis der DDR in Hoheneck (2010) 1950 wurden durch sowjetische Militärtribunale 1119 Frauen aus den Speziallagern Nr. 4 Bautzen und Nr. 7 Sachsenhausen nach Hoheneck verlegt.Alex Latotzky: Kindheit hinter Stacheldraht. Forum Verlag, Leipzig 2001, ISBN 3-931801-26-8, S. 34. Das für maximal 600 Häftlinge ausgelegte Zuchthaus wurde zum ersten Mal überbelegt. Hoheneck wurde zu einem Gefängnis für aus politischen Gründen inhaftierten Frauen, wodurch in der DDR der Name „Hoheneckerinnen“ für diese Frauen zum Synonym wurde. Auch kriminelle Frauen waren in Hoheneck untergebracht und teilweise mit den politisch Gefangenen in einer Zelle untergebracht. Die Inhaftierten mussten für verschiedene Betriebe der Umgebung ihre Arbeit innerhalb bzw. außerhalb der Gefängnismauern verrichten. In den 1970er Jahren saßen zeitweise bis zu 1600 Häftlinge in Hoheneck ein. Im Zuge der Bestrebungen, eine internationale Anerkennung der DDR zu erlangen, wurden 1983 nach Besichtigungen durch UN-Kommissionen in den DDR-Haftanstalten die Haftbedingungen grundlegend verändert. Noch bis etwa Mitte 1989 saßen 400 Gefangene ein, davon etwa 30 Prozent politische Gefangene. Im November 1989, nach dem Fall der Mauer, erfolgte eine Amnestie für die letzten politischen Häftlinge der DDR. Bereits im Herbst 1989 protestierten die Gefangenen durch Arbeitsverweigerungen und Hungerstreik für bessere Haftbedingungen bzw. Amnestie.
1990 wurde Hoheneck als einziges Frauengefängnis des Freistaats Sachsen fortgeführt. Ab 1994 waren im Westflügel der JVA auch männliche Strafgefangene (Kurzstrafen) untergebracht. Vollzogen wurde Strafhaft für weibliche und männliche sowie Untersuchungshaft und Jugendarrest für weibliche Verurteilte. Ende April 2001 wurden das Gefängnis geschlossen und die letzten Gefangenen in andere Gefängnisse verlegt. Danach stand das Gebäude für zwei Jahre leer.
Das Schloss Hoheneck seit 2001 Mitte des Jahres 2003 verkaufte der Freistaat Sachsen Hoheneck an einen privaten Investor. Die geplante Umnutzung zu einem Freizeit- und Erholungskomplex scheiterte einerseits am Widerstand der Opferverbände, andererseits an wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Nachdem die Stadt Stollberg das Areal samt den Gebäuden im Jahr 2014 erworben hatte, erfolgte die vom Freistaat Sachsen geförderte Sanierung. Das künftige Konzept sieht eine räumlich getrennte Nutzung als Gedenkstätte, Freizeittreff und Begegnungsstätte mit Übernachtungsmöglichkeiten vor. Dieses Konzept soll in Zusammenarbeit von Eigentümer, Stadt und Opferverein umgesetzt werden.
Als erster Schritt wurde im Jahr 2015 eine Gedenkstätte mit original erhaltenem Zellentrakt im Südflügel eingerichtet, in dem auch Führungen stattfinden. 2017 zog die interaktive Lern- und Erlebniswelt „Phänomenia“ im Nordflügel des Schlosses Hoheneck ein, wodurch sich die ehemalige Justizvollzugsanstalt allmählich zum Kulturzentrum wandelte. Nach dem Umbau des Schlosses soll im Westflügel eine Gedenkstätte zur historischen Einordnung des SED-Unrechts und zur Würdigung der Opfer eingerichtet werden. Auch das Theaterpädagogische Zentrum des Erzgebirgskreises „Burattino“Website des Kinder- und Jugendtheaters Burattino soll seinen Sitz im Westflügel des Schlosses haben. Die Orgel im Kapellensaal des Westflügels wird ebenfalls saniert. Im Dachgeschoss des Südflügels zieht nach der Sanierung das „Abora Science Center“ eingerichtet, auf der die ABORA-Schilfboot-Expeditionen über das Mittelmeer und den Nordatlantik in einer interaktiven Ausstellung vorgestellt werden.
Baubeschreibung mini|Schloss Hoheneck mit Schlossmauer und Turm mini|Schloss Hoheneck, Wachturm und Schlossmauer mini|Schloss Hoheneck, Nebengebäude Die Kernanlage des Schlosses Hoheneck besteht aus vier um einen Innenhof gruppierten Gefängnisbauten mit Ausstattung, unter anderem eine Orgel. Nördlich der Kernanlage befinden sich die Wirtschaftsgebäude mit ehemaliger Wäscherei und Krankenstation. Die Anlage wird durch eine 415 Meter lange und zwischen 4 und 7 Meter hohe Einfriedungsmauer begrenzt, die mit Glasscherben versetzt ist. Im Westen und Norden der Mauer befinden sich zwei Wachtürme aus dem 20. Jahrhundert. Im Osten schließt sich das Wachgebäude und ein Tor an die Mauer an. Im Norden befindet sich gegenüber der Mauer ein Beamtenwohnhaus, an welches ein Pförtnergebäude angrenzt.
Die heutigen Anstaltsgebäude entstanden in zwei Bauphasen ab 1862. In der ersten Bauphase (1862–1870) wurden der Westflügel (Baubeginn 1863) und etwa die Hälfte des Nordflügels errichtet; ältere Schlossbauten (u. a. Amtsfrohnveste/„Neues Haus“, „Kleines Haus“, gemeinschaftliches Schuppengebäude mit Kellern) blieben zunächst bestehen und wurden weitergenutzt. In der zweiten Bauphase (1886–1889) entstanden der Südflügel, der Ostflügel und der Anbau/Rest des Nordflügels sowie die nördlich vorgelagerten Wirtschaftsgebäude; zugleich wurden die verbliebenen Altgebäude des früheren Schlosses Stollberg abgetragen. Dadurch erhielt die Anlage im Wesentlichen ihr bis heute prägendes Erscheinungsbild.
Westflügel