mini|300px|Gefrees von Südosten gesehen
Gefrees () ist eine Stadt im Landkreis Bayreuth (Regierungsbezirk Oberfranken, Bayern).
Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt am äußeren Hang des westlichen Hufeisenschenkels des Fichtelgebirges zwischen Waldstein und Ochsenkopf. Im Norden öffnet sich die Münchberger Gneisplatte, von Westen nähern sich Ausläufer des Frankenwaldes und im Süden erstreckt sich nach Westen das Maintal.
Durchs Stadtgebiet fließen Ölschnitz, Lübnitz und Kornbach. Letzterer kommt aus dem gleichnamigen Gefreeser Gemeindeteil und fließt in der Stadt der Lübnitz zu, die zwischen Böseneck und der Entenmühle in die Ölschnitz mündet.
Gemeindegliederung
Es gibt 44 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Die Einöden Brand und Brandhof zählen zum Gemeindeteil Zettlitz, die Einöde Lochnerseinzel zum Gemeindeteil Lützenreuth, der Weiler Lübnitzer Mühle zum Gemeindeteil Lübnitz, die Einöde Moos zum Gemeindeteil Stein. Cremitz ist mittlerweile in den Gemeindeteil Gefrees aufgegangen. Berngrün, Langenzell und Putzenreuth sind Wüstungen auf dem Gemeindegebiet von Gefrees.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Falls, Gefrees, Grünstein, Kornbach, Lützenreuth, Metzlersreuth, Streitau, Witzleshofen, Wundenbach und Zettlitz. Die Gemarkung Gefrees hat eine Fläche von 5,311 km². Sie ist in 2214 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 2399 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Oberneuenreuth.
Nachbargemeinden Im nördlichsten „Zipfel“ des Landkreises Bayreuth gelegen, etwa 26 Kilometer nördlich der Kreisstadt Bayreuth, umgeben Gefrees im Süden die Gemeinde Bischofsgrün und die Stadt Bad Berneck im Fichtelgebirge, im Westen der Landkreis Kulmbach mit dem Markt Marktschorgast, im Norden der Landkreis Hof mit den Märkten Stammbach und Zell und im Osten der Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge mit der Stadt Bad Weißenstadt.
Name Der Ortsname leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort Gevreatze her, was „Fressen“ oder „Schlemmerei“ bedeutet. Die Lage an einer bedeutenden Straßenkreuzung von europäischer Dimension prägte den Ort und machte ihn zum Rastplatz.Harald Judas: Die Straße brachte Leben und Tod in: Nordbayerischer Kurier vom 18. Januar 2016, S. 19.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 79.
Geschichte mini|Ortsansicht um 1900 mini|Einweihung des Bahnhofs (1902) mini|Hauptstraße in der Ortsmitte mini| mini|
Seit 1336 gehörte Gefrees zur Herrschaft der zollernschen Burggrafschaft Nürnberg, der späteren Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. 1366 wurde der Ort in einem Schiedsspruch, der einen Streit zwischen den Pfarreien Marktschorgast und Münchberg um die Zuständigkeit für Gefrees beendete, erstmals schriftlich erwähnt. In Urkunden aus den Jahren 1403 und 1444 wird Gefrees Stadt genannt. Ab 1500 lag die Stadt im Fränkischen Reichskreis.
1557 waren die Einwohner noch gehalten, ihr Bier aus Bayreuth zu beziehen, 1581 wurde bereits Ungeld, eine Steuer auf im Ort gebrautes Bier, gezahlt. Im Jahr 1692 wurden fünf Gasthöfe erwähnt, 1721 gab es eine Apotheke. 1875 waren in Gefrees mit damals etwa 1500 Einwohnern 16 Bäcker und 27 Metzger ansässig.
Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs wurde Gefrees mehrmals geschädigt, so z. B. 1632 von 200 einfallenden Kroaten. Im Mai 1815 kehrte Napoleon auf dem Weg nach Preußen und 1838 Zarewitsch Alexander von Russland im Ort ein.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Gefrees aus 130 Anwesen, eine Pfarrkirche und ein Pfarrhaus. Die Hochgerichtsbarkeit und die Dorf- und Gemeindeherrschaft stand dem bayreuthischen Stadtvogteiamt Gefrees zu. Grundherren waren die Gemeinde: 1 Rathaus, 1 Hirtenhaus, 2 Brauhäuser, 1 Schulhaus; der Bürgermeister und Rat Gefrees: 1 Söldengut, 1 Brandstätte, 1 Mühle, 65 Häuser, 7 Häuslein, 14 halbe Häuser, 24 Tropfhäuser, 2 halbe Tropfhäuser, 5 Gasthöfe; das Kastenamt Gefrees: 1 Mühle, 1 Haus, 1 Tropfhaus.A. Haberlah-Pohl: Münchberg, S. 408f.
Das Oberamt des seit 1792 preußischen Fürstentums Bayreuth fiel mit diesem im Frieden von Tilsit 1807 an Frankreich und wurde 1810 von Napoleon an das Königreich Bayern verkauft.Von Napoleon verkauft in: Nordbayerischer Kurier vom 13. Januar 2016, S. 12 1809 fand die Schlacht bei Gefrees statt, in deren Verlauf 6000 Österreicher der Einkesselung durch 7500 Franzosen entgehen konnten. Etwa 2400 Tote oder Verwundete wurden gezählt.
Von 1797 bis 1810 unterstand Gefrees dem Justiz- und Kammeramt Gefrees. Mit dem Gemeindeedikt wurde 1812 der Steuerdistrikt Gefrees gebildet. Zu diesem gehörten Böseneck, Cremitz, Neuenreuth und Oberneuenreuth. Zugleich entstand die Munizipalgemeinde Gefrees, zu der Cremitz, Kastenmühle und Oberneuenreuth gehörten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Gefrees zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Gefrees. 1827 wurde Kastenmühle an die Ruralgemeinde Grünstein abgegeben. 1840 wurde die Gemeinde Gefrees an das Landgericht Berneck und an das Rentamt Marktschorgast überwiesen (1919 in Finanzamt Marktschorgast umbenannt). Ab 1862 gehörte Gefrees zum Bezirksamt Berneck. Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Berneck (1879 in Amtsgericht Berneck umgewandelt).A. Haberlah-Pohl: Münchberg, S. 487f.
Vor 1872 standen die Häuser mit den Giebeln zur Hauptstraße, die Kirche hingegen parallel zu ihr. Nahe der Kirche befand sich das alte Rathaus. Beim verheerenden Stadtbrand jenes Jahres wurde der Ort fast vollständig zerstört. Ein neues Rathaus entstand an anderer Stelle, die Ausrichtung der Häuser und der 1878 neu errichteten Johanneskirche änderte sich. Gewerbe und Industrie, u. a. die Möbelfabrik Großmann, verliehen dem Ort zunehmend Bedeutung.Gefreeser Geschichte in vier Bildern in: Nordbayerischer Kurier vom 22. Februar 2016, S. 20
1929 wurde das Bezirksamt Berneck aufgelöst und Gefrees an das Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt) und das Finanzamt Bayreuth überwiesen.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden im März 1945 sowjetische und britische Kriegsgefangene auf einem Todesmarsch durch den Landkreis Münchberg getrieben. Viele von ihnen starben an Entkräftung, wer nicht mehr laufen konnte, wurde ermordet. 1947 entdeckte die US-Militärregierung auf dem alten Friedhof von Gefrees ein Massengrab von 45 bis 48 russischen Soldaten, fünf Einzelgräber russischer Kriegsgefangener lagen bei Lützenreuth.Die unbekannten Russengräber in: Nordbayerischer Kurier vom 16. April 2019, S. 17.
1964 hatte die Gemeinde eine Fläche von 13,476 km². Am 1. Juli 1972 kam Gefrees an den Landkreis Bayreuth.
Eingemeindungen Bereits am 1. August 1926 wurde Wundenbach eingemeindet. Grünstein folgte am 1. April 1927. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1971 die Gemeinden Lützenreuth und Zettlitz eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kam Kornbach hinzu. Metzlersreuth folgte am 1. Januar 1973, die Gemeinden Falls, Streitau und Witzleshofen wurden am 1. Mai 1978 eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 4731 auf 4332 um 399 bzw. um 8,4 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1995 mit 4992 Einwohnern erreicht.
Gemeinde Gefrees Jahr 1812 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2010 2015 2021Einwohner 1157 1554 1474 1460 1518 1520 1576 1560 1551 1442 1389 1457 1643 1583 1502 1602 2118 2139 2968 3074 2848 3053 4744 4694 4624 4443 4271HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2021 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 146 188 175 172 171 212 357 465 1342 1487 1508Quelle
Ort Gefrees Jahr 1812 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2017Einwohner 1125 1103 1426 1487 1514 1435 1457 2543 2302 2622 2747 2613Häuser 142 170 167 193 279 374 710 Quelle
Politik Stadtrat Die Kommunalwahlen seit 2002 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen im Stadtrat: WahltagCSUSPDFWWG Gefrees-Land JungeListe Gesamt Wahl- beteiligung Listenverbindungen%Sitze%Sitze%Sitze%SitzeSitze8. März 202627,6518,8321,0332,65–1669,4 %15. März 202023,71425,91424,81425,574–1667,79 %16. März 201425,0439,6616,3319,13–1661,3 % 2. März 2008 5 6 2 2 1 16 CSU und WG Gefrees-Land, SPD und Junge Liste 3. März 2002 5 7 2 2 – 16 CSU und Wahlgemeinschaft Gefrees-Land
Bürgermeister 1960–1975 Robert Brey 1975–1984 Arthur Peetz 1984–2002 Rudolf Ruckdeschel (CSU) 2002–2020 Harald Schlegel (SPD) seit 2020 Oliver Dietel (Wahlgemeinschaft Gefrees-Land)
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist schwarz-weiß.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bau- und Bodendenkmäler
Regelmäßige Veranstaltungen Vom Donnerstag vor dem zweiten Sonntag im Juli bis zum Montag danach findet jährlich das über die Region hinaus bekannte Volks- und Wiesenfest statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straße In Gefrees zweigte eine Altstraße über den Höllpass, Weißenstadt und Röslau nach Eger von der Via Imperii nach Osten ab, nach Westen verlief eine Hohe Straße über Burgkunstadt in Richtung Frankfurt am Main bzw. über Bamberg nach Würzburg.
Am 27. September 1936 erfolgte die Freigabe des Abschnittes Schleiz–Berneck der Reichsautobahn München–Berlin.autobahn-online.de
Die Staatsstraße 2180 führt über Böseneck zur Anschlussstelle 37 der Bundesautobahn 9 (3,2 km westlich) bzw. über Kornbach nach Weißenstadt (10,5 km östlich). Die Staatsstraße 2464 führt an Gottmannsberg vorbei nach Glasermühle zur Bundesstraße 303 (5,3 km südöstlich). Die Kreisstraße BT 48/HO 44 führt nach Lützenreuth (3,1 km südwestlich) bzw. nach Mödlenreuth (3,5 km nördlich). Die Kreisstraße BT 14/HO 19 führt an Wundenbach, Zettlitz und Grossenau vorbei nach Zell im Fichtelgebirge (7,3 km nordöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen an Sand vorbei nach Witzleshofen (2,1 km nördlich) und an Grünstein vorbei nach Metzlersreuth (2,5 km südlich).
Schiene
Im Jahr 1900 wurde der Bau einer Eisenbahnstrecke genehmigt, am 5. Juli 1902 erreichte von Falls her der erste Zug den Ort. Der Bahnhof Gefrees lag an der Bahnstrecke Falls–Gefrees. Der Personenverkehr wurde am 30. September 1973 eingestellt. Am 31. Dezember 1993 wurde die Strecke stillgelegt und rückgebaut. 2005 wurde die letzte Eisenbahnanbindung, der Haltepunkt Falls, zuletzt nur noch Halt auf Zuruf, aufgelassen. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Marktschorgast, Stammbach und Münchberg an der Bahnstrecke Bamberg–Hof, sie alle liegen oberhalb der Schiefen Ebene an der Kursbuchstrecke 850.
Ansässige Unternehmen Gefrees ist geprägt von der Textilindustrie. Ein Geschäftsbereich der Helsa Group International, der Ende der 1980er Jahre seine Aktivitäten mit der Entwicklung von Kabinenluftfiltern aufnahm, wurde 2004 an einen Finanzinvestor verkauft und firmierte seither unter dem Namen helsa-automotive GmbH & Co. KG. 2008 wurde helsa-automotive vom Ludwigsburger Automobilzulieferer MANN+HUMMEL GMBH übernommen. Die Maschinenfabrik und Eisengießerei Herold & Co. GmbH stellt Drehkolbenpumpen her für die Zucker-, Nahrungsmittel- und chemische Industrie. Die Firma Müller Stanz- u. Umformtechnik GmbH & Co. KG war ein weltweit agierender Hersteller von Pressen.
Öffentliche Einrichtungen Stadthalle mit Hallenbad, Kegelbahn, Schießstand, Saal für Sport und Versammlungen, Tagungsräume und Restaurant
Bildung Grund- und Hauptschule Gefrees Jacob-Ellrod-Schule, evangelische Ganztagsrealschule, gegründet 1967
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt
Ernst Duschön (1904–1981), Politiker (NSDAP) Kurt Brey (* 1948), Architekt und Stadtplaner
Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben
Heinrich Christian Funck (1771–1839), Apotheker und Botaniker
Literatur
Landkreis Münchberg (Hrsg.): Einwohner- und Geschäftshandbuch des Landkreises Münchberg. Grau, Hof (Saale) 1950.
Weblinks
Homepage
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bayreuth Kategorie:Stadt in Bayern Kategorie:Stadtrechtsverleihung im 13. Jahrhundert