mini|hochkant|Plakat bei einem Frauenmarsch in Montana (2018) – Die Idee des Slogans stammt von Hedwig Dohm
mini|hochkant|Hedwig Dohm, 1898 Der Frauen Natur und Recht, ein 1876 im Verlag Wedekind & Schwieger, Berlin, veröffentlichter EssayDer Frauen Natur und Recht. Zur Frauenfrage. Zwei Abhandlungen über Eigenschaften und Stimmrecht der Frauen, 1876 () – Neuausgabe (Nachdruck): Ala, Zürich 1986, ISBN 3-85509-029-7 von Hedwig Dohm, behandelt die Problemkreise der den Frauen zugeschriebenen Eigenschaften und die Notwendigkeit des „Stimmrechts für Frauen“ oder des Frauenwahlrechts. Der lockere, oft ironisch-satirische Stil ist dem gesellschaftspolitischen Thema angemessen, denn in anderen Ländern war man hinsichtlich der Organisation von Vereinen zum Frauenwahl- oder Stimmrecht schon weiter als im neuen Kaiserreich von 1871. Die gesellschaftliche Rolle der Frau hatte sich in Deutschland weniger stark verändert als im Vereinigten Königreich oder in den Vereinigten Staaten von Amerika. Und wie überall kam es auf das Verhalten der Männer an, die die politische und militärische Macht in ihren Händen hielten, wenn es um die Veränderung des Wahlrechts und die Gleichberechtigung der Frau ging.
Mit ihrer 1876 veröffentlichten Schrift Der Frauen Natur und Recht heizte sie die bis dahin vorsichtige Debatte um die Einführung des Frauenwahlrechts an. Sie machte sich nicht mehr die Mühe, zu erklären, warum die Frauen das Wahlrecht benötigten, sie fragte vielmehr nach, warum sie es immer noch nicht hatten.Kerstin Wolf: Hedwig Dohm (1831, Jülich – 1919, Berlin) – Scharfzüngige und pointierte Schriftstellerin. In: Damenwahl – 100 Jahre Frauenwahlrecht Hrsg. von Dorothee Linnemann. (= Schriften des Historischen Museums Frankfurt, Band 36) Frankfurt am Main, 2018. S. 50/51
Der Frauen Natur und Recht Inhalt des Essays Der EssayText des Essays „Der Frauen Natur und Recht“ abgerufen am 11. November 2018 besteht aus zwei Teilen, im ersten stellt sie anhand vieler Beispiele die Einschätzung der Frau durch den Mann dar. Sie stellt für die Untersuchung fünf Fragen: Welche Eigenschaften haben die Frauen nach dem Dafürhalten der Majorität der Menschen? Aus welchen Eigenschaften sollte oder müsste der Geschlechtscharakter des Weibes bestehen nach dem Verdikt der Männer? Warum verlangen die Männer gerade diese Eigenschaften von den Frauen? Welche Eigenschaften haben die Frauen wirklich? Bilden diese Eigenschaften den Geschlechtscharakter des Weibes?
Sie schließt ihre Darlegungen, die sehr argumentativ und manchmal witzig und ironisch auf die männlichen Gedanken und Wünsche hinsichtlich der Frauen eingehen, die diese nach ihren Vorstellungen „dressieren“ wollen, mit dem etwas pathetischen Schluss, dass sich die wahre Natur der Frau in der Zukunft durchsetzen und anerkannt werden wird:
Im zweiten Teil geht es um die Gründe und Argumente der Männer hinsichtlich des Stimmrechts, die in folgende Thesen zusammengefasst werden: Die Frauen brauchen das Stimmrecht nicht, Die Frauen wollen das Stimmrecht nicht, Sie haben nicht die Fähigkeit, es auszuüben, Ihr Geschlecht schließt die Frau selbstverständlich von jeder politischen Aktion aus.
All diese oft lächerlichen Argumente der Männer werden ausführlich behandelt und sehr oft ad absurdum geführt. Dann geht sie im Schlussteil ihrer Ausführungen auf die zwei wichtigsten Argumente der Frauen für das Stimmrecht ein:
Dagegen lässt sich aus heutiger Sicht nicht viel sagen, im Kaiserreich war die Meinung noch sehr verschieden von der heutigen allgemeinen Meinung. Aber wie die Frauen ihr Stimmrecht erlangen, wie sie das Frauenwahlrecht erkämpfen können, das bleibt bis dahin im Essay noch offen. Gegen Ende des Texts stellt die Verfasserin die entscheidende Frage nach der Erlangung der Macht und der Durchsetzung der Forderungen in Deutschland. Es wird schließlich auf die Vernunft der Männer und Menschen insgesamt gesetzt, gemäß der Devise, dass die Menschenrechte kein Geschlecht hätten, also das Stimmrecht den Frauen vom Naturrecht her zustehe.
Weitere frühe Schriften In den ersten produktiven 1870er Jahren sind folgende Texte entstanden: mini|Erstausgabe von Die Antifeministen, eine Schrift aus der späten Schaffensperiode von Hedwig Dohm Was die Pastoren von den Frauen denken, 1872 Neuausgabe Was die Pastoren denken. Ala, Zürich 1986, ISBN 3-85509-027-0 Der Jesuitismus im Hausstande. Ein Beitrag zur Frauenfrage. 1873 Neuausgabe Falsche Madonnen. Jesuitismus im Hausstande von 1893. Ala, Zürich 1989, ISBN 3-85509-030-0 Die wissenschaftliche Emancipation der Frauen, 1874 Neuausgabe Emanzipation. Die wissenschaftliche Emancipation der Frauen. Der Text von 1874 (und weitere Schriften von und über Dohm bis 1919.) Ala, Zürich 1977, ISBN 3-85509-008-4 (Über den Universitäts-Zugang. Auch in Marlis Gerhardt, Hg.: Essays berühmter Frauen. Lou Andreas-Salomé; Hannah Arendt; Else Lasker-Schüler; Marieluise Fleißer; Ulrike Meinhof; Silvia Bovenschen u. a. Insel, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-458-33641-9) Literatur Zur Verfasserin: Kerstin Wolff: Hedwig Dohm (1831, Jülich – 1919, Berlin) – Scharfzüngige und pointierte Schriftstellerin. In: Damenwahl – 100 Jahre Frauenwahlrecht Hrsg. von Dorothee Linnemann. (= Schriften des Historischen Museums Frankfurt, Band 36) Frankfurt am Main, 2018. ISBN 978-3-95542-306-3 Heike Brandt: Die Menschenrechte haben kein Geschlecht – Die Lebensgeschichte der Hedwig Dohm. Beltz & Gelberg, Weinheim und Basel 1995, ISBN 978-3-407-80688-8 Isabel Rohner: Spuren ins Jetzt. Hedwig Dohm – eine Biografie. Ulrike Helmer Verlag, Sulzbach im Taunus 2010, ISBN 3-89741-299-3. Zum Essay: Dissertation von E. J. Guenther zu Übersetzungsproblemen des Essays „Der Frauen Natur und Recht“ (pdf) abgerufen am 11. November 2018
Wikilinks
Die Edition Hedwig Dohm
Siehe auch Kladderadatsch Frauenwahlrecht
Einzelnachweise
Kategorie:Frauenwahlrecht Kategorie:Frauengeschichte (Deutschland) Kategorie:Essay Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch)