+ Verbreitete Bahnsteighöhen in DeutschlandVisualisierung der Höhenverhältnisse : 1 px = 10 mm 380 mm 550 mm 760 mm 960 mm

In Deutschland gibt es Bahnsteige im Bereich der Eisenbahn (Fern-, Regional- und Stadtschnellverkehr), im Bereich der Straßenbahn (was rechtlich gesehen auch Stadtbahnen und U-Bahnen einschließt) sowie für diverse Peoplemover. Zusätzlich können Bahnsteige der Straßenbahn auch gleichzeitig als Bussteige dienen. Stand 2018 war Deutschlands niedrigster Bahnsteig im Bereich der Eisenbahn mit einer Höhe von 60 mm am Halt Welgesheim-Zotzenheim der Rheinhessenbahn. Zu den höchsten Bahnsteigen gehören solche der S-Bahn Berlin, die noch eine Höhe von 1030 mm besitzen.

Für die Eisenbahnen legt die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) eine Bahnsteighöhe von mindestens 380 mm bis maximal 960 mm für normalspurige Eisenbahnen fest. Bei Neubauten oder umfassenden Umbauten von Personenbahnsteigen sollen in der Regel die Bahnsteigkanten auf eine Höhe von 760 mm über Schienenoberkante gelegt werden; Höhen von unter 380 mm und über 960 mm sind unzulässig. Bahnsteige mit einer Höhe von 960 mm über Schienenoberkante sollen nur verwendet werden, wenn dort ausschließlich S-Bahn-Züge mit dieser Einstiegshöhe verkehren. der EBO Bahn, Bund und Länder bemühen sich um eine Vereinheitlichung der Bahnsteighöhen auf 760 mm. 550 mm sind jedoch in mehreren detailliert umgrenzten Ausnahmefällen weiterhin erlaubt, beispielsweise wenn die Mehrzahl der Bestandsbahnsteige bereits diese Höhe hat oder bei grenzüberschreitenden Linien. Voraussetzung ist dabei jeweils, dass die Züge dieser Linien in Knotenbahnhöfen an getrennten Bahnsteigen halten können. Wenn ausschließlich Tram-Train-Fahrzeuge an einem Bahnsteig halten sind 380 mm erlaubt.

Für Straßenbahnen (und rechtlich gleichgestellte Systeme) legt die Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung fest, dass die Bahnsteighöhe sich nicht mehr als 250 mm von der Einstiegshöhe der Fahrzeuge unterscheiden darf. Zusätzlich dürfen im Geltungsbereich der BO Strab die Wagenböden an den Einstiegen nicht tiefer als die Bahnsteige liegen. Große Straßenbahn-Netze in Deutschland sind auf Niederflur-Fahrzeuge mit Einstiegshöhen von 300 bis 350 mm ausgelegt. Bei Stadt- und U-Bahnen mit stufenfreien Einstiegen liegen die Bahnsteighöhen zwischen 800 mm und 1050 mm (U-Bahn München).

Übersicht Um einen barrierefreien Einstieg in Bahnfahrzeuge zu ermöglichen, wird langfristig angestrebt, dass die Züge jeder ÖPNV-Linie ausschließlich an Bahnsteigen gleicher Höhe halten. Da jedoch Bahnsteige eine lange Nutzungsdauer haben und Umbauten teuer sind, gibt es auch Schienenfahrzeuge (wie die Siemens Desiro HC im Netz Elbe-Spree), die an mehreren Bahnsteighöhen einen barrierefreien Einstieg bieten. Folgendes sind Bahnsteighöhen, die standardisiert sind und langfristig weiterhin eingesetzt werden sollen (zu anderen Höhen siehe weiter unten). +BahnsteighöheEinsatzzweckTypische FahrzeugeBeispiele960 mmAusschließlich für existierende Stadtschnellbahnen inklusive Erweiterung bestehender Netze. An diesen Bahnsteigen halten in der Regel nur S-Bahn-Züge. Große Bahnhöfe haben dazu getrennte Bahnsteige für die S-Bahn und andere Verkehre.Die Triebzüge der DB-Baureihe 420 wurden seit 1972 in mehreren Netzen eingesetzt. Die Einheiten der Reihe 430 sind die neueste Bauart, die netzübergreifend eingesetzt werden können.S-Bahnen in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Frankfurt (Rhein/Main) sowie dem Ruhrgebiet.760 mmStandardhöhe für Eisenbahnen in Deutschland. In fast allen großen Bahnhöfen Deutschlands mindestens auf Bahnsteigen für Fernverkehrszüge (ICE, IC, EC, Nachtzüge) eingesetzt, oft aber auch an allen Bahnsteigen (außer oben genannten S-Bahn-Netzen, falls vorhanden).Die meisten Fernverkehrszüge in Deutschland haben Trittstufen an den Wageneingängen, welche (oft durch bahnsteigbündige Klapptritte) vom 760-mm-Bahnsteig am bequemsten zu erreichen sind. ICE halten fahrplanmäßig fast ausschließlich an Bahnsteigen mit einer Höhe von 760 mm. Einen barrierefreien Einstieg auf dieser Höhe erlaubten zuerst die Einheiten der S-Bahn-Baureihe 424, und seitdem gibt es viele Triebzüge und auch Doppelstockwagen, die an Bahnsteigen mit dieser Höhe barrierefrei erreichbar sind. Einstöckige Triebzüge mit 760 mm Einstiegshöhe sind je nach Bauart nicht immer durchgängig stufenfrei begehbar. So weisen die Talent 2 Stufen zwischen den Wagenübergängen auf, andere wie die FLIRT nur leichte Rampen. Grundsätzlich sind solche Fahrzeuge mit entsprechender Ausstattung auch im Fernverkehr einsetzbar. In Deutschland ist dies bisher aber nicht der Fall. Erwähnenswert sind hier auch die ICE L als barrierefrei bei 760 mm Bahnsteighöhe begehbare Fernverkehrszüge.Die meisten Bahnsteige in Deutschland hat München Hbf. Neben den vier Bahnsteigkanten der S-Bahn mit einer Höhe von 960 mm gibt es im Bahnhof einschließlich der beiden Flügelbahnhöfe 34 Bahnsteigkanten, alle mit einer Höhe von 760 mm Höhe.München Hbf Stationsausstattung (DB InfraGO), abgerufen am 14. Juli 2024.

Der Stationsplan zeigt, dass die Gleise 10 und 27 eine Bahnsteigkante auf jeder Seite des Gleises haben. Dadurch ergeben sich 34 Bahnsteigkanten bei nur 32 Bahnsteiggleisen. Frankfurt (Main) Hbf besitzt 24 Bahnsteigkanten dieser Höhe, wobei drei auf einem Teilabschnitt auf 550 mm abgesenkt sind.

Im Bahnhof Hannover Hbf gibt es ausschließlich Bahnsteige dieser Höhe (13 Bahnsteigkanten).550 mmHöhe für Regionalbahnsteige, an denen Niederflurfahrzeuge verkehren. Wird eingesetzt, um feste Trittstufen an Fahrzeugen zu vermeiden, wenn an denselben Linien noch niedrige Altbahnsteige vorhanden sind. Der Einstieg ins Fahrzeug ist dann an Bahnsteigen mit einer Höhe von 550 mm barrierefrei und an den Altbahnsteigen auch ohne Trittstufen möglich (Optional durch einen Schiebetritt erleichtert). Doppelstockwagen mit Einstiegen im Unterstock sind konstruktiv einfacher an diese Bahnsteighöhe anzupassen, und die Rampen im Wageninneren sind weniger steil. Zusätzlich sind fahrzeuggebundene Hubrampen möglich, die insbesondere für Rollstuhlbenutzer den Zugang ohne weitere Hilfsmittel zu Bahnsteigen mit einer Höhe von 760 mm ermöglichen. In umgekehrter Richtung ist das deutlich aufwändiger. In einigen großen Bahnhöfen gibt es eigene Nahverkehrsbahnsteige mit dieser Höhe, so dass ein barrierefreies Umsteigen zwischen Fahrzeugen unterschiedlicher Einstiegshöhe möglich ist.Für Nebenbahnen begann in den 1990er Jahren das Zeitalter der Niederflur-Dieseltriebzüge. Deren zahlenmäßig wichtigste Vertreter sind die Typen Talent, LINT und Regio-Shuttle. Deren Niederflureinstieg kann für 550 oder 760 mm Bahnsteighöhe optimiert werden, wobei die 550-mm-Variante am häufigsten bestellt wurde, da sie auch den Einstieg an noch niedrigeren Bahnsteigen ermöglicht. Auf elektrisch betriebenen Linien verkehrten bis zum Jahr 2004 fast ausschließlich Doppelstockwagen mit dieser Einstiegshöhe. Seitdem wurden viele einstöckige Triebzüge mit 550 mm Einstiegshöhe beschafft: FLIRT, Talent 2 und Coradia Continental, Desiro ML und Mireo. Im Gegensatz zu Fahrzeugen mit 760 mm Einstiegshöhe sind diese 550-mm-Varianten jedoch nicht durchgängig stufenlos begehbar. Im deutschen Fernverkehr verfügen die IC2 (KISS) und die Steuerwagen der IC2-Doppelstockwendezüge über barrierefreie Einstiege bei einer Bahnsteighöhe von 550 mm.Große Bahnhöfe mit getrennten Regional- und Fernverkehrsbahnsteigen (550 und 760 mm) sind Erfurt Hbf, Leipzig Hbf, Dresden Hbf und Dessau Hbf. Große Bahnhöfe mit Bahnsteigen, die ausschließlich eine Höhe von 550 mm aufweisen, gibt es in Deutschland nur selten. Nennenswert sind: Marburg (Lahn), Pforzheim Hbf, Rostock Hbf und Cottbus Hbf.380 mmAufgrund von Bestandsschutz wird diese Bahnsteighöhe noch für viele Jahrzehnte vorhanden sein, auch wenn im Sinne der Barrierefreiheit Bahnsteige mit 550 oder 760 mm nötig wären. Noch in den 1990er Jahren wurden Bahnsteige mit dieser Höhe neugebaut, beispielsweise bei Haltepunkten an den Strecken Berlin–Halle, Trebnitz–Leipzig und Leipzig–Dresden Lediglich beim reinen Betrieb von Straßenbahnfahrzeugen wird diese Höhe auch noch bei Neubauten und Sanierung verwendet.Die Alstom RegioCitadis der RegioTram Kassel sind bei Bahnsteigen mit einer Höhe von 380 mm barrierefrei erreichbar, die Citylink der City-Bahn Chemnitz an den äußeren Einstiegen mit weißen Türblättern.Kassel Hbf (tief), Kombibahnsteig in Hofgeismar

Bei den Bahnsteigen in Deutschland dominieren Anzahl mäßig die Höhen 760 mm und 550 mm mit je etwa einem Drittel. Sehr niedrige, zumeist ältere, Bahnsteige mit 380 mm oder weniger stellen ebenfalls rund ein Drittel. S-Bahn-Bahnsteige mit einer Höhe von 960 mm sind hingegen vergleichsweise selten und machen lediglich 9 % der Gesamtzahl aus.

Betrachtet man statt der Anzahl an Bahnsteigkanten die ein- und aussteigenden Reisenden, ändert sich das Bild. In dieser Statistik machen 760 mm und 960 mm den Großteil aus und belegen zusammen 85 % während 550 mm Bahnsteige mit lediglich 10 % eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Zahlen sind darauf zurückzuführen, dass 760 mm und 960 mm häufig in stark frequentierten Ballungszentren und auf Hauptbahnen anzutreffen sind während 550 mm Bahnsteige häufig in ländlicheren Gebieten und an Nebenbahnen gebaut wurden.

mini|hochkant=1.2|Häufigste Bahnsteighöhe nach Bundesland 2019: grün: 550 mm,blau: 760 mm,rosa: 960 mm Welche Bahnsteighöhe man im Bestand am häufigsten vorfindet, variiert je nach Bundesland. Während im Nordwesten und zunehmend auch in weiteren Bundesländern 760 mm hohe Bahnsteigkanten vorherrschen sind 550 mm hohe Bahnsteige in Mitteldeutschland, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz und im Saarland am häufigsten anzutreffen. In den Stadtstaaten Berlin und Hamburg dominieren die 960 mm hohen Bahnsteige der S-Bahnen.

Geschichte Situation im Deutschen Reich ab 1905 Die ab 1. Mai 1905 gültige Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BO) legte in § 13 Abs. 1 fest: „Die Kanten der Personenbahnsteige sind in der Regel 0,76 oder 0,38 m über Schienenoberkante zu legen, jedoch sind Bahnsteige von weniger als 0,38 m Höhe zulässig. In Krümmungen ist auf die Gleisüberhöhung Rücksicht zu nehmen.“http://epoche2.modellbahnfrokler.de/dv/e2d_0301.html#P23

Situation im Deutschen Reich ab 1928 Die ab 1. Oktober 1928 gültige Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (BO) legte in § 13 Abs. 1 fest: „Die Kanten der Personenbahnsteige sind in der Regel 0,76 oder 0,38 m über Schienenoberkante zu legen, jedoch sind Bahnsteige von weniger als 0,38 m Höhe zulässig. In Gleiskrümmungen ist auf Überhöhung des äußeren Stranges Rücksicht zu nehmen.“http://epoche2.modellbahnfrokler.de/dv/e2d_2302.html#P23

Situation Bundesrepublik Deutschland ab 1967 In der Erstfassung der EBO von Mai 1967 waren als Regelhöhen für Bahnsteige 380 und 760 mm über Schienenoberkante vorgesehen. Neu eingeführt wurde die Möglichkeit, mit besonderer Genehmigung höhere Bahnsteige anzulegen.

§ 13 besagt bezüglich der Höhe: „Die Kanten der Personenbahnsteige sind in der Regel 0,76 m oder 0,38 m über Schienenoberkante zu legen, jedoch sind Bahnsteige von weniger als 0,38 m Höhe und mit besonderer Genehmigung (§ 3 Abs. 2) von mehr als 0,76 m Höhe zulässig.“https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl267s1563.pdf%27%5D__1541959634810

Situation DDR ab den 1970er Jahren In der DDR wurden ab 1974 Doppelstock-Einzelwagen mit Einstiegen im Unterstock eingesetzt und dazu für einen stufenlosen Einstieg 550 mm als weitere Regelhöhe definiert. Dies entsprach einer Norm der UIC.Ronny Müller: Beitrag zur Leistungssteigerung von Personenverkehrsanlagen. diplom.de, 2006, ISBN 3-8324-9496-0 ()

Beitritt des Staatsgebiets der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes 1990