Gelbvieh, auch Gelbes Frankenvieh oder einfach FrankenviehHans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, 6. Aufl., ISBN 3-8001-3219-2, S. 38. genannt, ist eine deutsche behornte Hausrindrasse. Hans Hinrich Sambraus beschreibt sie als „großwüchsiges, langes Rind mit guter Bemuskelung und kräftigen Knochen“, das einfarbig gelb istAuch in rotgelbem Fell vorkommend, s. Bildergalerie. und „im Allgemeinen ein helles, gelegentlich dunkles Flotzmaul“ hat.Das dunkel gefärbte Flotzmaul kann auf die Einkreuzung des Roten Dänischen Milchviehs hindeuten. S. Genusserbe-Bayern.de, Abruf am 4. Januar 2025

Geschichte Das Gelbvieh entstammt dem roten altfränkischen Vieh, in das im Laufe der Jahrhunderte verschiedene weitere Rassen eingekreuzt wurden. 1872 wurde begonnen, Simmentaler aus der Schweiz zu importieren und so die Zucht auf ein einfarbiges gelbes Rind umzustellen. 1875 wurde in Uffenheim der erste Stammzuchtverein und schließlich 1897 der erste Zuchtverband für Mittel- und Oberfranken gegründet. 1899 entstand ein Zuchtverband für Unterfranken.

Im 20. Jahrhundert wurden einzelne Tiere der Rassen Rotes Dänisches Milchrind und Rotes Flämisches Rind eingekreuzt. Das Gelbvieh selbst wurde teilweise in den Rinderrassen Kärntner Blondvieh, Murbodner und Glanvieh verwendet. Das Gelbvieh war das typische Rind in der bayerischen Rhön und im Spessart und war auch in Hessen und Thüringen stärker verbreitet.

Zuchtlinien für Gelbvieh wurden ab 1971 in den USA und ab 1972 in Kanada begründet. Sie nutzten dazu anfänglich Importe aus Deutschland. Heute gehören die Bestände zu den häufigen Rassen, so wurden 2012 in Kanada 3500 und in den USA 45.000 Rinder dieser Zucht registriert. Weitere, größere Bestände gibt es in Australien und Südafrika, einzelne Herden auch in vielen anderen Ländern weltweit.

Merkmale Das Gelbvieh ist einfarbig gelb bis rötlich. In Kanada und den USA wird „Gelbvieh“ allerdings mittlerweile überwiegend in einer schwarzen Farbvariante gezüchtet, die es in Deutschland nicht gibt. Bei dem in Deutschland verbreiteten Gelbvieh soll das Flotzmaul hell sein, die Hörner ebenfalls hell mit dunkler Spitze und die Klauen dunkel. Ursprünglich handelte es sich um eine Dreinutzungsrasse (Milch, Fleisch, Arbeitsleistung als Zugtier), heute eher Doppelnutzungsrasse (Milch, Fleisch) oder reine Fleischrasse. Die Tiere sind mittel- bis großrahmig, haben eine gute Bemuskelung, einen kräftigen Knochenbau und harte Klauen. Kühe erreichen bei einer Widerristhöhe von 138–142 cm 700–800 kg, Stiere bei 150–158 cm 1200–1300 kg. Die Jahresmilchleistung betrug 2004/2005 durchschnittlich 5657 kg bei 4,19 % Fett und 3,53 % Eiweiß. Diese Leistung hat sich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert. In der Mast haben die Tiere Tageszunahmen von etwa 1200–1300 g, der Ausschlachtungsgrad beträgt 58–62 %.

Das Gelbvieh liefert neben exzellenten Klassifizierungsergebnissen eine hohe sensorische Fleischqualität. Es ist gleichmäßig marmoriert und ist überdurchschnittlich zart. Durch die kräuterreichen Rhönweiden hat das Fleisch ein exzellentes Aroma.

In Deutschland ist dieser Rinderrasse nach dem Rasseschlüssel die Kennung 12 zugewiesen, bei der Beschränkung auf Fleischnutzung ist die Kennung 76.Anlage 6 zur Viehverkehrsverordnung

mini|Gelbviehherde (zweite Reihe Mitte) beim Weideabtrieb in Ginolfs 2024

Bestandsentwicklung und Gefährdung

Betrug der Anteil an Gelbvieh an den Herdbuchrindern im Jahr 1951 (nur in den westdeutschen Ländern der Bundesrepublik Deutschland) noch 7,7 %, sank dieser Anteil im wiedervereinigten Deutschland im Jahr 1998 auf nur noch 0,4 %.Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, 6. Aufl., ISBN 3-8001-3219-2, S. 31.

In Deutschland sank die Zahl weiblicher Zuchttiere in der Doppelnutzung von einem Bestand von 8.552 im Jahr 1997 auf nur noch 1.289 im Jahr 2022. Bei den männlichen Zuchttieren gab es in denselben Jahren eine Entwicklung von 34 auf nur noch 10 Tiere. Es sind aber ca. 20 weitere Bullen über die künstliche Besamung verfügbar. Die Zahl der weiblichen Zuchttiere in der reinen Fleischnutzung stieg von ca. 1000 im Jahre 2012 auf 1335 im Jahr 2022 mit ca. 30 Bullen. Es gibt mehrere anerkannte Zuchtverbände für Zuchttiere in der Doppelnutzung und in der reinen Fleischnutzung in verschiedenen deutschen Ländern. Sowohl Samen als auch Embryonen sind in einer Genbank gelagert.Angaben zu Gelbvieh bei TGRDEU.genres.de, Abruf am 1. März 2024

In BayernBeschreibung auf STMELF.Bayern.de, Abruf am 8. August 2024 und in Nordrhein-WestfalenRichtlinien zur Förderung der Zucht und Haltung bedrohter Haus- und Nutztierrassen von 2015, Abruf am 8. August 2024 wird die Zucht der Rinderrasse Gelbvieh staatlich gefördert.Gelbvieh in Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (Hrsg.): Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2023, S. 64 Dies gilt unter bestimmten Umständen auch in Mecklenburg-VorpommernRichtlinie zur Förderung der Erhaltung tiergenetischer Ressourcen in der Landwirtschaft vom 3. August 2022, Abruf am 1. März 2024 und in Hessen.Beschreibung auf Landwirtschaft.Hessen.de, Abruf am 8. August 2024Merkblatt Erhaltung der Vielfalt der tiergenetischen Ressourcen in der Landwirtschaft, Abruf am 8. August 2024

Für die Erhaltung der Rasse tritt die „Interessengemeinschaft für das Deutsche Gelbvieh“ ein. In ihr sind Züchter in ganz Deutschland organisiert.Beschreibung auf RZV-Franken.de, Abruf am 1. März 2024

Das Gelbvieh steht 2024 in Stufe III (= gefährdet) auf der Roten Liste gefährdeter Nutztierrassen der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH).Rote Liste der GEH vom Mai 2024, Abruf am 11. Dezember 2024 Die GEH hat einen Betreuer für diese Rinderrasse berufen.Beschreibung bei G-E-H.de, Abruf am 11. Dezember 2024

Die GEH hat für das Jahr 2025 das Gelbvieh zur Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres ausgerufen.Pressemitteilung vom 5. Januar 2025 der GEH, Abruf am 12. Januar 2025 Seit dem Jahre 1984 wird mit dieser Auswahl von der GEH auf diejenigen heimischen Nutztiere hingewiesen, die es wegen der Agrarbiodiversität zu erhalten gilt, um diese genetische Reserve auch zukünftig zur Verfügung zu haben.

Siehe auch Liste domestizierter Rinder

Literatur Diethelm Richter: Franken – deine gelbe Kuh. Herausgegeben vom Rinderzuchtverband Würzburg e. V. BLV Verlags-Gesellschaft, München u. a. 1997, ISBN 3-405-15321-2. Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) (Hrsg.): Das Gelbvieh, in Reihe Gefährdete Rinderrassen, Witzenhausen 2016, S. 33–36 (Link zum Digitalisat auf G-E-H.de) Hans Hinrich Sambraus: Farbatlas Nutztierrassen. Ulmer, Stuttgart 2001, 6. Aufl., ISBN 3-8001-3219-2, S. 38. Erwin Schmidbauer: Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2025 – Das Gelbvieh (Frankenvieh), in: Arche Nova. Fachzeitschrift der Vereine und Verbände zur Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen, Heft 4. Quartal Dezember 4/2024, S. 4 f.

Weblinks

Daten über die Rasse, Bestandsentwicklung, Förderung, Kryoreserven, Zuchtverbände bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) Gelbvieh in Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Hrsg.): Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2023, S. 64 Deutsches Gelbvieh und Gelbvieh-Fleisch in Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (Hrsg.): Einheimische Nutztierrassen in Deutschland und Rote Liste gefährdeter Nutztierrassen 2025, S. 67 Informationen zum Zuchtprogramm beim Rinderzuchtverband Franken Innovations- und Forschungsprojekt Zucht auf Fleischqualität beim Gelbvieh der Bayerischen Anstalt für Landwirtschaft

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Rasse des europäischen Hausrindes Kategorie:Gefährdete Nutztierrasse