Richelieu ist eine von der Telecip Paris produzierte Fernsehserie, die am 13. Oktober 1977 erstmals ausgestrahlt und in Frankreich und Deutschland gesendet wurde. Sie schildert, nach der gleichnamigen Biographie (Paris, 1967) von Philippe Erlanger, das Leben des französischen Kardinals und Staatsmanns. Die von Jean-François Chiappe und Regisseur Jean-Pierre Decourt geschriebene Serie hält sich bei aller spannenden Dramatik trotzdem treu an die historischen Fakten.
Episodenführer
1. Der Aufbruch des Falken (L’Envol du Hobereau) (1590–1616) Der am 9. September 1585 geborene Armand-Jean du Plessis wächst nach dem frühen Tod seines Vaters (1590) als kränklicher Knabe bei seiner Mutter, Suzanne de la Porte, auf Schloss Richelieu in der armen Grafschaft Poitou auf. Frankreich wird zu dieser Zeit von Religionskriegen und Adelsrevolten zerrissen. Im Land herrschen Unsicherheit und Anarchie, und marodierende Banden ziehen mordend und brandschatzend durch die Gegend. Schon früh zeigen sich bei Armand-Jean neben seiner Kränklichkeit und Übersensibilität eine rasche Auffassungsgabe und wache Intelligenz, weshalb ihn seine Mutter mit neun Jahren nach Paris schickt, wo er im Collège de Navarre, der exklusivsten aber auch strengsten Bildungsstätte der damaligen Zeit, erzogen wird. Der junge Armand-Jean lernt dort neben Grammatik, Logik und Theologie auch Latein, Griechisch und Hebräisch.
Zu dieser Zeit hat der legendäre und volksnahe König Heinrich IV. – ein zum Katholizismus konvertierter Hugenotte, dem bereits Richelieus Vater, Francois du Plessis, gedient hatte – Frankreich endlich Frieden und einen gewissen Wohlstand gebracht. Heinrich schickt seinen Großstallmeister, den Herzog von Bellegarde, zum reichen Großherzog der Toskana, Ferdinando I. de’ Medici, nach Florenz, um dort für den König um die Hand von dessen Nichte Maria de’ Medici anzuhalten – eine Heirat aus rein finanziellen Erwägungen. Mit der herrschsüchtigen Maria hat Heinrich 2 überlebende Söhne – Ludwig und Gaston – und drei Töchter.
Währenddessen vervollständigt der junge Richelieu seine Ausbildung als Edelmann und Kavalier an der Akademie des Monsieur de Pluvinel. Dort lernt er auch Pluvinels ehemaligen Schüler, den später als Père Joseph bekannten François du Tremblay kennen, der beschlossen hat, dem Kapuzinerorden beizutreten. Richelieu selbst strebt eine militärische Karriere an, wird aber im Sommer 1607 von seiner Mutter ins heimatliche Poitou gerufen, da sein jüngerer Bruder Alphonse nicht – wie ursprünglich vorgesehen – das der Familie seit Generationen zustehende einträgliche Bischofsamt von Luçon übernehmen, sondern stattdessen Kartäusermönch werden will. Kurzerhand entschließt sich Richelieu, einzuspringen und selbst Bischof zu werden. In hektischer Eile absolviert er ein Theologiestudium. Um den für einen erst 21-jährigen Mann unerlässlichen Dispens zu erhalten, reist er vorher nach Rom, wo er Papst Pius V. mit seinem Wissen und seinem phänomenalen Gedächtnis beeindruckt (er hat eine Predigt nach einmaligem Hören wortwörtlich wiederholen können und über dasselbe Thema eine neue Predigt improvisiert). Richelieu gesteht dem Heiligen Vater überdies, dass er in seiner Ungeduld, in den Dienst der Kirche zu treten, ein gefälschtes Taufzeugnis eingereicht hat, in dem er sich um ein paar Jahre älter gemacht hat. Der Papst, eingewickelt von diesem diplomatisch geschickten Geständnis, verzeiht ihm die Urkundenfälschung und prophezeit ihm: „Ihr Aufstieg wird steil sein, und Sie werden ein großer Schurke werden!“
Nach seinem Theologie-Doktorat ist Richelieu wieder am Hof Heinrichs IV., wo ihm allerdings aufgrund des hartnäckigen Widerstands der Höflinge und Karrieremacher eine Karriere versagt bleibt. Er glaubt sein Genie verkannt, verfällt in Depressionen und beschließt, „lieber Erster in Luçon als ein drittklassiger Höfling in Paris“ zu sein. Wieder im Poitou übernimmt er tatkräftig die Leitung seiner Diözese und verweist die dortigen Domherren in ihre Schranken. In der Kathedrale ermahnt er die Gläubigen, der Obrigkeit Gehorsam zu leisten, um so die Ordnung im Reich wiederherzustellen. Unermüdlich widmet er sich mehrere Jahre seinen geistigen Studien und kümmert sich um die Erneuerung der Seelsorge in seiner Diözese – der ärmsten in ganz Frankreich, in der viele dem reformierten Glauben der Hugenotten anhängen. Er eilt von Dorf zu Dorf, um jedem, der des Trostes bedarf, seinen priesterlichen Beistand zu gewähren und seinen Priestern ein gutes Beispiel zu geben. So bewahrt er viele Katholiken vom Glaubensabfall, hadert aber andererseits mit seiner miserablen finanziellen Lage.
Richelieu will sein Glück erzwingen und kehrt wieder an den Hof in Paris zurück. Er wird beim König vorstellig, der sich über die Eitelkeit und Machtgier seiner Gemahlin, Maria de’ Medici, ereifert, die ihm ihre Krönung zur Königin aufgezwungen hat. Heinrich vertraut dem Bischof von Luçon an, dass er beabsichtigt, drei Tage nach der Krönung zu einem Feldzug nach Brüssel aufzubrechen, um das Heilige Römische Reich anzugreifen und die tödliche Umklammerung Frankreichs durch das Haus Habsburg in Spanien vom Süden, in den Niederlanden vom Norden und durch das Reich vom Osten zu durchbrechen. Sein Ziel ist ein großer, von Frankreich geleiteter „Völkerbund“. Aber bereits einen Tag nach Marias Krönung – am 14. April 1610 – macht der religiöse Fanatiker François Ravaillac mit drei tödlichen Messerstichen diesen hochfahrenden Plänen Heinrichs IV. ein Ende, dessen Werk der Einigung und Erneuerung damit jäh unterbrochen wird. Statt Heinrichs unmündigem Sohn Ludwig übernimmt seine Witwe Maria de’ Medici die Regentschaft, und alles verfällt dem Missbrauch und der Korruption, wird der Staat bis ins Mark von Günstlingswirtschaft und Verschwendung erschüttert. An der Spitze der neuen Kamarilla steht jetzt der skrupellose Concino Concini, ein ehemaliger Croupier, den Maria aus Florenz mitgebracht hatte und den sie bald zum Marschall von Frankreich ernennt.
Richelieu ist wieder in Luçon – ungeduldig, besorgt über die Missstände im Staat und davon überzeugt, dass er diese Aufgabe besser erledigen könnte. Die Ordnung in Frankreich ist wieder dahin, die Straßen sind wieder unsicher. Richelieu ist überzeugt: Ohne Ordnung gibt es keine Gerechtigkeit. Da erhält er überraschend Besuch von François du Tremblay – nunmehr Père Joseph, Prior der Kapuziner und fanatischer Prediger des Kreuzzugs gegen die Hugenotten. Da die Königin die Gelder der Kriegskasse an den Feudaladel verschwendet hat, müssen zur Bewilligung neuer Finanzen die Generalstände einberufen werden. Richelieu will als Delegierter seiner Diözese kandidieren und gegen die Schwächung der königlichen Macht auftreten. Père Joseph gelobt, ihn dabei zu unterstützen, „groß und mächtig zu werden.“ Als Delegierter hält Richelieu in der Schlusssitzung im Februar 1615 seine erste Rede, die trotz ihrer überwältigenden Rhetorik vom Adel zwiespältig aufgenommen wird – Concini lästert über sein „Geschwätz“, während die Regentin Maria de’ Medici recht beeindruckt scheint.
Die korrupte Gattin Concinis und „Milchschwester“ der Königin, Leonora Galigai, die über sämtliche Posten, Ämter und Pensionen bei Hofe verfügt, wird für Maria de’ Medici zur unentbehrlichen Beraterin. Mit ihr halten Geisterbeschwörer, Astrologen, Intriganten und Quacksalber Einzug in den Louvre. Als sich die Regentin bei Leonora über die angespannte finanzielle Lage des Hofs beklagt, empfiehlt ihr die Galigai Richelieu als Berater, und die Königin greift den Vorschlag auf. Kurze Zeit später wird der Bischof von Luçon Beichtvater der Königin und zum Staatssekretär ernannt und übersiedelt nun endgültig nach Paris. Mit einem Bibelzitat, das er seiner Dissertation als Motto vorangestellt hat, verleiht er seiner Freude über diese Ernennung Ausdruck: „Quis erit similis mihi? – Wer wird mir gleichen?“
2. Ein Bischof in der Hölle (Un Évêque en Enfer) (1616–1624) Nach seiner Ernennung zum Staatssekretär und zum Beichtvater der Königin trifft Richelieu wieder auf Père Joseph, der gerade aus Italien zurückgekehrt ist und nun Berater der Regentin ist. Im Staatsrat wird Richelieu mit der habsburgfreundlichen Politik Concinis und Maria de’ Medicis konfrontiert, während in Frankreich Aufstände des Adels und der Hugenotten wüten und der junge König Ludwig XIII. von seiner Mutter und ihrem Günstling Concini wie ein unmündiges Kind behandelt, gedemütigt und von den Staatsgeschäften ferngehalten wird. Der schüchterne Ludwig liebt einzig die Jagd und verschießt sich vor seiner Umwelt noch mehr, als er mit der spanischen Infantin Anna von Österreich verheiratet wird. Er vertraut nur seinem Falkner Luynes, dem Gardehauptmann Vitry und dem listigen Finanzsekretär Guichard Déageant. In dieser Situation schlägt Richelieu der Königin und Concini ein gewagtes Spiel vor: Maria de’ Medici soll ihrem Sohn Ludwig ihren Rücktritt als Regentin anbieten. Nimmt dieser ihn an, so könne er leicht als unfähig zum Regieren erklärt werden, und die Macht der Regentin und Concinis wäre gefestigt. Lehnt er aber ab, so wäre das Ergebnis dasselbe. Ludwig lehnt – wie erwartet – den Rücktritt seiner Mutter ab, was wiederum die Clique um den jungen König sehr verärgert. Auch Ludwig selbst hadert mit seiner Machtlosigkeit. Er leidet unter der Lieblosigkeit seiner Mutter und ihrer Günstlingswirtschaft und trauert den Zeiten nach, als Heinrich IV. noch lebte. Er misstraut der Kamarilla um seine Mutter, die er auch der Ermordung seines Vaters verdächtigt. Richelieu weiß um den Hass des Königs wie auch des Volkes auf Concini und rät Maria de’ Medici, ihren Favoriten fallenzulassen. Währenddessen beschließen Vitry, Déageant und Luynes gemeinsam mit dem König den Sturz Concinis – und notfalls seinen Tod. Richelieu, der Déageant insgeheim versichert hat, ihn über alles, was im Staatsrat beschlossen wird, zu unterrichten, wird in der Nacht vor dem Anschlag in einem anonymen Brief darüber informiert. Am nächsten Morgen, dem 24. April 1617, wird Concini auf dem Weg in den Louvre von Vitry und anderen Verschwörern angehalten und, als er sich seiner Verhaftung widersetzen will, erschossen.