mini|hochkant=1.2|Rotfuchs-Wendeweste (2013)

Mit Herrenpelz oder Männerpelz ist heute meist ein Fellmantel oder eine Felljacke für Männer gemeint, die mit dem Haar nach außen getragen werden. Der Begriff umfasst eigentlich auch die pelzgefütterte Stoffoberbekleidung für Männer, wie beispielsweise den historischen Gehpelz (Stadtpelz), den Chauffeurpelz, den Reisepelz und den Uniformpelz sowie die meist mit der Lederseite nach außen getragenen Nacktpelze, letztere heute als Velours- oder Nappapelze bezeichnet.

Allgemein Die Mode hat den Herrenpelz zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich stark begünstigt. Herrenpelze waren jedoch seit dem Aufkommen einer Pelzmode, bei der Fell nicht nur als Kragen, Manschetten oder sonstigem Besatz sichtbar ist, sondern die Außenseite ganz das Fell zeigt, bereits immer weniger häufig als Damenpelze. Was allein schon daran sichtbar ist, dass inzwischen unter einem „Pelz“ eigentlich immer zuerst an einen Frauenpelz gedacht wird, der Begriff Damenpelz wird nur selten gebraucht.

Geschichte Pelzumhüllungen dürften vermutlich die ersten wärmenden Kleidungsstücke für Männer sowie für Frauen gewesen sein, fielen sie doch bei der Fleischjagd auf behaarte Tiere mit an. Wie man von den Naturvölkern her schließen kann, war der Männerpelz neben Aufgabe als Kälteschutz immer auch Statusanzeiger, das umgehängte Raubtierfell macht den mutigen und erfolgreichen Jäger kenntlich. Diese Art der Auszeichnung setzt sich fort in den Kulturen des Altertums, das Fell des Nemeischen Löwen ist das Attribut des Herakles, chinesische Herrscher saßen jahrhundertelang auf einem mit einem Tigerfell bedeckten Thron. An der männlichen Pelzbekleidung konnte man Stand und Würde, zumindest aber den Wohlstand ihres Trägers ablesen. Die Landbevölkerung trug vor allem Schaffell und Ziegenfell, die einfache Stadtbevölkerung konnte sich eventuell Pelzfutter heimischer Wildtiere leisten. Der gehobene Bürgerstand des Mittelalters kleidete sich vorzüglich in eine wertvolle mardergefütterte oder mit importierten Fellen ausgefütterte und besetzte Schaube, die sommers wie winters getragen wurde. Dem Adel und dem oberen Klerus waren zeitweilig per Kleiderordnung bestimmte Pelzarten vorbehalten, das galt vor allem für das königliche Hermelin.

Außenpelz Als in dem überaus strengen Winter von 1808/1809 in Paris die ersten Herrenpelze mit dem Fell nach außen aufkamen, wurden ihre Träger wegen der Ungewöhnlichkeit dieser Kleidungsstücke noch auf der Straße belästigt.Wußten Sie schon? In: Rund um den Pelz Nr. 10, Oktober 1951, Fulde-Verlag Köln, S. 64. Ende 19. Jahrhundert bis 1945 Nach Napoleons missglücktem Winterfeldzug von 1814 war der Außenpelz als langer Mantel für kurze Zeit in Mode gekommen, um dann als Pelzfutter eines Reisemantels wieder nach innen zu verschwinden.Effi Horn: Pelze. Verlag Mensch und Arbeit, München 1968, S. 160. Das „Pelzlexikon“ aus dem Jahr 1950 vermerkte unter dem Stichwort „Napoleon-Pelzmantel“, dass sich in dem bayerischen Landstädtchen Traunstein im Besitz einer alteingesessenen Handwerkerfamilie ein Pelzmantel befand, den Napoleon bei seinem Rückzug aus Russland getragen haben soll. Den mit Löwenfell gefütterten Mantel hatte demnach der als Bauer verkleidete Kaiser nach der Flucht dem bayrischen Kürassier Sepp Huber geschenkt, der die Stabswache bei ihm bezogen hatte. Der Mantel sollte bei dem Sattlermeister Huber, einem Großneffen des Kürassiers, noch zu sehen sein. Der Außenbesatz bestand aus schwarzem Tuch.(Napoleons Pelzmantel.) In: Internationale Sammlerzeitung, 15. Februar 1934, S. 32. Abgerufen am 13. Januar 2025.

Ein regelrechter Modepelz für Männer trat wohl erst um 1900 mit dem Gebrauch des Automobils in Erscheinung, obwohl er eigentlich auch nur eine Fortführung der bisherigen Schlitten-, Kutschen- und Reisepelze war. Die Automobilistenpelze waren anfangs meist bodenlangBildbeschreibung: 1904 Fur Fashions. The First Automobiles brought the Long Fur Coat. In: American Furrier combined with Sol Vogel, Nr. 49, Juli 1948 (englisch)., später hatten sie häufiger auch Paletotlänge. Ganz besonders auftragende, kräftige Fellarten wurden bevorzugt, sie standen in der Tradition der sogenannten „Wildschur“. Die auffallenden, mächtigen Mäntel wärmten in den anfangs offenen und lange Zeit noch unbeheizten Fahrzeugen nicht nur, sondern sie repräsentierten auch den stolzen Besitzer dieser neuen Errungenschaft. Die häufigst verwendeten Pelzarten waren Schaffelle und Waschbärfelle, seltener Wolfsfell und gelegentlich sogar Felle von Großbären. Daraus entwickelte sich in den 1920/30er Jahren in den USA eine Mode wohlhabender Collegestudenten, speziell als Waschbär-Kurzmantel (raccoon-coat-collegiate fashion). Er galt als Statussymbol;Anna Municchi: Ladies in Furs 1900-1940. Zanfi Editori, Modena 1992, S. 53–57 (engl.) ISBN 88-85168-86-8. „der Riesenmantel aus ‚raccoon‘, der die Botschaft »Angehörigkeit zu einem berühmten College« enthalten hatte, war nun in den allgemeinen Gebrauch getreten, in der ‚strengen Winterversion‘ der sportlichen Oberbekleidung“. Nach ihm endete weitgehend für einige Zeit eine Modeepoche für langhaarige Männerpelze überhaupt.

Die italienische Modeschriftstellerin Anna Municchi meinte, dass nach dem Erscheinen und der Explosion der Mode des so unförmigen Automantels, von dem man annehmen müsste, „dass der so angezogene Fahrer für jede andere Situation absolut inakzeptabel war“, in der Pelz-Männermode jetzt alles erlaubt war. Im Jahr 1902 erschien als letzte Neuigkeit ein Sportpaletot aus Seehundfell, mit kurzem, schwarz glänzendem Haar, mit Stoff gefüttert und Besätzen aus Australisch Opossum, und, wenn gewünscht, auch Gamaschen. Eine Alternative war der sportliche Pelz, auch für Jäger und Alpinisten empfehlenswert aus hell- oder dunkelgrauem Stoff und mit Lammpelz, Bär oder Nutria. Es kamen die ersten Wendemäntel auf, meist aus kurzhaarigerem Fell, so dass man den Pelz auch etwas unauffälliger außerhalb des Autos tragen konnte.

Das berühmte amerikanische Kaufhaus Sears bot seit Anfang des 20. Jahrhunderts Mäntel aus Fellen der Gallowayrinder an. Ein wesentliches Merkmal der Galloways ist ihr doppelschichtiges Fell mit langem, gewelltem Deckhaar und feinem, dichtem Unterhaar. Es waren zweireihige Mäntel aus Rinds- oder Kalbfellen mit großem warmen Schulterkragen, die in den 1920er bis 1930er Jahren in den USA viel getragen wurden. Im Jahr 1931 bot Sears Galloway-Pelze für etwas mehr als das Doppelte eines traditionellen Chesterfield an. Sie hatten ein langhaariges Fell, waren mit Baumrinde gegerbt und „stinken auch wenn sie naß werden nicht“.

Nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Mantel aus Waschbärfell für beide Geschlechter allgemein verbreitet. General Mac Arthur, Kommandant der 42. amerikanischen Division, hat ihn, doppelreihig mit großen Knöpfen, auf einem seiner bekanntesten Fotos getragen. Im allgemeinen Gebrauch waren inzwischen die mit dem Haar nach innen zu tragenden Nappa- und Velourslammpelze, manchmal als Wender gearbeitet. Aus der bis Ende 1930 vom Militär genutzten Winterkleidung, entwickelte sich der Shearling, der Pelz aus Fellen bereits einmal geschorener Schafe, jetzt stark regional unterschiedlich. In England wurde er mit allen Besonderheiten einer einfach geschnittenen, einreihigen Tweedjacke angeboten. In Nordeuropa war er etwas länger und hatte oft eine gesteppte Passe. In Amerika gab es ihn in Knielänge als Zweireiher.

Anfang der 1950er Jahre war ansonsten der Herren-Außenpelz weitgehend in Vergessenheit geraten. 1957 begannen erste größere Versuche, ihn wieder in die Mode einzuführen. Der angesehene Pariser Kürschner André Sauzaie trug zwecks Werbung einen Opossummantel. Ab Ende der 1960er Jahre nahmen führende Modedesigner neben den bisherigen Herren-Pelzfuttern und -Pelzbesätzen Außenpelze in ihre Kollektionen auf. Der Herrenausstatter Brioni zeigte 1969 einen knapp knielangen, auffälligen Doppelreiher aus Nutria mit leopardbedrucktem Fohlenfell. Wesentlich dezenter waren die Herrenpelze von Gaetano Savini, dem Mitbegründer von Brioni, er schlug im selben Jahr maßvolle Mäntel aus Sealfell vor. Bereits im nächsten Jahr wurde er jedoch bedeutend mutiger und ließ verschiedene Kombinationen mit Persianer vorführen. In den Filmen Anna Karenina und Die Brüder Karamasow wurden prachtvolle Wolfspelze gezeigt, entworfen von dem damals bedeutendsten Theaterschneider Umberto Tirelli.

Von 1967 an gehörte der Pelz zur selbstverständlichen Garderobe besonders modebewusster Männer gehobener Einkommen. In schneller Folge erscheinen innerhalb weniger Modesaisons Modelle für jeden Kleidungstyp, als SynthetikpelzErika Thiel: Geschichte der Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart. Weltbild Verlag, Berlin, 7. Auflage, 1990, S. 437–438, ISBN 3-89350-126-6. und in fast allen Pelzarten auf den Laufstegen, eine Materialvorliebe ist nicht erkennbar. Brioni ließ den seriösen älteren Herren in einem grauen Persianerpaletot fotografieren, sowie bemüht sportlich hüpfend, einen Herrn in einem marineblauen Swakara-Kurzmantel. Pellegrini entwarf eine sportliche Nerzjacke, die er gegürtet abbilden ließ. Jole Veneziani kleidete den Herren in einen naturgefleckten Seehundmantel. Für ihre spätere Kollektion entwarf sie eine sehr diskrete, erlesene und gemäßigte Herren-Pelzgarderobe: Zweireiher aus Dark Nerz, rustikal ganzfellig verarbeitet oder aus braunem Otter. Givenchy entwarf die bizarre Kombination eines Mantels mit einer in Stiefeln endenden Hose, beides aus geflecktem Leopardkatzenfell. Giorgio Armani entwarf für Hitman einen Mantel aus Kaninfell. Eine amerikanische Autorin eines Buches über Pelze meinte schließlich, das Jahr 1977 als das Jahr des Männerpelzes ausgemacht zu haben.Edythe Cudlipp: Furs – An Appreciation of Luxury, a Guide to Value. Hawthorn Books, New York, 1978, S. 152 (englisch), ISBN 0-8015-4310-X.

In etlichen Kollektionen war auch beim Pelz der Trend zum Unisex erkennbar; den Entwürfen für die Frau wurden ähnliche Modelle des gleichen Felles für den Mann gegenübergestellt. Eine besonders bedeutende Rolle in der Pelzmode spielten zwei italienische Damen, die Geschwister Fendi, und mit ihnen bis in die Gegenwart der deutsche Modedesigner Karl Lagerfeld. Lagerfeld kleidete die Frau mit dem gleichen Pelz wie den Mann. Seine einfach geschnittenen Pelze im Kimonostil glichen sich tatsächlich. Um dies noch stärker zu betonen, gab es manchmal nicht einmal mehr unterschiedliche Verschlussarten, der Übertritt befand sich bei Frauen und Männern auf der gleichen Seite. Bald zeigten die Designer allgemein Pelze in betont sportlicher Form. Beim Trendmacher Fendi war es eine Reiterjacke mit Spitznutria, als Jagdjacke zusammen mit Nutriagamaschen. Außerdem Pilotenanzüge aus weißem Lammfell mit Nappalederbesätzen, Nerz- und Persianermäntel. Der luxuriöse Fendi-Herrenpelz war erfolgreich, sein Anteil nahm in jeder Kollektion zu. Viele Teile waren betont farbkräftig, manche gestreift oder aus weißem und sogar rotem Nerz. Neben den immer angebotenen Innenpelzen gab es Trapezjacken sowie als „Hemdjacken“ bezeichnete „prachtvolle Einzelstücke aus typisch sportlichen Materialien, die auch wegen ihren besonderen Farbspielen hervorzuheben sind“. Die bevorzugten Fellfarben wechselten von Saison zu Saison, von den verschiedenen Brauntönen zu Beige und Grün, die Fellarten vom Persianer bis zum Wiesel oder zwei Pelzsorten zusammen verarbeitet, ton in ton. Die lange Weste aus schwarzem Persianer griff das Thema Unisex auf, sie war „feierlich und bodenlang“. Lagerfeld, „der den Pelz immer sehr geliebt hat“, begann selbst Mäntel mit Pelzfutter zu tragen.