Bruno Wittenstein (* 17. September 1876 in Hamm, Westfalen; † 27. Februar 1968 in Detmold) war ein lippischer Landschafts- und Porträtmaler.Hubert Fricke, Stephan Teiwes: Bruno Wittenstein, 1876 – 1968, Leben und Wirken eines Malers, der die stille Natur liebte. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-7395-1268-6, 192 Seiten.Lippische Landes-Zeitung vom 17. September 1961 zum 85. Geburtstag von Bruno Wittenstein.
Leben Bruno Wittenstein war der Sohn von Wilhelm Carl Wittenstein und Julie Sofie Wittenstein, geborene Berning, die in Hamm die Weinhandlung Carl Wittenstein (Wilhelm Carl Wittenstein, C. Wittenstein) betrieben. Bruno Wittenstein, dessen künstlerische Begabung schon in seiner Schulzeit am Akademischen Gymnasium in Hamm aufgefallen war, begann sein Kunststudium wahrscheinlich an der Kunstakademie in Düsseldorf. 1895 zog er nach Berlin, um die Universität der Künste zu besuchen.
Laut Klassenliste studierte er dort in den anderthalb Jahren vom Sommersemester 1895 bis zum Sommersemester 1896 in der Zeichenklasse von Professor Ernst Hancke. Hancke war auf figürliches Zeichnen spezialisiert und wirkte als Lehrer ganz im Sinne des damaligen Direktors der Akademie, des Historienmalers Anton von Werner.Hubert Fricke, Stephan Teiwes: Bruno Wittenstein, 1876–1968, Leben und Wirken eines Malers, der die stille Natur liebte. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2021, ISBN 978-3-7395-1268-6, S. 21 f. Woldemar Friedrich (1846–1910) war an der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste von 1885 bis 1910 Lehrer in der Antikenklasse, 1889 wurde er Professor.
Im Jahr 1896 zog Wittenstein nach München, um sein Studium an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste fortzusetzen. Durch die Künstler Karl und Ottmar Begas lernte er dort Franz von Lenbach kennen, dessen Porträtkunst großen Einfluss auf Wittenstein hatte. Um die Jahrhundertwende verbrachte Wittenstein ein Jahr in Rom, um dort die Alten Meister zu studieren.
1903 ließ sich Bruno Wittenstein auf Einladung seines Bruders Felix (Cornelius Heinrich Felix Wittenstein) als freischaffender Künstler in Detmold nieder und war als Landschaftsmaler und Porträtist tätig. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, erteilte er in seinem Atelier auch Mal- und Zeichenunterricht.
Zu seinen Schülern gehörte die norddeutsche Malerin Ingeborg Schwonke. Sie sollte nach ihrem Schulabschluss die Haushaltsführung erlernen. Deshalb schickten ihre Eltern sie 1935 für mehrere Monate in das Mädchenpensionat Diekmann nach Detmold. In ihrer Freizeit nahm sie dort Unterricht bei Bruno Wittenstein.
1917 gründete Bruno Wittenstein in Detmold den Lippischen Künstlerbund, dessen Vorsitz er auch zeitweise bekleidete. Weitere Mitglieder des Künstlerbundes waren die Maler August Eberth, Karl Henckel und Ernst Rötteken.
Wittensteins Vermieter in Detmold war August Willer.Der Kunstmaler August Willer (* 1. März 1871) aus Rotekuhle (Lagesche Straße 72) trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2497224). Überliefert ist, dass Bruno Wittenstein besonders zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geriet und seine Mietschulden zum Teil mit Gemälden beglich. August Willer leitete die Detmolder Malerfachschule und war selbst auch Maler; er wurde von Bruno Wittenstein mehrfach porträtiert. Wittenstein galt als freundlicher Mensch, der die Einsamkeit liebte und sich zum Malen gerne in die Natur zurückzog.
Werk In Wittensteins Nachlass finden sich vor allem Landschaftsbilder, die er plein air zu malen pflegte. Typisch für Wittensteins Malerei ist sein Naturalismus, der der Neuen Sachlichkeit verpflichtet war, gepaart mit einem nervösen, leicht ekstatischem Pinselstrich. Auch als Porträtmaler hat sich Bruno Wittenstein hervorgetan. So schuf er zahlreiche Porträts, unter anderem ein Bildnis des Komponisten und Schauspielers Albert Lortzing, der ab 1826 (etwa bis 1832) am Detmolder Hoftheater gewirkt hatte.
Ebenfalls zur Zeit der Romantik in Detmold ansässig war der Dramatiker Christian Dietrich Grabbe, den Wittenstein posthum porträtierte. Beide Bilder befinden sich heute in der Lippischen Landesbibliothek Detmold. Ein weiteres Porträt existiert von Wilhelm Oesterhaus (1840 – 1927), einem Pädagogen und erstem Dichter in lippischer Mundart, den Bruno Wittenstein noch persönlich gekannt haben dürfte.
1909 übernahm Wittenstein die künstlerische Leitung des Festumzuges zum 1900. Jahrestag der Varusschlacht im Teutoburger Wald, der mit etwa 1000 Statisten und 200 Pferden begangen wurde. Dazu entwarf er die Festumzugswagen und gestaltete Umschlag und Zeichnungen der Festmappe.
Im Auftrag des Fürsten Leopold IV. zu Lippe malte Bruno Wittenstein ein großes historisches Wandbild mit dem überlieferten Titel „Gründung des Lippischen Landtages in Cappel 1538“, das tatsächlich die Annahme der lutherischen Kirchenordnung durch die lippischen Landstände darstellt. Das Gemälde wurde 1912 fertig und befindet sich heute im Gebäudekomplex des Land- und Amtsgerichts von Detmold. Diese Szene von 1538 wird noch heute gerne von Akteuren in historischen Kostümen nachgestellt.Dann soll nämlich von 17 Darstellern ein historisches Bild des Landtages zu Cappel unter der Moderation des Historikers Frank Huismann aus Holzhausen-Externsteine nachgestellt werden. Cappel ist ein Stadtteil von Blomberg. Holzhausen-Externsteine ist ein Ortsteil der Stadt Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe. Er liegt unmittelbar bei den Externsteinen westlich des Stadtteils Horn.
Ebenfalls im Auftrag des konservativen Fürsten gestaltete Wittenstein farbige Darstellungen von Uniformen des Fürstlich Lippischen Gendarmerie-Korps, die in Hauptmann (später Major und Oberstleutnant) Richard Quentins Buch Das Fürstlich-Lippische Gendarmerie-Korps 1912 in Herford erschienen sind.
Zeit seines Lebens blieb Bruno Wittenstein – vielleicht bedingt durch seine akademische Ausbildung – einem naturalistischen Malstil verhaftet. Dennoch blieben ihm die modernen Strömungen der Kunst nicht verborgen und finden beispielsweise in seinem impressionistisch anmutenden Pinselduktus ihren Niederschlag. Wittensteins Streben um seinen ureigenen künstlerischen Ausdruck erlebt in seinem Spätwerk einen Höhepunkt, als er seiner naturalistischen Formenauffassung eine expressionistische Farbigkeit verleiht.
Literatur
Bruno Wittenstein, Datenblatt im Portal rkd.nl (Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie) Lippische Maler und Bildende Künstler, Bruno Wittenstein, von Hermann Ludwig Schäfer, Lippische Landes-Zeitung. – Jahrgang 190 (1956), Nummer 186 vom 11. August 1956, S. 6. 200 Jahre Familie Wittenstein in Lippe, 1775–1968, Elisabeth Wittenstein, Detmold, 1983 (Lippische Landesbibliothek). Heimatblätter der Roten Erde. Bei Horn. Über Bruno Wittenstein. Münster 1926. Germanen-Festzug zur Neunzehnhundertjahrfeier der Schlacht im Teutoburger Walde am 15. bis 22. August 1909, illustriert mit Zeichnungen von Bruno Wittenstein. Lippischer Heimatbund: Heimatland Lippe, Jahrgänge 1965 und 1977, jeweils Beiträge zu Bruno Wittenstein. Oberst Richard Quentin: Das Fürstlich-Lippische Gendarmerie-Korps. Herford 1912. Die Zeichnungen von Portraitmaler Bruno Wittenstein.
Weblinks Bruno Wittenstein – Er liebte die Natur und die schöne Einsamkeit, Webpage Treffpunkt-Teiwes, 13. Dezember 2018: https://www.treffpunkt-teiwes.de/kunstmaler-bruno-wittenstein/ Bedeutende Wiederentdeckung, Malerin Ingeborg Schwonke, Nordwest-Zeitung, 17. September 2005: https://www.nwzonline.de/bedeutende-wiederentdeckung_a_6,1,3526015066.html Historisches Gemälde wird in Cappel nachgestellt, Lippische Landeszeitung vom 29. Juni 2013: https://www.lz.de/lippe/blomberg/8780889_Historisches-Gemaelde-wird-in-Cappel-nachgestellt.html
Einzelnachweise
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