mini|Herbert Gerdes um 1920 Herbert Gerdes (* 1. April 1884 in Blexen; † 17. Oktober 1957 in Esslingen am Neckar) war ein deutscher Theaterschauspieler, Filmregisseur und NS-Filmpropagandist.

Leben Der gebürtige Oldenburger war zu Beginn seiner Laufbahn zunächst als Theaterschauspieler tätig. Stationen seiner Bühnenkarriere waren u. a. das Dessauer Kristallpalast-Theater, das Stadttheater Tilsit, das Neue Schauspielhaus in Königsberg sowie die Vereinigten Theater von Kiel. Als Filmregisseur ist er erstmals 1920 nachweisbar, als er mehrere Melodramen für verschiedene Berliner Produktionsfirmen inszenierte.

Zum 1. Mai 1933 trat Gerdes in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.867.332),Bundesarchiv, NSDAP-Mitgliederkartei (Gaukartei), R 9361-IX KARTEI/10710137. nachdem er sich bereits 1932 mit dem NS-Dokumentarfilm Der Führer hervorgetan hatte. Ab 1935 war er im Rassenpolitischen Amt der NSDAP (RPA) tätig, verfasste Propagandafilme zur Zwangssterilisation von geistig und körperlich behinderten Menschen und propagierte darin indirekt die Tötung der Behinderten.Peter Zimmermann: Der „Kampf ums Dasein“. Eugenik, Rassismus und Antisemitismus. In: Peter Zimmermann, Kay Hoffmann (Hrsg.): Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Band 3: „Drittes Reich“ (1933–1945). Reclam-Verlag, Stuttgart 2005, S. 554–567, hier: 556 (online; PDF; 13,4 MB). Ernst Klee bezeichnete ihn in diesem Zusammenhang als „Urheber rassenhygienischer Hetzfilme“.Klee, S. 178. 1941 wurde Gerdes Leiter der Abteilung Film des RPA in Krakau im Generalgouvernement.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Herbert Gerdes als Rentner in Stetten auf den Fildern in der Nähe von Stuttgart. Er starb 1957 im Krankenhaus Esslingen.Stadtarchiv Esslingen, Sterbebuch Standesamt Esslingen am Neckar, Nr. 690/1957.

Filme 1920: Seine drei Frauen 1920: Die Geisterbraut 1920: Der Leidensweg des Hainar Rönelund 1920: Das große Geheimnis 1921: Schuld oder Schein 1932: Der Führer 1935: Die Sünden der Väter 1935: Abseits vom Wege 1936: Erbkrank 1937: Alles Leben ist Kampf 1938: Was Du ererbt

Siehe auch Nationalsozialistische Filmpolitik

Literatur Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 178 f. Victor Neuenberg (Hrsg.): Film-Magazin. Reinhold Kühn, Berlin 1920, , S. 370. Deutscher Bühnen-Verein und Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnen-Jahrbuch. F. A. Günther & Sohn, Berlin.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Person der NS-Propaganda Kategorie:Mitglied der Reichsfilmkammer Kategorie:Person (deutsche Besetzung Polens 1939–1945) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Eugeniker Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1957 Kategorie:Mann