mini|hochkant=2|Landschaftsgliederung der Steiermark Die Landschaftsgliederung der Steiermark unterteilt das österreichische Bundesland Steiermark in unterschiedliche naturräumliche Einheiten. In der Literatur existieren verschiedene Herangehensweisen. Die offizielle Website der Steiermärkischen Landesregierung greift auf ein Modell von Gerhard Karl Lieb aus dem Jahr 1991 zurück, das im Wesentlichen acht Regionen mit 60 mehr oder weniger in sich geschlossenen Landschaftseinheiten sowie mehreren Teilgebieten unterscheidet.
Erläuterungen Vorbemerkung mini|Physische Karte der Steiermark mit klar erkennbarem alpinen und außeralpinen Teil Grundsätzlich lässt sich die Steiermark geographisch in einen alpinen und einen außeralpinen Teilraum gliedern. Einhergehend mit steigendem alpinistischen bzw. touristischen Interesse im 19. Jahrhundert lassen sich die ersten Ansätze von Landschaftsgliederungen in Einteilungen nach Gebirgsgruppen erkennen, wie sie später vom Alpenverein vorgenommen wurden. Folgend ist eine Reihe von Autoren aufgelistet, die zum heutigen Konsens beigetragen haben.Gerhard Karl Lieb: Eine Gebietsgliederung der Steiermark aufgrund naturräumlicher Gegebenheiten. In: Mitteilungen der Abteilung für Zoologie am Landesmuseum Joanneum Graz. Band 20, Graz 1991, S. 263–292 (, abgerufen am 28. Oktober 2018).
Böhm (1887): einer der ersten Versuche einer Ostalpeneinteilung mit heute teilweise veralteten Bezeichnungen wie Prielgruppe (statt Totes Gebirge)August Böhm von Böhmersheim: Eintheilung der Ostalpen. In: Geographische Abhandlungen 1, Wien 1887, S. 243–477. Moriggl (1924): offizielle Gebirgsgliederung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (AVE), mit Zahlen versehen und den Blattnummern der AV-Kartographie, den Schutzhüttenverzeichnissen und dem Wegnummernsystem zugrunde gelegtJosef Moriggl: Ratgeber für Alpenwanderer mit Schutzhüttenverzeichnis der Ostalpen, Deutscher und Österreichischer Alpenverein, München 1924. Strzygowski (1951): Ostalpeneinteilung erstmals unter Miteinbezug von Talschaften (wichtiger methodischer Fortschritt)Walter Strzygowski: Die Einteilung der Ostalpen in Berggruppen und Tallandschaften. In: Geographische Studien (Festschrift J. Sölch), Wien 1951, S. 167–183. Morawetz (1971/73): speziell auf die Steiermark abgestimmte Landschaftsgliederungsversuche mit Hierarchisierung der Landschaftsgrenzen und betonter Eigenständigkeit der großen Täler, Becken und Passlandschaften Höllhuber (1972): unpublizierte, jedoch bis dahin detaillierteste Landschaftsgliederung der Steiermark mit der Problemstellung des LandschaftsschutzinventarsD. Höllhuber: Das Landschaftsschutzinventar Steiermark. Unpubliziertes Gutachten des Österreichischen Instituts für Naturschutz und Landschaftspflege, Wien 1972. Zitiert in: Gerhard Karl Lieb: Eine Gebietsgliederung der Steiermark aufgrund naturräumlicher Gegebenheiten. In: Mitteilungen der Abteilung für Zoologie am Landesmuseum Joanneum Graz. Band 20, Graz 1991, S. 263–292 (, abgerufen am 28. Oktober 2018). Grassler (1984): Revision der AVE von Moriggl, bringt Verbesserungen in der Steiermark, spiegelt jedoch mangelndes alpintouristisches Interesse am südöstlichen Alpenvorland wider (z. B. unscharfe Bezeichnung Randgebirge östlich der Mur)Franz Grassler: Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE). In: Berg '84 (Alpenvereins-Jahrbuch Nr. 108). Deutscher und Österreichischer Alpenverein und Alpenverein Südtirol, Bergverlag Rother, München 1984, ISBN 3-7633-8041-8, S. 215–224. Lieb (1991): erste veröffentlichte, systematische Gebietsgliederung der Steiermark
Erläuterungen zu Lieb (1991) Die Landschaftsgliederung von Lieb entstand im Auftrag von Detlef Ernet, Leiter der Abteilung für Botanik am Landesmuseum Joanneum, mit dem Ziel einer allgemein akzeptierbaren, einheitlichen Gebietsgliederung des Bundeslandes. Vor allem Biologen sollte damit geholfen werden, Pflanzen- und Tierfundorte möglichst knapp und präzise einzuordnen und zu beschreiben. Die abgegrenzten Gebiete sollten in sich homogen sein, insbesondere ihren geologischen Bau betreffend. Die Begrenzung wurde möglichst klar und im Idealfall linienscharf gewählt, wofür sich vor allem Tiefenlinien, d. h. Täler und niedrige Pässe, eignen. Die Gesamtzahl der Teilräume sollte überschaubar bleiben und eine rasche Orientierung ermöglichen. Außerdem wurde darauf geachtet, ortsübliche Bezeichnungen zu verwenden, um die Wahrnehmung der abgegrenzten Einheiten als solche zu gewährleisten. Einige weniger gebräuchliche Namen wie Murberge oder Südburgenländisches Hügelland wurden mangels Alternativen dennoch angewandt. Speziell in puncto Abgrenzung mussten in mehreren Fällen Kompromisse eingegangen werden.
Nach der eingangs erwähnten Zweiteilung Alpen/Vorland wurde die Gebirgsregion wiederum in Nord- und Zentralalpen eingeteilt. Als Grundgerüst der Gliederung dient der geologische Bau der Landschaft, zumal der Chemismus der Gesteine für die Geofaktoren Gesteinsbestand, Formenwelt, Klima, Gewässer, Böden und Pflanzenkleid von Bedeutung ist. Ein Großteil der steirischen Zentralalpen gehört der mittelostalpinen und unterostalpinen Decke an und besteht aus kristallinen Gesteinen, die im Norden von den schwach metamorphen, paläozoischen Schiefern der Grauwackenzone überlagert sind. Diese bilden wiederum die Basis der vorwiegend mesozoischen Nördlichen Kalkalpen. Ebenso wie die Kalkalpen dem Oberostalpin angehörend, sind Murauer und Grazer Paläozoikum, wovon letzteres weitgehend die klastischen tertiären Sedimente des Vorlandes unterlagert. Daraus folgend ergeben sich die großmorphologischen Grundstrukturen und die vier Landschaftstypen Hochgebirge, Mittelgebirge, inneralpine Senkungszonen und Vorland, die jeweils geologisch und morphologisch weiter differenziert werden können.
Gebirgsgliederung Die nachstehende Gebirgsgliederung, auf die sich Lieb stützt, deckt sich grob mit der Alpenvereinseinteilung (AVE) nach Grassler (1984), differenziert aber insbesondere die Gebirgszüge des Steirischen Randgebirges besser, die in der AVE lediglich als Teil der Lavanttaler Alpen bzw. als Randgebirge östlich der Mur zusammengefasst werden. Die eingeklammerten höchsten Erhebungen liegen außerhalb der Steiermark.
GebirgsgruppeHöchste Erhebunggeolog.-großmorphologische Charakteristik Name Höhe (m)Nordalpen DachsteingruppeHoher Dachstein2995Karbonatgesteine/Hochgebirge (Plateau) Totes GebirgeGroßer Hochkasten(Großer Priel)2389(2515)Karbonatgesteine/Hochgebirge (Plateau) Ennstaler AlpenHochtor2369Karbonatgesteine/Hochgebirge (Ketten) Eisenerzer AlpenGößeck2214Karbonat- und Silikatgesteine/Hoch- und Mittelgebirge (heterogen) HochschwabgruppeHochschwab2277Karbonatgesteine/Hochgebirge (Plateau) Ybbstaler AlpenHochstadl1919Karbonatgesteine/Hoch- und Mittelgebirge Türnitzer AlpenSchwarzkogel(Großer Sulzberg)1365(1400)Karbonatgesteine/Mittelgebirge Mürzsteger AlpenHeukuppe2007Karbonatgesteine/Hoch- (Plateau) und Mittelgebirge (heterogen) Mürztaler AlpenThalerkogel1655Silikatgesteine/Mittelgebirge Zentralalpen Niedere TauernSchladminger TauernHochgolling2862Silikatgesteine/HochgebirgeWölzer TauernRettlkirchspitze2475Silikatgesteine/HochgebirgeSeckauer TauernGeierhaupt2417Silikatgesteine/Hoch- und Mittelgebirge MurbergeGstoder2140Silikat- und Karbonatgesteine/Mittelgebirge (heterogen) Gurktaler AlpenEisenhut2441Silikat- und Karbonatgesteine/Hoch- und Mittelgebirge (heterogen) Seetaler AlpenZirbitzkogel2396Silikatgesteine/Mittel- und Hochgebirge Steirisches RandgebirgePoßruckKlementkogel1052Silikatgesteine/MittelgebirgeKoralpeKleiner Speikkogel(Großer Speikkogel)2117(2140)Silikatgesteine/Mittel- und HochgebirgeStubalpeAmeringkogelJe nach Abgrenzung der Stubalpe bzw. bei Zweiteilung dieser in Stub- und Packalpe kann der Rappoldkogel als höchster Gipfel gelten.2187Silikatgesteine/Mittel- und HochgebirgeGleinalpeLenzmoarkogel1991Silikatgesteine/Mittel- und HochgebirgeFischbacher AlpenStuhleck1782Silikatgesteine/MittelgebirgeWechselHochwechsel1743Silikatgesteine/MittelgebirgeJogllandRabenwaldkogel1280Silikatgesteine/MittelgebirgeGrazer BerglandHochlantsch1720Karbonat- und Silikatgesteine/Mittelgebirge (heterogen)
Landschaftsschutzinventar nach Höllhuber D. Höllhuber (1972) unterscheidet in seiner Gliederung neun Groß- mit 43 Klein- oder Teillandschaften.
# Großlandschaft # Teillandschaft1Niederösterreichisch-steirische Kalkvoralpen11Salzatal und nördliche Hochschwabvorlagen12Mariazeller Berge2Kalkhochalpen21Dachsteingebirge (mit Kammergebirge und Grimming)22Totes Gebirge23Warscheneck24Ennstaler Alpen und Gesäuseberge25Hochschwab26Östliche Kalkhochalpen (Veitsch-, Schnee-, Raxalpe)3Eisenerzer- und Mürztaler Alpen31Eisenerzer Alpen32Mürztaler Alpen4Inneralpine Tal- und Senkenzonen401Ausseer Becken und Mitterndorfer Durchgang402Oberes Ennstal403Palten- und Liesingtal404Aflenzer Becken405Trofaiacher Becken406Murparalleltalung407Seckauer Becken408Murtal oberhalb Aichfeld409Aichfeld410Mur-Mürztal411Neumarkter Paßlandschaft412Obdacher Sattelzone5Niedere Tauern51Schladminger Tauern52Wölzer Tauern53Rottenmanner Tauern54Triebener Tauern und Seckauer Alpen6Gurktaler-, Murauer- und Seetaler Alpen61Gurktaler Alpen62Murauer Alpen63Seetaler Alpen7Steirisches Randgebirge und Poßruck71Koralpe72Stubalpe, Gleinalpe73Fischbacher Alpen, Stuhleck und Wechsel74Joglland75Poßruck8Grazer Bergland81Bereich der paläozoischen Kalke82Bereich der paläozoischen Schiefer83Bereich des Kristallins9West- und Oststeirisches Hügelland91Weststeirisches Hügelland und Windische Büheln92Oststeirisches Hügelland93Grabenland94Sausal95Murfelder und breitere Talböden des Hügellandes96Oststeirisches Vulkangebiet
Landschaftsgliederung nach Lieb Kürzel: Abkürzung für die jeweilige Landschaftseinheit, bestehend aus einem Buchstaben und einer Nummer. Die Hintergrundfarben entsprechen jenen in der Karte am Artikelanfang. Bild: Möglichst repräsentatives Bild der Landschaftseinheit. Name: Bezeichnung für die Landschaftseinheit. Politischer Bezirk: Administrative Lage der Landschaftseinheit nach politischem Bezirk. Beschreibung: Geographische Kurzbeschreibung der Landschaftseinheit mit den Schwerpunkten Morphologie, Geologie und Topographie, gegebenenfalls mit Erwähnung weiterer Teilgebiete. Beleg: Beleg für die jeweilige Landschaftseinheit.
Nordalpen KürzelBildNamePolitischer BezirkBeschreibungBelegN.180pxDachsteingruppeLI Hochgebirgsmassiv mit ausgeprägtem Plateaucharakter Triassische Kalke, stark verkarstet erstreckt sich zwischen dem Oberen Ennstal und dem Ausseerland, Hauptmassiv Dachstein durch tief eingeschnittene Durchbruchstäler von Teilmassiven Sarstein und Grimming getrenntN.280pxTotes GebirgeLI Hochgebirgsmassiv mit ausgeprägtem Plateaucharakter Triassische Kalke, stark verkarstet zwischen Ausseerland, Ennstal und Pyhrnpass, Warscheneckstock im östlichen Teil weitgehend eigenständiges TeilmassivN.380pxEnnstaler AlpenLN, LI Hochgebirge vom Kettengebirgstypus Triassische Kalke und Dolomite Teilgebiete Haller Mauern und Gesäuseberge beidseits des Enns-Durchbruchs, Abgrenzung zu den Eisenerzer Alpen erfolgt aufgrund der geologischen VerhältnisseN.480pxEisenerzer AlpenLN, LI Hochgebirgszug paläozoische Grauwacke, zwei bedeutende Ausnahmen (Teilgebiete) nördlich der Palten-Liesingtal-Furche, Kalkstöcke Kaiserschild und Reitingstock bilden selbständige TeilgebieteN.580pxHochschwabgruppeBM, LN, LI Hochgebirgsmassiv mit ausgeprägtem Plateaucharakter Triassische Kalke, stark verkarstet nach drei Himmelsrichtungen scharf abgegrenzt, im Süden erfolgt teilweiser Übergang zum Mittelgebirge der Mürztaler Alpen, die Zeller Staritzen bilden ein Teilgebiet N.680pxYbbstaler AlpenBM, LI Mittelgebirge mit lokalem Hochgebirgscharakter Triassische Kalke, mäßig verkarstet großteils nördlich des Salzatals in Niederösterreich gelegen, Herzstück ist das Karstplateau der Kräuterin N.780pxTürnitzer AlpenBM Mittelgebirge der Kalkvoralpen hauptsächlich triassische Dolomite