mini|Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr.

Der Dux Moesiae primae (Heerführer der Moesia I) war ein hoher Offizier der oströmischen Armee und spätestens ab dem 4. Jahrhundert Kommandeur (Dux limitis) der Comitatenses-, Limitanei- und Flotteneinheiten, die am Grenzabschnitt der unteren Donau stationiert waren.Notitia Dignitatum, pars Secunda, in partibus Orientis XLI

Sein Zuständigkeitsbereich (ducat) erstreckte sich auf den Limes der Moesia I, Dioecesis Daciae, das entspricht dem Territorium im Norden des heutigen Serbien (Tiefland der Vojvodina), Bulgarien und Rumänien. Es handelte sich dabei ausschließlich um eine Flussgrenze (ripae), d. h. die meisten Kastelle (ausgenommen Brückenköpfe) standen am Südufer der Donau.

Seine direkter Vorgesetzter war zur Zeit der Abfassung der Notitia Dignitatum orientum (um 395) der Magister militum per Illyricum.

In der Rangordnung des spätrömischen Reichsadels nahm ein Dux die Stellung eines vir spectabilis ein.

Namentlich bekannte Amtsinhaber:

Theodosius (um 375) Camundus (470 bis 472)

Entwicklung Zur besseren Kontrolle der Donaugrenze ließen Kaiser Aurelian und seine unmittelbaren Nachfolger anstelle der bisherigen zwei fünf kleinere Provinzen an der unteren Donau einrichten. Im obermösischen Bereich entstand die Mosia prima (Hauptstadt Viminacium) und östlich davon die Dacia Ripensis (Hauptstadt Ratiaria). Nach dieser Reorganisationsphase wurde der obermösische Limes im Zuge der Militärreformen unter Diokletian und Konstantin I. bei Djerdap in zwei Überwachungssektoren – stromaufwärts: pars superior (Singidunum – Viminacium) und stromabwärts: pars citerior (Eisernes Tor) – aufgeteilt. Auch das Amt des Dux existierte vermutlich seit dieser Zeit. Der spätere Kaiser Theodosius wurde in jungen Jahren zum Dux Moesiae superioris (später: Dux Moesiae primae) ernannt. Im Jahr 374 konnte er die Sarmaten, welche die Donau überschritten hatten, wieder zurückschlagen. Als Kaiser des Ostens war er 382 gezwungen, einen Vertrag mit den Goten abzuschließen. Sie wurden als Föderaten in Thrakien und Niedermösien angesiedelt. Dadurch ergaben sich große Veränderungen für die Grenzverteidigung an der mösischen Donau. Sie musste mangels regulärer Truppen an vielen Stellen den neuen Verbündeten überlassen werden. 472 überschritt der Ostgotenkönig Theoderich die Donau und eroberte Sirmium. Ihm trat anscheinend der Dux Camundus entgegen. Es könnte jedoch sein, dass dieser damals schon im Rang eines Magister militum (per Illyricum) stand. Das Amt des Dux existierte vermutlich bis zum Ende des 6. bzw. Beginn des 7. Jahrhunderts, als die Provinz von den Awaren und Slawen endgültig überrannt wurde.Über die Einfälle der Barbaren in Pannonien und Moesien und über die Rolle des jüngeren Theodosius bei der Verteidigung der Provinz Moesia I berichten die Chronisten Zosimos (4,16,3), Jordanes Getica 282 und Ammianus Marcellinus (29,6,15 und 16), Jones, Martindale, Morris 1980, S. 256, F. Schwarze 2018, S. 300.

Verwaltungsstab Das Officium (Verwaltungsstab) des Dux umfasste folgende Ämter:Officium autem habet ita:/Sein Stab wie folgt:

Principem de eodem officio, qui completa militia adorat protector (Kanzleileiter, nach Ende seiner Dienstzeit als Leibwächter) Numerarios et adiutores eorum (Zahlmeister und Hilfskräfte) Commentariensem (Buchführer und Rechtskundiger) Adiutorem (Assistent) A libellis siue subscribendarium (Untersekretär und Einlaufstelle) Exceptores et ceteros officiales (Schreiber und andere Beamte)Notitia or.: XLI, 29

Truppen Die Truppenliste (distributio) des Dux wurde nur in der Notitia Dignitatum überliefert, sie gibt wahrscheinlich den Stand um die Jahre 394–395 wider. Laut der Notitia waren die einzelnen Sektoren der Donaugrenze, wie z. B. der des Dux Valeriae ripensis, in Ober- (superioris) und Unterabschnitte (inferioris) unterteilt. Dass dies auch in der Moesia I der Fall war, bestätigen epigraphische Quellen. Die Soldaten der Grenztruppen, wie die der Legio IV Flavia in Singidunum waren nicht mehr ausschließlich auf ihre Stammlager konzentriert, sondern wurden auf diese Abschnitte aufgeteilt, noch bevor die Notitia erstellt wurde.Peter Kovacs: 2004, S. 117, ND or.: XLI, Sub dispositione viri spectabilis ducis Moesiae primae/Zur Verfügung des ehrenwerten Heerführers der Moesia I:

Distributio Numerorum Die Notitia Dignitatum beinhaltet noch die alten Offiziersränge und Organisationsstrukturen aus der ersten Tetrarchie, die offensichtlich bis zum Zusammenbruch des Westreichs gültig blieben. In der Auflistung der dem Dux unterstellten Einheiten wird folgender Offiziersrang genannt:

Praefectus: Dieser Rang (= „mit der Verantwortung betraut“) bezeichnete in der spätrömischen Armee sowohl einen Kommandeur einer Kavallerie- oder Flotteneinheit (praefectus classis) als auch einer Infanteriekohorte. In der Kaiserzeit wurden dieser Rang den Kommandeuren der Hilfstruppenkohorten verliehen, die Offiziere der Kavallerieeinheiten bezeichnete man als praefecti equitum. In der mittleren Kaiserzeit befehligte ein Praefectus Kavallerieeinheiten verschiedener Stärke, ala quingenaria (500 Mann) und ala miliaria (1000 Mann). Letzteres kam eher selten vor. In diesem Fall stand ihr Präfekt rangmäßig über den anderen Hilfstruppenkommandanten. Er wurde meist von Angehörigen des Ritterstandes bekleidet, die zur römischen Oberschicht zählten und über den notwendigen Reichtum und Status verfügten, um größere Truppenkontingente zu befehligen. Während der chaotischen Zustände in der Mitte des 3. Jahrhunderts wurden die Aristokraten aus militärischen Positionen entfernt. Anstelle der senatorischen Legati wurden die Legionen nun von einem praepositus agentes vice legati oder praefectus legionis kommandiert, in die nun auch Männer aus den unteren Gesellschaftsschichten befördert werden konnten. Der militärische Rang wurde im späten 4. Jahrhundert n. Chr. abgeschafft, als die römische Armee noch einmal umorganisiert wurde. Praefecti dienten dann u. a. als Generalquartiermeister am Hof des Kaisers. Unter Konstantin I. dem Großen (312–337) wurden auch die vier Prätorianerpräfekten ihrer militärischen Funktionen enthoben, aber sie behielten ihre Justiz- und Finanzzuständigkeiten und zählten zu den höchsten Amtsträgern der Reichsverwaltung.

Laut der ND Orientum standen dem Dux folgende Einheiten zur Verfügung:sub dispositione