Die Kirche Johannes der Täufer in Bezławki ist ein zum evangelischen Gotteshaus umgewandeltes Wildhaus, das in der Ordenszeit als Verteidigungsanlage genutzt wurde. Die ehemalige Burg Bäslack wurde die Pfarrkirche für das ostpreußische Kirchspiel Bäslack und dient heute im polnischen Bezławki der katholischen Kirche als Filialkirche.

Geographische Lage Bezławki liegt zehn Kilometer südwestlich der Stadt Kętrzyn () am Fluss Deine () in der nördlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Der Standort der Kirche ist der Burghügel im Südwesten des Dorfes. mini|Die zu einer Kirche umgewandelte Burganlage mit dem Kirchturm an der Südseite

Kirchengebäude Eine hölzerne Kirche wurde in Bäslack bereits 1402 erwähnt. Als jedoch die Ende des 14. Jahrhunderts als Wildhaus errichtete Burg Bäslack nicht mehr benötigt wurde, wandelte man sie 1583 in eine evangelische Kirche um.Bezławki - Bäslack bei ostpreussen.net Sie bestand aus einem rechteckigen Nord-Süd-Bau,Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 78, Abb. 288, 289 der früher zwei Stockwerke hatte und in den dann in Höhe des ehemaligen Wehrgeschosses eine Balkendecke eingezogen wurde. mini|150px|Der Nordgiebel aus der Ordenszeit mini|150px|Das Hoftor aus der Ordenszeit mit dem Giebel von 1583 Mehr als 140 Jahre hatte die Kirche keinen Turm, wurde der doch erst zwischen 1726 und 1730 als Fachwerkturm an der Südseite errichtet. Die ordenszeitliche Architektur ist am nördlichen Giebel erhalten, Reste des Südgiebels sind noch am Turm vorhanden. Im obersten Stockwerk erkennt man einen Wehrgang.

Das Hoftor stammt noch aus der Ordenszeit, sein giebelartiger Aufbau wohl von 1583. Vor der Südfront befindet sich eine große Findlingsmauer. Sie gilt als die einzige erhaltene Mauer der kleinsten Wehranlage des Ordens.

1884 fand eine grundlegende Renovierung des Bauwerks statt. Das Kircheninnere veränderte man vollständig, anstelle der Balkendecke setzte man ein Tonnengewölbe ein. Aus dieser Zeit stammen auch die Vorhalle an der Hofseite und die Sakristei an der Südwestseite. Die Kirche ist unterkellert. Der Keller unter dem Chor diente als Krypta.

1988 wurde die Kirche restauriert. Sie dient seit den 1970er Jahren der römisch-katholischen Kirche als Gotteshaus, das nunmehr Johannes dem Täufer gewidmet ist.

Zu den alten vorreformatorischen Ausstattungsgegenständen gehörte eine Johannesfigur aus der Zeit um 1440. Teile einer Kreuzigungsgruppe wurden den Sammlungen im Königsberger Schloss zugeführt. Die Glocke und eine Tafel für die Gefallenen der napoleonischen Kriege sind noch vorhanden.

Die Orgel wurde 2004 an die Johanneskirche Kętrzyn überstellt.

Kirchengemeinde Eine Kirche bestand in Bäslack bereits in vorreformatorischer Zeit. 1402 wurde ein hölzernes Kirchengebäude erwähnt, und 1480 der Pfarrer Johannes Tolk, der das Bäslacker Kirchspiel mit den Orten Wilkendorf (), Laxdoyen (Łazdoje), Wangotten (Wanguty), Pastern (Pasterzewo) und Adlig Stumplack (Stąpławki) betreute.

Evangelisch Geschichte Mit der Einführung der Reformation 1525 wurde die Kirche in Bäslack evangelischWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 472. Ab 1583 stand ihr die zum Gotteshaus umgewandelte Burg zur Verfügung. 1867 zählte das Kirchspiel Bäslack 2945 Gemeindeglieder, 1925 waren es noch etwa 2000. In Anbetracht zahlreicher polnischer Kirchenglieder wurde noch bis in das 19. Jahrhundert hinein in polnischer Sprache gepredigt. Die Pfarrei Bäslack gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Rastenburg (polnisch Kętrzyn) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung schwächten das Leben der evangelischen Gemeinde des nach 1945 „Bezławki“ genannten Dorfes. Heute gehören die hier lebenden evangelischen Einwohner zur Johanneskirche Kętrzyn in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Bäslack zahlreiche Dörfer, Ortschaften und WohnplätzeDer * kennzeichnet einen Schulort:

Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name *Bäslack Bezławki *Pötschendorf Pieckowo Bäslackshof Bezławecki Dwór Pötschenwalde Wólka Pieckowska Bärenwinkel Barwik Posewangen Pudwągi Bertienen Bertyny *Pülz Pilec Fischbach Niewodnica Rehstall Stachowizna *Heiligelinde Święta Lipka Skatnick Skatniki Heinrichssorge Henrykowo Spiegels-Korschen Grzybowo Krakotin Krakocin Spiegels-Langheim Śpigiel Laxdoyen Łazdoje Stechernsruh Wólka Pilecka Marienhof Marzenin Stumplackbis 1928: Adlig Stumplack Stąpławki Ottoswalde Staniewo Wangotten Wanguty *Pastern Pasterzewo *Wilkendorf Wilkowo

Pfarrer An der Kirche Bäslack amtierten bis 1945 als evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreussisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 19: Jacob Willamowius, um 1590 Albert Bartholomäi, bis 1607 Michael Andreä, ab 1608 Matthias Boretius, 1656–1668 Georg Mauritius, 1668–1677 Johann von Sehren, 1668–1689 Georg Gelenius, ab 1677 Sebastian Andreä, 1689–1710 Johann Zwalick, 1697–1710 Johann Faber, 1710–1717 Stephan Neumann, 1710–1732 Albert Wengorowius, 1717–1732 Michael Pisanski, 1733–1738 Christian Krupinski, 1739–1777 Johann Ernst Uklanski, 1777–1799 Johann Friedrich Nippa, 1800–1824 Gottlieb Skupch, 1824–1826 Friedrich Porrmann, 1826–1867 Karl August Wilhelm Gayk, 1848–1852 Adam Krolczyk, 1852–1853 Otto Hartmut Czygan, 1853–1859 Carl Gustav Friedrich Sterz, 1859–1901 Karl Philipp Albert Sterz, 1901–1936 Konrad Heckel, bis 1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern des Kirchspiels Bäslack sind erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, S. 23:

Taufen: 1852 bis 1944 Trauungen: 1869 bis 1944 Begräbnisse: 1878 bis 1879, 1885 bis 1944.

Außerdem liegt eine Liste der Gefallenen 1941 bis 1944 vor.

Katholisch Im Gebiet des Kirchspiels Bäslack lebten vor 1945 nur wenige Katholiken. Sie waren bis 1937 in die Pfarrei Heiligelinde (), danach in die Pfarrei Wilkendorf (Wilkowo) im damaligen Bistum Ermland eingegliedert.Bäslack bei GenWiki Nach 1945 zogen zahlreiche polnische Neubürger hierher, die fast ausnahmslos katholischer Konfession waren. Von der Pfarrei in Wilkowo betreut, nutzten sie ab Ende der 1970er Jahre die bisher evangelische Kirche als Gotteshaus, das sie 1988 einer umfangreichen Restaurierung unterzogen. Sie ist nun Filialkirche der Pfarrei in Wilkowo, die zum Dekanat Kętrzyn I im jetzigen Erzbistum Ermland gehört.

Literatur Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 15–17 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 228–229 (Google Books). Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 271–272.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut in den 1580er Jahren Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Johannes-der-Täufer-Kirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Reszel