mini|Logo der Super League (2021) The Super League ( „Die Superliga“), auch European Super League, kurz Super League, ab 2024 auch Unify League, ist ein geplanter Wettbewerb für europäische Fußball-Vereinsmannschaften der Herren. Er soll die Wettbewerbsfähigkeit des Profifußballs verbessern und als offenes Format ohne feste Mitglieder realisiert werden.
Die Super League wurde im April 2021 von zwölf Fußballvereinen aus England (FC Arsenal, FC Chelsea, FC Liverpool, Manchester City, Manchester United, Tottenham Hotspur), Italien (AC Mailand, Inter Mailand, Juventus Turin) und Spanien (FC Barcelona, Atlético Madrid, Real Madrid) angestoßen. Ursprünglich sollte eine Liga errichtet werden, für die sich neben 15 dauerhaften Mitgliedern fünf weitere Mannschaften für je eine Saison qualifizieren können sollten. Als Motive der Vereine wurden hauptsächlich finanzielle Interessen diskutiert, da sie die bisherige Vermarktung der UEFA Champions League als nicht ausreichend ansehen. Die Spiele hätten ebenfalls in der Woche stattfinden sollen, da die Vereine weiterhin in ihren nationalen Ligen zum Wochenende antreten wollten.
Nach massiver Kritik von Verbänden, Vereinen, Spielern und Fans zogen sich die meisten Klubs vom Projekt zurück. Im Oktober 2021 führte dies zur Änderung der Super League als offene Liga mit zwei Spielklassen aus jeweils 20 Vereinen, die dennoch in Konkurrenz zur Champions- und UEFA Europa League stehen soll. 2022 nahmen die Partner einen neuen Anlauf: 2023 wurde ein angepasstes Konzept vorgestellt, das mehrere Spielklassen mit 60 bis 80 Teams enthielt.
Spanische Gerichte hatten FIFA und UEFA untersagt, die Entwicklung der Super League zu behindern. Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg urteilte im Dezember 2023 ebenfalls, dass die UEFA eine solche Liga nicht unterbinden dürfe.
Vorgeschichte Erste Pläne (1980er-Jahre) 1988 legte Alex Fynn, der damals bei der Werbeagentur Saatchi & Saatchi arbeitete, anlässlich der Vorstellung eines Fußball-Jahrbuchs in Großbritannien einen Zehn-Punkte-Plan vor, mit der der damals kriselnde Fußball modernisiert werden solle. Er schlug vor, dass die führenden Vereine des Kontinents in einer europäischen Superliga spielen sollten. Nachdem Fynn den damaligen Besitzer der AC Mailand, Silvio Berlusconi, für seine Idee gewonnen hatte, wurde der UEFA ein Konzept präsentiert, das den damaligen Europapokal der Landesmeister reformieren sollte, unter anderem durch eine Modusänderung weg vom K.-o.-System hin zur Einführung von Gruppen.
Die UEFA lehnte zunächst ab. Nachdem Berlusconi auch andere Klubs wie Real Madrid über seine Pläne informiert und damit den Druck auf die UEFA erhöht hatte, setzte diese zur Saison 1992/93 dann einen Großteil der Forderungen um, benannte den Europapokal der Landesmeister in UEFA Champions League um und reformierte den Wettbewerb grundlegend, um eine Abspaltung der Top-Vereine zu verhindern. In der Folge wurde die UEFA immer wieder unter Druck gesetzt. Ende der 1990er-Jahre wurden Pläne der italienischen Werbefirma Media Partners bekannt, die vorsahen, dass sich die 16 wichtigsten europäischen Vereine von der UEFA abspalten. Erneut wurde gegengesteuert, die Teilnehmerzahl der Champions League von 24 auf 32 erhöht und die Begrenzung von einem teilnehmenden Verein je Nation aufgehoben.
Verschiedene Investoren (2016) Nachdem es einige Zeit keine neuen Absichten hinsichtlich einer Super League gegeben hatte, wurden im Frühjahr 2016 gleich mehrere Pläne verschiedener Investoren bekannt. Der chinesische Bauträger Dalian Wanda Group etwa gab bekannt, eine Konkurrenz zur Champions League zu planen, mit oder ohne Beteiligung der UEFA. Der Präsident der European Club Association (ECA) Karl-Heinz Rummenigge schloss kurz zuvor bereits nicht aus, „dass man in Zukunft eine europäische Liga gründet, in der die großen Teams aus Italien, Deutschland, England, Spanien und Frankreich spielen, ob von der UEFA oder privat organisiert“. Etwa im selben Zeitraum beriet sich der US-amerikanische Milliardär Stephen M. Ross mit fünf Klubs der englischen Premier League über die Gründung einer European Super League.
Wie ernst diese Überlegungen waren, oder ob es sich nur – wie von einigen Beobachtern vermutet – um eine Drohkulisse gegenüber der UEFA handelte, die Champions League finanziell weiter lukrativer zu machen, war unklar. Zur Saison 2018/19 bekamen die Vereine aus den wichtigsten europäischen Ligen jedenfalls weitere Planungssicherheit, denn England, Spanien, Deutschland und Italien wurden erstmals vier sichere Startplätze (statt wie bisher drei) zugesichert.
Veröffentlichung in Football Leaks (2018) Aus 2018 veröffentlichten Dokumenten der Enthüllungsplattform Football Leaks ging hervor, dass die Einführung einer Super League konkret bevorstehen sollte. Demnach war eine Durchführung der European Super League ab der Spielzeit 2021/22 geplant. Die Liga sollte privat von einer spanischen Firma betrieben werden, an der die teilnehmenden Clubs Anteile halten würden. Eine Zusammenarbeit mit der UEFA war nicht geplant.
Unter den Gründungsmitgliedern seien demnach elf Topklubs, unter anderem auch der FC Bayern München. Karl-Heinz Rummenigge bekräftigte allerdings, dass man zur Mitgliedschaft in der Bundesliga und, „solange ich Vorstandvorsitzender des FC Bayern bin, auch zu den von UEFA und ECA gemeinsam organisierten Klub-Wettbewerben“ stehe. Hans-Joachim Watzke bestätigte Gespräche über eine Super League, schloss eine Teilnahme allerdings aus, sollte damit das Ausscheiden von Borussia Dortmund aus der Bundesliga verbunden sein.
Plan einer European Premier League (2020) Der FC Liverpool und Manchester United planten ein neues Projekt, wie im Oktober 2020 bekannt wurde. Die „European Premier League“ sei als Turnier geplant, das von der FIFA unterstützt werden soll. Das Projekt sollte die nationalen Ligen jedoch nicht ersetzen, sondern ein zusätzliches Ereignis sein. Geldgeber sollten das Turnier wohl mit fünf Milliarden Euro unterstützen.
Ankündigung Mitglieder Am 18. April 2021 kündigten zwölf europäische Fußballvereine einen Wettbewerb namens „The Super League“ an. In der Deloitte Football Money League, einer Liste der umsatz- und einnahmenstärksten Fußballvereine, belegen sie seit Jahren einen der vorderen Plätze. Land (nationale Liga) Mitglied Stadt Champions-League-Titel Letzte Champions-League-Teilnahme Mehrheitseigner Deloitte Football Money LeagueDeloitte Sports Business Group: Football Money League (January 2021) (Premier League) FC Arsenal London keine 2016/17 11 FC Chelsea London 1 (2012) 2020/21 8 FC Liverpool Liverpool 6 (zuletzt 2019) 2020/21 5 Manchester City Manchester keine 2020/21 6 Manchester United Stretford-Old Trafford 3 (zuletzt 2008) 2020/21 4 Tottenham Hotspur London keine 2019/20 9 (Serie A) AC Mailand Mailand 7 (zuletzt 2007) 2013/14 30 Inter Mailand Mailand 3 (zuletzt 2010) 2020/21 14 Juventus Turin Turin 2 (zuletzt 1996) 2020/21 10 (Primera División) FC Barcelona Barcelona 5 (zuletzt 2015) 2020/21 eingetragener Verein 1 Atlético Madrid Madrid keine 2020/21 13 Real Madrid Madrid 13 (zuletzt 2018) 2020/21 eingetragener Verein 2
Vor der ersten Saison sollen noch drei weitere bisher nicht feststehende Vereine als Gründungsmitglieder fungieren.
Organisation In der Ankündigung vom 18. April wurden einige grobe Pläne und Strukturen publiziert. Demnach sollen die Gründungsvereine für die Organisation der Liga selbst verantwortlich sein, wobei die eigens für die Super League gegründete und Real Madrid nahestehende Firma European Super League Company, S.L. die Liga vermarkten soll.
Folgende Führung der Super League wurde bekannt gegeben: Funktion Name Anmerkung Seit Präsident Präsident von Real Madrid 2021 Vizepräsident Präsident von Juventus Turin 2021 Vizepräsident Eigentümer von Manchester United 2021
Modus Die 15 Gründungsmitglieder wären nach den Plänen dauerhaft zur Teilnahme an der Super League berechtigt, unabhängig vom Abschneiden in den nationalen Ligen. Die an keine sportlichen Bedingungen geknüpfte Teilnahmeberechtigung an einem regelmäßig durchgeführten Wettbewerb würde im europäischen Profifußball einen einmaligen Vorgang darstellen.
Neben diesen 15 Mitgliedern sollen sich 5 weitere Mannschaften für den Wettbewerb qualifizieren können, wobei die Kriterien dazu nicht bekannt sind, auch der Starttermin wurde von den Verfassern der Ankündigung nicht genannt. Die 20 Teams sollen dann in zwei 10er-Gruppen in Hin- und Rückspiel gegeneinander antreten, gefolgt von einer K.-o.-Phase, ebenfalls mit Hin- und Rückspielen, mit dem abschließenden Finale an einem neutralen Ort. Insgesamt sind 193 Spiele pro Saison veranschlagt. Die Spiele sollen unter der Woche stattfinden, um „den Ablauf der nationalen Ligen nicht zu beeinträchtigen“.
Finanzen Die Gründungsmitglieder erhoffen sich „ein deutlich größeres Wirtschaftswachstum und eine Unterstützung für den europäischen Fußball“.
Die US-amerikanische Bank JPMorgan Chase kündigte an, die Super League mit 3,5 Milliarden Euro, die für die Entwicklung der Infrastruktur der Vereine und zur Abfederung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie vorgesehen sein sollen, zu finanzieren.Investmentbank finanziert Super League. kicker.de, 19. April 2021, abgerufen am 19. April 2021.Meike Schreiber: Super League und JP Morgan. Die Bank hinter den umstrittenen Fußball-Plänen. SZ.de, 20. April 2021, abgerufen am 20. April 2021. Um Steuern zu vermeiden war die Absicht, die Gelder der Morgen Chase Bank auf einer luxemburgischen Gesellschaft abzulegen, die wiederum über eine weitere Firma von einer niederländischen Stiftung gehalten worden wäre. Auch die Einnahmen sollten nach Luxemburg, das neben den Niederlanden als Steuerparadies gilt, fließen.
Acht Prozent der Fernseheinnahmen, mindestens 400 Millionen Euro, sollten laut Vertrag jährlich für Solidaritätszahlungen und wohltätige Zwecke ausgegeben werden.
Ausstieg Die Vereine hatten sich mit einem Vertrag verpflichtet, 23 Jahre lang in der Super League zu spielen. Jedes Jahr seien inklusive Zinsen 264 Millionen Euro an JPMorgan zu erstatten, womit JPMorgan Chase 6,1 Milliarden Euro erhalte. Laut einer Schätzung von Insidern hätte ein Super-League-Klub bis zu 700 Millionen Euro pro Saison erhalten können.
Bei einem Vertragsausstieg beziehungsweise Ligaausstieg sei laut Vertrag eine Einmalzahlung von 150 Millionen Euro durch den aussteigenden Sportclub zu zahlen. Darüber hinaus sei die Hälfte der Einnahmen aus der letzten Super-League-Saison abzugeben und der bis dahin erhaltene Kredit-Betrag an die Morgan-Chase Bank zurückzuzahlen.
Motto
Weitere Entwicklungen Rückzug der Vereine