mini|Blick auf Kirche und Schloss
Schauenstein ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Hof und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Schauenstein.
Geografie Geografische Lage Schauenstein liegt am östlichen Rand des Naturparks Frankenwald. Der Hauptort Schauenstein erhebt sich östlich der Selbitz, die Gemeindeteile Volkmannsgrün und Uschertsgrün werden von der Selbitz durchflossen. In Schauenstein gibt es das Geotop Augengneisfelsen.
Gemeindegliederung Es gibt 18 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen Stand 31. Dezember 2006 angegeben):
Auf dem Gemeindegebiet liegen die Wüstungen Eselsgütlein, Grub, Lauterbach, Reuschen, Schönberg und Wüstengrün.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Haidengrün, Neudorf, Schauenstein, Volkmannsgrün und Windischengrün. Die Gemarkung Schauenstein hat eine Fläche von 4,179 km² und ist in 1712 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2440,90 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Dorschenhammer, Hagenmühle, Kleinschmiedenhammer und Lehstenmühle.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung mini| Im Jahre 1230 wurde der Ort als „Schåwinstein“ erstmals urkundlich erwähnt. Das Grundwort ist , das Bestimmungswort ist . Der Ortsname bezeichnet also eine Burg, von der man einen weiten Ausblick hat.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 197f.
1291 erfolgte die Stadterhebung unter den Rittern von Wolfstriegel. Diese verkauften 1386 den Ort an die Burggrafen von Nürnberg.Heinrich Gradl: Regesten der von Zedtwitz, Berlin 1884, S. 28, abgerufen am 5. Mai 2014 (PDF; 2,69 MB). Das Oberamt Schauenstein gehörte ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis.
1622 war hier eine Kippermünzstätte in Betrieb.
Zur Realgemeinde Schauenstein gehörten Dorschenhammer, Hagenmühle, Kleinschmiedenhammer und Lehstenmühle. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Schauenstein aus 86 Anwesen, einem Amtshaus, einer Kirche und einer Schule. Die Hochgerichtsbarkeit hatte das bayreuthische Vogteiamt Schauenstein. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatten das Vogteiamt Schauenstein und der Bürgermeister und Rat Schauenstein gemeinsam inne. Grundherren waren das Kastenamt Kulmbach (2 Häuser, 2 Tropfhäuser) und der Bürgermeister und Rat Schauenstein (82 Häuser).M. Körner: Naila, S. 303.
Von 1797 bis 1810 unterstand Schauenstein dem Justiz- und Kammeramt Hof. Infolge des Ersten Gemeindeedikts wurde 1812 der Steuerdistrikt Schauenstein gebildet. Zu diesem gehörten Dorschenhammer, Hagenmühle, Kleinschmiedenhammer, Lehstenmühle, Uschertsgrün und Windischengrün. Zugleich entstand die Munizipalgemeinde Schauenstein (Magistrat III. Klasse) mit den Orten Dorschenhammer, Hagenmühle, Kleinschmiedenhammer und Lehstenmühle. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Naila zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Lichtenberg (1919 in Finanzamt Lichtenberg umbenannt, seit 1955 Finanzamt Naila). Ab 1862 gehörte Schauenstein zum Bezirksamt Naila (1939 in Landkreis Naila umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Naila (1879 in Amtsgericht Naila umgewandelt). 1964 hatte die Gemeinde eine Fläche von 4,184 km².
mini|Schulkinder im DP-Lager Schauenstein 1946 Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gehörte Schauenstein zur Amerikanischen Besatzungszone. Die amerikanische Militärverwaltung richtete ein DP-Lager ein zur Unterbringung jüdischer Displaced Persons (DP). Tausende waren aus Polen und Osteuropa wegen antisemitischer Exzesse in den Schutz der westlichen Alliierten geflohen. Das Lager wurde von einem Team der UNRRA betreut. In einer ehemaligen Baumwollzwirnerei wurde ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Der SS-Arzt Josef Mengele, der ohne Papiere unterwegs war und falsche Namen benutzte, war dort im Sommer 1945 für einige Wochen interniert.Elfriede Schneider: Ein Kriegsverbrecher in Schauenstein In: Frankenpost. 27. Januar 2014, S. 3.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Neudorf und Volkmannsgrün eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Haidengrün und Windischengrün hinzu.
Ausgliederungen Am 1. Mai 1978 wurde Günthersdorf mit damals etwa 40 Einwohnern an die Nachbarstadt Helmbrechts abgetreten.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 2281 auf 1922 um 359 bzw. um 15,7 %. Am 31. Dezember 1992 hatte Schauenstein 2470 Einwohner.
Gemeinde Schauenstein Jahr 1819 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2007 2010 2015 2022Einwohner 700 887 997 1049 1139 1284 1343 1317 1317 1222 1147 1079 1126 1109 1019 1065 1088 1206 1824 1879 1694 1571 2337 2102 2044 1977 1878HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2022 werden diese als Wohngebäude bezeichnet. 133 140 136 142 156 211 286 721 737 747Quelle Für die Gemeinde Schauenstein inklusive Heinrichsdorf (S. 48).
Ort Schauenstein Jahr 1819 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2006Einwohner 700 1008 1244 1282 1048 1012 1812 1664 1528 1344 1313Häuser 135 137 145 201 280 417 Quelle
Politik Bürgermeister Am 15. März 2020 wurde Florian Schaller (CSU) zum Ersten Bürgermeister gewählt. Das Amt trat er am 1. Mai 2020 an. Vorgänger waren ab 2011 Peter Geiser (ÜWG) und zuvor Volker Richter (ÜWG), der 2011 im Amt verstarb.
Stadtrat Die letzten Kommunalwahlen führten zu den folgenden Sitzverteilungen im Stadtrat:
2002 2008 2014 2020 CSU 3 3 4 7 SPD/Wählergemeinschaft (WG) 5 4 4 2 Überparteiliche Wählergemeinschaft (ÜWG) 6 7 6 5 Summe 14 14 14 14
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-schwarz.
Partnerschaft Mit der Gemeinde Wieselburg-Land in Niederösterreich besteht eine Partnerschaft.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Kirche vom Marktplatz aus gesehen, mit Schloss im Hintergrund
Bau- und Bodendenkmäler St. Bartholomäus (Schauenstein)
Museen Im Gemeindeteil Neudorf befindet sich das Weberhausmuseum. Das Schloss im Hauptort Schauenstein beherbergt neben einem Heimatmuseum (Museumsleiter Walter Köppel) das Oberfränkische Feuerwehrmuseum.
Gedenkstein Auf dem Ortsfriedhof erinnert ein Grabfeld mit Gedenktafel an 31 KZ-Häftlinge, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden und dort begraben sind.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 191.
Naturdenkmäler Die Felsgebilde Wachende Jungfrau und Schlafender Riese gelten als prägende Naturgebilde in Schauenstein.
Regelmäßige Veranstaltungen Stadtfest am letzten Mai- oder ersten Juniwochenende Sonnwendfeier und Waldfest des Frankenwaldvereins, zwei Wochen vor dem Schützen- und Wiesenfest Schützen- und Wiesenfest am ersten Juliwochenende (Freitag bis Montag, seit 2012 im zweijährlichen Turnus) Weihnachtsmarkt an der Selbitz (im Gemeindeteil Volkmannsgrün) am dritten Adventssonntag
Verkehr Straße Die Staatsstraße 2195 führt über Volkmannsgrün nach Helmbrechts (5 km südlich) bzw. über Weidesgrün nach Selbitz (4,3 km nördlich). Die Staatsstraße 2693 führt über Neudorf nach Leupoldsgrün und darüber hinaus zur Anschlussstelle 34 der Bundesautobahn 9 (5,5 km nordöstlich). Die Kreisstraße HO 26 verbindet mit Windischengrün (1,4 km westlich) bzw. mit Uschertsgrün (1 km nördlich).
Bahn 1924 wurde die Eisenbahnstrecke Selbitz–Helmbrechts mit dem Bahnhof Schauenstein eröffnet. 1976 wurde der Personenverkehr auf der Strecke Helmbrechts–Selbitz eingestellt.
Persönlichkeiten Georg Kleinschmidt (* 1498 in Schauenstein; † 1556 in Leipzig), Professor der Medizin Hans Michel (* 1889 in Schauenstein; † 1958), Handwerker und Politiker (FDP)
Literatur 750 Jahre Schauenstein – 550 Jahre Stadt. Festwoche vom 24. Juni bis 3. Juli 1972. Programmheft mit Beiträgen zur Geschichte Schauensteins. Schauenstein und seine Ortsteile, Bilder aus vergangener Zeit, Müller, Selbitz 2005.
Weblinks
Stadt Schauenstein
Einzelnachweise
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