mini|Hauptfront (Südfassade) des Waldschlösschens (2017) Das Waldschlösschen ist ein denkmalgeschütztesKulturdenkmale im Themenstadtplan Dresden. Abgerufen am 3. November 2018. Vgl. Liste der Kulturdenkmale in der Radeberger Vorstadt. Gebäude in Dresden im Stadtteil Radeberger Vorstadt. Errichtet nach Plänen eines namentlich nicht bekannten Architekten ab 1800 als Jagdhaus für den einflussreichen sächsischen Hofbeamten Camillo Marcolini, gilt es als frühes Beispiel des Historismus in Sachsen und ältester neogotischer Bau Dresdens. Es wurde zum Namensgeber unter anderem der benachbarten Waldschlößchen-Brauerei, des Waldschlösschenviertels und der Waldschlößchenbrücke. Nach zwischenzeitlicher Nutzung zu Wohnzwecken verfiel das Gebäude in den 1990er und 2000er Jahren. Seit einer Sanierung von 2009 bis 2013 gehört es zu einer privaten Fachklinik für psychosomatische Medizin.

Standort mini|Waldschlösschen (oben, Mitte) am nördlichen Ende des von großen Bürogebäuden der 1990er Jahre geprägten Waldschlösschen-Areals Das Waldschlösschen steht rechtselbisch 3,5 Kilometer nordöstlich des Altmarkts am äußeren Rand des Dresdner Vorstadtgürtels. Es befindet sich am Nordrand des nach ihm benannten Waldschlösschenviertels bzw. -Areals im Osten der Radeberger Vorstadt Dresdens und damit im äußersten Osten der Gemarkung Neustadt. Sein von Bäumen umgebener Standort liegt mehrere Meter über Straßenniveau auf einem Sandhügel am Rand der Heidesandterrasse (Mittelterrasse) auf etwa , etwas oberhalb der hier in Richtung Westen sanft auslaufenden Dresdner Elbhänge.

Unmittelbar nördlich des Gebäudes mit der Adresse Radeberger Straße 60 mündet die Charlotten- in die Radeberger Straße ein, wobei die andere Straßenseite bereits zur Albertstadt (Jägerpark) zählt. Die Straße Am Waldschlößchen verläuft unmittelbar östlich, der Sudhausweg südlich des Hügels, auf dem das Waldschlösschen steht. Die meisten Gebäude in der Nachbarschaft sind in ihren Abmessungen deutlich größer als das Waldschlösschen, so die sich westlich anschließenden Gründerzeitwohnhäuser in geschlossener Bauweise entlang der Radeberger Straße, die südlich benachbarten modernen Bürogebäude des Waldschlösschen-Areals und die nördlich gelegenen ehemaligen Soldatenwohnhäuser und Kasernen der Albertstadt.

Bauliches mini|Ostfassade des Waldschlösschens Das Waldschlösschen erscheint als repräsentatives Jagdhaus im in Dresden selten anzutreffenden Stil der englischen Neugotik, deutlich angelehnt an die britische Landschlossarchitektur, aber auch mit Anklängen an die Spätgotik im mittelalterlichen Deutschland. Die gotisierenden Formen dienen allerdings nur dem Fassadenschmuck. Das Haus an sich mit seinem rechteckigen Grundriss besitzt hingegen die ruhigen und blockhaften Grundformen des Klassizismus und mit dem großen Saal im Obergeschoss eine Raumanordnung, die eher auf barocken Traditionen beruht. Damit stellt das Waldschlösschen eine eigenwillige, in Dresden recht frühe Architekturform mit historisierenden Elementen dar, worin seine bauhistorische Bedeutung für die Landeshauptstadt und Sachsen liegt. Einst stand das Gebäude frei in der Landschaft, beginnend im 19. Jahrhundert wurden auch die unmittelbaren Nachbargrundstücke nach und nach bebaut.

Der größte Teil des Gebäudes besteht aus einer Fachwerkkonstruktion, die nach außen in weiten Teilen mit einer hellgrau gestrichenen Holzschalung verkleidet ist. Mauerwerk aus Cottaer und Postaer Sandstein vorgeblendet ist hingegen der als Hauptfront anzusprechenden Südfassade, die auf der einstigen Gartenseite in Richtung Elbe liegt, und der an sie angrenzenden ersten von vier Fensterachsen der Seitenfassaden. Das Haus hat zwei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss, das an der mittelsymmetrischen, fünfachsigen Hauptfront in Form eines pittoresken Giebels hervortritt. Dieser bildet den oberen Abschluss eines dreiachsigen Risalits, in dessen Bereich der Sandstein in beiden Vollgeschossen verputzt ist; an den Seiten sowie weitgehend am Giebel ist er dagegen als Sichtmauerwerk ausgeführt.

Typisch gotische Elemente sind unter anderem an den Fenstern anzutreffen. An der Hauptfront sind die beiden seitlichen Fenster im Erdgeschoss mit einem Spitzbogen und sämtliche Fenster im Obergeschoss mit einem doppelten Kielbogen geschlossen, der im Bereich des Risalits mit Kreuzblumen bekrönt wird. Die beiden kleinteilig versprossten Fenster im Erdgeschoss des Risalits haben eine ovale Form, in der sich ein gezogener Vierpass mit schneußenartiger Ornamentik findet. Blendsäulen mit Tellerkapitellen und glockenförmigem Hals, in dieser Form aus der englischen Frühgotik bekannt, flankieren das Hauptportal mit seiner von einem Spitzbogen geschlossenen Tür in der Mittelachse, das vom Allianzwappen des einstigen Hausherrn Camillo Marcolini und seiner irischstämmigen Frau, einer geborenen O’Kelly, bekrönt wird. Oberhalb des Wappens, das sich in anderer Form auch am Palais Brühl-Marcolini in der Dresdner Friedrichstadt findet, schließt als Verdachung ein Ziergiebel das Portal ab, der sich seitlich als Gesims fortsetzt.

Oberhalb eines Frieses aus Dreipassbögen beginnt der Giebel des Dachgeschosses. In ihm sind ebenfalls viele gotisierende Elemente zu finden, darunter Spitzbögen, Dreipässe, Tellerkapitelle und Kreuzblumen. Rechts und links bildet je ein Baldachin den Abschluss des Giebels. Balustraden mit Vierpässen schließen seitlich an den Giebel an und wiederholen sich zudem in der Mitte als Absturzsicherung des Balkons. Typisch gotisch sind zudem die vier Fialen, von denen sich zwei auf dem Giebel und je eine auf den beiden Gebäudeecken befinden. Dem Walmdach sitzen drei mit gotisierenden Formen verzierte Schornsteine auf; in Richtung Ost, Nord und West zeigt je eine Dachgaube. Im Unterschied zur fünfachsigen Hauptfront ist neben den vierachsigen Seitenfronten auch die Rückfront zur Radeberger Straße nur vierachsig, doch auch dort finden sich Fenster mit gotischen Anklängen. Die beiden zentralen Achsen der Rückfront liegen relativ dicht beieinander, die äußeren folgen mit größerem Abstand.

Geschichte Von der Bauzeit um 1800 bis zur Wende mini|hochkant|Camillo Marcolini, Porträt, vor 1814 mini|hochkant|Blick von der Schankwirtschaft in Richtung Dresden, Mitte der 1850er Jahre mini|Brauhaus am Waldschlösschen, 2007 Bauherr des Waldschlösschens war Camillo Marcolini (1739–1814). Der Italiener war einst als Silberpage an den Dresdner Hof gekommen und hatte dort eine steile politische Karriere gemacht. Er stieg erst zum Oberhofmeister, dann zum Geheimrat und Oberkammerherrn und schließlich zum sächsischen Kabinettsminister auf. Er genoss das Vertrauen des Kurfürsten und späteren Königs Friedrich August und war zudem Direktor der Meißner Porzellanmanufaktur sowie Generaldirektor der Dresdner Kunstakademie und der Kunstsammlungen. Im Osten des damals noch weitgehend unerschlossenen Bereichs „Neuer Anbau“, der das einst der Dresdner Heide zugehörige und heute durch die Äußere Neustadt und Radeberger Vorstadt bebaute Stadtgebiet meint, kaufte Marcolini von 1785 bis 1787 Grundstücke auf, um dort ein landwirtschaftliches Mustergut nach englischem Vorbild zu errichten. Das Marcolinische Vorwerk als Zentrum dieses Gutes, zu dem ausgedehnte Wiesen und Felder gehörten, entstand auf dem Gelände der vormaligen Posernschen Kugelgießerei an der Bautzner Straße 96. Das denkmalgeschützte Objekt ist nach mehreren Umbauten noch heute als Marcolinis oder Marcolinisches Vorwerk bekannt (siehe Liste der Kulturdenkmale in der Radeberger Vorstadt).

Von der Anhöhe im nordöstlichen Bereich seiner Ländereien bot sich eine heute als Waldschlösschenblick gerühmte, bis in die neueste Zeit teils von Bebauung freigehaltene Aussicht von Ostnordost entlang der Elbe auf die Innere Altstadt Dresdens. Dort, am Übergang seiner Gärten und Felder zur Dresdner Heide, ließ er seiner Frau Maria Anna O’Kelly und sich das Waldschlösschen als Jagdhaus errichten. Möglicherweise vermittelte seine irischstämmige Gemahlin dabei die englisch-neogotische Formensprache.Gilbert Lupfer et al. (Hrsg.): Architekturführer Dresden. Dietrich Reimer, Berlin 1997, ISBN 3-496-01179-3, S. 124. In der Literatur findet sich häufig die Angabe, das Waldschlösschen sei in der Zeit von 1785 bis 1790 nach Plänen von Johann Daniel Schade gebaut worden. So schrieb etwa der Dresdner Kunsthistoriker Fritz Löffler in seinem Hauptwerk Das alte Dresden, dass Architekt und Bauzeit des Waldschlösschens zwar ungeklärt seien. Jedoch sprächen für Schade, der auch die Künstliche Ruine in Pillnitz schuf und mehrere Baumaßnahmen für Marcolini geleitet hatte, als Urheber mehr Argumente als für Christian Friedrich Schuricht. Löffler vermutete, weil Marcolini das Grundstück 1785 erworben hatte, letztlich fälschlicherweise, dass das Waldschlösschen vor 1790 vollendet war.

Wie dendrochronologische Untersuchungen in der Zeit 2009/10 ergaben, entstand ein erster kleinerer Bau jedoch erst im Jahr 1800 und damit zwei Jahre nach Schades Tod,Carola Nathan: Hinter Gestrüpp verborgen. In: Monumente Online, Ausg. 2/2012. Abgerufen am 3. November 2018. womit der Name des verantwortlichen Architekten weiter ungeklärt ist. Das zunächst eingeschossige Jagdhaus ließ Marcolini bis 1803 in zwei Bauabschnitten um Ober- und Dachgeschoss sowie die Sandsteinfassade erweitern. Um es herum entstand ein Landschaftsgarten, in den es sich staffageartig einfügte. Das Gebäude wurde in seinen Anfangsjahren als „Maison gothique“ (Gotisches Haus) oder „Jagdschlößchen“ bezeichnet. Wie es Marcolini nannte, ist nicht überliefert. Sicher ist aber, dass es spätestens nach wenigen Jahrzehnten aufgrund seiner Lage am Waldrand den Namen Waldschlösschen erhielt. Um 1810 schuf Gottlob Friedrich Thormeyer eine Umriss-Radierung, die zum Bestand des Kupferstichkabinetts Dresden gehört und das äußerlich fertiggestellte Waldschlösschen zeigt, zu dessen Anhöhe ein langer, gerader Weg von der Bautzner Straße führt. Nach Marcolinis Tod im Prager Exil 1814 wurde sein Besitz und damit auch das Gebäude versteigert.

Ab 1829 betrieben seine damaligen Besitzer im Waldschlösschen eine Schankwirtschaft, von der sich eine Aussicht auf Dresden und die Sächsische Schweiz bot, die die Bekannt- und Beliebtheit des Gebäudes erhöhte.Die Societäts-Brauerei zum Waldschlößchen bei Dresden. In: Eduard Sommer: Saxonia, Museum für Sächsische Vaterlandskunde. Bd. 5, Dresden 1841, S. 11 (Digitalisat). Sieben Jahre später gründeten Dresdner Bürger eine der ersten deutschen Aktienbrauereien. Im Oktober 1836 erwarben sie das gesamte Gelände bis zur Bautzner Straße vom damaligen Besitzer Carl Christoph Müller zum Preis von 8500 TalernEtablissement Waldschlößchen-Terrasse. Dresden 1900, S. 7 (Digitalisat). und errichteten dort bis 1838 eine Großbrauerei, die nach dem damals erst reichlich 30 Jahre alten ehemaligen Jagdhaus bald den Namen Societätsbrauerei zum Waldschlößchen bekam. Dabei blieb entlang der Westseite des Komplexes eine Sichtachse zur Bautzner Straße frei. Seither fristet das Waldschlösschen ein Schattendasein im Rücken des mächtigen Brauereiareals mit seinem repräsentativen Schankhaus. Ab Mitte der 1870er Jahre errichtete die Sächsische Armee die Kasernen in der Albertstadt, womit auch das unmittelbare Hinterland des Waldschlösschens bebaut und der Waldrand der Dresdner Heide nach Norden verschoben wurde.